Arbeit auf Abruf
Immer dann arbeiten, wenn der Chef anruft und Bescheid sagt, dass es etwas zu tun gibt. So könnte das Konzept der Arbeit auf Abruf kurz und prägnant erklärt werden. Es handelt sich somit um eine extreme Form der flexiblen Arbeitszeit - bei der vor allem Arbeitnehmer eine große Anpassungsfähigkeit mitbringen müssen. Was in der Theorie relativ einfach klingt, muss sich in der Praxis an einige Regeln und Vorgaben halten. Wir haben uns die Arbeit auf Abruf einmal genauer angesehen und erklären, wie genau das Konzept funktioniert, worauf Arbeitgeber und Arbeitnehmer achten müssen und welche spezifischen Vor- und Nachteile es haben kann, einen Arbeitsvertrag abzuschließen, bei dem die Arbeitszeit fast ausschließlich vom Bedarf abhängig ist...

Arbeit auf Abruf Definition: Wie funktioniert das Modell?

Arbeit auf Abruf Definition Gesetz Bezahlung UrlaubIn den meisten Arbeitsverhältnissen ist die Arbeitszeit sehr genau im abgeschlossenen Vertrag festgehalten. Je nach Beruf und Branche gibt es dabei einige Unterschiede, als Klassiker gilt jedoch die 40 Stunden Woche mit fünf Arbeitstagen. Die Arbeit auf Abruf regelt dies anders: Bei diesem Modell arbeitet ein Mitarbeiter immer dann, wenn es erforderlich ist.

Vor dem Arbeitsrecht zählt die Arbeit auf Abruf damit zu den Teilzeitmodellen und ist in § 12 des Gesetzes über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (TzBfg) geregelt. Hier heißt es:

Arbeitgeber und Arbeitnehmer können vereinbaren, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung entsprechend dem Arbeitsanfall zu erbringen hat (Arbeit auf Abruf).

Wann Ihr Chef Sie in einem solchen Arbeitsverhältnis genau einsetzt und wie viele Stunden Sie arbeiten, ist davon abhängig, wie viel im Betrieb zu tun ist. Ein solches Konzept führt beispielsweise dazu, dass Angestellte im Einzelhandel vor Weihnachten enorm viel arbeiten. Der Ansturm der Kunden ist in dieser Zeit besonders groß und Unternehmen können jeden Mitarbeiter gebrauchen.

Wichtig zu beachten ist, dass Ihr Chef Sie nicht einfach plötzlich zur Arbeit auf Abruf zwingen kann. Nur wenn diese Regelung ausdrücklich bereits im Arbeitsvertrag festgelegt wurde, sind Sie auch dazu verpflichtet, auf Abruf bereit zu stehen. Wobei auf Abruf nicht so spontan ist, wie der Name es den Anschein macht. Ihr Chef kann nicht einfach anrufen und Sie umgehend oder noch am gleichen Tag zur Arbeit beordern.

Laut Gesetz ist eine Ankündigungsfrist von vier Tagen vorgeschrieben. Nur wenn Ihr Arbeitgeber diese Frist einhält, müssen Sie die Zeiten einrichten. Ihr Chef könnte beispielsweise am Freitag anrufen und Ihnen Bescheid geben, dass Sie am nächsten Mittwoch ab 11 Uhr gebraucht werden. Aufgrund der Vorlaufzeit wäre diese Arbeitszeit dann für Sie verbindlich.

Mindestarbeitszeiten für die Arbeit auf Abruf

Arbeit auf Abruf Urlaub Bezahlung Mindestarbeitszeit StundenEine der wichtigsten Fragen zur Arbeit auf Abruf lautet: Was passiert, wenn es beim Arbeitgeber gerade eine absolute Flaute gibt und einfach nichts zu tun ist? Nach den ersten Grundsätzen könnte man glauben, dass in dieser Zeit einfach gar nicht gearbeitet werden muss und entsprechend auch kein Gehalt gezahlt wird.

Das brauchen Sie jedoch nicht zu befürchten. Das Gesetz schreibt vor, dass im Arbeitsvertrag eine wöchentliche und tägliche Mindestarbeitszeit geregelt werden muss. Das bedeutet, dass Ihr Chef Sie nicht ausschließlich aus Bedarfsbasis beschäftigen darf und Klauseln im Arbeitsvertrag, die besagen, dass die Arbeitszeit komplett auf Abruf geregelt ist, sind unwirksam.

Sollte eine entsprechende Regelung der wöchentlichen Arbeitszeit dennoch fehlen, sieht das Gesetz vor, dass eine Arbeitszeit von zehn Stunden als vereinbart gilt. In § 12 TzBfg Absatz 1 heißt es weiter:

Wenn die Dauer der täglichen Arbeitszeit nicht festgelegt ist, hat der Arbeitgeber die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers jeweils für mindestens drei aufeinander folgende Stunden in Anspruch zu nehmen.

Selbst wenn Ihr Chef also keine Aufgaben für Sie hat, muss er Ihnen dann für diese Stunden ein Gehalt zahlen.

Welche Vor- und Nachteile hat die Arbeit auf Abruf?

Die Vor- und nachteile der Arbeit auf Abruf sind leider in den meisten Fällen sehr ungleichmäßig verteilt. Flexible Arbeitszeiten werden zwar von vielen Arbeitnehmern gefordert, doch was bringt es, wenn die Vorgaben nur vom Chef kommen und dafür Flexibilität vom Mitarbeiter gefordert wird?

Aus Arbeitgebersicht macht es durchaus Sinn, Mitarbeiter auf Abruf zu beschäftigen. Größter Vorteil für Unternehmen ist sicherlich die Kostenersparnis. Hohe Personalkosten werden nur dann fällig, wenn die Auftragslage entsprechend gut ist, ansonsten wird nur ein absolutes Minimum an Gehalt gezahlt, wodurch in schwächeren Phasen eine Menge Geld gespart werden kann.

Auch die Personalplanung profitiert von der Arbeit auf Abruf. Sowohl an ruhigen Tagen als auch in den Hochphasen kann immer dafür gesorgt werden, dass genügend Mitarbeiter am Arbeitsplatz sind, um die anfallenden Aufgaben zu meistern.

Für Angestellte auf der anderen Seite überwiegen meist die Nachteile. Flexibilität mag an sich schön sein, doch können Sie diese nicht wirklich nutzen, da Sie sich immer nach den Vorgaben des Chefs richten müssen. Dieser muss Ihnen zwar vier Tage vorher Bescheid geben, wirklich flexibel sind Sie dabei aber trotzdem nicht.

Hinzu kommt, dass Mitarbeiter auf Abruf eine große finanzielle Unsicherheit verspüren. In guten Monaten kann das Gehalt zwar sehr hoch sein, bleiben Anfragen vom Chef jedoch aus und Sie erhalten nur Lohn für die vereinbarte Mindestarbeitszeit, wird es am Monatsende sehr schnell knapp. Das macht eine sehr gute Planung und langfristige Organisation erforderlich, um in guten Monaten ein wenig Geld zur Seite zu legen.

Sie sollten sich daher sehr genau überlegen, ob die Arbeit auf Abruf wirklich für Sie geeignet ist. Es kann eine Alternative sein, wenn es Ihnen gelingt, nebenbei noch etwas anderes zu machen, das Ihnen ein gleichbleibendes Einkommen sichert oder wenn Sie dringend einen Job brauchen. Langfristig empfiehlt es sich jedoch, ein anderes Modell zu finden und beispielsweise in eine geregeltere Teilzeitarbeit zu wechseln.

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