Choleriker im Büro: Erste Hilfe!

Von null auf hundert binnen Sekunden – das zeichnet einen Choleriker aus: Jene Menschen, die ihrer Wut und Aggression freien Lauf lassen. Das wirkt im Job nur leider recht unprofessionell und unsouverän. Und sympathisch schon mal gar nicht. Größtes Problem: Wie sollte man mit dem Frust und Ärger umgehen – dem eigenen angesichts des unmöglichen Verhaltens solcher Zeitgenossen aber auch deren? Was, wenn der Kollege aus der Haut fährt, schimpft und schnaubt und das Fremdschämen schon zur physischen Qual wird? So gehen Sie am besten mit einem Choleriker im Büro um…

Choleriker im Büro: Erste Hilfe!

Definition: Wie können Sie einen Choleriker erkennen?

Choleriker erkennen Medikamente Sexualität GesundheitCholeriker ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für einen Menschentypus, der gemeinhin als unangenehm empfunden wird.

Politiker wie Herbert Wehner und Franz-Josef-Strauß galten als Choleriker. Applegründer Steve Jobs war angeblich auch einer. Und der Name Klaus Kinski kann schon fast als Synonym für einen Choleriker gebraucht werden.

Im Fernsehen, aus sicherer Distanz also, können die Dauer-Ausraster richtiggehend spannend, erfrischend, sogar erheiternd wirken. Wer solchen Leuten aber Tag für Tag im Büro begegnet, findet sie irgendwann nur noch unerträglich.

Denn ein Choleriker kann den Betriebsfrieden massiv stören oder sogar komplett ruinieren. Dabei stellt sich zunächst die Frage: Wann ist man eigentlich ein Choleriker? Eine wissenschaftliche Definition des Cholerikers gibt es nicht.

Wie lässt sich also ein Choleriker erkennen? Gemeinhin versteht man darunter jemanden, der folgende Merkmale zeigt:

  • Er ist leicht erregbar.
  • Er rastet häufig aus.
  • Er fährt auch wegen vermeintlicher Lappalien aus der Haut.
  • Er hat sich im Grunde nie so richtig unter Kontrolle.

Cholerischer Anfall Wutausbruch Grafik Choleriker

Da die persönliche Toleranz eines jeden Menschen allerdings unterschiedlich ausgeprägt ist, mag das Verhalten einer Person für den einen schon als cholerisch gelten, für jemand anderen hingegen noch nicht. Fakt ist, dass Choleriker ihrer Wut unkontrolliert nachgehen – entweder, weil sie sich das Recht herausnehmen oder aber tatsächlich nicht in der Lage sind, sich entsprechend zurückzuhalten.

Choleriker Beziehung: Hitzkopf als Partner und Kollege

Interessanterweise sind Choleriker nicht in jeder Situation oder Umgebung gleichermaßen schnell gereizt. Manche Menschen verhalten sich vor allem in der Beziehung zu ihrem Partner tyrannisch, sind im Büro aber friedliebend. Oder umgekehrt: Auf der Arbeit tobt sich jemand aus, zu Hause ist er ein Lamm.

Wobei cholerisches Verhalten zunächst einmal ein Persönlichkeitsmerkmal ist und nichts mit dem Geschlecht zu tun hat: Sowohl Männer als auch Frauen können Choleriker sein. Das Schwierige: In „normalen“ Situationen können diese Menschen absolut entzückend, witzig und interessant sein.

Wer als Partner mit so einem Hitzkopf zusammen ist, zweifelt allerdings in solchen Momenten, in denen es zu einem Wutanfall kommt, immer wieder an der Beziehung. Die Betroffenen fühlen sich erniedrigt und beleidigt, manche haben in solchen Momenten sogar Angst.

Das Problem: Sie können einen Choleriker nicht heilen. Wenn überhaupt, kann eine Therapie helfen (mehr dazu weiter unten). Daher sollten Betroffene sich keinesfalls in eine Opferrolle begeben, sondern etwas tun.

Denn langfristig sind solche Wutanfälle extrem kräftezehrend, zumal Ihr Selbstwertgefühl auf Dauer darunter leidet.

Gerade wenn es sich nur um einen Kollegen handelt, der zumal wegen irgendwelcher Lappalien ausflippt, hält sich das Verständnis irgendwann in Grenzen.

Bloß nicht sagen: Entspann dich!

Choleriker erkennen DudenJemandem zu sagen, er solle sich beruhigen oder „entspannen“, verbessert übrigens nichts – im Gegenteil: Es ist eine weitere Provokation. Denn tatsächlich sagen Sie so im Subtext: Du bist unentspannt, also falsch drauf. Eine persönliche Abwertung – die nie deeskalierend wirken kann.

Choleriker Eigenschaften: Eignet er sich gar zum Chef?

Wer den Duden nach einer Begriffsdefinition fragt, erhält als Antwort einen „leidenschaftlichen, reizbaren, jähzornigen Menschen“. Und daran erkennen Sie auch schon ein gewisses Dilemma. Auf der einen Seite zeichnen sich viele cholerisch veranlagte Menschen durch Eigenschaften wie diese aus:

Auf der anderen Seite sind sie eben auch sehr leidenschaftlich in dem, was sie tun. Viele Choleriker verfügen gleichzeitig über eine ausgeprägte:

Eigenschaften also, die man mit einer Führungsfigur in Verbindung bringt. Vielleicht eine Erklärung, warum gerade unter Chefs der Typus des Cholerikers scheinbar überproportional häufig anzutreffen ist…

Aber: Jemand, der andere gerne und unüberhörbar auf Fehler hinweist, ist nicht automatisch ein Choleriker. Es kann ja sein, dass manche Kollegen wirklich so unfähig sind, ständig leichte Fehler machen, nichts dazu lernen wollen, sodass sie es einfach nicht anders verdient haben.

Zugegeben, das war jetzt etwas polemisch. Trotzdem ist die Unterscheidung wichtig: Übt mein Chef oder Kollege berechtigte oder unberechtigte Dauer-Kritik – und rastet er aus, weil mir immer wieder dieselben Fehler unterlaufen oder geschieht das völlig unberechenbar?

Im ersten Fall ist Selbstreflexion und die Behebung der Fehlerkette möglicherweise schon die Lösung des Problems. Im zweiten Fall haben Sie es tatsächlich mit einem notorischen Ausraster zu tun. Wie reagiert man in diesem Fall am besten auf den Wüterich?

Choleriker Hilfe: Wie geht man mit dem Wüterich um?

Choleriker HilfeDas Team um Deanna Geddes von der Temple Universität und Lisa Stickney von der Universität in Baltimore hat sich der Frage etwas genauer angenommen und dazu eine Studie mit knapp 200 Probanden durchgeführt.

Dabei betonen die Autorinnen allerdings zunächst, was wir freilich ohnehin ahnen: Ärger am Arbeitsplatz schadet gleich in zweifacher Weise:

  • den Betroffenen selbst, weil die sich dann nicht mehr auf ihren Job konzentrieren können und eine Weile brauchen, um wieder runterzukommen;
  • der Organisation, weil der Tobsuchtsanfall und Frust früher oder später ansteckend wirken. Und dann arbeiten auch die anderen nicht mehr, sondern regen sich nur noch auf.

Also bat das Forscherduo die Versuchsteilnehmer, sich an diverse Momente zu erinnern, wenn Kollegen so richtig ausrasteten – schreien, schimpfen, physische Gewalt (gegen Gegenstände) inklusive. Ebenso baten sie diese, ihre eigenen Gefühle dabei zu reflektieren. Vor allem aber im Zusammenhang mit der eigenen Reaktion darauf.

Dabei stehen einem grundsätzlich drei Optionen zur Wahl:

  • Gar nichts tun und den Wüterich austoben lassen.
  • Den Kollegen auf sein unangebrachtes Verhalten ansprechen, maßregeln und im Extrem mit Sanktionen drohen.
  • Verständnis zeigen.

Die meisten neigen zu Reaktion 1 – bloß nicht einmischen, sonst gerät man am Ende noch in die Schussbahn! -, denken aber innerlich an Reaktion 2: „Der soll endlich aufhören, ist ja peinlich!“ Wie die Forscherinnen aber bald feststellten, wirkte die letzte Reaktion am effektivsten. Wenn einer die Contenance verliert, hilft man sich selbst und dem Kollegen am besten, indem man auf denjenigen eingeht, Motto: Du bist nicht alleine.

Denn was tatsächlich oft hinter dem Ausraster steckt, ist das kurzfristige Gefühl von Ohnmacht. Zuerst spürt man, dass man die Dinge selbst nicht mehr kontrollieren kann, dann verlieren die Betroffenen auch noch die Selbstbeherrschung. So jemandem hilft es enorm, wieder in die Spur zurückzufinden, wenn er spürt, eben doch nicht so allein zu sein.

Eine Binse, gewiss. Aber eine, die selten umgesetzt wird. Und natürlich gibt es bei solchen Wutanfällen auch Grenzen. Wer dabei seinen Computer zu Klump schlägt oder gar auf Kollegen losgeht, der wird auf verbale Streicheleinheiten kaum noch reagieren.

Für besonders hartnäckige Fälle haben wir daher weitere Tipps, die Sie hier als kostenloses PDF herunterladen können:

Ursachen: Wie wird man zum Choleriker?

Mit den Eigenschaften eines Cholerikers verbindet man Wut und Wutanfälle. Dabei lässt sich nicht pauschal sagen, worin die Ursachen liegen. Man weiß, dass bestimmte Krankheiten mit Wutanfällen zusammenhängen – etwa ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und psychische Störungen infolge von Hospitalismus und Vernachlässigung. Auch bei bestimmten Formen des Autismus sind Wutanfälle gehäuft zu beobachten.

Ein aufbrausendes, cholerisches Verhalten gehört zu einem unerwünschten Sozialverhalten – dabei ist es egal, ob Sie im Job einen cholerischen Chef/Kollegen haben oder in einer Beziehung mit einem Choleriker sind. In jedem Fall muss sich etwas ändern.

Da liegt jedoch das Problem: Wie bei allen Menschen mit psychischen Störungen muss der Choleriker selbst einen Leidensdruck spüren und den Wunsch haben, sich therapeutische Hilfe zu holen. Das gilt umso mehr, als dass cholerisches Verhalten nicht als Krankheit klassifiziert ist. Daher muss der Choleriker seine Wut kontrollieren und mit anderen Menschen wieder einen normalen, konstruktiven Umgang pflegen wollen.

Eine Möglichkeit ist die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT). In dieser Therapie kommen verhaltenstherapeutische Ansätze mit Strategien zur Achtsamkeit und Akzeptanz zum Einsatz: „Commitment“ steht für „Verpflichtung“ oder „Mitarbeit“ und bedeutet, dass man als Choleriker sich seiner (jähzornigen) Gefühle bewusst werden sollte. Es geht darum, sich als Mensch zu akzeptieren, aber die unschönen Verhaltensweisen zu sehen und sie zu verändern.

Zusammenhang zwischen Intelligenz und Wutausbrüchen

Choleriker erkennen Medikamente GesundheitDie Wut eines Cholerikers richtet sich nie gegen sich selbst, immer gegen andere – ihm (oder ihr) platzt der Kragen, weil andere offenbar „nicht bis drei“ zählen können. Die (vermeintlich) einfachsten Dinge machen sie falsch.

Und das äußert sich dann gerne in Übertreibungen, pauschalen Unterstellungen und rhetorischen Fragen. Besonders unangenehm wird es beim Hierarchiegefälle. Mit Ausrastern à la…

  • Muss ich denn alles selbst machen?
  • Du kannst ja nicht mal von hier bis da denken!
  • Wie kann man nur so bescheuert sein!
  • Ein Mal, ein einziges Mal möchte ich erleben, dass etwas funktioniert, wenn ich nicht da bin!

suggeriert der Choleriker gerne, dass er der Einzige sei, der den Überblick hat und das Offensichtliche sieht – während alle anderen schlichtweg zu doof sind. Nun ist klar, dass manche Menschen auf Stress besonders empfindlich reagieren und auch Angst kann zu heftigen Reaktionen führen, aber eine Studie wollte es jetzt mal genauer wissen:

Sind Choleriker die intelligenteren Menschen?

Die Psychologen Gilles Gignac von der University of Western Australia in Perth und Marcin Zajenkowski von der Universität Warschau gingen der Frage nach. 528 Studenten der Universität Warschau nahmen für die Studie an wissenschaftlichen Tests teil, die Aufschluss über ihre mentale Stabilität und Narzissmus geben sollten. Anschließend war eine Selbsteinschätzung der Intelligenz anhand einer 25-Punkte-Skala gefragt.

Die Tests brachten zutage, dass die Wutausbrüche mehrheitlich im engen Zusammenhang mit Narzissmus stehen. Nicht Angst, dass ein Projekt tatsächlich den Bach heruntergeht, schürt die Wut, sondern schlichtweg eine verzerrte Selbstwahrnehmung. Demnach scheinen Choleriker eher am Dunning-Kruger-Effekt zu leiden, da sie sich mehrheitlich sehr intelligent einschätzen – leider ohne dass es dafür einen Nachweis gäbe.

Die Forscher vermuten, dass das cholerische Verhalten sogar ein Resultat der Diskrepanz zwischen der Selbstwahrnehmung und den realen Erfolgen sei. Choleriker sind offenbar der Meinung, dass ihnen etwas anderes zustünde – und die entsprechende Anerkennung ihnen verwehrt bliebe.

Arbeitsrecht: Wie kann man Choleriker kündigen?

Schließt ein Arbeitnehmer einen neuen Arbeitsvertrag mit einem Arbeitnehmer, der sich als Choleriker herausstellt, sollte er sich genau ansehen, was bezüglich der Kündigungsfristen geregelt ist.

Grundsätzlich gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen. Das heißt: Ist eine Probezeit vereinbart, gilt eine Kündigungsfrist von zwei Wochen. Danach verlängert sich die Kündigungsfrist auf vier Wochen zum fünfzehnten des Monats oder zum Monatsende.

Erst wenn das Arbeitsverhältnis seit mehr als zwei Jahren besteht, beträgt die Kündigungsfrist einen Monat zum Monatsende. Mit den Jahren der Betriebszugehörigkeit steigert sich die Frist auf maximal sieben Monate. Diese verlängerten gesetzlichen Kündigungsfristen gelten aber nur für eine Kündigung des Arbeitgebers. Für den Arbeitnehmer gelten sie nur, wenn dies ausdrücklich im Arbeitsvertrag so vereinbart wurde.

Auch wenn eine Kündigung sicherlich den Extremfall darstellt: Es ist nicht zulässig, dass eine einzelne Person derart den Betriebsablauf gefährdet, zumal bei nicht Einschreiten seitens des Arbeitgebers die Gesundheit der betroffenen Mitarbeiter darunter leidet.

Als Vorgesetzter hat er im Rahmen seiner Fürsorgepflicht die Verantwortung, seinen Mitarbeitern ein entsprechendes Arbeitsumfeld zu ermöglichen.

[Bildnachweis: Minerva Studio by Shutterstock.com]
29. Juli 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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