Ignoranz: Einfach gute Ideen beerdigen

Zuhören, zulassen, nachdenken, verstehen – all das braucht Ignoranz nicht. Warum auch? Zuhören verlangt Empathie; Zulassen braucht Offenheit; Nachdenken setzt Respekt und Toleranz voraus und Verstehen Intelligenz. Weil die Kombination aus all den Elementen selten und die Umsetzung anstrengend ist, hilft das der Ignoranz enorm bei ihrer Verbreitung. Vor allem im Job. Nur heißt die Ignoranz in zahlreichen Unternehmen nicht so, sondern verkleidet sich als Tradition, versteckt sich hinter Gleichgültigkeit und Desinteresse oder hüllt sich gar in Schweigen…

Ignoranz: Einfach gute Ideen beerdigen

Definition: Was ist Ignoranz überhaupt?

Man sagt, Ignoranz ist die höchste Form der Verachtung. Oder: Ignoranz ist die größte Strafe. Oder: Ignoranz tötet. Und tatsächlich: Viele ignorante Menschen denken, sie wüssten alles – auch über den Beweis des Gegenteils hinaus.

Etymologisch geht der Begriff auf das lateinische Substantiv ignorantia („Unwissenheit“) zurück, das Verb ignorieren stammt indes vom Lateinisch ignorare („nicht wissen“). Das spiegel sich denn auch in den typischen Synonymen für Ignoranz:

  • Missachtung
  • Desinteresse
  • Gleichgültigkeit
  • Ahnungslosigkeit
  • Unwissen
  • Unkenntnis
  • Unwissenheit
  • Nichtwissen

Interessanterweise werden als Synonyme aber auch genannt:

  • Begriffsstutzigkeit
  • Unvernunft
  • Dummheit

Wobei bei Letzteren vermutlich Ursache und Wirkung verwechselt werden. Denn Ignoranz zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass der oder die Betroffene – in der Regel bewusst und absichtlich – etwas nicht wissen, lernen, beachten oder erkennen will.

Ein Ignorant ist jemand, der sich weder um Wissen noch um Erkenntnis bemüht und daher (selbstverschuldet) unwissend und eben dumm bleibt. Es ist die eigene Geisteshaltung des Ignoranten, die ihn daran hindert, klüger zu werden oder die Wahrheit zu erfahren.

Ignoranz Spruch Definition

Die eigene Ignoranz zu ignorieren, ist der Ursprung vieler Meinungsverschiedenheiten. Das passiert immer dann, wenn drei Formen der Ignoranz zusammenkommen, wie sie der amerikanische Soziologe Andrew Abbott von der Universität in Chicago einmal untersucht und beschrieben hat – als Ursprung der Idiotie:

  • Unwissen (weiß nicht): Oder auch Unbildung: Die Betroffenen haben keine Ahnung. Allerdings wird der Mangel an Substanz dann oft mit Vehemenz und Lautstärke ausgeglichen.
  • Unfähigkeit (kann nicht): Die Menschen begreifen einfach nicht, was sie lesen, hören oder sehen. Sie sind unfähig, Fakten zu verstehen, zu ordnen oder einzuordnen.
  • Unwillen (will nicht): Selbst wenn die Betroffenen erkennen, dass Sie falsch liegen, beharren sie auf ihrer Fehleinschätzung, gehen in die Offensive oder werden gleichgültig.

Es gibt in der Psychologie allerdings auch so etwas wie rationale Ignoranz. In dem Fall dient das freiwillige Desinteresse vor allem dem Selbstschutz vor noch größerer Dummheit („Einen solchen Mist ignoriere ich nicht einmal.“) oder vor einer unangenehmen Wahrheit oder gar Straftat.

So entschuldigen sich nicht wenige Top-Manager nach einem veritablen Skandal damit, von all dem nichts gewusst zu haben. Das kann sogar stimmen. Nur stimmt eben auch: Sie hätten jederzeit und auch rechtzeitig davon wissen können – nur haben sie sich bewusst dagegen entschieden.

Ignoranz wird so zur Nichtbeachtung und zum Heldennotausgang aus dem drohenden Knast. Allerdings galt schon der Rechtsgrundsatz im römischen Recht: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!“

Beim Einsatz von Social Media wird wiederum gerne vom ROI gesprochen – dem Return On Invest(ment). Also dem Verhältnis der Ertrags zu den investierten Mitteln, den Kosten. Dabei verweise ich immer wieder gerne auf das Pendant, die oft vergessen COI – die Costs Of Ignorance. Also: Was kostet es mich eigentlich, wenn ich Social Media weiterhin ignoriere? Diese Kosten können tatsächlich weitaus höher liegen als die nötigen Investitionen.

Menschen ignorieren: verletzende Höchststrafe

Menschen ignorierenIgnoranz kann sich gezielt gegen Menschen richten. Das kann sogar eine besonders schwere und boshafte Form des Mobbings sein. Die Folgen der sozialen Ausgrenzung und Isolation sind bei den derart Ignorierten oft schwere Traumata, das Gefühl von Ohnmacht und tiefe Einsamkeit.

In der Tat kann diese persönliche Form der totalen Nichtbeachtung und Gleichgültigkeit enorm zerstörerisch wirken. „Ignoranz und Schweigen sind zwei Waffen, die sehr verletzen können“, lautet ein zutreffendes Bonmot.

Zugegeben, manchmal ist diese Form der Ignoranz eine Reaktion auf eine vorangegangene schwere Verletzung, auf einen Vertrauensmissbrauch, auf eine Enttäuschung im Wortsinn. Man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass das Ignorieren keine Probleme oder Konflikte löst, sondern nur verdrängt. Mehr noch: Es kostet eigene Kraft – die womöglich in der Konfliktbewältigung viel besser investiert wäre.

Ignoranz: Gute Ideen beerdigen leicht gemacht

Auch im Job herrscht reichlich Ignoranz. Allerdings oft im Verborgenen. Schließlich zeugt es nicht gerade von hoher Intelligenz, das eigene Unwissen offen zur Schau zu tragen. Stattdessen tarnen sich ignorante Kollegen und Chefs gerne mit typischen Sätzen, die jede noch so großartige Idee subito beerdigen:

  1. Es ist zu einfach, um wahr zu sein!

    Die einfachsten Lösungen sind oft die besten. Leider glauben viele Menschen (besonders in Deutschland) das genaue Gegenteil: Nur was kompliziert klingt, ist klug und kann klappen. Warum einfach, wenn es auch umständlich geht?! Schön blöd.

  2. Es funktioniert sowieso nicht!

    Wenn Glaube Berge versetzt, kann Zweifel diese aufschütten. Nicht selten lassen sich die Menschen von ihrer Skepsis abschrecken, statt der Idee eine Chance zu geben. Wer nie etwas versucht, wird auch nie etwas erreichen.

    Ignoranz Ablehnung Ausreden Altes Denken Grafik

  3. Es ist nahezu unmöglich!

    Das haben die Ätzer und Neider rund um Kolumbus wohl auch gedacht, als der einen Seeweg nach Indien entdecken wollte. Trotzdem hat er es gewagt. Gut, mit dem ursprünglichen Plan ist er zwar gescheitert – er entdeckte Amerika, nicht Indien. Aber das Ergebnis war letztlich noch besser.

  4. Es gibt noch eine bessere Alternative!

    Die gibt es (fast) immer. So wie die Suche nach selbigen oft nichts weiter ist, als eine Hinhalte- oder Vermeidungstaktik. Und somit blanker Selbstbetrug (oder pure Faulheit).

Ideen-Killer-Bingo: Gleich im Browser anpassen

Auch bei Ihnen im Büro herrscht die Ignoranz – gepaart mit Floskeln und Totschlagargumenten? Dann können Sie mit der folgenden Vorlage im nächsten Meeting entweder Bingo spielen… Oder Sie bauen sich hier gleich Ihr eignes Bullshit-Bingo – direkthier im Browser!

Dazu einfach den Kasten anklicken und die Felder mit eigenem Text überschreiben. Anschließend Screenshot davon machen und ausdrucken. Probieren Sie es aus – einfach und kostenlos!


Danke für die Idee. Aber…Das haben wir auch schon versucht…Geht das bitte auch konkreter?Glaub ich nicht!In diesen Zeiten???
Das hat hier keine Priorität!Das wird sowieso nicht funktionieren.Das Problem daran ist…Sie machen doch nur Spaß, oder?Wen interessiert das schon?
Im Ernst: Das ist Ihr Plan???Braucht niemand!Das klappt nie!Daran sind andere schon gescheitert.
Was soll das schon bringen?Das will keiner!Dafür gibt es keinen Bedarf.In der Theorie vielleicht!Bisher haben wir das auch nicht gebraucht.
Das ist ein Thema für nächstes Jahr.Viel zu teuer!Dafür haben wir kein Geld.Hahaha. Genau…Was Sie vergessen haben…

PS: Falls Sie nochmal neu anfangen wollen – einfach diese Seite neu laden. Dann sind wieder die ursprünglichen Einträge drin.

Ignoranz ignorieren: Machen Sie Ihr Ding!

Mach dein ding SpruchLassen Sie sich von derlei Ignoranz bloß nicht einschüchtern! Zu viel davon lässt zwar den Jobfrust gewaltig wachsen. Und manchmal ist die einzig richtige Reaktion darauf die Flucht in Form eines beherzten Jobwechsels.

Bis dahin aber sollten Sie einen Weg finden, Ihre Ideen dennoch zu realisieren. Denken Sie daran:

Wenn dir jemand sagt: „Das geht nicht“, dann offenbart das seine Grenzen – nicht deine!

Dummheit wiederum kennt zwar auch keine Grenzen, aber viele Ignorante.

[Bildnachweis: Heavypong by Shutterstock.com]
10. Februar 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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