Ikigai-Modell: Mehr Sinn im Leben finden

Im Leben muss man sich immer wieder mit einigen schwierigen Fragen auseinandersetzen: Was macht mich glücklich? Wie möchte ich mich entwickeln? Wie komme ich aus einer Sinnkrise heraus? Das Ikigai-Modell kann genau dabei helfen. Hinter dem Ikigai-Modell stehen einige philosophische Gedanken, die Ihnen zu besserer Selbstreflexion verhelfen können. Dahinter steht nicht nur eine fernöstliche Weisheit, sondern eine Einstellung und Orientierungshilfe für mehr Glück und Lebensqualität. Wir erklären, wie das Ikigai-Modell funktioniert, wo es Anwendung findet und wie Sie davon profitieren können…

Ikigai-Modell: Mehr Sinn im Leben finden

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Definition: Das ist das Ikigai-Modell

Ikigai stammt aus dem Japanischen und setzt sich zusammen aus iki = Leben und gai = Wert. Übersetzen ließe sich Ikigai also mit Wert des Lebens oder lebenswert. Ein wenig erweitert lässt sich Ikigai auch als wofür es sich zu leben lohnt oder Freude am Leben verstehen.

Damit kommen Sie bereits einer der zentralen Fragen des Ikigai-Modells auf die Spur: Was macht Ihr Leben lebenswert? Zusammen mit drei weiteren Lebensbereichen ergründet das Ikigai-Modell das, was absolute Erfüllung und Zufriedenheit bedeutet. Die vier zentralen Aspekte für das Ikigai-Modell sind demnach:

  • Was liebe ich? Was ist meine Leidenschaft?
  • Worin bin ich besonders gut? Was sind meine Stärken?
  • Wofür werde ich bezahlt? Womit kann ich Geld verdienen?
  • Was braucht die Welt? Womit leiste ich einen Beitrag?

Die Schnittmenge dieser vier Bereiche ist das Ikigai, der Idealzustand. Er symbolisiert gewissermaßen den Sinn Ihres Lebens. Wenn es gelingt, diesen zentralen Zustand des Ikigai-Modells zu erreichen, folgen Glück und Zufriedenheit, weil eine der elementarsten Fragen des menschlichen Lebens für sich selbst beantwortet wurde.

Den Anhängern des Ikigai-Modells zufolge handelt es sich bei den Japanern damit nicht nur um besonders glückliche, sondern auch besonders gesunde und alte Menschen. Auf der Insel Okinawa, wo die ältesten Menschen der Welt leben, wurde der Begriff Ikigai geprägt.

Die kurze Erklärung dafür, dass die Menschen so alt werden: Wer zufrieden ist, hat keinen Stress. Und der lässt bekanntermaßen nicht nur den Blutdruck in die Höhe schießen, sondern hat auch darüber hinaus zahlreiche ungesunde Folgen und trägt nicht zur Lebensqualität und einer hohen Lebenserwartung bei.

Dort auf der Insel gibt es beispielsweise auch kein Wort für Rente oder Rentner. Ikigai bedeutet ganz einfach: Das, wofür es sich morgens lohnt, aufzustehen. Und das tun die Menschen dort, die bis ins hohe Alter aktiv bleiben. Ikigai kann dabei alles sein, und wenn es bedeutet, den Garten umzugraben, weil dann der Boden bessere Früchte trägt.

Ikigai ist damit stets individuell und die Suche und Erforschung des eigenen Ikigai-Zustands ein persönlicher Prozess.

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Aufbau im Ikigai-Modell: Die Schnittmenge des Glücks

Wir haben Ihnen oben bereits die vier essenziellen Fragen des Ikigai-Modells vorgestellt, zum besseren Verständnis wollen wir darauf aber noch einmal detaillierter eingehen. Der Aufbau im Ikigai-Modell besteht aus insgesamt vier Themenkomplexen, die vor allem im Leben von Arbeitnehmern bedeutsam sind. Teilbereiche lassen sich aber auch ins private Leben übertragen, wenn Sie beispielsweise ein Hobby finden, in dem Sie gut sind und das Sie lieben.

  • Leidenschaft (Passion)

    Die Leitfrage dazu: Was lieben Sie? Überlegen Sie, was Sie stundenlang tun könnten, ohne müde zu werden. Bei welchen Dingen verlieren Sie die Zeit aus den Augen? Was macht Ihnen so richtig Spaß? Worüber können Sie anderen mit großem Enthusiasmus berichten? Das können beispielsweise Hobbys sein. Weitere Fragen aus diesem Bereich des Ikigai-Modell können lauten:

    • Was weckt Ihre Begeisterung?
    • Womit verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?
    • Worüber reden Sie am häufigsten?
    • Welche Leidenschaft haben Sie bereits seit vielen Jahren?
  • Aufgabe (Mission)

    Die Leitfrage dazu: Was braucht die Welt? Vielleicht gibt es etwas, wovon Sie im tiefsten Inneren überzeugt sind. Jeder Mensch trägt irgendwelche Ideale in sich – die einen widmen sich dem Kampf gegen die Umweltverschmutzung, anderen liegt der Tierschutz besonders am Herzen. Wiederum andere engagieren sich für Verbraucherschutz oder arbeiten ehrenamtlich als Fußballtrainer. Andere Fragen sind:

    • Welche Werte vertreten Sie?
    • Wofür wollen Sie sich einsetzen?
    • Welche Probleme wollen Sie lösen?
    • Was möchten Sie in der Welt verändern?
  • Berufung (Vocation)

    Die Leitfrage dazu: Worin sind Sie gut? Nicht immer können wir die Frage geradeaus selbst beantworten. Manchmal fällt einem nichts ein, manchmal ist man zu selbstkritisch. Wenn Sie nicht weiterkommen, können Sie beispielsweise (wohlwollende) Kollegen und Freunde um eine Einschätzung Ihrer Person bitten. Bei der Suche nach Antworten können diese Fragen helfen:

    • Was sind Ihre Stärken?
    • Was fällt Ihnen leicht?
    • Welche Kompetenzen und Fähigkeiten haben Sie sich angeeignet?
    • Welche Eigenschaften bewundern andere an Ihnen?
  • Beruf (Profession)

    Die Leitfrage dazu: Wofür werden Sie bezahlt? Im Idealfall sind die Überschneidungen zwischen Berufung und Beruf besonders hoch. Denn was wir regelmäßig tun, darin sind wir für gewöhnlich auch besonders gut. Anders herum: Für das, was Sie besonders gut können, können Sie unter Umständen auch Geld verlangen. Nicht umsonst machen manche Menschen ihr Hobby zum Beruf. Fragen zu diesem Aspekt im Ikigai-Modell sind:

    • Was ist Ihr Beruf?
    • Womit verdienen Sie Ihr Geld?
    • Welche Einnahmequellen haben Sie?
    • Mit welcher Fähigkeit können Sie Geld verdienen?

Diese Themenkomplexe liegen in vier einander überlappenden Kreisen wie eine Blume. In der Schnittmenge zweier nebeneinander liegender Kreise können Sie jeweils erkennen, welches Bedürfnis Sie erfüllen.

Der Idealzustand des Ikigai ist erreicht, wenn Sie etwas haben, in dem sich alle Bereiche treffen: Sie brennen für etwas, was Sie gut beherrschen, was die Welt brauchen kann und wofür Sie bezahlt werden.

Ikigai-Modell: So gehen Sie vor

Nun kennen Sie die verschiedenen Bereiche und zugehörigen Fragen aus dem Ikigai-Modell. Im nächsten Schritt zeigen wir Ihnen, wie Sie das Ikigai-Modell nutzen können und worauf es dabei ankommt.

Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei:

  • Analyse

    Nehmen Sie sich einen Zettel und arbeiten Sie nach Möglichkeit die obigen Fragen ab. Lassen Sie sich dabei ruhig Zeit, denn Sie sollten möglichst gründlich und ehrlich zu sich selbst ein. Denken Sie auch ein wenig weiter, Fähigkeiten, die Sie zwar haben, aber bisher nicht nutzen. Je genauer die Selbstreflexion, desto näher kommen Sie Ihrem Ikigai. Suchen Sie dabei auch aktiv nach Überschneidungen verschiedener Bereiche des Ikigai-Modells.

  • Ziel

    Im Idealfall haben Sie durch die obige Analyse ein Ziel vor Augen, Ihr persönliches Ikigai, das alle Bereiche vereint. Machen Sie dieses Ziel möglichst konkret und planen Sie, wie Sie es erreichen können. Ist es ein Job, dann überlegen Sie, wie Sie diesen bekommen können und was Sie dafür brauchen.

  • Netzwerken

    Tun Sie sich mit anderen Menschen zusammen, die Ihre Leidenschaft teilen. Selbst wenn die Vorteile nicht unmittelbar erkennbar sind: Es zahlt sich aus. Die Kontakte sind inspirierend, bei Problemen haben Sie schneller Ansprechpartner.

  • Durchhaltevermögen

    Lassen Sie sich von Rückschlägen nicht zurückhalten. Niederlagen gehören zum Leben – das kann auch bedeuten, dass eine geplante Selbständigkeit vorerst (!) auf Eis gelegt werden muss, weil Sie keine finanziellen Mittel haben. Sein Ikigai zu finden und zu erreichen bedeutet durchaus harte Arbeit, Geduld und Durchhaltevermögen – aber es lohnt sich.

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Anwendungsbereiche des Ikigai-Modells

Manche Menschen geraten im Laufe ihres Lebens in einen Trott und finden sich plötzlich in einer Midlife-Crisis wieder:

Sich verändernde Umstände (Kinder werden erwachsen, die eigenen Eltern sterben) können dazu führen, dass alles infrage gestellt wird. Was bisher sicher erschien, hat sich verändert.

Mit diesem Gefühl des Kontrollverlusts geht Orientierungslosigkeit und ein Verlust des Selbstvertrauens einher.

Das Ikigai-Modell eignet sich daher hervorragend für Situationen, in denen Sie sich über sich selbst und Ihre Ziele erst einmal wieder klar werden müssen, wie zum Beispiel bei:

  • Sinnsuche

    Die oben beschriebene Midlife-Crisis, aber auch ein Burnout können dazu führen, dass im Privaten wie auch im Beruflichen neu sortiert wird. Wo liegen die Prioritäten? Abstriche zugunsten der Gesundheit können beispielsweise zum selbstgewählten Downshifting führen.

  • Umbruchsituationen

    Immer wieder gibt es Umbruchsituationen, dazu kann eine Kündigung oder Outsourcing im Zuge einer Insolvenz gehören. Ebenso Ihre berufliche Neuorientierung, wenn Sie sich dazu entschieden haben, Ihren alten Job an den Nagel zu hängen.

  • Potenzialanalyse

    Berufsanfänger stehen häufig vor der Frage, wie es nach der Schule weitergehen soll. Unsicher über die eigenen Kompetenzen, kann das Ikigai-Modell zur Potenzialanalyse dienen. Dabei werden nicht nur die eigenen Stärken ermittelt, sondern ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt.

  • Selbstcoaching

    Das Ikigai-Modell lässt sich als Selbstcoaching-Tool benutzen, wenn Sie beispielsweise der Meinung sind, dass Sie an der einen oder anderen Stelle noch etwas verbessern könnten.

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Vorteile des Ikigai-Modells

Es muss nicht unbedingt Ihr Ziel sein, 120 Jahre alt zu werden. Der Vorteil des Ikigai-Modells ist nicht ein langes, sondern ein erfülltes Leben. Was kann schöner sein, als etwas zu finden, für das es sich lohnt aufzustehen? Und noch viel besser: Mit dem Ikigai-Modell kommen Sie Ihrem Traum der Selbstverwirklichung näher.

Ikigai bedeutet nicht weniger als einen Sinn im eigenen Leben zu finden, der Sie in allen Belangen glücklich und zufrieden macht. Das ist natürlich ein riesiges Ziel und nicht immer werden Sie dieses erreichen können. Doch schon jeder Schritt, den Sie in Richtung erfülltes Leben gehen, ist es wert, daran zu arbeiten.

Wenn Sie sich also schon länger fragen, ob das schon alles gewesen ist oder wenn Sie nach mehr Glück streben, können Sie mit dem Ikigai-Modell den wichtigsten Fragen auf den Grund gehen und Ihrem persönlichen Sinn im Leben näher kommen.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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17. Oktober 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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