Engagement: Wecken Sie den Willen zu mehr Einsatz!

Wer mit Engagement arbeitet, hängt sich rein. Und zwar so richtig. Engagiert zu sein, bedeutet vollen Einsatz zu zeigen. Mit Tatkraft. Mit Begeisterung. Die Aufgabe, der wir uns verschreiben, wird zur Herzensangelegenheit.

Jedes Unternehmen, jeder Arbeitgeber und Chef wünscht sich (mehr) Engagement von seinen Mitarbeitern. Schließlich führt das in der Regel auch zu besseren Ergebnissen. Allerdings gibt es einen Haken: Engagement lässt sich nicht verordnen. Einsatzbereitschaft, wie Engagement auch heißt, basiert stets auf Freiwilligkeit.

Und es ist kein Dauerzustand. Wir zeigen Ihnen hier, was Engagement ausmacht, wie sich diese Energie (neu) wecken und steigern lässt. Denn dahinter steckt mehr als Verpflichtung und Einsatz…

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Engagement: Wecken Sie den Willen zu mehr Einsatz!

Was ist Engagement eigentlich?

Der Begriff Engagement stammt ursprünglich aus dem Französischen und bedeutet in etwa verpflichten oder gegen Gage anstellen. Ausgesprochen wird es übrigens: „Angaschmon(g)“.

Wer sich engagiert, verschreibt sich (s)einer Sache voll und ganz. Er oder sie fühlt sich innerlich dazu „verpflichtet“ – oder wie Psychologen sagen würden: Der Engagierte ist intrinsisch motiviert. Die Bezahlung kommt allenfalls an zweiter Stelle.

Im beruflichen Kontext bezeichnet Engagement meist den persönlichen Einsatz, den Willen, sein Bestes zu geben, sich reinzuhängen, hart zu arbeiten. Halbherzig geht das nicht.

Wer engagiert ist, geht über das Normale hinaus, strengt sich besonders an, um etwas zu erreichen oder ist bereit, alle nötigen Anstrengungen in Kauf zu nehmen, die damit verbunden sind.

Typische Synonyme für Engagement lauten:


Aktivität
Anstrengung
Begeisterung
Beteiligung
Bindung
Commitment
Eifer
Einsatz


Einsatzbereitschaft
Enthusiasmus
Hingabe
Kraftanstrengung
Mitwirkung
Strebsamkeit
Teilnahme
Verbundenheit



Wenig überraschend, dass Engagement im Job gefragt ist:

  • Die Arbeitgeber erhoffen sich herausragende Leistungen und entsprechend große Umsätze.
  • Die Mitarbeiter profitieren ihrerseits durch Belohnungen für Ihr Engagement in Form von Gehaltserhöhungen oder Beförderungen.

Engagement hat jedoch noch weitere Bedeutungen und Formen:

Engagement-ArtenBedeutung
Ehrenamtliches Engagement Ehrenamtliches (oder politisches) Engagement bezeichnet den unentgeltlichen Einsatz für eine Organisation oder Einrichtung. Zum Beispiel die Freiwillige Feuerwehr, Telefonseelsorge, Betriebsrat, Kirchengemeinde. Bei dieser Form steht oft das Wohl der Gesellschaft oder ein höheres Ziel im Vordergrund, dem sich derjenige verpflichtet fühlt.
Soziales Engagement Hierbei geht es vor allem um die Unterstützung oder Hilfeleistung gegenüber anderen Menschen – kranken oder sozial schwachen. Etwa im FSJ und der Freiwilligendienst. Hinter dem persönlichen Engagement steht oft eine tiefe, uneigennützige Überzeugung, helfen zu müssen, etwas Gutes zu tun und für (soziale) Gerechtigkeit zu sorgen.
Engagement als Künstler Hierbei wird der Begriff synonym zu Anstellung verwendet. Es handelt sich also um eine klassische, berufliche Verpflichtung. Der Begriff wird meist bei Künstlern oder Schauspielern genutzt, die von einem Theater engagiert werden.
Engagement (Englisch) Noch umfangreicher wird die Definition, wenn die englischen Bedeutungen des Begriffs einbezogen wird: Engagement hat hier dreierlei Bedeutungen: Einsatz, Einstellung oder Verlobung bedeuten.


Warum engagieren wir uns?

Engagement ist das Gegenteil von Passivität. Beide sind unvereinbar. In allen Lebensbereichen. Doch warum engagieren wir uns überhaupt?

Letztlich hat Engagement unterschiedliche Ursachen:

  • Es kann aus einer moralischen Verpflichtung heraus entstehen. Zum Beispiel, weil wir jemanden einen Gefallen schulden und diese Schuld gerne begleichen wollen.
  • Ebenso können persönlicher Ehrgeiz und größere Ambitionen Auslöser für mehr Engagement sein. Insbesondere dann, wenn wir ein – berufliches oder privates – Ziel erreichen wollen.
  • Schließlich kann eine tiefe Überzeugung (religiös, humanistisch, sozial, politisch) unser Engagement entfachen.

In allen genannten Fällen kommt die Motivation dazu aber aus uns selbst.

Zwar gibt es immer wieder Appelle zu mehr Engagement. Chefs können grundsätzlich auf Basis des Arbeitsvertrags die erforderliche Gegenleistung verlangen. Die wird schließlich auch bezahlt. Engagement geht aber darüber hinaus, wird (in der Regel) nicht (sofort) bezahlt und braucht daher ein Grund oder Sinn.

Wer also will, dass sich Menschen (freiwillig) engagieren, muss ihr Herz ansprechen und berühren. Dauerhaftes Engagement benötigt zwingend ein höheres, „wertvolles“ Ziel.

Fehlendes Engagement im Job: Nur Dienst nach Vorschrift

Seit Jahrzehnten misst das Gallup Institut den sogenannten Engagement Index. Also wie sehr sich die Mitarbeiter in Deutschland mit ihren Jobs identifizieren und wie engagiert sie bei der Sache sind.

Und seit Jahren kommt dabei wenig Rühmliches heraus: Emotionale Bindung? Fehlanzeige. Die große Mehrheit der Angestellten hierzulande (rund 68 Prozent) schiebt lediglich Dienst nach Vorschrift. Überdurchschnittlichen Einsatz sucht man vergebens. Rund jeder Fünfte lebt gar im Zustand der inneren Kündigung.

Das hat Folgen:

  • Die Fluktuationsrate steigt.
  • Die krankheitsbedingten Fehltage erhöhen sich.
  • Das Betriebsklima leidet.
  • Die Leistungen und Produktivität verschlechtern sich.

Sicher, jeder hat mal einen schlechten Tag oder Frust im Job. Der chronische Zustand ist jedoch ein Warnzeichen für schlechte Arbeitsbedingungen, mangelhafte Führung und geringe Entwicklungsperspektiven.

Das fehlende Engagement ist damit nicht mehr als ein Symptom. Die Ursachen liegen wesentlich tiefer.

Test: Wie groß ist Ihr Engagement?

Hand aufs Herz: Wie ist es aktuell um Ihr Engagement bestellt? Stecken Sie voller Tatendrang? Oder zeigt der Einsatzwille gerade eher gegen Null?

Wir haben einen kleinen Engagement-Test zusammengestellt, den Sie hier und jetzt gleich absolvieren können. Nichts mit hochtrabendem, wissenschaftlichem Anspruch. Eher eine schnelle und kompakte Selbsteinschätzung und Reflexionsübung.

Lesen Sie sich dazu bitte die folgenden Aussagen durch und zählen Sie zusammen, wie oft Sie innerlich nicken und zustimmen können. Am Ende folgt die Auflösung…

  • Ich finde viel Spaß an meiner Arbeit und freue mich darauf.
  • Ich fühle mich meiner Arbeit verpflichtet.
  • Ich habe hohe Erwartungen an meine eigene Arbeit und Leistungen.
  • Bei meinen Aufgaben versuche ich stets, das beste Ergebnis zu erzielen.
  • Meine Chef hat mich schon öfter für meinen Einsatz gelobt.
  • Falls es nötig ist, mache ich freiwillig Überstunden.
  • Mich nerven Kollegen, die nur das Nötigste tun.
  • Ich frage aktiv nach mehr Verantwortung und wichtigen Projekten.
  • Wenn ich merke, dass sich Kollegen nicht einbringen, versuche ich diese mitzuziehen.
  • Mir ist es persönlich wichtig, dass mein Job etwas bewirkt.



Auflösung zum Test

  • Falls Sie weniger als fünf Mal zugestimmt haben, können wir von Glück reden, dass Sie diesen Artikel überhaupt lesen. Mit dem Engagement im Job stehen Sie kurz vor dem Nullpunkt. Vielleicht lässt sich das im Folgenden ändern.
  • Sie haben sechs bis acht Mal genickt? Gut, das ist ein durchschnittlicher Wert von normal engagierten Mitarbeitern. Grundsätzlich bringen Sie guten Einsatz.
  • Neun oder zehn Mal zugestimmt? Wow! Ihr Engagement erreicht einen Spitzenwert. Sie hängen sich scheinbar zu jedem Zeitpunkt voll rein. Ihr Einsatz ist vorbildlich und ausdauernd. Kann man nur hoffen, dass das auch Ihr Chef merkt und würdigt!

Arbeitsrecht: Wie wenig Engagement ist erlaubt?

Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben sich per Arbeitsvertrag geeinigt, dass der Mitarbeiter gegen Geld bestimmte Leistungen erbringt. Wie gut diese Leistung ist, ist allerdings schwer zu messen. Bleibt diese jedoch dauerhaft und erheblich unter dem Durchschnitt der Kollegen, kann der Arbeitgeber nach § 1 Absatz 2 Kündigungsschutzgesetz (KSchG) dies zunächst abmahnen, später gar eine eine…

…aussprechen. Die Kündigungsgründe müssen dazu aber erst ermittelt und nachgewiesen werden.

Anders sieht es aus, wenn der Mitarbeiter während der Arbeitszeit unerlaubten Nebentätigkeiten, seinem Privatvergnügen (private Telefonate, surfen im Internet), nachgeht oder sich gar selbst beurlaubt. Das ist Arbeitszeitbetrug und kann gar eine fristlose Kündigung zur Folge haben.

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Engagement steigern: Tipps für mehr Einsatz

Es ist natürlich leicht, die Verantwortung für (fehlendes) Engagement abzuwälzen und zum Beispiel an Führungskräfte und Vorgesetzte zu delegieren.

Wie schon gesagt: Engagement im Job ist vor allem freiwillig. Reine Einstellungssache. Auch wenn man sich dabei mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Gewissenhaftigkeit reinhängt. Wer aber wenig Spaß im Beruf hat oder unzufrieden ist, wird sich kaum engagieren.

Arbeitspsychologen von der Universität Arizona haben allerdings unlängst in Studien nachweisen können, dass der Führungsstil kaum Einfluss darauf hat, ob sich Mitarbeiter engagieren oder nicht.

Zwar ist auch den Wissenschaftlern an einem fairen Umgang, Klarheit und Wertschätzung gelegen. Wesentlich wichtiger für das Engagement sind aber zwei andere Punkte:

  • Abwechslung
    Die Arbeitsinhalte haben nachweislich den größten Einfluss auf das Engagement. Dazu gehören abwechslungsreiche Aufgaben und Herausforderungen. Der spannende Mix macht den Flow. Vorgesetzte und Kollegen spielen insofern eine Rolle, als sie durch Feedback und Unterstützung dazu beitragen, dass der Mitarbeiter den Job erledigen kann. Kann er durch übergeordneten Zusammenhänge erkennen, dass seine Arbeit wert- und sinnvoll ist, wächst auch das Engagement.
  • Persönlichkeit
    Man muss das so sagen: Manche Menschen sind von Natur aus trübe Tassen. Allzu viel Engagement ist hier nicht zu erwarten. An einer solchen Persönlichkeit lässt sich in der Regel nicht viel ändern. Immerhin wissen Forscher heute, dass extrovertierte Menschen besonders hohes Engagement zeigen. Grund: Sie sind generell zugänglicher, interessierter, neugieriger. Aufgrund ihrer sozialen Kompetenzen verfügen Sie zudem über ein großes Netzwerk, das sie in ihren Aktivitäten bestärkt.

Der Unterschied zwischen erfolgreichen Menschen und all den anderen ist nicht der Mangel an Stärke, Talent oder Wissen. Es ist der fehlende Wille.



Nun müssen Sie deswegen nicht nur Rampensau mutieren, um mehr Engagement zu gewinnen. Es gibt zum Glück zahlreiche alternative Wege und Tipps, wie sich Engagement steigern lässt:

  • Geben Sie den Dingen einen Sinn

    Das Gefühl, nur ein unbedeutendes Rädchen im Getriebe zu sein, lähmt auf Dauer jeden Arbeitseifer. Jeder Mensch will wissen, dass seine Arbeit Mehrwert schafft, Sinn stiftet, dass sie etwas bewegt, wichtig und unverzichtbar ist. Wer diesen Sinn (neu) erkennt, weckt den Elan aufs Neue.

    Denken Sie allerdings an das Paradoxon der Sinnsuche: Es macht viel glücklicher den Dingen einen Sinn zu GEBEN, als nach dem Glück darin zu suchen!

  • Schaffen Sie sich Freiräume

    Für die meisten Unternehmer war es der Hauptwunsch, sich selbstständig zu machen: Sie wollten unabhängiger werden – in ihren Entscheidungen, in ihrem Schaffen und ihrem Arbeitsalltag. Angestellte wollen das auch. Und tatsächlich sind Autonmie, Freiheit und Selbstbestimmung enorm große Antriebskräfte. Wo immer Sie können: Versuchen Sie unabhängiger zu werden – und Sie werden ihr Engagement wecken.

  • Stellen Sie hohe Ansprüche an sich selbst

    Natürlich sollten Sie sich nicht selbst überfordern. Wer aber hohe Ansprüche an sich und seine Arbeit stellt, kann gar nicht anders als sich zu engagieren. Schon um den eigenen Erwartungen gerecht zu werden, geben sich die Menschen größere Mühe und bringen den erforderlichen Einsatz. Die Belohnung folgt sogleich: Sie werden zufrieden mit sich sein.

  • Gehen Sie einen Schritt weiter

    Engagement bedeutet, dass Sie mehr tun als normal. Sie müssen also bereit sein, auch mal 110 Prozent zu geben, eine halbe Stunde länger zu arbeiten oder mehr Aufgaben zu übernehmen, als andere. Natürlich braucht es gleichzeitig auch Phasen, in denen Sie weniger machen, um sich nicht selbst auszubeuten. Immer nur funktionieren, funktioniert nicht.

    Aber so paradox sich das auch anhört: Das Engagement folgt mit dem Machen. Gehen Sie Ihren Interessen, Talenten und Stärken mit Eifer nach – und bleiben Sie dran. Engagement kann emotional wie körperlich anstrengend sein. Aber es gibt uns auch die Chance, zu wachsen, uns persönlich weiterzuentwickeln und Kompetenzen zu gewinnen, an die wir zuvor nicht gedacht hätten.

  • Identifizieren Sie sich (mit Ihrem Job)

    Engagement hat viel mit Gefühlen zu tun. Dahinter stecken oft Werte, vielleicht sogar eine Lebenseinstellung. Je stärker Sie sich mit dem, was Sie tun (im Job, im Privaten, in der Beziehung) identifizieren können, desto größer das Engagement.

    Überlegen Sie zum Beispiel: Warum machen Sie Ihren Job? Warum haben Sie diesen Beruf gewählt? Die Antworten darauf haben viel mit dem ersten Punkt gemein: Sie geben den Dingen einen Sinn. Tatsächlich ist es so: Wer sich engagiert, spürt selten die Anstrengung hinter seinem Einsatz. Eben weil er oder sie sich mit der Sache voll identifizieren kann. Treffen Sie also eine klare Entscheidung dafür.

Achso: Erwarten Sie bitte keine schnellen Erfolge. Bis Engagement belohnt wird, kann manchmal viel Zeit vergehen. Geduld und Ausdauer führen aber immer zum Ziel. Engagement lohnt sich.

[Bildnachweis: Jane Kelly by Shutterstock.com]

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17. Juni 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt mehr als 20 Jahre als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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