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Design Thinking: Phasen, Beispiel + Vor- & Nachteile

Neue, kreative Ideen und nutzerorientierte Problemlösungen sind für Unternehmen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Design Thinking soll genau dabei helfen. Die Methode gehört zu den Kreativitätstechniken und soll einen strukturierten Ablauf in die Ideenfindung bringen. Wir erklären, wie Design Thinking funktioniert und zeigen, welche Vor- und Nachteile das Konzept hat…



Design Thinking: Phasen, Beispiel + Vor- & Nachteile

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Was ist Design Thinking?

Design Thinking ist ein dynamischer und iterativer Prozess, um neue Ideen zu generieren oder Lösungen zu vorhandenen Problemen zu entwickeln. Der klare Ablauf ermöglicht strukturiertes Vorgehen. Zentrales Merkmal im Design Thinking ist die Nutzer-, Anwender- oder Kundenperspektive. Es sollen Ansätze entwickelt werden, die Erwartungen von Kunden bestmöglich erfüllen und den größten Nutzen haben.

Entwickelt wurde die Kreativitätstechnik von Wissenschaftlern an der Stanford University in Kalifornien. Vorläufer reichen bis in die 1960er Jahre zurück, 1991 wurde dann die Innovationsagentur IDEO gegründet, die mit dieser Methode Unternehmen berät.

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3 Faktoren für Design Thinking

Design Thinking ist ein strukturierter Prozess, aber nur mit der passenden Denk- und Arbeitsweise erfolgreich. Dazu gehören drei zentrale Faktoren, die für gute Ergebnisse eine wichtige Voraussetzung sind:

  1. Interdisziplinäre Teams
    Teams im Design Thinking bestehen aus Teilnehmern unterschiedlicher Bereiche und Abteilungen. So kommen unterschiedliche Kompetenzen, Perspektiven und Denkweisen zusammen. Ideal sind Teams von bis zu sechs Mitarbeitern.
  2. Flexible Arbeitsumgebung
    Durch eine flexible Arbeitsumgebung kann der Raum jederzeit verändert und an die Bedürfnisse des Teams angepasst werden. Wichtig sind dabei bewegliche Möbel, aber auch große Tafeln oder Whiteboards, um Ideen zu präsentieren und zu besprechen. Zum Raum gehören auch viele verschiedene Materialien, die inspirieren und bei der Entwicklung von Prototypen helfen.
  3. Iterativer Prozess
    Der strukturierte, iterative Prozess ist der klassische Ablauf für das Design Thinking. Jede Phase wird durchlaufen, bis entsprechende Lösungen oder Zwischenergebnisse gefunden wurden. Im nächsten Abschnitt gehen wir genauer auf die einzelnen Phasen ein.
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Design Thinking: Phasen und Ablauf

Design Thinking läuft in einem iterativen Prozess ab, der in sechs Phasen unterteilt wird. Wir stellen die Phasen im Detail vor und zeigen, worauf es jeweils ankommt:

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1. Verstehen

Die erste Phase bringt ein Verständnis für das Problem oder die zugrundeliegende Aufgabe. Typische Fragen lauten: Was genau soll entwickelt werden? Welche Voraussetzungen gibt es? Die genaue Aufgabenstellung wird geklärt und alle Teilnehmer werden informiert. Sind alle Fragen geklärt und die Beteiligten auf demselben Wissensstand, können die nächsten Phasen begonnen werden.

2. Beobachten

Hier geht es um Empathie. Alle Teilnehmer versetzen sich in den Kunden und denken in seiner Perspektive. Es sollen Bedürfnisse, Wünsche und auch mögliche Probleme verstanden werden. Am Ende geht es darum: Was genau will der Kunde? Dazu werden möglichst viele Informationen über die Zielgruppe genutzt.

3. Sichtweise definieren

Erkenntnisse und Informationen aus den ersten zwei Phasen werden nun gebündelt und zu einer Quintessenz verdichtet. Dabei soll das Bild eines idealen Beispielkunden entwickelt werden. Es werden Daten und Eindrücke mit dem Team geteilt. Visualisierung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Oft genutzte Methoden in dieser Phase sind das Storytelling oder sogenannte Personas, um die Perspektiven und Erwartungen von Kunden festzuhalten.

4. Ideen finden

Dies ist die zentrale Kreativitätsphase. Alle Erkenntnisse werden genutzt, um beispielsweise durch Brainstorming oder andere Methoden Vorschläge und Lösungsideen zu generieren. Anfangs sollen möglichst viele Ideen gesammelt werden – selbst unrealistische oder unwahrscheinliche Vorschläge werden festgehalten.

Im nächsten Schritt werden die Lösungsmöglichkeiten sortiert und die vielversprechendsten Optionen ausgewählt. Kriterien für die Auswahl sind Wirtschaftlichkeit, Umsetzbarkeit und Effizienz.

5. Prototyp

Aus den zahlreichen Materialien im Raum wird ein einfacher Prototyp entwickelt. Dieser soll zeigen und verständlich machen, wie die spätere Lösung aussehen soll. Dabei geht es nicht um funktionsfähige Prototypen, sondern Veranschaulichung der Idee. Es kann eine Zeichnung erstellt, aber auch mit Holz, Papier oder Bausteinen gebastelt werden. Aber auch Rollenspiele sind denkbar, um eine Dienstleistung erlebbar zu machen.

6. Testen

Die entwickelte Idee und der Prototyp wird getestet und einem Beispielkunden präsentiert. Feedback wird dabei ernst genommen und für Verbesserungen genutzt. Dabei gilt: Kommt der Lösungsvorschlag nicht an oder funktioniert nicht, wird die Idee verworfen. Am Ende soll ein optimales, nutzerorientiertes Produkt stehen.

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Design Thinking: Beispiel für die Durchführung

Wie kann Design Thinking im Einzelnen aussehen? Wir zeigen ein Beispiel: Ein Callcenter hat mit hoher Fluktuation von Mitarbeitern zu kämpfen. Das Unternehmen möchte Design Thinking nutzen, um das komplexe Problem zu lösen. So könnten die Schritte aussehen:

  1. Verstehen
    Das Problem hoher Fluktuation ist bereits bekannt. Gesucht wird eine Lösung, um Mitarbeiter zu binden und Arbeitsverhältnisse zu verlängern. Dadurch sollen Kosten für Personalsuche und Einarbeitungen reduziert werden.
  2. Beobachten
    Durch Analyse der Arbeitsweisen und Mitarbeitergespräche werden Erkenntnisse gesammelt. Routinen und Arbeitsbedingungen werden hinterfragt. Mitarbeiter werden auch direkt eingebunden und nach Vorschlägen oder Möglichkeiten zu Verbesserungen befragt.
  3. Sichtweise definieren
    Die ermittelten Probleme zeigen: Mitarbeiter haben zu wenig Pausen, die Löhne sind zu niedrig und es gibt nur geringe Chancen auf Weiterentwicklung. Zusätzlich besteht hoher Druck seitens des Vorgesetzten, möglichst viele Kunden in kurzer Zeit abzufertigen. Die Motivation ist gering und es ist leicht für die Konkurrenz, gut ausgebildetes Personal abzuwerben.
  4. Ideen finden
    Es werden Ideen gesammelt, um das Problem zu lösen. Mögliche Vorschläge reichen vom Wechsel der Führungskraft über Gehaltserhöhungen bis zu einer Verbesserung der Kommunikation. Der Austausch soll die Leistungsbereitschaft steigern und Mitarbeiter entlasten.
  5. Prototypen entwickeln
    Ein Prototyp in Form regelmäßiger Meetings wird vorgestellt. In den Besprechungen sollen Zuständigkeiten und offene Fragen geklärt werden. Zur Entlastung wird auch ein machbarer Umfang von Kunden festgelegt, die Mitarbeiter im Callcenter anrufen sollen.
  6. Testen
    Im Test zeigt sich, dass die Meetings Verbesserungen erzielen, aber die Fluktuation nicht im gewünschten Ausmaß eingedämmt wird. Als zusätzlicher Schritt wird in einer zweiten Iteration deshalb ein internes Aufstiegsprogramm entwickelt. Mitarbeiter sehen nun klare Möglichkeiten, um auf eine höhere Stufe zu kommen.

Vor- und Nachteile von Design Thinking

Immer mehr Unternehmen setzen auf Design Thinking. Vor der Nutzung sollten dabei die Vor- und Nachteile betrachtet werden:

Vorteile

  • Kreative Lösungen
    Design Thinking kann kreative Lösungen entwickeln und neue Ansätze generieren, die bei anderen Methoden ausbleiben. Durch die Rahmenbedingungen und den Ablauf wird die Kreativität gefördert.
  • Kundenorientierung
    Großer Vorteil: Der Nutzen des Kunden steht von Anfang bis Ende im Fokus. Die Lösung sorgt für maximale Kundenzufriedenheit, weil die bestmögliche Lösung aus seiner Perspektive gesucht wird.
  • Teamarbeit
    Der Prozess bringt Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen zusammen und sorgt für erfolgreiche Teamarbeit. Unterschiedliche Ansätze werden gemeinsam besprochen und können besser verstanden werden.
  • Erfolg
    Im Idealfall sorgt Design Thinking für mehr Erfolg im Unternehmen. Probleme werden gelöst und innovative Ideen sorgen für den entscheidenden Unterschied zur Konkurrenz.

Nachteile

  • Dauer
    Teams müssen gebildet, der passende Raum geschaffen und die einzelnen Phasen durchlaufen werden. Design Thinking ist nicht in einer Stunde abgeschlossen, sondern kann ein zeitaufwendiger Prozess sein.
  • Personal
    Nicht jeder Betrieb kann für Design Thinking Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen abziehen, ohne den Arbeitsalltag zu verlangsamen. Es muss ausreichend Personal geben.
  • Zwang
    Kritiker bemängeln, Design Thinking einen Zwang zur Kreativität enthält. Teilnehmer wollen besonders innovative Ideen finden, naheliegende Lösungen werden dabei übersehen. Es wird zu kompliziert gedacht, obwohl es einfach sein könnte.

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