Darum sollten Sie sich von Ideen trennen

Hand aufs Herz: Wie oft beerdigen Sie Ihre eigenen Ideen? Eine ungewöhnliche Frage, zugegeben. In den meisten Jobs geht es ja exakt um das Gegenteil: Wie bekommt man möglichst mehr Ideen? Wie lassen sich Kreativität und Innovationen fördern? Aber genau diesen stehen eben andere Gedanken oft im Wege. Zwar heißt es so schön: Das Bessere verdrängt das Gute. Aber stimmt das auch? Kann sich das Bessere tatsächlich jedes Mal durchsetzen? Oder klammern wir uns in Wahrheit viel lieber an die eigenen Einfälle und Gedanken? Die meisten dürften es im Alltag immer wieder beobachten, wie Einfälle von einst noch lange die Agenda regieren, obwohl sie offiziell längst verworfen wurden. Nur: Warum ist das so?

Darum sollten Sie sich von Ideen trennen

Innovationsbremse Eitelkeit

Ideen werden oftmals wie die eigenen kleine Schätze behandelt, die einem so wertvoll sind, dass man jedes schlechte Wort, jede Kritik von ihnen fernhalten will. Rational ist das sicherlich nicht. Wenn wir Ideen bewerten, spielen in der Regel zwei menschliche Eigenschaften hierbei eine dominante Rolle:

  • Eitelkeit

    Kein kreativer Kopf schätzt es, wenn ausgerechnet seine achso brillante Idee aussortiert und abgeschmettert wird. Verkannte Genies haben die Angewohnheit äußerst hartnäckig und trotzig zu reagieren, und nicht wenige suchen noch tagelang nach einem Weg durch die Hintertür, ihren ursprünglichen Vorschlag im neuen Gewand zu verkaufen.

  • Bequemlichkeit

    Alte Gedanken haben den angenehmen Effekt schon bekannt zu sein. Wir haben uns damit schon auseinandergesetzt, kennen vielleicht sogar die Konsequenzen und haben uns damit arrangiert. Kurzum: Auch wenn sich dadurch etwas verändert, bleiben wir in unserer Komfortzone. Entsprechend gibt es in Unternehmen häufig das Phänomen, dass das neue Rot, eigentlich das alte Schwarz ist – nur in besonders dunkel.

Gute Gründe, sich von seinen Ideen zu trennen

Gute Gründe, sich von seinen Ideen zu trennenEs ist nur menschlich, an seinen Ideen zu hängen. Man ist alleine darauf gekommen, hat versucht, sie zum Erfolg zu führen und hat dabei vermutlich viel Energie und Zeit investiert. Umso verständlicher, dass es schmerzt, sich von solch einer Idee zu trennen. Das macht es jedoch nicht weniger notwendig, denn es gibt gute Gründe, die eigenen Ideen wieder zu vergessen – egal, wie lieb man sie gewonnen hat.

  • Nicht jede Idee ist ein toller Einfall. Niemand möchte es einsehen, doch gelegentlich hat jeder auch einmal schlechte Ideen, die zum Scheitern verurteilt sind. Daher ist es unerlässlich, sich selbst zu hinterfragen, diese schlechten Ideen zu erkennen und schnellstmöglich auszusortieren.
  • Sie denken nur noch in eine Richtung. Leider passiert es immer wieder, dass man sich in einer Idee verrennt, krampfhaft daran festhält und jedes Feedback ignoriert. Stattdessen wird immer weiter – in die falsche Richtung – geschuftet, anstatt den eigenen Fehler zu erkennen.
  • Innovationen wird keine Chance gegeben. So hart es klingt: Alte Ideen bringen keine neuen Erkenntnisse. Neuerungen bleiben aus, wenn jeder sich nur darauf besinnt, was ihm schon einmal eingefallen ist. Wollen Sie etwas vorantreiben, sollten Sie sich zunächst von alten Ideen trennen, um den Kopf frei zu machen für neue Ansätze.

Von Ideen trennen: So geht’s!

Der dritte Bremsklotz ist das Ideenmanagement selbst. Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter. Und die meisten Mitarbeiter wissen instinktiv (wenn nicht gar offiziell), dass die Urheber zündender Ideen mit Belobigungen, Prämien oder gar Beförderung rechnen dürfen. Umgekehrt wird keiner dafür honoriert, dass er sich von seiner Idee getrennt und aus dem Fehler gelernt hat.

Also passiert das: Solange es geht, versucht jeder möglichst viele seiner kreativen Impulse in einen Erfolg zu verwandeln – und sei es nur anteilig – mit dem Effekt, dass nie so richtig Platz für völlig neue und vielleicht sogar radikale Gedanken ist.

Ein Dilemma. Sogar ein richtig großes. Denn um es zu lösen, gibt es nicht viel.

  • Manchmal reicht schon das Wenige: Sorgen Sie für ein Klima, das nicht nur die Urheber guter Ideen belohnt, sondern auch den Grad wie die Teammitglieder diese anschließend gemeinsam (!) umsetzen.
  • Feiern Sie Irrtümer genauso wie Innovationen – vorausgesetzt, alle haben daraus etwas gelernt und lassen die Erfahrung hinter sich.
  • Und: Sobald eine Entscheidung gefallen ist, formieren Sie die Kräfte neu. So bekommen Eitelkeiten erst gar keine große Bühne.

Mit anderen Worten: Trennen Sie sich häufiger von Ideen – auch den eigenen. Das fällt nicht immer leicht, führt aber in der Regel oft zu besseren Einfällen.

Nur eine Bitte: Wenn Sie sich von alten Ideen verabschieden, dann möglichst nicht so wie in diesem Ideenkiller-Bingo. Das würgt sonst ebenfalls Innovationen ab und killt überdies noch die Motivation der Mitarbeiter…

Das Ideenkiller-Bingo

Bei Ihnen im Job herrscht ein rauer Ton, Ideen werden im Keim erstickt – mithilfe von Totschlagargumenten?

In dem Fall hilft vielleicht nur noch Humor. Bauen Sie sich hier ein kleines Ideen-Killer-Bingo – direkt im Browser – und spielen Sie es im nächsten Meeting! Um die Phrasen auf Ihre Firma anzupassen und zu editieren: einfach den Kasten anklicken und die Felder mit eigenem Text füllen. Anschließend Screenshot davon machen und ausdrucken.

Probieren Sie es aus…


Danke für die Idee. Aber…Das haben wir auch schon versucht…Geht das bitte auch konkreter?Glaub ich nicht!In diesen Zeiten???
Das hat hier keine Priorität!Das wird sowieso nicht funktionieren.Das Problem daran ist…Sie machen doch nur Spaß, oder?Wen interessiert das schon?
Im Ernst: Das ist Ihr Plan???Braucht niemand!Das klappt nie!Daran sind andere schon gescheitert.
Was soll das schon bringen?Das will keiner!Dafür gibt es keinen Bedarf.In der Theorie vielleicht!Bisher haben wir das auch nicht gebraucht.
Das ist ein Thema für nächstes Jahr.Viel zu teuer!Dafür haben wir kein Geld.Hahaha. Genau…Was Sie vergessen haben…

PS: Und wenn Sie nochmal neu anfangen wollen – einfach diese Seite neu laden. Dann sind wieder die ursprünglichen Einträge drin.

[Bildnachweis: Jane Kelly by Shutterstock.com]
10. Januar 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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