Selbstausbeutung: So können Sie sich schützen
Wir arbeiten, arbeiten und arbeiten... Mindestens acht Stunden täglich - die gerne auch einmal deutlich in die Länge gezogen werden - geht ein Großteil der Menschen jeden Tag einer geregelten Tätigkeit nach. Erschwerend hinzu kommt der Fakt, dass es für viele Arbeitnehmer immer selbstverständlicher wird, auch über den eigentlichen Aufgabenbereich hinaus zusätzliche Arbeit zu leisten. So wird ohne mit der Wimper zu zucken auch einmal am Wochenende gearbeitet, zusätzliche noch freiwillige Aufgaben übernommen und die restliche Arbeit mit nach Hause genommen, um den ohnehin knapp bemessenen Feierabend nach den Überstunden mit der Fertigstellung eines Projekts zu verbringen. Selbstausbeutung ist ein gefährlicher Trend, der leider bei vielen Beschäftigten bereits aktiv betrieben wird. Wir haben einen kleinen Test vorbereitet, der Ihnen zeigt, ob Sie bereits Selbstausbeutung betreiben und geben Ihnen drei Tipps an die Hand, die Ihnen helfen können, sich zu schützen...

Selbstausbeutung: Was bedeutet das eigentlich?

Der Begriff Selbstausbeutung ist geläufig, doch was genau hat es damit eigentlich auf sich? Zunächst einmal sollte zum besseren Verständnis festgehalten werden, dass Selbstausbeutung nicht mit Überarbeitung gleichzusetzen ist. Diese treten in vielen Fällen parallel auf, sind jedoch zu unterscheiden. Vielmehr könnte man sagen, dass die Überarbeitung eine Folge der Selbstausbeutung ist. Oder um es etwas bildlicher zu sagen: Die vielen Überstunden und die fehlende Freizeit sind Symptome, die Selbstausbeutung ist aber die dahinterstehende Krankheit.

  • Selbstausbeutung beschreibt die Bereitschaft, mehr, härter und länger zu arbeiten, als es erforderlich wäre und vom Arbeitgeber erwartet wird.
  • Dabei wird in Kauf genommen, die eigene Gesundheit durch den anhaltenden Stress und den kaum vorhandenen Ausgleich zu schädigen.

Was fördert die Selbstausbeutung?

Extra-Tipp-IconOb Sie zu Selbstausbeutung neigen oder vielleicht sogar schon mitten drin stecken, kann auch von Ihrer Persönlichkeiten und Ihrem Job abhängen. So haben einige häufiger mit Selbstausbeutung zu kämpfen, da entweder ihr Charakter oder aber ihr Arbeitsumfeld diese fördert. Aber welche Faktoren können eine solche Auswirkung haben?

  • Große Selbstbestimmung.

    Alle träumen immer von eigenverantwortlichem Arbeiten und großer Selbstbestimmung im Job. Genau hier liegt aber eine häufige Quelle für Selbstausbeutung. Je Selbstbestimmung und damit Freiheiten ein Arbeitnehmer hat, desto größer das Risiko, zu viel und deutlich mehr als nötig zu tun. Plötzlich findet man an einem Arbeitstag kein Ende mehr und hat das Gefühl, immer noch mehr leisten zu müssen.

  • Großer Druck.

    Wer unter großem Druck am Arbeitsplatz leidet, hat bereits einen ersten Schritt in Richtung der Selbstausbeutung getan. Ob dieser Druck wirklich vom Arbeitgeber erzeugt wird oder der Arbeitnehmer sich diesen selbst macht, spielt dabei keine Rolle. Wird der Druck verspürt, sich beispielsweise beweisen zu müssen oder gegen die große Konkurrenz durchzusetzen, rutschen viele in die Selbstausbeutung, um dem Druck standhalten zu können. Ein Teufelskreis.

Selbstausbeutung: So schützen Sie sich

Selbstausbeutung: So schützen Sie sichHat die Selbstausbeutung erst einmal begonnen, ist es oft schwer, wieder einen Weg hinaus zu finden. Anfangs macht es noch Spaß, sich in die Arbeit reinzuhängen, gute Ergebnisse zu erzielen und vielleicht sogar ein paar Stufen auf der Karriereleiter aufsteigen zu können. Doch über kurz oder lang zeigen sich automatisch die negativen Auswirkungen in Form von Erschöpfung und großem Stress, was im schlimmsten Fall bis zu einem Burnout führen kann. Damit Sie sich vor den Gefahren schützen können, haben wir drei Tipps für Sie zusammengestellt.

  1. Schaffen Sie eine Grenze zwischen Arbeit und Freizeit

    Kennen Sie noch die Redensart Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps? Anders ausgedrückt, es braucht eine Grenze zwischen Arbeitsleben und privater Freizeit. Flexible Arbeitszeitmodelle kommen vielen Arbeitnehmer zwar entgegen, verwischen aber genau diese Grenze. Wer ohnehin zur Selbstausbeutung neigt, sollte klar trennen können, wann gearbeitet wird, und wann die Zeit ist, um sich anderen Dingen zu widmen.

  2. Verabschieden Sie sich vom Perfektionismus

    Ihre Motivation, Karrierepläne und Ihren Ehrgeiz in allen Ehren, aber Sie müssen nicht immer und überall der Beste sein. Um erfolgreich zu sein und im Job eine gute Figur zu machen, müssen Sie nicht jeden Morgen eine Stunde früher erscheinen und abends als Letzter das Licht ausmachen. Perfektionismus führt nur zu dem Druck, der die Selbstausbeutung fördert und erzeugt zusätzlich noch weiteren Stress, der die Probleme verstärkt.

  3. Achten Sie auf klare Strukturen

    Sie haben in Ihrem Job viele Freiheiten und die fehlende Kontrolle fördert Ihre Selbstausbeutung? Dann schaffen Sie sich klarere Strukturen und vor allem: Halten Sie sich auch daran. Legen Sie beispielsweise eine To Do Liste an, auf der Sie Ihre anstehenden Aufgaben festhalten. Erst wenn Sie diese abgearbeitet haben, suchen Sie wieder aktiv nach neuen Projekte, So verhindern Sie, durch fehlende Organisation und Struktur viel zu viele Aufgaben anzuhäufen, die nur in Überstunden und nach Feierabend erledigt werden können.

Selbstausbeutung: Beuten Sie sich aus?

Extra-Tipp-IconAbschließend haben wir noch einen kleinen Selbsttest für Sie vorbereitet. Zwar verstehen viele Betroffene, dass sie der Arbeit einen sehr hohen Stellenwert einräumen und ihnen im Privatleben oftmals etwas fehlt, doch sind sich viele nicht bewusst, wie tief sie bereits in der Selbstausbeutung stecken. Sollten Sie sich selbst häufiger in den folgenden 10 Behauptungen wiedererkennen, sollten Sie sich überlegen, wie Sie die Selbstausbeutung stoppen können.

  • Na klar, ich mache Überstunden. Das ist doch vollkommen normal.
  • Ich kann einfach nicht Nein sagen, auch wenn ich schon viel zu tun habe.
  • Vereinbarungen nach Feierabend treffe ich nicht, da ich nie genau weiß, wann ich nach Hause komme.
  • Sorgen um meinen Arbeitsplatz und die Zukunft mache ich mir sehr oft.
  • Egal, wie sehr ich mich anstrenge, ich habe immer das Gefühl, noch mehr machen zu müssen.
  • Ich kann nur schlecht Grenzen setzen - anderen und auch mir selbst.
  • Krankschreiben? Das kann ich mir wirklich nicht erlauben.
  • Auch zu Hause und an eigentlich freien Tage denke ich ständig an die Arbeit.
  • Ich bin regelmäßig nach der Arbeit sehr erschöpft.
  • Falls nötig gehe ich auch am Wochenende arbeiten, um meinen Chef zu unterstützen.

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