Work-Life-Integration: Das Beste aus zwei Welten

Die Vermischung von Arbeit und Freizeit ist längst Realität. Dies besser zu gestalten, hat die Work-Life-Integration zum Ziel. Denn trotz moderner Arbeitskonzepte bedeutet zu arbeiten für die meisten Arbeitnehmer nach wie vor, dass sie Anwesenheitspflicht haben. Dabei braucht es für Bürotätigkeiten heutzutage oft nur einen Laptop und Internet – über Clouds ist der Zugriff auf Arbeitsinhalte möglich. Dennoch steht für viele Arbeitgeber offenbar immer noch der Eindruck im Vordergrund, dass ihre Mitarbeiter bei Home Office zu sehr Privates mit Beruflichem vermischen und umgekehrt im Büro ebenfalls. Nach Work-Life-Balance scheint Work-Life-Integration nun die Lösung zu bringen…

Work-Life-Integration: Das Beste aus zwei Welten

Work-Life-Integration Definition: Besser als Work-Life-Balance

Work-Life-Integration Work-Life-Integration Adidas Work-Life-BalanceStatt Work-Life-Balance gibt es nun die Work-Life-Integration. Der Begriff Integration deutet bereits an, dass es darum geht, zwei verschiedene Bereiche miteinander zu verbinden, den einen in den anderen einzugliedern. Um das zu gewährleisten, wird beispielsweise die Arbeitszeit besser an die momentane Lebensphase des Arbeitnehmers angepasst oder es ermöglichen Einrichtungen im Unternehmen die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Diesen Gedanken griff seinerzeit auch der Begriff Work-Life-Balance auf, allerdings ist er schon lange in der Kritik: Balance gaukelt dem Unwissenden vor, dass es ein Gleichgewicht gäbe zwischen Arbeit auf der einen und Freizeit auf der anderen Seite. Gleichzeitig werden beide Bereiche aber auch als Gegensätze aufgefasst: HIER die Arbeit, DORT das Leben, die Freizeit.

Diese Trennung ist allerdings längst nicht mehr aufrecht zu erhalten. Selbst wenn das Surfen im Internet am Arbeitsplatz nicht erwünscht ist – heimlich passiert es doch. Und dort, wo Social Media sowieso zum Arbeitsbereich gehören, dürfte es erst recht nicht möglich sein, das zu trennen.

Work-Life-Integration ist bereits im vollem Gange

Es sind auch andere Arbeitskonzepte als früher, die dazu beitragen, etwa Home Office und Coworking Space. Und wer sich mit Hoffice nun gar fremde Arbeitskollegen ins eigene Wohnzimmer holt, gibt definitiv einen Teil seiner Privatsphäre zugunsten der Arbeit auf.

Ob dies nun erwünscht und sinnvoll ist, müssen Arbeitnehmer für sich entscheiden. Fakt ist, dass sich Arbeitsbereiche im Privatleben und Privates im Arbeitsleben befindet und eine Trennung oftmals nicht möglich oder gewollt ist: Vom Arbeitsplatz aus werden Flüge gebucht, in der Freizeit die Mail eines Kunden beantwortet. Für Unternehmen bietet sich mit einer geplanten Work-Life-Integration die Chance, das in geordnete Bahnen zu lenken, was teilweise bereits Alltag ist.

Dies wird vor allem häufig mit Blick auf jüngere Arbeitnehmer wie der Generation Y formuliert, die wissen, dass sie gefragt sind. Sie befinden sich daher in der glücklichen Position, Forderungen stellen zu können.

Merkmal dieser Generation ist es, nicht so sehr ausschließlich auf das Geld zu schielen und schon gar nicht alles dem Beruf unterordnen wollen. Vielmehr wünschen sie sich mehr Freiräume und Flexibilität, aber auch eine sinnvolle Tätigkeit und die Möglichkeit, Freizeit und Beruf zu verbinden.

Allesamt also Wünsche, die der Idee der Work-Life-Integration entsprechen. Befürworter dieses Konzepts sehen zwei wesentliche Vorteile, die der praktizierende Arbeitnehmer für sich auch bedenken sollte:

  • Ein Ende der Schuldgefühle.

    Nie wieder heimliches Surfen bei Facebook oder Twitter, nie wieder heimliches Checken privater E-Mails – denn nun ist es am Arbeitsplatz ausdrücklich gestattet. Anrufe von Freunden oder Familie müssen nicht mehr mit schlechtem Gewissen angenommen werden, sondern gehören dazu. So wie umgekehrt auch von Zuhause aus beispielsweise geschäftliche Telefonate geführt werden können.

  • Eine Steigerung der Effektivität.

    Es geht nicht mehr um die minutiöse Aufteilung zwischen Arbeits- und Privatzeit, sondern um mehr Flexibilität. Diversen Studien zufolge wird Arbeitszeit verplempert, etwa bei ausufernden Meetings, aber auch mit Nichtstun, weil vielleicht die Aufgaben einen geringeren Umfang als angenommen hatten oder die Auftragslage nicht so hoch ist. Statt die Zeit ineffektiv im Büro totzuschlagen, könnte der Arbeitnehmer völlig akzeptiert früher nach Hause gehen. Die gewonnene Zeit kann für private Belange eingesetzt werden, so wie im Gegenzug an anderer Stelle Berufliches in der Freizeit erledigt wird.

Work-Life-Integration: Wie Unternehmen das ermöglichen

Wie kann das nun in der Praxis aussehen? Voraussetzung ist natürlich, dass der Arbeitgeber sich frei macht von traditionellen Denkmustern, denen zufolge „nine to five“ gearbeitet wird und die Stechuhr der Garant für Arbeitseinsatz ist.

Aber es gibt sie bereits, diese Unternehmen, die versuchen durch Work-Life-Integration geschäftliche Interessen einerseits mit familiären Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter andererseits in Einklang zu bringen. Internationale Konzerne wie die Adidas Gruppe haben beispielsweise eine eigens dafür eingerichtete Work-Life-Integrations-Abteilung (WLI), die verschiedene Konzepte herausgearbeitet hat.

Diese Arbeitgeber wollen eine Arbeitsatmosphäre schaffen, in der sich die Mitarbeiter wohlfühlen und dementsprechend motiviert und leistungsbereit sind.

Dazu gehören:

  • Arbeitszeitprogramme

    Flexibilität wird immer gefordert, aber häufig nicht ermöglicht. Mit Arbeitszeiten, die der jeweiligen Lebensphase angepasst werden können, ist eine wichtige Voraussetzung für Work-Life-Integration geschaffen. Umgesetzt werden kann das mit Vertrauensarbeitszeit, Teilzeitarbeit, Home Office/Telearbeit und einem Lebensarbeitszeitkonto, das die Übertragung von Überstunden in Urlaub, Sabbaticals oder auch in Zeit für Weiterbildungen ermöglicht.

  • Familienkonzepte

    Kinder gehören in Deutschland leider immer noch zum Karrierekiller Nummer eins – ganz anders als in anderen Ländern, deren Betreuungsangebote deutlich besser sind. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels können Unternehmen es sich nicht leisten, auf qualifizierte Frauen zu verzichten. Die Gewissheit, im Falle eines erkrankten Babysitters beispielsweise Unterstützung durch den Arbeitgeber zu haben, bedeutet eine große Entlastung. Dafür können Kindertagesstätten und Betriebskindergärten, Feriencamps, Stillräumen, Eltern-Kind-Büro oder gar Beratungsangebote zur Elternzeit und dem Wiedereinstieg eine große Hilfe sein.

  • Gesundheits-und Freizeitangebote

    Sei es Rückenschule oder sportliche Aktivitäten mit diversen Sportgruppen, Yoga, Betriebsfußball oder der Firmenmarathon: Hier werden Beruf und Freizeit eng mit der Gesundheit der Mitarbeiter verknüpft. Dabei geht es nicht nur um gesündere und damit produktivere Mitarbeiter, sondern auch um eine Stärkung des Gemeinschaftsgefühls außerhalb des typischen Arbeitsalltags. Das wiederum steht ebenfalls auf der Agenda, wenn regelmäßige Mitarbeiter-Events wie After-Work-Partys oder Betriebsfeiern veranstaltet werden.

  • Sonstige Angebote

    Die Angebote sind vielfältiger Natur und können beispielsweise Rückzugsorte für Arbeitnehmer umfassen. Dazu gehören dann beispielsweise Schlafmöglichkeiten im Unternehmen. Die Adidas Group bietet beispielsweise zusätzlich zu diversen Arbeitszeit- und Familienkonzepten auch Lebenshilfe an; etwa bei Fragestellungen rund um die Pflege eines Familienmitglieds. Dies beinhaltet sowohl Hilfestellung zu reduzierter Arbeitszeit als auch gesetzlichen Möglichkeiten.

Kritik an Work-Life-Balance und Work-Life-Integration

Was von alledem ist es nun? Die Antwort lautet vermutlich: Beides. Manch einem treibt die Vorstellung, dass Familie und Privates sich nicht mehr klar von der Arbeit trennen lassen, Schweißperlen auf die Stirn. Sie vermuten, vom Job aufgefressen zu werden.

Aber nüchtern betrachtet bietet die Idee, Dinge je nach Zeit, nach Notwendigkeit oder auch der eigenen Lebenssituation priorisieren zu können, viel eher die Möglichkeit, den Druck aus dem Leben zu nehmen. Denn während draußen die Sonne scheint, muss nun nicht mehr auf den einen wichtigen Anruf im Unternehmen gewartet werden.

Es ist die moderne Kommunikationstechnik, die Fluch und Segen zugleich ist. Sie ermöglicht dem Arbeitnehmer aber eben auch, diesen besagten Anruf Zuhause auf dem Balkon entgegenzunehmen. Was es natürlich auch bedeutet: Der Einzelne ist nun in der Verantwortung. Er selbst sorgt für den Ausgleich zur Arbeit, kann somit aber auch die erforderliche Balance herstellen.

[Bildnachweis: TDway by Shutterstock.com]
29. Mai 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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