Minusstunden: Was Sie wissen müssen

Überstunden kennt jeder. Mit Minusstunden sind die meisten Arbeitnehmer hingegen weniger vertraut. Durch die größere Verbreitung von flexiblen Arbeitszeiten kann es vorkommen, dass Mitarbeiter nicht mehr, sondern weniger arbeiten. Klingt zunächst schön, allerdings gibt es einiges zu beachten, wenn Sie Minusstunden ansammeln. Wann entstehen solche Stunden aus Minderarbeit? Müssen Sie Minusstunden nacharbeiten? Und wie kann sich das auf Ihr Gehalt auswirken? Wir erklären, was es mit den Minusstunden im Job auf sich hat und beantworten die wichtigsten Fragen…

Minusstunden: Was Sie wissen müssen

Definition: Was sind Minusstunden?

Minusstunden Definition Erklärung nacharbeiten abbauenDer Begriff Minusstunden sorgt regelmäßig für Verwirrung und Unsicherheit. Das beginnt bereits bei der zentralen Frage, was genau unter Minusstunden zu verstehen ist. Allgemein werden als Minusstunden oder Minderstunden die Zeiten bezeichnet, die von einem Arbeitnehmer weniger geleistet werden, als im Arbeitsvertrag vereinbart wurde. Wird beispielsweise im Vertrag eine wöchentliche Arbeitszeit von 37,5 Stunden festgehalten, in der vergangenen Woche wurden hingegen nur 35 Stunden gearbeitet, sammelt der Mitarbeiter 2,5 Minusstunden an.

Am einfachsten lassen sich Minusstunden somit als genaues Gegenteil von Überstunden verstehen. Wer zu viel arbeitet, leistet Mehrarbeit (also Überstunden), wer in einem Zeitraum zu wenig arbeitet, sammelt Minusstunden.

Bei genauerer Betrachtung muss etwas mehr differenziert werden. So handelt es sich nur dann um wahre Minusstunden, wenn diese vom Mitarbeiter verschuldet wurden. Gibt es aufgrund einer Auftragsflaute nicht genügend Arbeit und der Chef schickt einen Mitarbeiter vorzeitig nach Hause, fällt dies nicht in die Kategorie von Minusstunden im eigentlichen Sinne.

Bevor nun aber aus Unwissenheit Freude aufkommt, dass durch Minusstunden weniger gearbeitet werden kann: Ganz so leicht ist es natürlich nicht. Es gibt einige Regelungen, die zu beachten sind, wenn Sie Minusstunden ansammeln und auch wieder abbauen wollen.

FAQ: Häufige Fragen und Antworten zu Minusstunden

Viele Mitarbeiter sind mit Minusstunden nicht vertraut und Arbeitgeber sind nicht immer genau informiert, was erlaubt ist und wo die Grenzen liegen. So landen Streitigkeiten und Diskussionen immer wieder vor dem Arbeitsgericht, wo diese beigelegt und entschieden werden müssen.

Um mit einigen Unsicherheiten aufzuräumen, haben wir deshalb ein kleines FAQ für die häufigsten Fragen rund um Minusstunden für Sie zusammengestellt:

Kann jeder Arbeitnehmer Minusstunden sammeln?

Die Möglichkeit, Minusstunden ansammeln zu können, kann für Arbeitnehmer einige Vorteile haben. Die größere Flexibilität in der Gestaltung der eigenen Arbeitszeit ist ein Punkt, den sich viele Mitarbeiter wünschen. Allerdings gilt: Sie können nur dann Minusstunden nutzen, wenn im Arbeitsvertrag, in einem für Sie gültigen Tarifvertrag oder in der Betriebsvereinbarung eine entsprechende Regelung zu finden ist.

Zudem muss klar geregelt sein, ob es sich um ein Kurzzeit- oder Langzeitkonto der Arbeitszeit handelt. Bei der ersten Variante muss ein Ausgleich üblicherweise innerhalb eines Jahres stattfinden. Langzeitarbeitskonten können über viele Jahre und Jahrzehnte laufen. Diese Form ist besonders attraktiv, wenn Sie auf lange Sicht Mehrarbeit leisten wollen, um diese zu einem späteren Zeitpunkt als Freizeit zu nehmen.

Eine wichtige Regelung ist zudem die erlaubte Abweichung. Soll heißen: Wie viel weniger als die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit dürfen gearbeitet werden?

Welche Ursachen können zu Minusstunden führen?

Wie bereits kurz erwähnt, entstehen Minusstunden NICHT, wenn der Arbeitgeber nicht genügend Aufgaben für seine Mitarbeiter zur Verfügung stellen kann. Das Risiko für diesen Fall liegt allein beim Unternehmen, das in diesem Fall in den sogenannten Annahmeverzug gerät. In diesem Fall dürfen dem Angestellten keine Minusstunden angerechnet werden – dieser war schließlich bereit und in der Lage, die vereinbarte Arbeitszeit zu erbringen.

Anders sieht es aus, wenn Mitarbeiter die eigene Arbeitszeit verkürzen. Die Möglichkeiten hierzu sind zahlreich: Der Arbeitstag wird später begonnen, der Feierabend vorgezogen, die Pause verlängert oder es werden zusätzliche Unterbrechungen eingelegt, um sich privaten Angelegenheiten zu widmen. Solch flexible Kürzungen führen zu Minusstunden auf dem Arbeitszeitkonto.

Entstehen Minusstunden bei Krankheit?

Leider gibt es immer wieder Fälle, bei denen Mitarbeiter nach einer Krankheit feststellen, dass sich plötzlich zahlreiche Minusstunden angesammelt haben. In einem solchen Fall gilt: Setzen Sie sich unbedingt sofort mit dem Arbeitgeber in Verbindung und bitten Sie um eine entsprechende Korrektur. Denn: Krankheit darf nicht zu Minusstunden führen, wenn Sie sich den Vorgaben entsprechend krank gemeldet haben und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber vorlegen.

Durch das Entgeltfortzahlungsgesetz sind solche Ausfälle klar geregelt und Ihnen als Mitarbeiter darf kein finanzieller Nachteil entstehen, wenn Sie aufgrund einer Krankheit nicht arbeiten können. Bevor Sie in einer solchen Situation zum Anwalt gehen und den Arbeitgeber vor Gericht ziehen, sollten Sie es jedoch mit einer Aussprache versuchen. Oft handelt es sich nur um einen unbeabsichtigten Fehler, der ohne Probleme korrigiert wird.

Gehen Sie hingegen gleich vor das Arbeitsgericht, kann das Verhältnis im Job anschließend gestört sein.

Die gleiche Regelung gilt ebenfalls für gesetzliche Feiertage, an denen nicht gearbeitet wird. Diese führen wie Krankheiten nicht zu Minusstunden.

Wie viele Minusstunden sind erlaubt?

Werden über einen längeren Zeitraum regelmäßig ein paar Minusstunden gemacht, kommt auf dem Konto eine beträchtliche Summe zusammen. Da stellt sich irgendwann die Frage: Wie viele Minusstunden sind überhaupt erlaubt? Eine allgemeine Antwort oder gesetzliche Regelung gibt es dabei nicht. Soll heißen: Entscheidend ist die individuelle Vereinbarung im Arbeits- oder Tarifvertrag.

Bevor Sie Minusstunden machen, sollten Sie sich deshalb unbedingt informieren, welche Vereinbarung für Sie gilt. Meist gibt es eine Klausel, die besagt, wie viele Minusstunden in einem festgelegten Zeitraum aufgebaut werden können.

An diesen Wert müssen Sie sich halten. Wer zu viele Minusstunden macht und diese nicht rechtzeitig ausgleicht, muss mit Kürzungen bei der Bezahlung rechnen oder kann im schlimmsten Fall sogar den Job verlieren.

Wie kann ich Minusstunden abbauen?

Wer weniger arbeitet und Minusstunden sammelt, muss diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder abbauen. Dies funktioniert auf genau einem Weg: Indem Sie mehr arbeiten, als vereinbart. Indem Sie Überstunden machen, gleichen Sie Minusstunden aus. So nähert sich Ihr Arbeitszeitkonto wieder einem neutralen Level an.

Üblicherweise werden Minusstunden abgebaut, indem morgens früher angefangen beziehungsweise abends länger gearbeitet wird. Je nach Job und Tätigkeit kann auch ein zusätzlicher Tag am Wochenende gearbeitet werden, um Minusstunden abzubauen. Dies sollte im Vorfeld mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden, wenn Sie im Normalfall nur von Montag bis Freitag arbeiten.

Achten Sie beim Abbau von Minusstunden unbedingt auf den sogenannten Ausgleichszeitraum. Dieser legt fest, bis wann Sie die Minderarbeit abgebaut haben müssen. Verpassen Sie diese Frist, macht sich die verringerte Arbeit auf dem Gehaltszettel bemerkbar.

Können Minusstunden mit dem Urlaub verrechnet werden?

Sowohl Arbeitgeber als auch Mitarbeiter kommen mitunter auf die Idee, Minusstunden mit dem Anspruch auf Urlaub zu verrechnen. So wollen Angestellte beispielsweise kurz vor Ablauf des Ausgleichszeitraums auf einen Schlag eine größere Summe an Minusstunden tilgen. Dies ist jedoch nicht möglich!

Den einfachen Grund kennt Sandra Voigt von anwalt.de: „Urlaub kann nur für einen Zeitpunkt in der Zukunft gewährt werden, nicht dagegen rückwirkend für die Vergangenheit.“ Sie können im November, wenn Sie noch 10 Urlaubstage übrig haben, nicht sagen Den Urlaub hätte ich gerne vor vier Monaten genommen. Sie müssen die Minusstunden entsprechend abarbeiten.

Gleichermaßen können Vorgesetzte nicht einfach Urlaub streichen, um Minusstunden von Mitarbeitern zu reduzieren. Die freien Tage stehen Arbeitnehmern gesetzlich als Erholungsurlaub zu und können nicht einfach gestrichen oder verrechnet werden.

Was passiert mit Minusstunden bei einer Kündigung?

Ein häufiger Streitpunkt sind Minusstunden im Falle einer Kündigung, egal ob diese vom Mitarbeiter oder dem Unternehmen ausgesprochen wurde. Grundsätzlich gilt: Minusstunden werden bei einer Kündigung abgerechnet und können das letzte Gehalt beeinflussen. Handelt es sich um echte Minusstunden, die vom Arbeitnehmer verursacht und zurecht auf dem Arbeitszeitkonto eingetragen wurden, müssen Sie damit rechnen, dass der Arbeitgeber einen Teil der letzten Bezahlung einbehält, um die zu wenig geleistete Arbeit auszugleichen.

Wichtig ist an dieser Stelle erneut die genaue individuelle Regelung. Nur mit einer klaren Vereinbarung ist die Verrechnung mit dem Lohn rechtens. „Dies ist nur möglich, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen. So müssen die Arbeitsvertragsparteien explizit das Führen eines Arbeitszeitkontos, das auch einen negativen Kontostand erreichen kann, vereinbart haben. Ferner muss der Arbeitgeber einen sogenannten Vorschuss zahlen – seine Mitarbeiter erhalten also jeden Monat ihr Gehalt in gleichbleibender Höhe, selbst wenn sie einmal weniger gearbeitet haben als vertraglich geregelt. In diesem Fall sind die Angestellten aber zu Nacharbeit verpflichtet – sie müssen also das Arbeitszeitkonto zeitnah wieder ausgleichen und im Folgemonat mehr arbeiten“, erklärt Sandra Voigt.

[Bildnachweis: GaudiLab by Shutterstock.com]

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26. Juni 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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