Teamversagen: Wie Sie es vermeiden

Viele Köche verderben den Brei, weiß ein altes deutsches Sprichwort. Aber es muss doch auch möglich sein, aus ihnen ein Sterne-Menü herauszukitzeln. Die Ursachen von Teamversagen sind oft sehr ähnlich gelagert: Das Vertrauen fehlt, keiner übernimmt Verantwortung, die Konfliktfähigkeit ist nur schwach ausgeprägt. Diese 4 Maßnahmen, um Teamversagen zu verhindern, kannten Sie noch nicht…

Teamversagen: Wie Sie es vermeiden

Teamversagen: Woran liegt es?

Teamwork wird oft überschätzt. Beethoven hat seine Sinfonien ganz alleine komponiert, Schiller die Ode an die Freude ganz bestimmt nicht im Team gedichtet. Und dennoch: Ohne ein funktionierendes Team geht es oft nicht.

Heutzutage gilt das für Fußballmannschaften, für politische Parteien, professionelle Computerspiel-Clans oder Ameisenvölker. Kein Team, kein Win. Im OP-Saal kann Teamversagen sogar lebensbedrohlich sein. Woran liegt es, wenn Teams versagen?

Teamversagen: Welche Gründe hat es?

In seinem Buch „Die 5 Dysfunktionen eines Teams“ hat US-Autor Patrick Lencioni fünf elementare Gründe für Teamversagen herausgearbeitet. Diese fünf Gründe sind nicht unabhängig voneinander. Sie verstärken sich vielmehr gegenseitig.

  • Ergebnisorientierung

    Startups wollen Branchen disruptieren oder – noch besser – die ganze Welt verbessern. Eine gute Basis! Gemeinsame Ziele und Visionen schweißen ein Team zusammen, führen zu mehr Engagement. Die Ergebnisorientierung geht verloren, wenn persönliche Ziele über die gemeinschaftlichen gestellt werden. Wenn mein Gehalt, Position, Ego plötzlich wichtiger wird als der große gemeinsame Traum.


  • Vertrauen

    Wenn der eine dem anderen nicht über den Weg traut, wenn niemand an die Redlichkeit der Kollegen glaubt, dann ist das Team zum Scheitern verurteilt. Mangelndes Vertrauen zeigt sich auch dadurch, dass jemand eigene Fehler und Schwächen kaschiert, um sich selbst in ein gutes Licht zu rücken. Und folgerichtig dadurch, dass er die anderen nicht um Hilfe bittet. Diese könnten die eigenen Schwächen ja ausnutzen statt sie auszubügeln.


  • Verantwortung

    Wer übernimmt welche Aufgaben? Wer ist für die Leitung verantwortlich? Ein Grundproblem von Teams: Jeder Einzelne kann die Verantwortung ganz bequem weiterreichen wie eine Wasserpfeife. Wer an den Erfolg des Teams nicht glaubt und den anderen nicht vertraut, hat aber kein Interesse daran, Verantwortung zu übernehmen.


  • Konfliktfähigkeit

    Künstliche Harmonie oder Harmoniesucht – fatal. Sie führen dazu, dass Fehlentwicklungen nicht thematisiert werden. Aus Rücksicht auf die anderen kein ehrliches Feedback geben, keine Verbesserungsvorschläge machen – das bringt ein Team nicht voran. Besser: Meinungsstreit austragen und ertragen.


  • Engagement

    Resignation bewirkt, dass sich der Mitarbeiter in sein Schneckenhaus zurückzieht. Motto: Es bringt ja doch nichts! Engagement würgt man am besten ab, indem gegensätzliche Meinungen nicht akzeptiert und offen diskutiert werden. Ohne Einsatz und Tatkraft kommt kein Team dieser Welt voran.

Noch weiter potenzieren sie sich, wenn auch noch diese Phänomene auftreten:

Teamversagen: Wie verhindere ich es?

Ein Team zum Erfolg führen. Dazu gibt es vermutlich unendliche viele Weisheiten, Ratschläge, Tipps und Tricks.

Sie können es mit Teambuidling-Maßnahem versuchen. Können bei der Teamzusammenstellung ansetzen. Oder Sie können Fragebögen und Psycho-Tests zu Rate ziehen. Oder einen Coach. Alles legitime Mittel.

Karrierebibel zeigt Ihnen stattdessen 4 unkonventionelle Wege, Teamversagen zu vermeiden…

  1. Gutmenschen

    Man könnte sagen: Unternehmen brauchen mehr Gutmenschen im Büro. Gutmenschen in dem Sinne, dass sie anderen den Erfolg gönnen, ihnen aktiv unter die Arme greifen, sich selbst zurücknehmen.

    Ein US-Forscherteam aus Notre Dame kam 2015 zu diesem Schluss: Wenn Mitarbeiter besonders motiviert sind, ihren Kollegen zu helfen, dann steigt der Grad an Kooperation und gleichzeitig der Teamerfolg. Das klappe am besten, wenn die zu bewältigende Aufgabe starke Interdependenz und Interaktion erfordere. Schöner Nebeneffekt: Diese Personen bleiben ihrem Team länger erhalten, wechseln nicht so schnell den Arbeitgeber.

    Das beantwortet aber noch nicht die Frage, wie man denn zum betrieblichen Gutmenschen wird. Was, wenn ich partout kein Verlangen verspüre, meinen Kollegen behilflich zu sein? Vielleicht können Arbeitgeber dem Altruismus ihrer Zöglinge subtil auf die Sprünge helfen. Die Forscher schlagen vor, eine Art trojanisches Pferd einzuschleusen. Also ein Teammitglied, das erkennbar darauf fokussiert ist, die anderen zu unterstützen. Das färbe ab und mache auch sie selbstloser.


  2. Rückennummern

    Wer gehört eigentlich alles zum Team? Als Sozialpsychologe Richard Hackman Führungskräften einmal diese Frage stellte, herrschte Uneinigkeit. Die Antworten schwankten zwischen fünf und 24 – in ein und derselben Gruppe. Unter einem Abteilungsleiter, der Sie nicht zur Mannschaft zählt, dürfte die Motivation nicht gerade in den Himmel wachsen…

    Einen unkonventionellen Ansatz verfolgten Forscher vom Montefiore Medical Center in New York im Jahr 2017. Sie stellten zwei Gruppen zusammen, die aus je fünf Personen bestanden. Beides Notfallteams, die in einer Simulation Patienten mit Herzstillstand behandeln sollten. Dem einen Team verpassten sie kurioserweise Trikots mit Rückennummern, das andere trat wie immer in Arbeitskleidung an.

    Ergebnis: Die Gruppe mit den Trikots schnitt deutlich besser ab, auch wurden in ihr wesentlich mehr Anweisungen gegeben. Das könnte daran gelegen haben, dass sich alle über ihre Rollen- und Aufgabenverteilung im Klaren und die Zuständigkeiten geklärt waren.

    Im Büro dürfen Sie weiterhin sehr gerne auf Rückennummern verzichten. Aber das Experiment zeigt, dass klare Zuordnungen einem Team helfen – und vielleicht auch, dass Symbole Identität und Zusammenhalt stiften können…


  3. Beatles

    Teamwork verbessern – das muss nicht immer eine hochkomplizierte Sache sein. Manchmal reicht es schon, an kleinen Reglern zu drehen. Beschallen Sie Ihre Belegschaft doch zum Beispiel mal mit Musikklassikern wie Yellow Submarine, Brown Eyed Girl oder Walking on Sunshine.

    Teammitglieder sind hilfsbereiter, wenn sie Gute-Laune-Musik hören. Das wollen Verhaltensforscher der Cornell University 2016 herausgefunden haben. Hören sie dagegen schwere, düstere Musik – Heavy Metal zum Beispiel – dann setzen sie eher auf die Karte Eigennutz. Im Vergleich zwischen fröhlicher Musik im Hintergrund und gar keiner Beschallung schneidet der Gute-Laune-Sound ebenfalls besser ab.

    Heitere Musik verbessert demnach Teamwork und Kooperation. Und ganz wichtig: Sie ist deutlich günstiger als teure Teambuilding-Maßnahmen…


  4. Streber

    Einer für alle, alle für einen – haben Sie diesen Satz zufällig schon mal gehört? Er suggeriert, dass man ein Team als Ganzes betrachten soll, als Einheit. Der Erfolg von Jürgen ist auch der Erfolg von Susanne und anders herum. Wissenschaftler der North Carolina State University glauben eher an die Segnungen des Konkurrenzkampfes.

    In ihrem Experiment sollten Studenten kleine Boxen zusammenbasteln – eine Einzelaufgabe. Die Boxen sollten sie dann gemeinsam zu Türmen stapeln – eine Teamaufgabe. In manchen Gruppen verteilten die Forscher nun ein Sonderlob für die Top-Performer, in anderen schwiegen sie.

    Konsequenz: In den Gruppen, in denen jemand öffentlich auf ein Schild gehoben wurde, strengten sich die anderen nun ebenfalls mehr an. Sie eiferten dem Streber nach, orientierten sich dabei auch seiner Vorgehensweise – und verbesserten sich dadurch folgerichtig selbst. Der viel belächelte Mitarbeiter des Monats ist vielleicht doch gar keine so schlechte Idee…

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
24. Februar 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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