Identifikation mit dem Arbeitgeber: Vor- und Nachteile

Die Schere zwischen Ziel und Realität ist beim Thema Identifikation mit dem Arbeitgeber besonders groß. Seit Jahren arbeiten Unternehmen daraufhin, eine größere Loyalität unter Mitarbeitern zu schaffen und für glückliche Arbeitnehmer zu sorgen, die sich mit dem Unternehmen identifizieren. Auf der anderen Seite zeigen Studien regelmäßig, dass nur ein sehr kleiner Teil von Mitarbeitern eine starke Bindung zum Unternehmen angibt. Viele schieben mehr oder weniger Dienst nach Vorschrift und die Identifikation geht nicht über die Gehaltszahlung am Monatsende hinaus. Aber was macht die Identifikation eines Mitarbeiters mit dem Arbeitgeber überhaupt aus und welche Vor- oder auch Nachteile sind damit verbunden?

Identifikation mit dem Arbeitgeber: Vor- und Nachteile

Identifikation mit dem Arbeitgeber: Was bedeutet das?

Es wird oft und in verschiedenen Bereichen über die Identifikation von Mitarbeitern mit dem Arbeitgeber gesprochen. So spielt diese beispielsweise bei der Motivation von Angestellten eine große Rolle, aber vor allem in der Personalpolitik und auch beim Blick auf den gesamten Unternehmenserfolg kann der Einfluss von Mitarbeitern, die sich mit dem Unternehmen identifizieren, festgestellt werden.

Doch was genau bedeutet es eigentlich, wenn ein Angestellter sich mit seinem Arbeitgeber identifiziert? Nur davon auszugehen, Identifikation bedeute, dass das Team im Job glücklich und zufrieden ist, geht am Kern vorbei. Auch ein Mitarbeiter, der sich nicht mit dem Betrieb identifiziert, kann grundsätzlich glücklich bei der Arbeit sein.

Identifikation geht weiter. Dabei erleben Mitarbeiter sich selbst als wirklichen Teil des Unternehmens. Die Zusammenarbeit geht über eine reine Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehung hinaus. Es entsteht ein Wir-Gefühl, ein tiefer Zusammenhalt und eine enge Bindung an den Betrieb. Besonders wichtig ist dabei, dass Arbeitnehmer die Ziele des Unternehmens übernehmen. Unternehmensziele werden nicht nur mitgetragen, sondern zu eigenen Zielen gemacht, an deren Erreichung mit Engagement und Begeisterung gearbeitet wird.

Viele identifizieren sich mit dem Job, nicht mit dem Arbeitgeber

Identifikation mit dem Arbeitgeber mit der Tätigkeit Job Mitarbeiteridentifikation steigernAuf den ersten Blick scheinen die beiden Formulierungen sehr ähnlich zu sein. Identifikation mit dem Arbeitgeber oder Identifikation mit dem Job? Die Unterscheidung sollte jedoch unbedingt getroffen werden, da ein großer Teil von Arbeitnehmern sich zwar mit dem Job, aber nicht mit dem Unternehmen identifiziert.

Ein simples Beispiel: Wer in der Kinderbetreuung arbeitet, etwa als Erzieher oder Erzieherin, kann vollkommen in seinem Beruf aufgehen, diesem mit großer Leidenschaft nachgehen und sich zu 100 Prozent mit der Tätigkeit identifizieren – gleichzeitig aber keine sonderlich starke Bindung zum Arbeitgeber, also dem konkreten Kindergarten, haben.

Die Mitarbeiterbindung an das Unternehmen kann gleich Null sein, während sich die Person keinen anderen Job auf der Welt für sich vorstellen kann. Von einer solchen Einstellung zur Arbeit profitiert sicherlich auch der Arbeitgeber, allerdings fehlt die oben genannte Übernahme der Ziele und die Loyalität gilt dem Job, nicht dem Betrieb – eine Veränderung im Privatleben oder ein besseres Angebot kann dann schnell zu einem Wechsel führen.

Die Vorteile einer hohen Identifikation

Es ist ein seit Jahren und Jahrzehnten anhaltender Trend: Personalabteilungen versuchen dafür zu sorgen, dass Mitarbeiter sich mit dem Unternehmen identifizieren. Das beginnt beim Bewerbungsprozess und wird im Arbeitsalltag fortgeführt. Viele Unternehmen schreiben sich sogar die gute Mitarbeiterbindung groß auf die Fahnen, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

Ganz uneigennützig ist das allerdings nicht, denn wenn Angestellte sich mit dem Unternehmen identifizieren, gehen damit einige Vorteile einher:

  • Geringe Fluktuationsrate

    Müssen neue Mitarbeiter gesucht und eingearbeitet werden, kommen auf Unternehmen Kosten zu, die sich vermeiden lassen. Außerdem nimmt jeder Mitarbeiter, der den Betrieb verlässt, wertvolles Know How mit, das möglicherweise zur Konkurrenz wandert. Wird die Identifikation mit dem Arbeitgeber gesteigert, wird damit auch die Fluktuationsrate gesenkt. Angestellte bleiben länger und sehen keinen Anreiz, sich neu zu orientieren.

  • Größere Leistungsbereitschaft

    Wer sich mit seinem Arbeitgeber identifiziert, ist bereit, mehr für den Erfolg des Unternehmens zu tun. Da die Unternehmensziele als eigene Zielsetzungen übernommen werden, entsteht eine größere Motivation und das Team bemüht sich über ein normales Ausmaß hinaus, um an der Erreichung mitzuwirken.

  • Mehr Zufriedenheit

    Mit der Identifikation geht eine größere Zufriedenheit am Arbeitsplatz einher. Das wiederum macht sich in einem positiveren Betriebsklima bemerkbar. Der Zusammenhalt untereinander ist groß, es herrscht eine gute Atmosphäre und alle versuchen gemeinsam das Team und den gesamten Arbeitgeber nach vorne zu bringen. Es gibt weniger Einzelkämpfer, die Kollegen verschmelzen zu einer starken Einheit, die zusammen mehr erreichen kann.

Die Nachteile einer hohen Identifikation

Vor allem wurden bisher die Vorteile erforscht, die eine Identifikation mit dem Arbeitgeber mitbringen kann. In einer Studie wurden aber auch mögliche Schattenseiten beleuchtet, um ein vollständigeres Bild und besseres Verständnis zu erhalten. Dabei zeigte sich: Tatsächlich ist es nicht unbedingt nur positiv, wenn sich ein Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifiziert.

Das bedeutet nicht, dass die Vorteile nicht mehr gelten. Vielmehr wurden einige andere negative Auswirkungen von zu hoher Identifikation mit dem Arbeitgeber aufgedeckt:

  • Weniger Neuerungen

    Je größer die Identifikation mit dem Arbeitgeber, desto mehr wird das geschätzt, was vorhanden ist. Innovationen, Neuerungen und Veränderungen werden zunehmend abgelehnt. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass ein Unternehmen sich zwar über die Bindung zu Mitarbeitern freut, aber Probleme mit dem Stillstand bekommt. Selbst neue Mitarbeiter können es schwer haben, da auch eine personelle Veränderung eher ungewollt ist, da alles so bleiben soll, wie es bisher war.

  • Geringe Reflexion

    Mit einer steigenden Identifikation nimmt die Reflexion der Situation am Arbeitsplatz ab. Das soll heißen, dass Mitarbeiter alles im Job als positiv und gut bewerten, ohne es weiter zu hinterfragen. Das kann soweit führen, dass sogar grobe Fehler, etwa im Führungsverhalten oder bei wichtigen Unternehmensentscheidungen, einfach akzeptiert und mitgetragen werden, obwohl diese einen starken Nachteil für die Mitarbeiter selbst bedeuten.

  • Stärkere Selbstausbeutung

    Das Unternehmen freut sich, wenn Mitarbeiter größeres Engagement zeigen und bereit sind, mehr zu leisten als andere. Auf der anderen Seite kann zu viel Identifikation mit dem Arbeitgeber dazu führen, dass Angestellte sich über die eigenen Grenzen hinaus einbringen. Es wird sich zu viel Stress und Druck ausgesetzt unddie Arbeit verdrängt andere wichtige Lebensbereiche, in denen es dann zu Ärger und Problemen kommt.

[Bildnachweis: g-stockstudio by Shutterstock.com]
12. Juli 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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