Visualisierung: Endlich mehr erreichen

Visualisierung hat mehrere und durchaus verschiedene Bedeutungen: Ursprünglich bezeichnete der Begriff eine Technik bei der Meditation. Im modernen Sprachgebrauch fasst sie zahlreiche Methoden zur Darstellung von komplexen Inhalten oder zum Lernen zusammen. Sie wird auch zur Stärkung der Motivation von Sportlern und Leistungsträgern genutzt. Die Vorstellungskraft als Erfolgsrezept für den Job ist zwar nicht unumstritten – es spricht aber einiges dafür…

Visualisierung: Endlich mehr erreichen

Definition Visualisierung: Ursprung und Bedeutung im Job

Ursprünglich geprägt wurde der Begriff Visualisierung durch Religionen und spirituelle Ansichten. Dort ist es eine Technik der Meditation und trägt zur Erfüllung der eigenen Ziele und Wünsche bei.

Im Berufsalltag wurde der Begriff später etwas abgewandelt: Hier bezeichnet er heute vor allem Techniken bei Präsentationen, beim Lernen und bei der Darstellung von komplexen Zusammenhängen. So unterschiedlich das Verständnis dieser beiden Richtungen der Visualisierung auch sind, ihnen liegt dasselbe Prinzip zugrunde: Menschen machen ihre Ideen, Ergebnisse, Ziele und den Weg dahin sichtbar – für sich selbst und für andere.

Erfolgreich Visualisieren: So geht’s

Ein großer Vorteil bei der Visualisierung ist, dass die wesentlichen Merkmale eines Objekts, Projekts oder einer Idee in die Bildsprache umgesetzt und gegebenenfalls als einfache Grafik dargestellt werden. Das Darstellen eines komplexen Inhalts in einfache Grundformen macht es dem Publikum oder einem selbst auf ersten Blick verständlich. Auch beim Lernen spielt die Visualisierung eine tragende Rolle: Indem Informationen oder Vokabeln aufgeschrieben und visualisiert werden, wird das Gedächtnis trainiert, was wiederum zu größeren Lernerfolgen führt.

Hier einige Techniken der Visualisierung:

  • Mindmap

    Eine Mindmap ist einfach, übersichtlich und strukturiert. Großer Vorteil: Sie können sie überall anlegen – dafür brauchen Sie nur einen Stift und ein Blatt Papier. In der Mitte wird das Projektthema oder ihr Symbol festgehalten, um sie herum schreiben Sie Nebenaspekte oder Unterpunkte auf – nur mit Schlüsselbegriffen. Durch Linien werden dann Beziehungen zum Hauptthema oder auch zwischen den Punkten dargestellt. Zusätzliche Farben und Pfeile steigern die Aussagekraft der Mindmap, ohne dabei unübersichtlich zu wirken. Zum Beispiel so:

  • Flipcharts

    Diese Visualisierungsmethode eignet sich vor allem für Brainstormings in einer Gruppe. Wichtige Regeln: Jeder darf eine Idee vorschlagen – wie absurd sie auch erscheinen mag, diese werden in einem Wort niedergeschrieben und es werden zunächst keine Diskussionen geführt und keine Kritik geäußert. Die Ideen können querbeet auf dem Papier stehen und durch Linien oder Pfeile in Zusammenhang gebracht werden. Sehr häufig kommen dabei überraschende Ergebnisse zu Tage, mit denen keiner gerechnet hat. Auch bei Seminaren und Vorträgen in kleinen Publikumskreisen werden Flipcharts zur Darstellung von Grafiken oder zu Erläuterungen von Fragen genutzt.

  • Grafiken

    Bei dieser Technik werden komplizierte Zusammenhänge, häufig Statistiken oder Zahlenberichte, auf geometrische Formen reduziert und auf ersten Blick zugänglich gemacht. Im Gegensatz zum Text oder langen Zahlenreihen haben Grafiken eine hohe Informationsdichte und machen das Thema auch für Laien verständlich. Beispiele wie das Folgende finden Sie etwa in diesem Artikel:

    Introvertierte-Infografik-01

  • Präsentation: PowerPoint

    Die Bestandteile einer Präsentation sind oft gleich: Text, Diagramme beziehungsweise Bilder und Symbole. Machen Sie bitte nicht den Fehler, und übernehmen Sie Ihren kompletten Text aus den Notizen – er sollte kurz, prägnant und vor allem groß sein. Wenn es nicht anders geht und der lange Text zum Thema gehört, sollte eine Gliederung durch Überschriften und Aufzählungen gegeben sein – es erleichtert dem Publikum in das Thema einzusteigen und die Informationen schneller zu verarbeiten. Bei Diagrammen und Grafiken gilt folgende Regel: Die Folien sollten Sie auf die Größe des Publikums anpassen – je größer das Publikum, desto weniger Bilder auf einer Folie. So gewährleisten Sie, dass auch Zuhörer in hinteren Reihen Ihrem Vortrag folgen und aufmerksam zuhören.

  • Aufschreiben

    Das Aufschreiben von Vokabeln oder von Informationen trainiert das Gedächtnis – eine Studie bewertet von Hand festgehaltene Ideen sogar genau so effektiv wie Gedächtnistraining. In einer anderen Untersuchung konnte gezeigt werden, dass es Menschen glücklicher macht, wenn diese über das Erreichen ihrer Ziele schreiben oder ein Tagebuch führen, in dem sie die Dinge festhalten, über die sie sich Tag für Tag freuen. Auch Schreiben (mit dem Stift!) ist eine Form der Visualisierung.

  • Kanban Board

    Beim Kanban Board werden die Aufgaben in drei Spalten visualisiert: Aufgabe, Bearbeitung und Erledigt. In diese Spalten werden dann Haftnotizen oder Karteikarten mit der jeweiligen Aufgabe angeheftet, je nach dem Fertigstellungsgrad. Hat ein Team mehrere Mitarbeiter, können diese jeweilige Farben zugewiesen werden – so erkennt jeder auf einen Blick, welche Aufgabe er und die anderen haben und wie weit sie erledigt wurden. Diese Methode ist recht einfach, aber nicht weniger wirkungsvoll.

  • Zentangle

    Diese Visualisierungsmethode wurde in den USA entwickelt und ist eine Entspannungstechnik für Erwachsene. Auf einem quadratischen weißen Papier mit einer Größe von neun mal neun Zentimetern wird mit schwarzer Tinte gezeichnet – ohne dabei ein bestimmtes Objekt oder Muster zu malen. Zentangle klingt einfach, ist aber unglaublich entspannend. Sie kann leicht in den Alltag integriert werden und es werden kein besonderes Talent oder spezielle Hilfsmittel benötigt.

  • Sketchnotes

    Der Begriff Sketchnote ist eine einfache Zusammensetzung aus den englischen Begriffen „sketch“ für skizzieren und „note“ für notieren. Gemeint sind dabei Notizen, die eine Kombination aus Text, Symbolen, Zeichnungen und Strukturen sind. Beim Erstellen von Skechtnotes werden Informationen nicht nur aufgeschrieben, sondern als Zeichnung dargestellt.

Durch Visualisierung Ziele erreichen

Die Visualisierung hilft nicht nur bei Präsentationen oder beim Lernen, sie soll auch dabei helfen können, erfolgreicher im Beruf und im Privatleben zu sein. Es ist eine starke Motivationstechnik, die von vielen Seiten beschworen und oft von Coaches oder Trainern zur Zielerreichung empfohlen wird. Schon die Visualisierung und ein klares gedankliches Bild davon, wie Sie selbst ein Ziel erreichen, soll bereits die halbe Miete sein.

Ganz so leicht ist es dann aber doch nicht und die Visualisierung kann durchaus einige Probleme mitbringen. Der Grund: Das Gehirn des Menschen denkt in Bildern. Sobald Sie sich etwas vorstellen, läuft im Kopf ein Film ab. So verarbeiten wir komplexe und abstrakte Informationen und ihre Zusammenhänge zu einer einfachen Gesamtheit.

Sie visualisieren also ständig, aber häufig auf eine falsche Weise: Sie machen sich Sorgen und stellen sich die schlimmsten Szenarien eines bevorstehenden Ereignisses als einen Horrorfilm vor. Was kann alles schief gehen, wo können Probleme auftreten, was kann im Worst Case auf mich zukommen? Ihr Denken und Ihre Einstellung wird negativ und anstatt Ihr Bestes zu geben, bestimmt die Angst Ihr Handeln.

Möchten Sie die Visualisierung zum eigenen Erfolg nutzen, dann braucht es positive Bilder und eine klare Vorstellung davon, wie Sie Ihr Ziel erreichen.

Ein Beispiel einfaches Beispiel zur Visualisierung:

Sie möchten befördert werden – von allein wird das vermutlich nicht klappen, also müssen Sie einen Termin mit Ihrem Chef vereinbaren und das Thema auf den Tisch bringen. Nun liegt es an Ihnen, mit welchen gedanklichen Bildern Sie in das Gespräch gehen. Sie können sich ausmalen, wie Ihr Chef unzählige Gründe gegen eine Beförderung aufzählt, Ihnen sagt, dass er Sie für noch nicht weit genug hält oder dass er ganz offen sagt, dass Sie kein Kandidat für eine höhere Position sind.

Sie können aber auch visualisieren, wie Sie überzeugende Argumente vorbringen und der Chef ganz Ihrer Meinung ist, weil Ihre Leistungen und Ergebnisse seit langer Zeit herausstechen und positiv auffallen. Mit diesen Gedanken gehen Sie viel positiver und selbstbewusster in den Dialog und tragen so schon im Vorfeld dazu bei, erfolgreich zu sein und Ihr Ziel wirklich zu erreichen.

In Ihrem Unterbewusstsein wird die Visualisierung zur Realität und Ihr Glaube an die Zielerreichung und damit auch Ihre Motivation steigen deutlich an. Deshalb kann es gerade bei großen Problemen und Herausforderung empfehlenswert sein, den eigenen Erfolg zu visualisieren. Statt sich von vornherein geschlagen zu geben, können Sie eine optimistische Einstellung erreichen, mit der Sie Ihrem Ziel bereits einen Schritt näher sind.

Visualisierung kann auch zu Stillstand und Frust führen

Visualisierung Meditation Beispiel Tipps Ziele Deutsch Synonym ProblemeVisualisierung wird gerne als ausschließlich positives Phänomen verkauft – einmal abgesehen von den negativen Bildern, die Probleme machen können. Darüberhinaus gilt die Meinung: Stell dir vor, wie du etwas erreichst und dann wirst du es auch schaffen. Diese Einstellung sollte jedoch ein wenig kritischer betrachtet werden, denn die Visualisierung kann auch zum genauen Gegenteil führen. Soll heißen: Wer visualisiert und sich ein genaues Bild davon macht, wie er seine Ziele erreicht, tritt am Ende nur auf der Stelle, erreicht gar nichts oder wird einfach nur frustriert.

Schuld daran ist der gleiche Effekt, der auch zu positiven Resultaten der Visualisierung führen kann. Je stärker Sie visualisieren und ein erfolgreiches Bild von sich oder Ihrem Vorhaben verinnerlichen, desto stärker glauben Sie daran, wodurch Ihre Gedanken und Emotionen beeinflusst werden. Sie stellen sich schon ganz genau vor, wie die Beförderung sich auswirkt, wie viel Spaß Sie im neuen Aufgabenfeld haben, welche Verantwortung Sie tragen und wie Sie von der besseren Bezahlung profitieren und sich endlich große Wünsche erfüllen können.

Schon die Visualisierung fühlt sich so gut an und sorgt für Zufriedenheit und positive Emotionen, dass die Gefahr groß ist, den wirklichen Schritt in die Umsetzung gar nicht mehr zu machen. Sie ruhen sich auf Ihren Gedanken aus und freuen sich über das gute Gefühl, das damit verbunden ist. Näher kommen Sie Ihrem Ziel damit jedoch kein bisschen, Sie betrügen sich nur selbst und machen sich etwas vor.

Eine zu positive Visualisierung führt darüberhinaus zu Enttäuschungen und Frust. Wenn Sie feststellen müssen, dass Ihre gedanklichen Bilder vollkommen überzogen waren und die Realität trotz erfolgreicher Umsetzung nicht einmal ansatzweise an Ihre Vorstellungen heranreicht, folgt auf die Freude schnell Ernüchterung.

Visualisierung bei der Meditation

Die meditative Visualisierung wird vor allem dafür genutzt, um die Erfüllung eigener Wünsche voranzutreiben. Das setzt allerdings vollständige Ruhe und Entspannung voraus.

Dazu werden dann, je nach Anwendungsbereich, unterschiedliche Relax-Methoden benutzt: Joga, Mantra, Atemübungen oder das einfache Zählen von null bis zehn. Das Bewusstsein hebt sich dabei auf das sogenannte Alpha-Level – ein Zustand, bei dem die Aktivität der Neuronen im Gehirn verlangsamt wird. Erst dann kann der Mensch mit fünf Schritten den Prozess der Visualisierung starten:

  1. Illusion herstellen

    Ein Film funktioniert besser als ein Bild, so auch eine Illusion. Es wird eine Umgebung mit Menschen, Gesten und Unterhaltungen erzeugt, die miteinander interagieren.

  2. Ich-Perspektive einnehmen

    In der Vision sollte der Betroffene kein Schauspieler sein, sondern immer als erste Person agieren. Es sind ja seine Illusion, seine Gedanken, seine Wünsche.

  3. Alle Sinnesorgane einbeziehen

    Alle fünf Sinnesorgane müssen zum Prozess hinzugezogen werden: Gerüche, Geräusche, Oberflächen, Geschmack und Umgebung sollen wahrgenommen werden.

  4. Ein Bild zur Erinnerung festhalten

    In der Vision wird ein Bild ausgesucht, das als Anker dienen soll. Es soll im Gedächtnis hervorgerufen werden, wenn es notwendig ist.

  5. In den Alltag einbeziehen

    Der Prozess der Visualisierung soll in den gewohnten Alltag eingebunden werden, dabei soll aber die Vorfreude auf die Erfüllung des Wunsches aufrechterhalten werden.

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27. Juni 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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