Lange Arbeitszeiten schaden der Lebensbalance – NICHT

Zehn Stunden täglich, zwölf oder gar 14 Stunden – wer zu viel schuftet, schuftet sich zu Tode. Stimmt häufig, aber längst nicht immer. In Wahrheit können – so unsere These – lange Arbeitszeiten Ihre Lebensbalance sogar verbessern. Mehr arbeiten für eine bessere Work-Life-Balance – das funktioniert unter diesen Voraussetzungen …

Lange Arbeitszeiten schaden der Lebensbalance - NICHT

Lange Arbeitszeiten: Gute Balance?

Die Hälfte der Manager rund um den Globus arbeitet mehr als 40 Stunde pro Woche. 40 Prozent von ihnen sagen, dass sich ihr Arbeitsvolumen in den vergangenen fünf Jahren erhöht habe. Einer von drei Vollzeitbeschäftigten weltweit sagt, dass es zuletzt schwieriger geworden sei, Work und Life unter einen Hut zu bekommen.

Über ein (zu) großes Arbeitspensum beklagen sich vor allem Eltern und Millenials, also die 1980er-Generation. Was die Umfrage von Ernst & Young aus dem letzten Jahr auch sagt: Das Wehklagen ist am größten in Japan und – aufgepasst – in Deutschland. Daneben wurden auch Amerikaner, Chinesen, Mexikaner, Brasilianer, Inder und Briten abgefragt.

Lebensbalance: Schwierig

Das Thema Work-Life-Balance – oder auf franko-deutsch: Lebensbalance – ist heißer denn je. Ein wichtiger Aspekt in diesem Zuammenhang: Kinderbetreuung. Im EY-Report sagen 38 Prozent der US-Millenials, dass sie in ein anderes Land mit besseren gesetzlichen Regelungen zu Elternzeit und Mutterschutz auswandern würden.

Ohnehin sind die USA demnach das Land, in dem es für Eltern im Vergleich zu Kinderlosen offenbar am schwierigsten ist, eine gute Work-Life-Balance zu etablieren. Auch hierzulande darf sich glücklich schätzen, wer einen Kita-Platz gefunden hat. Vor wenigen Wochen hat zum Beispiel in Flensburg die erste Nachtkita Schleswig-Holsteins eröffnet – Zielgruppe: berufstätige Eltern, darunter viele, die in Nachtschicht schaffen müssen.

An einer Wahrheit kommt man nicht vorbei: Zu viele Überstunden, zu lange Arbeitszeiten, zu hartes Schuften können schädlich sein. Sie …

Unsere These ist nun: Das tun sie nur, wenn Sie kein Gegengewicht etablieren. Lange Arbeitszeiten – behaupten wir – können auch Teil der Lösung sein. Zum Beispiel, wenn Sie die Grundidee der Work-Life-Balance einfach über Bord werfen. Kann man denn beides überhaupt strikt trennen – Arbeit und Leben – oder ist Ersteres nicht Teil von Letzterem? Möglicherweise bringt uns Work-Life-Blending, die Verschmelzung zu einer Einheit, weiter. Die Arbeit ins Privatleben integrieren und/oder umgekehrt, das könnte das eigene Leben grundlegend neu ordnen und auch entzerren.

Wann lange Arbeitszeiten nicht schaden

Denn es gibt Entwicklungen, die man sich zunutze machen kann, um ein ausgeglicheneres Leben zu führen – UND lange zu arbeiten. Also mehr als 40, 45 oder auch mal 50 bis 60 Stunden pro Woche.

Wir sagen: Lange Arbeitszeiten schaden nicht, wenn …

  1. Sie genügend Pausen einstreuen

    Pausen senken den Stresspegel, machen zufriedener. Angenommen, Sie legen für jede Netto-Arbeitsstunde 15 Minuten Pause ein – und gönnen sich auch die klassisch-lange Mittagspause von einer Stunde. Acht Stunden effektive Arbeitszeit verlängern sich dadurch auf eine Bruttozeit von insgesamt elf Stunden. Der Unterschied: Sie fühlen sich trotz zeitlicher Verlängerung besser, fitter, leistungsfähiger – auch, weil sie produktiver sind. Mehr (Gesamt-)Arbeitszeit bedeutet in diesem Fall mehr Ausgewogenheit.

  2. Sie im Home Office arbeiten

    Heimarbeit steigert die Leistung und macht zufriedener, sagt eine Studie der Uni Stanford. Unter anderem, weil es weniger Störquellen und Geräusche gibt, dafür im Gegenzug mehr Konzentration und Harmonie. Auch zeigen die Erfahrungswerte, dass Home-Office-Worker eher länger als kürzer arbeiten. Unter anderem darum, weil sie Nachteile befürchten und Ihre Leistung umso mehr nachweisen müssen. Aber vielleicht auch deshalb, weil sie die Flexibilität und den Freiraum daheim zu schätzen wissen – und dementsprechend gerne bei der Sache sind. Home Office ermöglicht, auch mal eine Abendschicht von 20 bis 23 Uhr oder einen konzentrierten Zehn-Stunden-Tag einzulegen – während Sie es im konfliktbeladenen Großraumbüro womöglich keine zwei Stunden aushalten. Das kann der Balance mitunter nützen. Home Office führt – oftmals – zu längerer Arbeitszeit, aber eben auch zu einer besseren Lebensbalance.

  3. Sie Sinn in Ihrer Arbeit finden

    Die US-Marktforscher von Gallup sagen, dass die jüngere Generation, die Millenials, vor allem einen Sinn in ihrer Arbeit sehen wollen. „Spielzeuge und Befugnisse zu verteilen ist ein Fehler von Führungskräften, und schlimmer noch, ist herablassend“, schreibt Gallup-Vorsitzender Jim Clifton im Bericht „How Millenials want to work and live“. „Sinn und Entwicklung ist, was diese Generation antreibt.“ Credo: Work is life. „Sie wollen einen Arbeitsplatz, der ihnen in ihrer persönlichen Weiterentwicklung hilft, aber sie wollen auch ihren eigenen Werte wiederfinden“, so Gallup-Forscher Jim Harter zur Washington Post. Wer eher seine Stärken einsetzen darf als an seinen Schwächen arbeiten muss, Raum zur Entwicklung erhält und einen Sinn in dem sieht, was er tut, nimmt den Job als identitätsstiftend wahr. Und arbeitet gerne – auch mal länger.

Alles Punkte, die Ihre Arbeitszeiten verlängern, Ihre Zufriedenheit aber zugleich steigern und die berühmte Work-Life-Balance verbessern können. Wie sehen Sie das? Wir freuen uns über Ihre Meinungen und Anregungen …

[Bildnachweis: Hanna Kuprevich by Shutterstock.com]
9. Juni 2016 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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