Wahrnehmungsfehler: Diese stehen Ihrem Potenzial im Weg

Kurzum: Wir sind gerne schlau und lassen andere das auch wissen. Dieses Selbstbild ist aber alles andere als korrekt, denn es gibt die verschiedensten Wahrnehmungsfehler, die das Denken beeinflussen, das Urteilsvermögen trüben und sich sowohl in kleinen als auch in großen Entscheidungen auswirken. Da die Wahrnehmungsfehler meist unbemerkt im Unterbewusstsein passieren, werden sie oft ignoriert. Fälschlicherweise. Denn einige Wahrnehmungsfehler halten Sie davon ab, Ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Daher zeigen wir Ihnen, welche Wahrnehmungsfehler Sie kennen sollten, wie diese sich auf Ihr Potenzial auswirken können und was Sie unternehmen sollten, um ihnen nicht zum Opfer zu fallen…

Wahrnehmungsfehler: Diese stehen Ihrem Potenzial im Weg

Diese Wahrnehmungsfehler sollten Sie kennen und umgehen

Einsicht ist der erste Weg zur Besserung und so ist es auch bei Wahrnehmungsfehler. Wenn Sie die Fallstricke kennen und wissen, wo Ihr Gehirn Ihnen einen Streich spielen möchte, können Sie entsprechend darauf reagieren und den Denkfehler umgehen. Die Liste der Wahrnehmungsfehler ist lang, doch gibt es einige, die Ihrem Potenzial ganz besonders stark im Weg stehen können. Daher wollen wir Ihnen diese vorstellen und auch Anregungen geben, was Sie tun können, um die Wahrnehmungsfehler zu umgehen.

  1. Der Bestätigungsfehler

    Immer wenn vorgefasste Meinungen und Vorurteile bestehen, laufen Sie Gefahr, mit dem Bestätigungsfehler konfrontiert zu werden. Dieser besagt, dass Informationen so ausgesucht und interpretiert werden, dass sie die eigene Meinung und Erwartung bestätigen. Soll an einem konkreten Beispiel heißen: Wenn Sie der Meinung sind, dass Haustiere gefährlich sind, werden Sie auch vornehmlich Informationen finden, die Ihre These bestätigen. Damit stehen Sie Ihren Potenzial jedoch im Weg, da Sie jede Chance vergeben, um über den Tellerrand zu blicken, neue Erfahrungen zu sammeln und dazu zu lernen. Umgehen Sie diesen Wahrnehmungsfehler, indem Sie offen für neue Ansichten bleiben und auch bereit sind, Ihre eigenen Ansichten gegebenenfalls kritisch zu hinterfragen.

  2. Der Mitläufereffekt

    Der Mitläufereffekt lässt sich in völlig unterschiedlichen Situationen beobachten. Im Kern geht es darum, dass viele Menschen dazu neigen, sich der Meinung einer großen oder auch für sie wichtigen Gruppe anzupassen. So entstehen beispielsweise Trends, wenn bekannte Musiker bestimmte Marken tragen. Aber auch bei Wahlen lässt sich das Phänomen beobachten. Werden Prognosen über die möglichen Gewinner veröffentlicht, können Wähler beeinflusst werden und neigen dazu, den Kandidaten zu wählen, der die größeren Chancen auf den Sieg hat. Der Mitläufereffekt kann allerdings auch dazu führen, dass Sie falschen Trends hinterherrennen oder Entscheidungen treffen, hinter denen Sie nicht wirklich stehen. Fragen Sie sich also, ob Sie nur der Masse folgen oder Ihre eigene Ansicht vertreten, bevor Sie eine wichtige Entscheidung treffen.

  3. Der Current-Moment-Bias

    Der Current-Moment-Bias zeigt, dass Menschen weit weniger rational denken und handeln, als sie sich selbst gerne eingestehen. Zusammengefasst besagt er, dass Menschen immer auf die direkte Belohnung aus sind – daher auch Current Moment, also aktueller Moment. Dazu sind wir bereit, auf einen weit größeren Nutzen zu verzichten, auf den wir noch eine gewisse Zeit warten müssten. Umgedreht bedeutet es auch, dass wir für einen sofortigen Nutzen, den späteren Frust und die Reue über die Entscheidung billigend in Kauf nehmen. Wenn Sie schon einmal spontan eine größere Anschaffung getätigt haben oder während einer Diat die Finger nicht von der Schokolade lassen konnten, sind Sie dem Current-Moment-Bias aufgesessen. Solche Entscheidungen können aber Ihrem Potenzial im Weg stehen, wenn Sie zum Beispiel den erstbesten Job annehmen. Um nicht in die Falle zu tappen, kann eine Regel helfen: Je wichtiger die Entscheidung, desto länger sollten Sie sich Zeit nehmen, um darüber nachzudenken.

  4. Der Framing-Effekt

    Auch der Framing-Effekt demonstriert, dass die geschätzte Rationalität bei Entscheidungen gerne einmal außen vor gelassen wird. Der Begriff kommt aus dem Englischen und könnte mit Rahmen-Effekt übersetzt werden. Dabei geht es um den Rahmen, in dem eine Information verpackt wird, denn dieser hat großen Einfluss darauf, wie der Empfänger reagiert. Ein beliebtes Beispiel für den Framing-Effekt ist der Gesundheitsbereich. Verspricht Ihnen ein Arzt Heilungschancen von 80 bis 90 Prozent, sind Sie beruhigt und erst einmal guter Dinge. Sagt er hingegen, dass zwischen 10 und 20 Prozent der Patienten sterben, machen Sie sich Gedanken über Ihr Testament – obwohl beide Aussagen die gleiche Information beinhalten. Diesen Wahrnehmungsfehler sollten Sie immer im Hinterkopf haben, wenn Sie selbst Zahlen präsentieren und ein bestimmte Reaktion hervorrufen wollen und auch, wenn Sie Informationen vorgelegt bekommen, sollten Sie immer daran denken, dass Ihre Reaktion auch von der Formulierung abhängt.

  5. Der Projection-Bias

    Was hier projiziert wird? Die eigenen Ansichten! Und zwar auf andere Menschen, denn wir gehen oft davon aus, dass unsere Meinungen und Einstellungen mit denen der Mehrheit identisch sind. Man kann auch sagen, dass wir zu viel auf unsere eigenen Ansichten geben und nicht nachvollziehen können, wie jemand nur anders denken kann. Das kann nicht nur arrogant wirken, sondern auch Probleme verursachen. Beispielsweise wenn Sie der Meinung sind, genau zu wissen, was Ihr Chef, ein wichtiger Kunde oder auch ein Kollege denkt. Der Projection-Bias lässt sich aber glücklicherweise leicht in den Griff bekommen: Setzen Sie Ihre Meinung nicht als allgemein gültig voraus, sondern fragen Sie Ihren Gegenüber, was dieser wirklich denkt. Wenn er Ihnen zustimmt, bleibt alles wie zuvor. Vertritt er jedoch einen anderen Standpunkt, können Sie darauf reagieren.

Diese Artikel finden andere Leser interessant:

Darin sind wiederum viele weitere ausführliche Artikel von zu den einzelnen Denkfallen und Wahrnehmungsfehlern verlinkt. Letztlich ist aus diesen Listen der Bestseller hervorgegangen: „Ich denke, also spinn ich“ (DTV, Juli 2011). Das Buch wurde mehr als 50.000 Mal verkauft und in mehrere Sprachen (darunter Russisch und Türkisch) übersetzt.

[Bildnachweis: HQuality by Shutterstock.com]
22. Mai 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px

Andere Besucher lesen gerade diese Artikel:



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!