"Wie würden Sie sich beschreiben?" Oft genug kommt es vor, dass man gebeten wird, sich zu beschreiben - beim Vorstellungsgespräch etwa, wenn der Personaler nach Charaktereigenschaften fragt. Oder im Alltag, wenn Sie neue Menschen kennenlernen, die neugierig darauf sind, mehr von Ihnen zu erfahren. Für viele Menschen ist das ungewohnt, so im Rampenlicht zu stehen. Häufig setzen wir uns auch gar nicht mit unseren Charaktereigenschaften auseinander. Manch einer weiß vielleicht, dass er eher zögerlich ist, wenn es darum geht, neue Gerichte im Restaurant auszuprobieren, aber sonst? In einer Stärken-Schwächen-Analyse erfahren Sie zwar einerseits etwas darüber, was Sie gut können, andererseits fehlen dennoch oftmals die Worte. Wie heißt noch das passende Adjektiv dafür und gibt es überhaupt eins? Damit Sie für die nächsten Situationen besser gewappnet sind, erläutern wir hier die wichtigsten Charaktereigenschaften...

Charaktereigenschaften negative positiv mit j eines Menschen

Charaktereigenschaften Definition: Was ist das eigentlich?

Kein Mensch ist wie der andere. Gleichzeitig stellen wir fest, dass bestimmte Menschen vergleichbare Eigenschaften haben. Oder wir fühlen uns zu einem bestimmten Typus Mensch hingezogen, der über bestimmte Charaktereigenschaften verfügt.

Schnell wird bei einer Person von ihrem guten oder schlechten Charakter gesprochen, aber was Charakter genau ist, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Eine Einordnung von Menschen anhand ihres Verhaltens haben schon antike Wissenschaftler versucht.

Ausgehend von der Vier-Säfte-Lehre entwickelte sich über die Jahrtausende die Vier-Temparamente-Lehre, die beispielsweise so Charaktertypen wie den Choleriker versucht zu erklären.

Heutzutage werden unter Charakter persönliche Kompetenzen verstanden, an denen sich das moralische Verhalten eines Menschen ablesen lässt. Wobei diese Kompetenzen nicht in Stein gemeißelt, sondern bis zu einem gewissen Grad erlernbar sind. Häufig werden Temperament, Charakter und Persönlichkeit synonym verwendet, wobei Persönlichkeit der modernere Begriff ist.

Eigenschaft wiederum bezeichnet im Wortsinn das, was einer Person zu eigen ist. Das Kompositum Charaktereigenschaft beschreibt also das, was einen Menschen ausmacht.

Entstehung von Charaktereigenschaften

Die frühe Kindheit beeinflusst maßgeblich die Herausbildung bestimmter Charaktereigenschaften. Ein Kind unterliegt vor allem dem Einfluss durch die Eltern oder Erziehungsberechtigten, später zu einem gewissen Grad auch seinem weiteren Umfeld. Gerade in frühster Kindheit können Säuglinge und Kleinkinder keinen Einfluss auf ihr Leben nehmen.

Da sie noch keinerlei Maßstäbe entwickeln konnten, können sie auch nicht beurteilen, ob ihr Erleben normal ist oder in irgendeiner Form abweicht. Ebenso wenig verfügen sie über die Macht oder die Möglichkeiten, sich gegen ihre Eltern durchzusetzen, wenn ihnen etwas nicht gefällt.

Die Erfahrungen, die ein Kind in dieser Phase macht, wirken sich auf das spätere Leben als Jugendlicher und Erwachsener aus. Wer beispielsweise wenig Ermutigung von Zuhause erfahren hat, sondern überbehütet und immerzu vor Gefahren gewarnt wurde, wird sich später sehr wahrscheinlich eher zu einem ängstlichen Menschen entwickeln.

Weil viele Charaktereigenschaften sehr früh erworben werden, lassen sie sich nicht einfach so abschütteln. Wer beispielsweise panische Angst vor Spinnen hat, weil die eigenen Eltern sich bereits stark vor diesen Achtbeinern ekelten, kann nicht einfach beschließen, am nächsten Tag keine Angst mehr zu verspüren.

Auch soziale Phobien sind oftmals bereits früh entstanden. Dennoch gilt hier wie für alle Charaktereigenschaften, die eher als störend und behindernd wahrgenommen werden, dass sie geändert werden können.

Charaktereigenschaften mit J

Charaktereigenschaften mit jGibt es eigentlich Charaktereigenschaften mit J? Ja! Einige wenige haben wir hier:

  • jähzornig - Mensch, die schnell zu Wutausbrüchen neigen
  • jämmerlich - Menschen, die zum Jammern neigen
  • jovial - Menschen, die großzügig und wohlwollend anderen gegenüber sind
  • jugendlich - Menschen, die frisch, optimistisch und aufgeweckt wirken

Charaktereigenschaften entscheiden über Vorankommen

Wer unter negativen Charaktereigenschaften leidet, weil er beispielsweise übermäßig ängstlich, misstrauisch, kontrollierend, zwanghaft und eigenbrötlerisch ist, kann als mündiger Mensch entscheiden: Ich möchte etwas ändern.

Für gewöhnlich entsteht diese Bereitschaft erst, wenn jemand aufgrund seiner Charaktereigenschaften einen gewissen Leidensdruck verspürt. Gerade negative Charaktereigenschaften versperren den Weg in eine berufliche Karriere. Bestimmte Basics werden überall erwartet.

Überall ist von sozialen Kompetenzen die Rede, aber es reicht eben nicht, sie nur aufzulisten. Wer nicht in der Lage ist, die Tageszeit zu kommunizieren, Teamfähigkeit zu beweisen und Konfliktmanagement zu betreiben, wird es schwer haben oder braucht einen Job als Selbständiger.

Es sind natürlich nicht nur positive Charaktereigenschaften wie Freundlichkeit, Empathie und Hilfsbereitschaft, die einen weiterbringen. Auch Resilienz, Durchsetzungsvermögen und Zielstrebigkeit gehören zu den Charaktereigenschaften, die wir aufgrund unserer Erfahrungen entwickeln.

Charaktereigenschaften erfassen: Psychologisches Modell

In den neunziger Jahren lebte die Persönlichkeitsforschung wieder auf, verschiedene Forscher versuchten Charaktereigenschaften von Menschen anhand von bis zu 4.500 Adjektiven zu beschreiben. Dem britisch-amerikanischen Psychologen Raymond Bernard Cattell gelang es, diese auf 16 wesentliche Adjektive einzudampfen.

Durch den Einsatz von Computern gelang den amerikanischen Psychologen Paul Costa und Robert McCrae der Nachweis, dass fünf Charaktereigenschaften jeden Menschen ausmachen. Ganz gleich, welche statistischen Methoden oder welche Fragebogeninstrumente zum Einsatz kommen und unabhängig vom Kulturraum.

Diese fünf Charaktereigenschaften haben dem psychologischen Modell den Namen Big Five gegeben. Ebenfalls wird es nach den Anfangsbuchstaben seiner fünf Faktoren als OCEAN-Modell bezeichnet:

Negative Charaktereigenschaften positive Eigenschaften eines Menschen Liste

  • Offenheit für Erfahrungen

    (Openness) Diese Charaktereigenschaft beschreibt Personen mit mit reger Phantasie, die ihre eigenen Gefühle - positive wie negative - deutlich wahrnehmen. Sie sind an vielen persönlichen und öffentlichen Vorgängen interessiert. Sie sind eher bereit, bestehende Normen kritisch zu hinterfragen und bevorzugen Abwechslung. Wer schwache Offenheitswerte hat, ist eher konservativ, traditionell und vorsichtig. Offene Menschen sind...

    • wissbegierig
    • neugierig
    • intellektuell
    • phantasievoll
    • experimentierfreudig
    • künstlerisch interessiert.
  • Big Five: Gewissenhaftigkeit

    (Conscientiousness) Diese Menschen zeichnet ein hohes Maß an Selbstkontrolle, Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Zielstrebigkeit aus. Wer weniger gewissenhaft ist, wirkt unbekümmert und spontan. Personen mit hohen Gewissenhaftigkeitswerten sind...

    • organisiert
    • sorgfältig
    • planend
    • effektiv
    • verantwortlich
    • zuverlässig
    • überlegt.
  • Big Five: Extraversion

    (Extraversion) Das Hauptcharakteristikum von Personen mit hohen Extraversions- bzw. niedrigen Introversionswerten ist, dass sie gesellig sind. Menschen mit diesen Charaktereigenschaften bevorzugen die Gesellschaft von Menschen, sie fühlen sich in Gruppen und auf gesellschaftlichen Versammlungen besonders wohl, sie lieben zwischenmenschliche Kontakte, sind Meister des Netzwerkens und alles andere als scheu oder schüchtern. Anders introvertierte Menschen, die lieber für sich zurückgezogen und gerne allein sind, beschreiben sich extravertierte Personen als...

    • selbstsicher
    • aktiv
    • gesprächig
    • energisch
    • heiter
    • optimistisch.
  • Big Five: Verträglichkeit

    (Agreeableness) Verträgliche Menschen sind eher nachgiebig, harmoniebedürftig, hilfsbereit, konfliktscheu. Anders die weniger Verträglichen, die sich durch Konkurrenzkämpfe und Egozentrik auszeichnen, begegnen Menschen mit hohen Verträglichkeitswerten anderen...

    • verständnisvoll
    • wohlwollend
    • kompromissbereit
    • mitfühlend.
  • Big Five: Neurotizismus

    (Neuroticism) Menschen mit hohen Neurotizismuswerten sind leichter zu verunsichern und berichten häufiger, negative Gefühlszustände zu erleben oder von diesen geradezu überwältigt zu werden. Im Gegensatz zu Personen mit geringen Neurotizismuswerten, die selbstsicher und emotional stabil sind, machen sich Menschen mit hohen Werten häufig Sorgen und sind schneller...

    • erschüttert
    • betroffen
    • beschämt
    • unsicher
    • verlegen
    • nervös
    • ängstlich
    • traurig.