Arbeitszeitverkürzung: Was Sie wissen sollten

Die Arbeitstage sind lang, der Feierabend kurz. Mit Überstunden und zusätzlichen Aufgaben sind es bei Vollzeitbeschäftigten schnell 45 oder auch 50 Stunden pro Woche – Pendeln nicht eingerechnet. Manche Arbeitnehmer spielen da mit dem Gedanken an eine Arbeitszeitverkürzung. Stellt sich jedoch die Frage: Ist das überhaupt möglich? Im Arbeitsvertrag sind schließlich feste Arbeitszeiten vereinbart worden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Arbeitszeitverkürzung und zeigen, welche Vor- und Nachteile damit einhergehen können…

Arbeitszeitverkürzung: Was Sie wissen sollten

Arbeitszeitverkürzung: Nicht mehr nur arbeiten

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Viele Menschen bemessen ihren eigenen Wert – und auch den anderer – danach, wie erfolgreich jemand ist. Wir arbeiten, schuften, rackern uns ab. Arbeit ist das halbe Leben. Bei endlosen Arbeitstagen voller Überstunden geht die Rechnung durchaus auf.

Gerade in den letzten Jahren lässt sich ein neuer Trend beobachten: Vielen Menschen ist es nicht mehr genug, nur für den Job zu leben. Gerade die sogenannte Generation Y ist dafür bekannt, mehr vom Leben zu wollen. Beruflicher Erfolg ist ein Pfeiler, nur nicht der einzige. Selbstverwirklichung, Träume, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine bessere Lebensqualität und eine größere Balance zwischen verschiedenen Bereichen rücken in den Mittelpunkt.

Ein mögliches Mittel dazu ist die Arbeitszeitverkürzung. Sie rückt den Fokus weg vom Job, eröffnet durch größere zeitliche Freiräume mehr Möglichkeiten außerhalb des Büros und fernab der Karriereleiter.

Habe ich ein Recht auf Arbeitszeitverkürzung?

Sie wollen weniger Zeit in Ihren Beruf investiere, dafür beispielsweise mehr Zeit mit den Kindern haben. Eine Arbeitszeitverkürzung erfüllt genau diesen Zweck. Doch haben Sie ein Recht darauf und muss Ihr Arbeitgeber einem solchen Antrag zustimmen?

Die gute Nachricht für Mitarbeiter: Ja, es gibt einen gesetzlichen Anspruch auf Arbeitszeitverkürzung. Allerdings ist dieser – wie leider so oft – an Bedingungen geknüpft. In § 8 des Gesetzes über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge heißt es dazu:

Ein Arbeitnehmer, dessen Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate bestanden hat, kann verlangen, dass seine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit verringert wird.

Neben der Voraussetzung, dass Sie bereits mehr als sechs Monate beschäftigt sind, müssen im Unternehmen mindestens 15 Arbeitnehmer beschäftigt sein, damit Sie einen Anspruch auf die Reduzierung Ihrer Arbeitszeit wahrnehmen können.

Sind diese Bedingungen gegeben, muss Ihr Arbeitgeber einem Antrag auf Arbeitszeitverkürzung grundsätzlich zustimmen, wenn Sie den Antrag drei Monate vor Inkrafttreten der Verkürzung stellen. Einzige Ausnahme sind dringende betriebliche Gründe, die dagegen sprechen. Hier müsste der Chef nachweisen, dass beispielsweise die Organisation im Betrieb zusammenbrechen oder die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden könnte.

Selbst ein mündlicher Antrag zur Arbeitszeitverkürzung reicht theoretisch aus, da dieser formlos erfolgen darf. Aus Gründen der Beweisbarkeit sollten Sie sich jedoch immer mit einem schriftlichen Antrag absichern.

Arbeitszeitverkürzung durch den Arbeitgeber: Geht das?

Arbeitszeitverkürzung durch Arbeitgeber Regelung GesetzAls Mitarbeiter sind Sie natürlich froh, dass Ihrem Wunsch nach Arbeitszeitverkürzung nachgekommen werden muss. Ganz anders kann es hingegen aussehen, wenn der Chef Ihnen die Arbeitszeit kürzen will. Das bedeutet schließlich auch, dass Sie nicht nur weniger arbeiten, sondern am Ende des Monats auch weniger verdienen. Bevor Sie nun fürchten, dass Ihnen einfach die Arbeitszeit gekürzt wird – ohne Weiteres ist dies nicht erlaubt.

Ihr Chef kann nicht nach Lust und Laune Arbeitszeiten kürzen und verlängern. Eine Möglichkeit zur Arbeitszeitverkürzung durch den Arbeitgeber besteht aber durchaus.

Entscheidend ist die Regelung im Arbeitsvertrag. Wird bereits hier festgehalten, dass der Arbeitgeber die Arbeitszeit einseitig verändern darf – beispielsweise im Rahmen der Notwendigkeit im Betrieb – ist damit auch eine Arbeitszeitverkürzung erlaubt.

Allerdings kommt es an dieser Stelle durchaus zu Streitigkeiten, die vor dem Arbeitsgericht landen. Hier wird dann entschieden, ob der Arbeitgeber eine Arbeitszeitverkürzung vornehmen darf oder ob der Mitarbeiter weiterhin mehr Stunden arbeiten kann.

Worauf es dabei ankommt, weiß Armin Dieter Schmidt von anwalt.de: Soweit die einzelnen Vertragsklauseln nicht individuell ausgehandelt wurden, stellen sie nämlich allgemeine Geschäftsbedingungen dar – auch in einem Arbeitsvertrag. Unwirksam sind danach Klauseln, die eine einseitige Erhöhung der Mindestarbeitszeit um mehr als 25 Prozent ermöglichen würden. Umgekehrt sind Vertragsklauseln, die eine Reduzierung der bestehenden Arbeitszeit um mehr als 20 Prozent gestatten, ebenfalls unwirksam.

Konsequenzen: Vor- und Nachteile einer Arbeitszeitverkürzung

Bevor Sie sich zu einer Arbeitszeitverkürzung – oder anderen Formen der Teilzeitarbeit – entschließen, sollten Sie sorgfältig die Vor- und Nachteile abwägen. Manche Konsequenzen werden sich unmittelbar auswirken, andere eher langfristig. Zur Orientierung und als Entscheidungshilfe haben wir deshalb die größten Vor- und Nachteile einer Arbeitszeitverkürzung aufgelistet:

Arbeitszeitverkürzung Gesetz Auswirkung Rente

  • Sie haben ein geringeres Gehalt

    Das bedeutet im Klartext: Sie müssen vorher gut kalkulieren, ob Sie Ihren derzeitigen Lebensstandard werden halten können. Miete, Strom, Heizung, Wasser und die ganzen Nebenkosten müssen auch weiterhin bezahlt werden.

    Lebenshaltungskosten, diverse Verträge fürs Smartphone, Internet, Versicherungen laufen ebenfalls. Wer seine monatlichen Ausgaben nicht kennt, wird womöglich durch eine Arbeitszeitverkürzung deutlich stärkere Einbußen hinnehmen müssen als angenommen.

  • Ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld sinkt

    Die Höhe des Arbeitslosengeldes (ALG I) orientiert sich üblicherweise an Ihrem letzten Gehalt einer versicherungspflichtigen Beschäftigung innerhalb der letzten zwölf Monate. Für Teilzeitbeschäftigte verlängert sich dieser sogenannte Bemessungszeitraum sogar um dreieinhalb Jahre.

    Das heißt, wenn Sie beispielsweise vier Jahre in Vollzeit gearbeitet haben und dann nach einem Jahr Teilzeitarbeit arbeitslos werden, erhalten Sie Arbeitslosengeld auf Grundlage des Vollzeitgehalts. Haben Sie allerdings mehr als dreieinhalb Jahre in Teilzeit gearbeitet, orientiert sich Ihr Arbeitslosengeld an Ihrem letzten Teilzeitgehalt.

    Allerdings wird Arbeitnehmern nicht die volle Höhe des letzten Gehalts vor der Arbeitslosigkeit ausgezahlt. Für alleinstehende ALG-I-Empfänger liegt der Betrag bei 60 Prozent, für Arbeitslose mit Kindern bei 67 Prozent des letzten Nettoverdiensts.

    Eine Arbeitszeitverkürzung kann Sie also auch bei einer kurzzeitigen Arbeitslosigkeit in die Bredouille bringen: Dann nämlich, wenn das ALG I zum Überleben nicht mehr reicht und Sie mit ALG II zum „Aufstocker“ werden und somit in den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters fallen.

  • Ihre Rentenhöhe sinkt

    Die Altersarmut ist in aller Munde: Wer im Alter nicht von der Grundsicherung abhängig sein will, muss über das gesamte Arbeitsleben von 40 Jahren möglichst gut in die Rentenversicherung einzahlen. Je höher das Gehalt, desto mehr geht in die Rente.

    Bei Arbeitszeitverkürzung fällt die Bezahlung jedoch geringer aus. Wer immer in Teilzeit arbeitet, hat nach 40 Jahren Berufstätigkeit häufig nicht mal 500 Euro im Monat. Der Grund dafür liegt darin, dass sich Ihre Rente aus sogenannten Entgeltpunkten errechnet, die Sie bis zum Rentenantritt sammeln.

    Dabei gilt, dass Sie einen vollen Punkt ab einem Jahresgehalt von 36.294 Euro verdienen. Teilzeitkräfte mit einem deutlich geringeren Jahresbruttogehalt erhalten nur anteilige Entgeltpunkte.

    Wer dennoch eine Arbeitszeitverkürzung plant, kann die gesetzliche Rente aufwerten, indem er für jedes Kind die Elternzeit anrechnen lässt, freiwillig in die Rentenversicherung einzahlt und/oder private Vorsorge in Form von Fonds oder Riester-Rente betreibt.

  • Ihr berufliches Netzwerk schrumpft

    Tagtäglich einer Arbeit nachzugehen bedeutet mehr als irgendwelche Aufgaben zu erledigen: Sie kommen mit neuen Entwicklungen am Arbeitsmarkt in Berührung und lernen neue Kollegen kennen. Viele Arbeitnehmer pflegen freundschaftliche Kontakte zu Kollegen, die nach einer Arbeitszeitverkürzung dann womöglich einschlafen.

    Wer vielleicht nur noch zwei, drei Tage in der Woche im Betrieb ist, bleibt häufig nicht mehr so am Ball. Teilweise mögen es nur Nuancen sein, die sich verändern. Dauerhaft nehmen diese dann zu.

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  • Ihre Lebensqualität steigt

    Sie sind ausgeglichener, denn Sie haben vielleicht weniger Geld, aber dafür mehr Freizeit. Zeit, die Sie mit Ihren Freunden, Ihrer Familie und Ihren Kindern verbringen können. Zeit, in der Sie sich Hobbys oder auch verstärkt Ihrer Gesundheit widmen können.

    Gerade wenn die Zeit davor von vielen Überstunden geprägt war, kann eine Arbeitszeitverkürzung die notwendige Erholung verschaffen.

  • Sie treiben Ihre Selbstverwirklichung voran

    Wer eine Jobkrise hat und sich nicht sicher ist, ob er in diesem Beruf bleiben möchte, für den kann eine Arbeitszeitverkürzung eine gute Gelegenheit sein, das derzeitige Berufsleben zu reflektieren.

    Wer sich morgens mit Gewalt aus dem Bett quält und jede Woche nur noch auf das heißersehnte Wochenende guckt, sollte vielleicht etwas kürzer treten, um neue Pläne zu entwickeln.

    Letztlich ist das eine gute Möglichkeit, mit einer beruflichen Weiterbildung einen Jobwechsel oder gar Beförderung anzustoßen.

  • Sie werden produktiver

    Wer ausgeruht ist, arbeitet ganz anders als jemand, der seinen Akku nur noch zu 50 Prozent aufladen kann. Produktivität hat ihre Grenzen, nicht umsonst sind Pausen und Erholungsurlaub so wichtig.

    Manche Branchen gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass der Arbeitnehmer seine ganze Energie zehn, zwölf Stunden am Tag zur Verfügung stellt – mit dem Gehalt ist alles beglichen. Dass aber kein Mensch dauerhaft mehrere Stunden ununterbrochen konzentriert sein kann und auch nach acht Stunden bereits die Produktivität rapide nachlässt, wird viel zu oft von Arbeitgebern ignoriert.

    Anders formuliert: Von einer Arbeitszeitverkürzung profitiert am Ende sogar der Arbeitgeber, denn sein Mitarbeiter kommt nun ausgeruhter zur Arbeit. Je nachdem, um wie viele Stunden die Arbeitszeit verkürzt wird, kann es sein, dass dieselbe Arbeit nun in weniger Zeit bewältigt werden kann.

[Bildnachweis: SG SHOT by Shutterstock.com]
13. Juni 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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