Arbeitszeitverkürzung: Was Sie wissen sollten

Viele Arbeitsverträge sehen eine 40-Stunden-Woche für den Arbeitnehmer vor. Kommen dann noch Überstunden hinzu, landet man schnell bei 45 oder 50 Stunden pro Woche. Wer dann noch als Pendler kostbare Lebenszeit im Auto oder Zug vergeudet, mag das Gefühl haben, dass das Leben an ihm vorbeizieht. Eine Arbeitszeitverkürzung scheint attraktiv. Doch welche Gründe sprechen wirklich dafür, welche dagegen? Das sollten Sie wissen…

Arbeitszeitverkürzung: Was Sie wissen sollten

Arbeitszeitverkürzung: Arbeit ist das halbe Leben…

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass in Deutschland ein protestantischer Arbeitsethos verwurzelt ist. Im Luthertum entwickelte sich die Vorstellung davon, dass Arbeit etwas Gottgewolltes und Gottgefälliges, nichts Lästiges ist.

Diese Idee wird ebenfalls häufig von Menschen aufgegriffen, die Arbeit als Weg zur Selbstverwirklichung betrachten.

In den letzten Jahren lassen sich einige Entwicklungen am Arbeitsmarkt und im Berufsleben beobachten, die Menschen dazu bringen, ihre derzeitige Arbeitspraxis infrage zu stellen und über eine Arbeitszeitverkürzung nachzudenken.

Zum einen wären da die Folgen der Digitalisierung zu nennen, die bereits jetzt zu einer Arbeitsverdichtung geführt haben. Zum anderen wächst mit der Generation Y eine Generation heran, die andere Werte als noch ihre Eltern und Großeltern vertritt.

Die derzeitigen Mittzwanziger und Mittdreißiger möchten etwas vom Leben haben. Unter dem Eindruck einer zunehmenden Globalisierung und unsicherer Verhältnisse – sei es durch Bedrohungen wie Terrorismus, sei es durch Finanzkrisen – ist ihnen weniger daran gelegen, das große Geld zu scheffeln.

Vielmehr geht es um Dinge wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine stärkere Lebensqualität im Allgemeinen.

Recht auf Arbeitszeitverkürzung

Einige Arbeitsabläufe lassen sich sicherlich optimieren. Die eingesparte Zeit wäre theoretisch eine Arbeitszeitverkürzung, nur: Viele Arbeitgeber schauen weniger auf das Ergebnis, sondern denken in Präsenzzeiten: Wer anwesend ist, arbeitet – so der etwas naive Gedanke.

Dabei ist längst nicht jeder Arbeitnehmer, der physisch präsent ist, auch psychisch anwesend. Arbeitszeit wird nicht selten surfenderweise am PC oder Smartphone vertrödelt, weil gerade kein Geistesblitz kommen will.

Wie kann eine wirkliche Arbeitszeitverkürzung aussehen? Letztlich gibt es verschiedene Szenarios, die dazu führen, dass Sie weniger Zeit auf der Arbeit verbringen als bisher:

  • Veränderung durch Gesetz

    Eine Arbeitszeitverkürzung wäre möglich, wenn der Gesetzgeber die Höchstarbeitszeit ändert. Momentan gilt eine tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden, die allerdings in bestimmten Branchen und Ausnahmefällen überschritten werden darf.

    So sind bis zu zehn Stunden täglich möglich, sofern der Arbeitgeber gewährleistet, dass Sie innerhalb von sechs Monaten nicht mehr als acht Stunden am Tag arbeiten. Da der Samstag zu den Werktagen zählt, können von Montag bis Freitag bis zu 48 Stunden anfallen, also täglich gut neuneinhalb Stunden Arbeitszeit.

    Die 40-Stunden-Woche ist derzeit weit verbreitet, allerdings gibt es immer wieder Vorstöße seitens der Gewerkschaften, wöchentliche Arbeitszeiten zu reduzieren. Mit einer nennenswerten Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit für alle Arbeitnehmer ist dennoch nicht zu rechnen.


  • Reduzierung durch Teilzeit

    Sie beantragen bei Ihrem Arbeitgeber eine Umstellung auf Teilzeit. Darauf haben Sie ein Anrecht, geregelt ist dies in § 8 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG).

    Voraussetzung dafür ist, dass Sie mindestens sechs Monate bei Ihrem Arbeitgeber angestellt sind und mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt werden. Ausgenommen sind davon Auszubildende und Praktikanten. Der Arbeitgeber kann zwar aus betrieblichen Gründen eine Arbeitszeitverkürzung ablehnen, allerdings liegt die Schwelle seitens des Gesetzes für Arbeitgeber recht hoch.

    Theoretisch können Sie Ihren Antrag auf Teilzeitbeschäftigung auch mündlich stellen, da er formlos erfolgen darf. Aus Gründen der Beweisbarkeit sollten Sie sich jedoch immer mit einem schriftlichen Antrag absichern.

Konsequenzen bei einer Arbeitszeitverkürzung

Bevor Sie sich zu einer Arbeitszeitverkürzung – auch Arbeitszeitverringerung genannt – entschließen, sollten Sie sorgfältig die Vor- und Nachteile abwägen. Manche Konsequenzen werden sich unmittelbar auswirken, andere eher langfristig.

Arbeitszeitverkürzung Gesetz Auswirkung Rente

  • Sie haben ein geringeres Gehalt.

    Das bedeutet im Klartext: Sie müssen vorher gut kalkulieren, ob Sie Ihren derzeitigen Lebensstandard werden halten können. Miete, Strom, Heizung, Wasser und die ganzen Nebenkosten müssen auch weiterhin bezahlt werden.

    Lebenshaltungskosten, diverse Verträge fürs Smartphone, Internet, Versicherungen laufen ebenfalls. Wer seine monatlichen Ausgaben nicht kennt, wird womöglich durch eine Arbeitszeitverkürzung deutlich stärkere Einbußen hinnehmen müssen als angenommen.


  • Ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld sinkt.

    Die Höhe des Arbeitslosengeldes (ALG I) orientiert sich üblicherweise an Ihrem letzten Gehalt einer versicherungspflichtigen Beschäftigung innerhalb der letzten zwölf Monate. Für Teilzeitbeschäftigte verlängert sich dieser sogenannte Bemessungszeitraum sogar um dreieinhalb Jahre.

    Das heißt, wenn Sie beispielsweise vier Jahre in Vollzeit gearbeitet haben und dann nach einem Jahr Teilzeitarbeit arbeitslos werden, erhalten Sie Arbeitslosengeld auf Grundlage des Vollzeitgehalts. Haben Sie allerdings mehr als dreieinhalb Jahre in Teilzeit gearbeitet, orientiert sich Ihr Arbeitslosengeld an Ihrem letzten Teilzeitgehalt.

    Allerdings wird Arbeitnehmern nicht die volle Höhe des letzten Gehalts vor der Arbeitslosigkeit ausgezahlt. Für alleinstehende ALG-I-Empfänger liegt der Betrag bei 60 Prozent, für Arbeitslose mit Kindern bei 67 Prozent des letzten Nettoverdiensts.

    Eine Arbeitszeitverkürzung kann Sie also auch bei einer kurzzeitigen Arbeitslosigkeit in die Bredouille bringen: Dann nämlich, wenn das ALG I zum Überleben nicht mehr reicht und Sie mit ALG II zum „Aufstocker“ werden und somit in den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters fallen.


  • Ihre Rentenhöhe sinkt.

    Die Altersarmut ist in aller Munde: Wer im Alter nicht von der Grundsicherung abhängig sein will, muss mindestens 40 Jahre lang ein Bruttogehalt von 31.200 im Jahr gehabt haben.

    Deutlich geringer fallen jedoch die Verdienste im Schnitt von Teilzeitkräften aus. Ihre Rente beträgt nach 40 Jahren Berufstätigkeit häufig nicht mal 500 Euro im Monat. Der Grund dafür liegt darin, dass sich Ihre Rente aus sogenannten Entgeldpunkten errechnet, die Sie bis zum Rentenantritt sammeln.

    Dabei gilt, dass Sie einen vollen Punkt ab einem Jahresgehalt von 36.294 Euro verdienen. Teilzeitkräfte mit einem deutlich geringeren Jahresbruttogehalt erhalten nur anteilige Entgeltpunkte.

    Wer dennoch eine Arbeitszeitverkürzung plant, kann die gesetzliche Rente aufwerten, indem er für jedes Kind die Elternzeit anrechnen lässt, freiwillig in die Rentenversicherung einzahlt und/oder private Vorsorge in Form von Fonds oder Riester-Rente betreibt.


  • Ihr berufliches Netzwerk schrumpft.

    Tagtäglich einer Arbeit nachzugehen bedeutet mehr als irgendwelche Aufgaben zu erledigen: Sie kommen mit neuen Entwicklungen am Arbeitsmarkt in Berührung und lernen neue Kollegen kennen. Viele Arbeitnehmer pflegen freundschaftliche Kontakte zu Kollegen, die nach einer Arbeitszeitverkürzung dann womöglich einschlafen.

    Wer vielleicht nur noch zwei, drei Tage in der Woche im Betrieb ist, bleibt häufig nicht mehr so am Ball. Teilweise mögen es nur Nuancen sein, die sich verändern. Dauerhaft nehmen diese dann zu.


Arbeitszeitverkürzung Gesetz Auswirkung Rente

  • Ihre Lebensqualität steigt.

    Sie sind ausgeglichener, denn Sie haben vielleicht weniger Geld, aber dafür mehr Freizeit. Zeit, die Sie mit Ihren Freunden, Ihrer Familie und Ihren Kindern verbringen können. Zeit, in der Sie sich Hobbys oder auch verstärkt Ihrer Gesundheit widmen können.

    Gerade wenn die Zeit davor von vielen Überstunden geprägt war, kann eine Arbeitszeitverkürzung die notwendige Erholung verschaffen.


  • Sie treiben Ihre Selbstverwirklichung voran.

    Wer eine Jobkrise hat und sich nicht sicher ist, ob er in diesem Beruf bleiben möchte, für den kann eine Arbeitszeitverkürzung eine gute Gelegenheit sein, das derzeitige Berufsleben zu reflektieren.

    Wer sich morgens mit Gewalt aus dem Bett quält und jede Woche nur noch auf das heißersehnte Wochenende guckt, sollte vielleicht etwas kürzer treten, um neue Pläne zu entwickeln.

    Letztlich ist das eine gute Möglichkeit, mit einer beruflichen Weiterbildung einen Jobwechsel oder gar Beförderung anzustoßen.


  • Sie werden produktiver.

    Wer ausgeruht ist, arbeitet ganz anders als jemand, der seinen Akku nur noch zu 50 Prozent aufladen kann. Produktivität hat ihre Grenzen, nicht umsonst sind Pausen und Erholungsurlaub so wichtig.

    Manche Branchen gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass der Arbeitnehmer seine ganze Energie zehn, zwölf Stunden am Tag zur Verfügung stellt – mit dem Gehalt ist alles beglichen. Dass aber kein Mensch dauerhaft mehrere Stunden ununterbrochen konzentriert sein kann und auch nach acht Stunden bereits die Produktivität rapide nachlässt, wird viel zu oft von Arbeitgebern ignoriert.

    Anders formuliert: Von einer Arbeitszeitverkürzung profitiert am Ende sogar der Arbeitgeber, denn sein Mitarbeiter kommt nun ausgeruhter zur Arbeit. Je nachdem, um wie viele Stunden die Arbeitszeit verkürzt wird, kann es sein, dass dieselbe Arbeit nun in weniger Zeit bewältigt werden kann.

[Bildnachweis: goodluz by Shutterstock.com]
8. März 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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