Stille Zeit: Machen Sie jeden Tag eine mentale Pause!

Wir sind einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt. Ständig fordert etwas unsere Aufmerksamkeit, schallt ins Ohr, blinkt vor den Augen. Hinzu kommen anhaltender Stress, teilweise Überforderung, hohe Erwartungen und viele weitere Belastungen. Umso wichtiger ist eine regelmäßige stille Zeit als Ausgleich und Ruhepol. Diese stille Zeit ist buchstäblich gemeint, eine echte Pause in der Kommunikation. Nichts hören, nichts sagen, nichts lesen. Stille pur, konzentrierte Ruhe. Das fällt jedoch vielen schwer und eine stille Zeit muss man auch aushalten können. Gelingt das und die stille Zeit wird kultiviert, bringt diese viele Vorteile. Warum Sie stille Zeit in Ihren Alltag einbauen sollten und wie Ihnen das gelingt…

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Stille Zeit: Machen Sie jeden Tag eine mentale Pause!

Stille Zeit: Nicht sehen, nichts hören, nicht sagen

Stille Zeit? Kein Problem, einfach auf die Couch setzen, gemütlich den Fernseher anmachen und ein paar Serien oder Filme schauen. Das mag durchaus erholsam sein, stille Zeit ist es jedoch nicht. Der wichtige Unterschied: In der stillen Zeit sollen Sie möglichst alle Sinne ausruhen und entspannen.

Oder um es auf den Punkt zu bringen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Wobei nicht sehen in erster Linie einen zusätzlichen Aspekt darstellt, denn stille Zeit ist natürlich auch mit offenen Augen möglich. Die Stille mit geschlossenen Augen oder in Dunkelheit zu genießen, kann die Empfindung jedoch noch verstärken.

In der stillen Zeit entziehen Sie sich möglichst allen äußeren Reizen, kehren in sich selbst ein und hängen Ihren Gedanken nach. Das muss nichts mit Esoterik zu tun haben. Ebenso wenig ist stille Zeit zwangsläufig mit Religion verbunden, auch wenn ein solcher Rückzug auch als Methode genutzt wird, um Gott näher zu kommen oder seinen eigenen Glauben zu erkunden.

Zunächst einmal geht es nur darum, vom stressigen Alltag abzuschalten, Reize außen vor zu lassen und seinem Körper – und insbesondere dem Kopf – ein wenig Stille zu gönnen. Ob Sie die Stille Zeit nun zur persönlichen Selbstreflexion, zur Meditation oder zum stillen Gebet nutzen, bleibt jedem selbst überlassen.

Vorteile: Gute Gründe für stille Zeit im Alltag

Die Idee der stillen Zeit stößt anfangs oft auf Skepsis oder sogar Ablehnung. Die erste Frage lautet oftmals: Was soll das schon bringen? Die klare Antwort: Eine ganze Menge! Es schein nicht viel auszumachen, sich für ein paar Minuten stille Zeit zurückzuziehen, doch sind Experten und Forscher sich längst einig, dass stille Zeit und Pausen für Körper und Geist enorm wichtig sind und zahlreiche Vorteile haben.

Wer die stille Zeit kultiviert, gewinnt nicht nur Energie zurück, sondern auch einen klareren Kopf.

  • Sie erholen sich

    In der stillen Zeit können Sie eine Menge Kraft tanken und Ihre Energiereserven wieder auffüllen. Im Anschluss fühlen Sie sich erholt, haben neuen Elan und stecken voller Tatendrang, um weitere Projekte anzugehen.

  • Sie senken das Stresslevel

    Ein dauerhaft hohes Stresslevel ist nicht nur anstrengend, sondern gefährlich für die Gesundheit. In der stillen Zeit kann Ihr Körper Stresshormone abbauen und so das Risiko für stressbedingte Krankheiten und Probleme reduzieren.

  • Sie steigern die Konzentration

    Regelmäßige Pausen und stille Zeit sorgen für mehr Konzentration im Anschluss. Das menschliche Gehirn kann nicht dauerhaft fokussiert sein, es braucht Auszeiten – ansonsten steigt die Fehlerquote.

  • Sie werden produktiver

    Stille Zeit sorgt für weniger Leistung? Ganz im Gegenteil! Wer sich regelmäßig eine Pause gönnt, steigert damit seine Produktivität und schafft am Ende sogar mehr als die Kollegen, die pausenlos durcharbeiten.

Oft von Experten empfohlen werden mehrere kurze Pausen und stille Zeiten von 5 bis 10 Minuten über den Tag verteilt. Nutzen Sie diese kleinen Auszeiten, um sich zu erholen – kurz, aber intensiv.

BRAC-Prinzip-Pausen

Doch nicht jede Pause ist eine stille Zeit. Gerade im Job verbringen Sie Ihre Auszeiten wohl kaum ganz in Ruhe, sondern in der Kaffeeküche mit Kollegen oder mit dem Smartphone auf den sozialen Netzwerken. Alles nicht verkehrt und kann durchaus entspannen.

Das Gehirn, insbesondere unsere kommunikativen Sinne bekommen dabei keine Pause. Die brauchen sie aber – echte stille Zeit.

Wissenschaftler um Imke Kirste vom Duke University Medical Center konnten inzwischen nachweisen, dass unser Gehirn in der Zeit der Stille neue Zellen im Hippocampus bildet – einer Region, die zentral ist für unser Gedächtnis und das Lernen.

Schon zwei Minuten stille Zeit am Tag reichen aus, um uns in dieser mentalen Pause zu regenerieren. Mehr Ruhe schadet aber auch nicht. Übrigens eine Technik, die schon der Psychiater Carl Jung oder die Schriftstellerin Joanne K. Rowling erfolgreich praktizierten.

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Darum ist eine stille Zeit gar nicht so leicht

Stille Zeit scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich schwierig umzusetzen zu sein. Unterschätzen sollten Sie die Herausforderung jedoch nicht, denn in der Praxis zeigt sich oftmals, dass stille Zeit durchaus eine Herausforderung sein kann.

Das erste Problem: Wirkliche Stille ist gar nicht so leicht zu finden. Lärm, Krach und Geräusche scheinen allgegenwärtig zu sein. Es braucht somit ein Umfeld, in dem Sie sich wirklich zurückziehen können, um Ihre stille Zeit zu praktizieren.

Noch schwieriger ist es für viele jedoch, die stille Zeit aushalten zu können. Schließlich gibt es keine Ablenkungen und so müssen Sie sich mit sich selbst und Ihren eigenen Gedanken auseinandersetzen. Das kann schwer fallen, denn in der stillen Zeit haben Sie auch Gelegenheit, sich mit Dingen und Themen zu beschäftigen, die Sie im Alltag gerne verdrängen und ignorieren.

Zudem kann die stille Zeit anfangs durchaus beklemmend oder gar erdrückend wirken.

Tipps: So klappt die stille Zeit im Alltag

Die gute Nachricht ist: Es braucht nicht viel, um stille Zeit im Alltag zu etablieren. Damit es mit Ihrer stillen Zeit im Alltag klappt, haben wir noch einige Tipps zusammengestellt, die Ihnen bei der Umsetzung helfen können.

  • Nehmen Sie sich bewusst die Zeit dazu

    So wie Sie sich Zeit für eine Pause nehmen, sollten Sie auch diese mentale Auszeit bewusst planen und durchsetzen. Legen Sie vorab einen bestimmten Zeitraum fest oder treffen Sie die bewusste Entscheidung: Jetzt beginnt meine stille Zeit. Ziehen Sie sich dann für fünf bis zehn Minuten zum Beispiel am Nachmittag zurück und halten Sie die stille Zeit ein.

  • Schalten Sie wirklich ab

    Das ist wörtlich gemeint. In der stillen Zeit ist kein Platz für das Smartphone, auch nicht für Telefon, Radio oder andere Geräuschquellen. Kaum etwas ist so wichtig, dass Sie sich nicht auch in ein paar Minuten darum kümmern könnten.

  • Kommunizieren Sie Ihre stille Zeit

    Um wirklich ungestört zu sein, sollten Sie Ihrer Familie oder – falls Sie stille Zeit im Job planen – Ihren Kollegen sagen, dass Sie in diesem Zeitraum bitte nicht gestört werden wollen. So verhindern Sie, dass mitten in Ihrer stillen Zeit die Tür aufgeht oder jemand mit einer Frage zu Ihnen kommt.

  • Schaffen Sie eine Regelmäßigkeit

    Stille Zeit bringt die meisten Vorteile, wenn Sie sich regelmäßig für ein paar Minuten zurückziehen. Versuchen Sie beispielsweise, sich jeden Tag einen Zeitraum von fünf bis zehn Minuten freizuhalten, den Sie für Ihre stille Zeit nutzen können.

[Bildnachweis: Vasilyeva Larisa by Shutterstock.com]
4. Mai 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt mehr als 20 Jahre als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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