Kompromissfähigkeit: Lässt sie sich lernen?

Sind Sie kompromissfähig? Im Job und auch in der Beziehung gibt es unzählige Situationen, in denen Sie Kompromisse eingehen müssen. Wer dazu nicht in der Lage ist, sondern immer nur seinen Kopf durchsetzen möchte, trifft dabei auch zahlreiche Probleme und ist die Ursache für jede Menge Streit und Frust. Doch Kompromissfähigkeit fällt vielen schwer, was vor allem an einer falschen Einstellung zu den erreichten Ergebnissen liegt. Ohne Kompromisse sind Verhandlungen aber nahezu unmöglich, weshalb Sie lernen müssen, diese einzugehen und die Forderungen und Erwartungen anderer zu respektieren. Klingt leichter, als es in der Praxis ist – vor allem weil es bei der Kompromissfähigkeit einen schmalen Grad zwischen der angestrebten Win-Win-Situation und dem Ausnutzen des Gegenübers gibt…

Kompromissfähigkeit: Lässt sie sich lernen?

Kompromissfähigkeit Definition: Können Sie Kompromisse eingehen?

Kompromissfähigkeit Definition Kompromiss Beispiel Beziehung PsychologieAuf den ersten Blick ist die Definition von Kompromissfähigkeit wenig hilfreich: Sie wird als die Bereitschaft verstanden, in einem Konflikt oder einer Verhandlung Kompromisse einzugehen. Mit einer solch selbsterklärenden Bestimmung des Begriffes ist man einem besseren Verständnis noch kein Stück näher gekommen.

Um Kompromissfähigkeit zu definieren, braucht es deshalb einen genaueren Blick auf Kompromisse. Diese sind das freiwillige gegenseitige Entgegenkommen zweier Parteien, um einen gemeinsamen Mittelweg zu finden. Statt bis zum Schluss unbeirrbar auf dem eigenen Standpunkt zu beharren, rücken beide Seiten zumindest ein Stück weit von ihren anfänglichen Erwartungen und Forderungen ab, um zu einem Ergebnis zu kommen, das alle Beteiligten zufriedenstellt.

Ein einfaches Beispiel für solch einen Kompromiss: Ein Paar möchte gemeinsam in den Urlaub fahren. Der Mann wünscht sich Strand und Meer, um das gute Wetter zu genießen und in der Sonne zu liegen, seine Partnerin möchte hingegen an einen interessanten Ort mit Kultur und Geschichte, um Museen zu besuchen und Städtetrips zu unternehmen. Bleiben beide vollkommen stur, ist der kommende Streit absehbar oder es wird ein Urlaub gebucht, auf den einer der beiden absolute keine Lust hat.

Durch ein wenig Kompromissfähigkeit kann jedoch eine Destination gefunden werden, die sowohl einen schönen Strand als auch spannende kulturelle Erlebnisse zu bieten hat. Der Kompromiss liegt immer irgendwo in der Mitte zwischen den beiden Extremen und gegensätzlichen Forderungen, die am Anfang einer Verhandlung stehen.

Kompromissfähigkeit ist somit die Bereitschaft, die Perspektive des anderen zu akzeptieren und in den eigenen Erwartungen und Forderungen flexibler und entgegenkommender zu sein, wenn der Gegenüber sich ebenfalls dazu bereit erklärt, einen gemeinsamen Mittelweg als beste Lösung zu finden.

Kompromissfähigkeit: Ja, aber bitte mit Grenzen!

Kompromissfähigkeit Kompromiss eingehen Beziehung Partnerschaft viele KompromisseDurchsetzungsvermögen und Beharrlichkeit sind wichtige und durchaus positive Eigenschaften, doch ohne Kompromissfähigkeit werden Sie es dennoch nicht allzu weit bringen. Im Job müssen Sie sich mit dem Chef, Ihren Kollegen oder auch Kunden einigen und müssen in der Lage sein, einen Kompromiss einzugehen. Auch für lange und glückliche Beziehungen gilt Kompromissfähigkeit als einer der wichtigsten Faktoren.

Allerdings sollten Sie es mit Ihrer Kompromissfähigkeit nicht übertreiben oder um es frei nach Paracelsus zu sagen: Die Dosis macht das Gift! Wer bei jeder Gelegenheit nachgibt und sofort viel zu große Zugeständnisse macht, verliert nicht nur die eigenen Ziele und Forderungen aus den Augen, sondern wird von anderen schamlos ausgenutzt. Es spricht für Sie, dass Sie einen Kompromiss finden wollen, doch sollten Sie diesen nicht um jeden Preis eingehen.

Ein Kompromiss muss immer gegenseitig sein, also muss das Ergebnis auch für Sie weiterhin zufriedenstellend und akzeptabel sein. Sobald Sie nur noch versuchen, es dem anderen irgendwie recht zu machen, schlägt die Kompromissfähigkeit ins Negative. Grenzen zu setzen und ab einem bestimmten Punkt Nein zu sagen ist deshalb eine wichtige Eigenschaft für erfolgreiche Kompromissfähigkeit.

So steigern Sie Ihre Kompromissfähigkeit

Kompromisse sind nicht immer einfach. Dies gilt umso mehr, wenn Sie mit sehr klaren Vorstellungen und Erwartungen an eine Sache herangehen, an denen Sie gerne festhalten würden. Solche Situationen wird es auch weiterhin geben, doch können Sie Ihre allgemeine Kompromissfähigkeit steigern und so dafür sorgen, dass Sie in Zukunft eher bereit sind, eine für alle gute Zwischenlösung zu finden.

Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei, Ihre Kompromissfähigkeit zu stärken:

  • Arbeiten Sie an Ihrer Einstellung zu Kompromissen

    Das größte Problem für die Kompromissfähigkeit ist oftmals die Einstellung. Jedes Zugeständnis wird als eigener Verlust betrachtet oder andersherum als Sieg, den der Gegenüber verbuchen kann. Statt auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, resultiert daraus der Versuch, keine Abstriche zu machen und bis zum Schluss mit absoluter Sturheit auf die eigenen Forderungen zu pochen.

    Ändern Sie diese Denkweise und konzentrieren Sie sich mehr auf die Kooperation mit Ihrem Gegenüber, statt diesen als Widersacher zu betrachten, dem Sie absolut nichts gönnen und der seinerseits versucht, Ihnen etwas wegzunehmen. Je mehr Sie auf einen gemeinsamen Dialog setzen, desto stärker wird Ihre Kompromissfähigkeit und desto erfolgreicher die letztlichen Ergebnisse.

  • Beginnen Sie bei weniger wichtigen Dingen

    Um Kompromisse einzugehen, müssen Sie Ihre Prioritäten kennen. Welche Punkte sind für Sie feststehend und nicht verhandelbar? Wovon könnten Sie unter Umständen abrücken? Und welche Aspekte sind eher nebensächlich für Sie? Mit diesem Wissen können Sie gezielt Ihre Erwartungen verfolgen, Grenzen setzen, aber auch ein Entgegenkommen zeigen.

    Gerade am Anfang sollten Sie sich darauf konzentrieren, Kompromisse für Themen zu schließen, die Ihnen nicht ganz so wichtig sind. Es wird Ihnen deutlich leichter fallen, in diesen Punkten Zugeständnisse zu machen, da Sie nicht mit so viel Leidenschaft daran hängen und somit bereit sind, einen Schritt in Richtung von Ihren Gesprächspartner zu machen. Wenn Sie geübter sind, können Sie dazu übergehen, Ihre Kompromissfähigkeit mit schwierigeren Kompromissen weiter zu stärken.

  • Konzentrieren Sie sich auf die Vorteile der Einigung

    Bei einem Kompromiss sollten Sie sich auf die Punkte konzentrieren, die Sie erreicht haben – und nicht nur dem hinterherweinen, was Sie nicht umsetzen konnten. Stellen Sie sich vor, Sie wünschen sich eine Gehaltserhöhung von 500 Euro, Ihr Chef kann Ihnen jedoch lediglich 300 Euro mehr im Monat anbieten. Nun können Sie über diese Einigung frustriert sein oder sich über das zusätzliche Einkommen freuen und Ihren Blick auf die positiven Aspekte richten.

    Wer nur sieht, was nicht geklappt hat, erlebt am Ende jeden Kompromiss als Scheitern und wird sich in Zukunft weiterhin schwer tun, diese einzugehen. Richten Sie Ihr Augenmerk hingegen auf die Vorteile, steigt Ihre Kompromissfähigkeit.

[Bildnachweis: sebra by Shutterstock.com]
17. August 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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