Impulsivität-impulsives Verhalten bei Erwachsenen-Impulsivität steuern
Woran denken Sie, wenn Sie den Begriff Impulsivität hören? Wahrscheinlich an die Menschen, die zu unberechenbaren und risikoreichen Taten neigen. Oder an die Menschen, die wegen Nichtigkeiten wütend werden oder die einfach das tun, was sie wollen. Tatsächlich können diese Merkmale auch Anzeichen von Impulsivität sein, ihre wahre Natur zeigt sie aber in ganz anderen Situationen...

Impulsivität Bedeutung: Eine Definition für impulsives Verhalten

Impulsivität Bedeutung-impulsives Verhalten bei ErwachsenenAls Impulsivität wird ein Verhalten bezeichnet, das geprägt ist von Ungeduld und der Unfähigkeit, Bedürfnisse aufzuschieben.

Impulsives Verhalten bei Erwachsenen bedeutet, dass sie ihre Handlungen nur mangelhaft kontrollieren können und eine geringe Frustrationstoleranz besitzen.

Das führt zu einem Handeln aus dem Moment heraus, ohne dass langfristige Konsequenzen bedacht werden. Sicherlich kennen viele eine Situation, in der sie mal unüberlegt und ohne zu zögern gehandelt haben. Bei einer Störung der Impulskontrolle passiert das jedoch häufiger und vor allem automatisch.

Das heißt, es gibt einen Drang; die jeweilige Person kann willentlich nicht oder nur schwer das impulsive Handeln verhindern. In dem Moment, wo dieses Verhalten gewissermaßen unangepasst ist, weil schädlich für sich selbst oder gegen andere, kann man von einer psychischen Störung sprechen.

Impulsivität ist ein Symptom für viele neurologische Störungen. Sie deutet zum Beispiel auf die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) hin. Aber auch andere psychische Erkrankungen wie die emotional instabile Persönlichkeitsstörung, einschließlich der Borderline-Persönlichkeitsstörung, der narzisstischen und der antisozialen Persönlichkeitsstörung zeigen diese Symptome.

Die Betroffenen lenken sich sehr schnell vom eigentlichen Problem ab, sie führen lieber sinnlose Gespräche oder versuchen bei einem leichten Online-Spiel auf das nächste Level zu kommen – diese Beschäftigungen kommen ihnen wichtiger und befriedigender vor, weil sie ihren aktuellen Wünschen entsprechen.

Impulsivität: Die vier Merkmale

Impulsivität äußert sich in den schnellen Rektionen des Menschen auf seine eigenen Wünsche. Ihnen kommt ein Gedanke und sie müssen ihn sofort ausführen. Die Verhaltenspsychologen Martial Van der Linden und Mathieu D’acremont haben in der Untersuchung Impulsivity and Decision Making (PDF) bereits im Jahre 2005 vier Merkmale der Impulsivität herausgestellt:

  • Die Dringlichkeit: Diese Menschen wollen die Tat jetzt sofort ausführen.
  • Der Automatismus: Sie tun etwas, ohne nachzudenken und ohne im Voraus zu planen.
  • Die Ungeduld: Sie werden schnell von der langfristigen Aufgabe enttäuscht.
  • Die Attraktivität: Sie suchen sich die angenehmen Aufgaben aus.

Menschen sind im unterschiedlichen Maße impulsiv – die einen mehr, die anderen weniger. Den Unterschied macht die Fähigkeit aus, die eigenen Wünsche zu kontrollieren. Diejenigen, die hoch impulsiv sind, haben auch mehr Probleme mit der inneren Motivation.

Sie überlassen eine Aufgabe, in die sie mehrere Wochen Zeit und auch Energie investiert haben, sich selbst, und folgen einem impulsiven Wunsch, durch den sie positiven Emotionen erlangen. Der neue dringende Impuls hat für sie eine höhere Priorität als ein Problem, an dem sie seit Wochen arbeiten. In diesem Fall kann keine Rede von Planung sein – es zählt nur das, was sie jetzt wollen.

Impulsivität führt zur Prokrastination

Die Prokrastination können Sie mit einem schwachen WLAN Signal vergleichen – es ist dermaßen schwach, dass die Internetseite eine Ewigkeit lädt. Die Metapher ist ganz einfach: Sie bleiben lange hängen, ohne die Kraft für die tatsächlich wichtigen Dinge aufzubringen.

Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor? Leider kennen nur wenige Betroffenen den richtigen Ausweg daraus. Die Schwierigkeit liegt darin, dass sie zwar bewusst bereit sind, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren und sie auszuführen, den kleinen Ablenkungsfaktoren aber nicht widerstehen können.

Die Prokrastination äußert sich auf viele Arten, das Grundprinzip ist aber dasselbe: Sie schieben unangenehme Probleme auf später und machen impulsiv nur das, was Ihnen besser gefällt und weniger Aufwand erfordert.

Viele Menschen lassen sich durch den Haushalt, soziale Netzwerke oder auch einen Plausch beim Kaffee mit den Kollegen ablenken, statt sich den wichtigen und dringenden Dingen zu widmen, da es sich dabei meist um deutlich unangenehmere Aufgaben handelt.

Impulsivität steuern: Was mache ich als Kollege?

Impulsivität steuern-Impulsives Verhalten BeziehungAber es sind ja nicht nur die Ablenkungen, denen impulsive Menschen nicht widerstehen können. Richtig kritisch kann impulsives Verhalten im direkten Umgang mit Kollegen und Partnern werden.

Menschen, die impulsiv veranlagt sind, reagieren je nach Situation dramatisch und/oder mit heftigen Temperamentsausbrüchen.

Die Gründe können vielfältiger Natur sein - denkbar sind Verlustängste, aber auch Geltungssucht, wie etwa bei narzisstisch veranlagten Persönlichkeiten. Ursächlich ist wie so häufig eine Mischung aus genetischer Veranlagung und Erziehung.

Schwierig wird es für das Umfeld solcher Leute: Wie verhalte ich mich als Kollege, wenn ein Teammitglied mal wieder völlig unberechenbar aus der Haut fährt? Wenn Ihr Kollege offenbar nicht in der Lage ist, sein impulsives Verhalten zu steuern, dann können Sie deeskalierend einwirken, indem Sie...

  • den Kollegen ernst nehmen:

    Versuchen Sie, sich in die andere Person hineinzuversetzen und empathisch zu sein. Auch wenn sein Verhalten auf Sie von außen betrachtet übertrieben und irrational wirkt. Wenn Sie kein Verständnis für die andere Position signalisieren, provozieren Sie Wut und Verletzung beim Kollegen.

  • die Ruhe bewahren:

    Wenn Sie die Stimme erheben, kann sich schnell etwas zu einem Streit hochschaukeln. Aber durch ruhiges, entspanntes Agieren nehmen Sie der Situation auch so die Dramatik, wenn Ihr Gegenüber gerade in heller Aufregung ist und kurz davor steht, eine überstürzte Aktion zu begehen.

  • die Distanz wahren:

    Das kann man sowohl inhaltlich auffassen, beispielsweise, dass man Temperamentsausbrüche nicht persönlich nimmt, aber auch wörtlich: Meiden Sie die Nähe zu diesem Kollegen. Man kann nicht mit jedem Kollegentypus gleich gut auskommen, aber auf der Arbeit kann man sich häufig nicht komplett aus dem Weg gehen. Sie können die Mittagspausen allerdings anderweitig verbringen oder aber auch Gespräche auf das Nötigste beschränken.

Impulsivität: So wird die Produktivität beeinflusst

Nicht jede impulsive Tat ist automatisch schlecht oder schädlich. Das Problem entsteht erst, wenn der Betroffene seine Reaktion auf die Impulse nicht im Griff hat. Hier ein Beispiel, um dies zu verdeutlichen:

Sie sitzen im Büro und arbeiten an einem Monatsabschluss. Plötzlich erwacht das Handy zum Leben und Sie erhalten mehrere Nachrichten bei Facebook. Natürlich strecken Sie die Hand danach aus, um kurz nachzusehen.

Die folgenden 30 Minuten verlaufen dann ungefähr so: Sie öffnen die App und lesen die Benachrichtigungen. Dann sehen Sie plötzlich ein niedliches Bild in der Timeline, gehen auf die verlinkte Seite, lesen den Artikel komplett durch, kommen zu den Kommentaren, in denen Sie auf eine Dummheit stoßen, die Sie wiederum postwendend kommentieren wollen...

Dann schauen Sie auf die Uhr und erkennen, dass die letzten 30 Minuten eine absolute Zeitverschwendung waren, Sie von einem Impuls zum nächsten gehuscht sind und eigentlich genau gar nichts getan haben.

Erkennen Sie die vier Reizimpulse in dieser Geschichte? Diese vier Elemente haben Sie von der Arbeit abgelenkt und plötzlich kam Ihnen alles wichtiger vor, als der Monatsabschluss, der nicht gerade spannend ist, aber trotzdem erledigt werden muss.

Haben Sie sich in dieser Geschichte erkannt? Dann geht es Ihnen wie vielen anderen auch. Es ist schwer, auf die Bremse zu drücken und sich selbst rechtzeitig vor Augen zu führen: Dies ist nur eine Zeitverschwendung. Darunter leidet auch die Produktivität.

Das Schlimmste dabei ist der Schneeballeffekt: Hätten Sie direkt die Benachrichtigung ignoriert, wären die drei weiteren Reizimpulse erst gar nicht entstanden. Am besten also gleich das Handy lautlos stellen und die Benachrichtigungen komplett ignorieren.

Selbstkontrolle trainieren: Tipps gegen die Impulsivität

Selbstkontrolle trainieren-Impulsivität steuernDer Umgang mit der Impulsivität ähnelt in vielen Aspekten dem Umgang mit der Wut. Manchmal ist es durchaus notwendig, wütend zu werden – verliert man aber die Kontrolle, können die Folgen schwerwiegend sein.

Ebenso sieht es mit der Impulsivität aus – sie ist eine Charakterbesonderheit, die gesteuert werden muss. Folgende Methoden können Ihnen helfen, Ihre Selbstkontrolle zu trainieren:

  • Aufmerksamkeit und Konzentration üben

    Aufmerksam zu sein bedeutet, sich maximal auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Sie erkennen genau, was Sie tun, was Sie denken und welche Folgen es hat. Die Aufmerksamkeit setzt voraus, dass Sie die eigenen Gedanken kontrollieren und so den Impulsen keine Chance geben, Ihr Verhalten zu steuern.

    Zum Glück können Sie die Aufmerksamkeit trainieren. Wenn Sie wirklich Probleme mit Ihrer Impulsivität haben, dann werden Ihnen diese Übungen am Anfang wie eine Folter vorkommen – sie sind es aber wert. Die Aufmerksamkeit ist nicht einfach eine Eigenschaft: Sie trainiert das Gehirn zur besseren Konzentration. Einzelne Konzentrationsübungen finden Sie hier.

  • Ablenkungsfaktoren verschieben

    Ihre Impulsivität möchte Ihnen weismachen: Wird etwas nicht sofort getan, geht die Chance dafür für immer verloren. Sie können dieses Gefühl umgehen, indem Sie sich am Tag einen festen Zeitraum für diese Faktoren einplanen. Wollen Sie sich ablenken, sagen Sie nicht einfach NEIN, sondern versprechen Sie sich, diesem Impuls etwas später nachzugeben. Jeder erfahrene Prokrastinator weiß, dass es leichter ist, etwas zu verschieben, als vollständig zu ignorieren.

    Nehmen Sie sich beispielsweise 30 Minuten, in denen Sie sich den gehäuften Ablenkungsfaktoren widmen und diese genüsslich hintereinander auskosten können. Danach können Sie sich wieder vollständig dem laufenden Geschäft widmen und Sie wissen, dass die Zeit für die angenehmen Kleinigkeiten bald wieder kommen wird. Für das oben genannte Beispiel mit dem Handy gibt es eine einfache Lösung: Stellen Sie das Handy für die Dauer der Arbeitszeit in den Flugzeugmodus oder zumindest so ein, dass Sie nicht abgelenkt werden - Schwachstelle erkannt und behoben.

  • Sport treiben

    Dieser Ratschlag hilft eigentlich in fast allen Lebenslagen. Es geht hier vor allem um körperliche Betätigung - Sie müssen nicht zum Leistungssportler werden. Dennoch hat sich Joggen beispielsweise als eine geeignete Sportart erwiesen, nicht umsonst joggen so viele Manager: Sie kriegen draußen an der frischen Luft den Kopf frei. Darüber hinaus baut Sport nachweislich Stress, also auch Anspannungen ab:

    Wenn Sie also auf der Arbeit beispielsweise viel zu tun haben oder aber ein Problem Sie unglaublich wütend macht, so können Sie irgendwann nicht mehr klar denken. Bei sportlichen Aktivitäten hingegen müssen Sie sich auf andere Dinge wie Ihren Körper und die Atmung konzentrieren, so dass momentane Probleme in den Hintergrund treten. Anschließend können Sie auf viele Dinge wesentlich gelassener und distanzierter blicken. Dass Sie außerdem noch etwas für Ihre Gesundheit tun, ist ein netter Nebeneffekt.

  • Entspannungstechniken aneignen

    Lernen Sie sich selbst besser kennen. Beobachten Sie, in welchen Situationen Sie wie reagieren: Wann wird es kritisch? Was können Sie dagegen tun? Sport ist wie gesagt eine Möglichkeit. Aber es gibt ebenso viele Übungen rund um die Achtsamkeit. Sie können dazu beitragen, Ihre Warnzeichen zu erkennen, wenn Sie kurz davor stehen, aus der Haut zu fahren oder eine unkluge Entscheidung zu treffen.

    Auch Entspannungsübungen, zum Beispiel progressive Muskelrelaxion, Meditation oder Atemübungen können dabei behilflich sein, Stress und Anspannung abzubauen, Dinge gelassener zu sehen.

Impulse zu verstehen, wird Ihnen helfen, sich auf langwierige Aufgaben zu konzentrieren, selbst wenn diese wenig Spaß machen und Sie sich kaum dazu motivieren können. Nutzen Sie Ihre Kraft und Energie, um Ihre Gedanken in einen Fluss zu lenken und die Ablenkungsfaktoren entweder gar nicht erst zuzulassen oder richtig mit diesen umzugehen.

Je nachdem, wie stark die Auswirkungen Ihres impulsiven Verhaltens und wie groß Ihr Leidensdruck ist, sollten Sie eine Therapie in Erwägung ziehen. Bei der kognitiven Verhaltenstherapie lernen Sie beispielsweise Ihre Verhaltensmuster zu erkennen und entsprechend zu ändern.

[Bildnachweis: DarkBird by Shutterstock.com]

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