Empathie lernen: Test, Tipps, Vorteile, Studien

Als Empathie wird die Fähigkeit bezeichnet, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuvollziehen.

Wobei das Erkennen und Verstehen nur der erste Teil ist. Zur Empathie gehört ebenso die Bereitschaft, sich darauf einzulassen, darauf angemessen zu reagieren und Reaktionen darauf zu antizipieren. Es ist eine Art „vorausschauende Emotionsreaktion“.

Ohne ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen (oder: „Einfühlsamkeit“) ist ein funktionierendes Miteinander im Berufsleben nahezu unmöglich. Mehr noch: Empathie ist ein wesentlicher Karrierefaktor. Eine Studie unter Leitung des Bonner Psychologie-Professors Gerhard Blickle kommt zum Ergebnis: Wer sich gut in die Gefühle anderer hineinversetzen kann, steigt im Beruf schneller auf…

Empathie lernen: Test, Tipps, Vorteile, Studien

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Was bedeutet empathisch sein?

Empathische Menschen können sich gut in andere Menschen hineinversetzen, sich auf ihr Gegenüber einstellen, treffsicher auf sie eingehen und mit ihnen – feinfühlig – umgehen. Möglich machen das unter anderem sogenannte Spiegelneuronen.

Das bedeutet übrigens nicht, das Gefühlsleben und die Positionen des anderen zu übernehmen. Wir können beides dadurch aber besser verstehen und nachvollziehen.

Der Duden nennt als häufig genutzte Synonyme zu Empathie beispielsweise:

Anteilnahme
Einfühlungsvermögen
➠ Feingefühl
Mitgefühl
➠ Sensibilität
➠ Verständnis
➠ Zartgefühl

Wissenschaftler sind heute davon überzeugt, dass die Empathie ein Schlüsselfaktor für Beruf und Erfolg ist.

Was Kollegen, Vorgesetzte, Kunden, Mitarbeiter oder Geschäftspartner fühlen und denken oder welche Absichten sie verfolgen, ist eben nur selten auf Anhieb transparent. Wer dies aber schneller ergründen kann, ist nicht nur im Vorteil. Es macht diese Menschen auf Anhieb sympathischer.

Sie verstehen unsere Hintergründe und Beweggründe. Kennen uns scheinbar gut, sorgen für Harmonie. Oder wie es umgangssprachlich heißt: „Die Chemie stimmt“.

Voraussetzung für Empathie ist allerdings nicht nur eine gesunde Menschenkenntnis, sondern ebenso ein gesunde Selbstwahrnehmung:


Je offener man für seine eigenen Emotionen ist und je besser man sich selbst versteht, desto besser kann man die Gefühle anderer deuten und damit umgehen.



Entsprechend setzt sich diese Kompetenz – laut Definition – aus vier Säulen zusammen.

Die 4 Säulen der Empathie

1. Wahrnehmung
➠ Kernfrage: Wie geht es dem/der anderen?
➠ Facetten: Gestik, Mimik, Körpersprache, Stimme, Aussagen, spürbare Emotionen

2. Verständnis
➠ Kernfrage: Warum geht es ihm/ihr so?
➠ Facetten: Ursachen, Motive, Umstände

3. Resonanz
➠ Kernfrage: Wie reagiere ich darauf?
➠ Facetten: Rücksicht, Worte, Handlung, Mitgefühl, Akzeptanz

4. Antizipation
➠ Kernfrage: Wie wird mein Gegenüber auf mich reagieren?
➠ Facetten: Emotional, rational

Je nach Standpunkt wird unter Wissenschaftlern noch einmal zwischen Empathie und Mitgefühl unterschieden:

  • Während Empathie vor allem zu einer angemessene Reaktion im Sinne von Resonanzfähigkeit befähige,
  • sei das Mitgefühl eher eine Art „mitleiden“ angesichts der Probleme anderer. Das aber berge die Gefahr der emotionalen Erschöpfung.

Tatsächlich hat Empathie viele Bestandteile und Facetten. Sie eine der stärksten Eigenschaften unter den sogenannten Soft Skills, also den „weichen“ Kompetenzen eines Menschen.

Die 3 Arten der Empathie

Innerhalb der Empathie werden jedoch häufig noch einmal drei unterschiedliche Arten und Ausprägungen unterschieden:

  • Die affektive Empathie: Hierbei handelt es sich um die Fähigkeit, sind instinktiv und automatisch (affektiv) in seine Mitmenschen einzufühlen und mit Ihnen mitzufühlen beziehungsweise auf deren Gefühle angemessen zu reagieren.
  • Die kognitive Empathie: Die kognitive Empathie befähigt dazu, die Emotionen zu erkennen und die Gefühlswelt eines anderen zu verstehen. Erst durch die sogenannte emotionale Empathie wird es aber möglich, die Stimmungen selbst nachzuempfinden.
  • Die soziale Empathie: Diese Form wiederum beschreibt das Vermögen, sich auf Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kulturen, Altersgruppen sowie verschiedene Temperamente und Charaktere einstellen zu können.

Allesamt können diese Empathie-Arten dazu beitragen, im Berufsalltag Konflikte und deren Eskalation frühzeitig zu vermeiden beziehungsweise gemeinsam bessere Lösungen zu finden.

Einfühlungsvermögen hilft dabei, andere Menschen sprichwörtlich „mit ins Boot“ zu holen und so ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem echte Teamarbeit, Konsens und gegenseitiges Vertrauen erst möglich sind.


Empathie bedeutet:
Mit den Augen des anderen sehen.
Mit den Ohren des anderen hören.
Mit dem Herzen des anderen fühlen.


Empathie Test: Wie empathisch sind Sie?

Empathie macht sympathisch. Kaum verwunderlich also, dass sich viele diese Eigenschaft gerne selbst zuschreiben oder angeben, ein empathischer Mensch zu sein. Aber sind Sie das auch wirklich?

Bei Empathie verhält es sich ähnlich wie mit der Astrologie: Die meisten Beschreibungen sind so vielfältig und abstrakt, dass ein Teil davon immer auf uns zutrifft. So fallen viele leicht dem Barnum-Effekt zum Opfer. Das bedeutet: Wir glauben, was wir glauben wollen.

Um Ihnen bei einer realistischen Selbsteinschätzung zu helfen, haben wir einen kompakten Empathie Test entwickelt. Bei dem Selbsttest geht es nicht um einen wissenschaftlichen Nachweis, sondern darum, Ihr Selbstbild zu verbessern, dieses zu festigen oder gegebenenfalls zu korrigieren.


Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, um die folgenden Aussagen aufmerksam zu lesen und ehrlich zu entscheiden, welchen davon Sie zustimmen. Zählen Sie die Anzahl der Zustimmungen zusammen.

ACHTUNG: Es geht nicht darum, möglichst viele Punkte zu erzielen, sondern eine ehrliche Einschätzung zu erhalten.
  • Ich bemerke sofort, welche Stimmung in einem Raum herrscht.
  • Wenn jemand weint, nimmt mich das sehr mit und ich werde ebenfalls traurig.
  • Ich verstehe auch das, was nur zwischen den Zeilen gesagt wird.
  • Wenn die Chance besteht, versuche ich anderen immer zu helfen.
  • Ich versuche es anderen so gut es geht recht zu machen, um Konfliktsituationen zu vermeiden.
  • Die Freude eines anderen Menschen tut mir gut und bringt mich selbst zum lächeln.
  • Sollte es Streit geben, versuche ich neutral zu bleiben und eine gemeinsame Lösung zu finden.
  • Ich kann ein Geheimnis sehr gut für mich behalten, weil ich weiß, wie wichtig es für andere ist.
  • Es belastet mich, wenn es Menschen in meinem Umfeld schlecht geht oder diese ungerecht behandelt werden.
  • Ich kann gut nachvollziehen, was anderen Menschen besonders zu schaffen macht.
  • Mir fallen Veränderungen in der Körpersprache auf und ich kann diese interpretieren.
  • Ich kenne meine Wünsche und Ziele, nehme aber auch die Bedürfnisse anderer sehr deutlich wahr.
  • Viele Menschen in meinem Umfeld vertrauen mir.
  • Ich bemerke sofort, wenn jemand versucht mich anzulügen.
  • Freunde und Kollegen schätzen an mir, dass ich ein guter Zuhörer bin.



Haben Sie sich gemerkt, wie oft Sie zugestimmt haben? Anhand der Anzahl kommen Sie zu Ihrem persönlichen Ergebnis:

E-Test: Wie empathisch ist Ihr Gegenüber?

Um herauszufinden, wie empathisch sein Gegenüber ist, hat Adam Galinsky, lange Jahre Professor an der renommierten Kellogg of Management, den sogenannten E-Test entwickelt. Eigentlich ist es eher eine Art Partyspiel, das völlig harmlos aussieht, Ihnen aber viel über die Psyche Ihres Gegenübers verraten kann:

Bitten Sie dazu Ihr Gegenüber, ein „E“ auf die eigene Stirn zu malen. Danach betrachten Sie, wie herum der- oder diejenige das E gemalt hat:

  • Malt Ihr Gegenüber das „E“ so, dass er den Buchstaben vor seinem geistigen Auge lesen kann?
  • Oder malt Ihr Gegenüber das „E“ spiegelverkehrt, sodass Sie es richtig herum lesen können?

Für Sozialpsychologen verrät dies viel darüber, ob jemand die Fähigkeit besitzt, die Welt auch von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten. Beziehungsweise ob sich die Person, nur für sich interessiert oder selbst bei einem so harmlosen Test noch im Blick behält, dass andere zuschauen, mitlesen, mitspielen (siehe Video).

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Empathie lernen: So werden Sie empathischer

Nicht wenige beklagen im Berufsleben einen Mangel an Empathie. Statt Einfühlungsvermögen herrscht dort vor allem Ellbogenmentalität. Dabei ist Empathie im Umgang mit Menschen nicht nur wichtig, sondern auch erlernbar – ebenso wie Sozialkompetenz.

Der erste und wichtigste Schritt dazu ist Selbstreflexion. Der zweite: die Bereitschaft, an sich zu arbeiten.

Oft verbessert sich die Empathie schon mit zunehmendem Alter (damit ist nicht die sprichwörtliche Altersmilde gemeint), weil man dabei auf einen wachsenden Erfahrungsschatz zurückgreifen kann.

Es geht aber auch schon früher. Hier ein paar Tipps, wie Sie mehr Empathie lernen können:

  • Hören Sie zu.
    Aktives Zuhören ist eine Grundvoraussetzung für Empathie. Dabei geht es nicht etwas nur um Schweigen und Lauschen. Gute Zuhörer sind immer auch gute Fragensteller: Sie erkundigen sich, wenn sie etwas nicht verstanden haben.

    Und wiederholen mit eigenen Worten, was sie verstanden haben. Dabei geht nicht darum, Gesagtes wiederzukauen, sondern darum, den anderen wirklich zu verstehen, seine Emotionen, seine Motive zu erfassen. Erst das vermittelt Wertschätzung.
  • Seien Sie offen.
    Nur wenn Sie unvoreingenommen auf andere zugehen, werden Sie eine Beziehung aufbauen können. Selbst an Kollegen, die Sie als schwierig empfinden, können Sie auf den zweiten Blick positive Eigenschaften erkennen. Diese werden Sie nur sehen, wenn Sie nicht an einem vorgefertigten Bild festhalten.
  • Nehmen Sie sich Zeit.
    Empathie kommt nicht von heute auf morgen. Es kostet Zeit, sich selbst, andere Persönlichkeiten und zwischenmenschliche Emotionen besser kennenzulernen. Wer lange Zeit nur oberflächlich Kontakte gepflegt hat, sollte sich die nötige Zeit nehmen, um das empathische Denken und Handeln Schritt für Schritt umzusetzen.

    Für berufliche Beziehungen ist es zum Beispiel hilfreich, anfangs den informellen Austausch zu suchen. Das kann ein Gespräch beim Kaffee, eine gemeinsam verbrachte Mittagspause oder ein Feierabendbier sein. In diesen Situationen öffnen sich viele Kollegen und zeigen mehr Emotionen.
  • Beobachten Sie.
    Auch wer seine Mitmenschen beobachtet, entwickelt ein besseres Verständnis für sie. Welche Gewohnheiten haben sie? Wie arbeiten sie? Wie reagieren sie in bestimmten Situationen oder auf verschiedene Auslöser? Wer beispielsweise erkennt, dass der Büronachbar morgens erst einmal einen Kaffee braucht und in Ruhe seine E-Mails lesen möchte, kann darauf Rücksicht nehmen, statt diesen direkt zu belagern.
  • Zeigen Sie Interesse.
    Was ist Ihren Kollegen wichtig? Was begeistert sie? Wer sich für seine Kollegen interessiert, kann leichter die zugrunde liegenden Emotionen verstehen. Die meisten Menschen sprechen gerne über Hobbys und Leidenschaften. Hören Sie aufmerksam zu und achten Sie darauf, welche Gefühle mit einzelnen Themen verbunden sind.
  • Hinterfragen Sie.
    Konflikte entstehen häufig durch Missverständnisse. Versuchen Sie stattdessen zwischen den Zeilen zu lesen, Motive zu hinterfragen und zu verstehen. Oft bleiben die waren Bedürfnisse unausgesprochen. Eine hilfreiche Methode hierfür ist das sogenannte 4-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun. Dabei wird jede Aussage von vier Seiten betrachtet – und so wesentlich besser verstanden.
  • Spiegeln Sie Ihr Gegenüber.
    Wenden Sie den Trick von Robert de Niro an: Der US-Schauspieler erzählte einmal, dass er die Körpersprache seines Gegenübers nachahmt, um diesen besser zu verstehen. Wer subtil die Gestik und Mimik seines Gegenübers synchronisiert, kann sich besser in diesen hineinversetzen. So wird eine emotionale Übereinstimmung zwischen zwei Menschen geschaffen.
  • Drücken Sie Verständnis aus.
    Wer glaubt, dass ihn sein Gegenüber wirklich versteht, öffnet sich. Erzählt Ihnen also zum Beispiel ein Kollege von einem Erlebnis und Sie sagen: „Ich kann das sehr gut nachvollziehen“, entsteht Verbundenheit (natürlich nur, wenn das keine Floskel ist). Der oder die andere fühlt sich in Ihrer Gegenwart nicht nur sofort wohler – auch Sie werden mit der Zeit mehr Empathie gewinnen.

Das aufrichtigste Mitgefühl empfindet, wer den Schmerz aus eigener Erfahrung kennt. (John Gay)


Empathie Gegenteil: Zu viel des Guten?

Wissenschaftler wie der Psychologe Paul Bloom sind der Ansicht, dass wir vor allem dann Empathie empfinden, je ähnlicher uns eine Person ist. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings auch: Je verschiedener wir sind, desto weniger Empathie empfinden wir füreinander. Eine enorme Gefahr gegenüber Fremden und Andersdenkenden.

Und tatsächlich: Es gibt auch eine dunkle Seite der ansonsten integren und moralisch hochgeschätzten Kompetenz – sozusagen das Empathie Gegenteil.

Man denke zum Beispiel an TV-Bilder von blutigen Auseinandersetzungen, von Kindesmissbrauch, von Rassismus oder Unterdrückung. So manche Grausamkeit, die dort geschildert wird, ist nur schwer zu ertragen. Wir fühlen mit den Opfern mit, spüren ihr Leid. Doch unsere empathische Reaktion darauf ist nicht etwa differenzierte Milde, sondern einseitige Wut, Rachsucht, ein Schrei nach Lynchjustiz.

Die Empathie in uns trägt dann nicht etwa zu mehr Verständnis und zur Klärung des Konflikts bei. Die starken Gefühle mutieren vielmehr zum Brandbeschleungiger und zur (empathischen) Parteinahme.

Thiemo Breyer, Philosoph und Professor an der Universität Köln ist zum Beispiel überzeugt, dass Empathie polarisieren kann. Die Folge: Der Konflikt wird eher noch angeheizt, die Fronten verhärten sich. Man wünscht dem Täter dieselbe, wenn nicht gar eine noch schlimmere Grausamkeit an den Hals.

Zuende gedacht bedeutet dies, dass erst Empathie den Sadismus ermöglicht: Ohne das Einfühlungsvermögen wüsste der Sadist nicht, wie er sein Opfer am meisten quälen kann.

Wir sollten uns also bewusst machen, dass die Fähigkeit, mit anderen mitzufühlen, nicht automatisch dazu führt, dass wir das Richtige tun. Umkehrt kann – stellenweise – Empathielosigkeit zu mehr Besonnenheit und Sachlichkeit führen.

Für das direkte Empathie Gegenteil gibt es sogar einen Fachbegriff: Ekpathie.

Das bedeutet nicht, dass so jemand keinerlei Empathie besitzt oder seiner Umwelt gegenüber gleichgültig wäre. Ekpathie beschreibt vielmehr einen Prozess. Ekpatisch zu sein heißt, dass Sie den Prozess des Hineinfühlens ab einem gewissen Punkt umkehren – in eine Art „Hinausfühlen“. Ekpathie dient letztlich dem puren Selbstschutz.

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Vorteile und Nachteile von Empathie

Emotionale Schwingungsfähigkeit hat viele Vorteile, die nicht nur den privaten, sondern auch den beruflichen Erfolg begünstigen. Wer sich in sein Gegenüber hineinversetzen kann, nimmt Sorgen und Nöte, aber natürlich auch Gefühle wie Freude und Aufregung wahr.

Die Vorteile der Empathie

    ➠ Für Mitarbeiter
  • Netzwerken: Empathie ist Grundlage für stabile Beziehungen. Das hilft enorm beim Netzwerken: Das Einfühlungsvermögen erleichtert den Umgang mit Fremden und neuen Kollegen.
  • Teamfähigkeit: Im Team führt die Empathie zu mehr Verständnis und größerer Hilfsbereitschaft untereinander. Konflikte werden ebenfalls schneller gelöst.
  • ➠ Für Führungskräfte

  • Kernkompetenz: Empathie gilt als Voraussetzung für Führungskompetenz bei Vorgesetzten.
  • Konfliktlösung: Dank des Einfühlungsvermögens werden Konflikte frühzeitig erkannt und die wahren Ursachen konstruktiv gelöst. Nicht nur die Symptome.
  • Motivation: Empathischen Führungskräfte gelingt es einfacher, ihre Mitarbeiter zu motivieren. Aufgrund dieser Fähigkeit werden sie sympathischer wahrgenommen.

Auch hier ist es wie bei allem: Die Dosis macht das Gift. Zu viel Empathie und Mitgefühl können zum Problem werden. Im Privaten wie im Job. Bei Letzterem drohen veritable Nachteile…

Die Nachteile der Empathie

    ➠ Für Mitarbeiter
  • Abgrenzung: Übermäßiges Einfühlungsvermögen kann zur Belastung werden. Betroffene richten sich zu sehr auf die Gefühle anderer aus und können nur schwer nein sagen. Folge: Sie erreichen schneller ihre Belastungsgrenze.
  • Gutgläubigkeit: Wer besonders empathisch ist, fällt leichter auf Schauspieler und Ausbeuter herein. Solche Menschen sind anfällig für Manipulation. Die Folge: Überarbeitung.
  • ➠ Für Führungskräfte

  • Führungsschwäche: Allzu empathische Vorgesetzte geraten schnell in die Defensive: Sie müssen unpopuläre Entscheidungen von oben umsetzen, tun es aber nur zögerlich. Im schlimmsten Fall glänzen sie mit Absentismus.

Einfühlungsvermögen steigert Gehalt

Um herauszufinden, wie Empathie und Ehrgeiz auf dem Karriereweg helfen, begleiteten Forscher um Gerhard Blickle von der Uni Bonn ihre Probanden zwei Jahre lang mit Fragebögen zu beiden Eigenschaften. Ergebnis: Wer viel Empathie und Einfühlungsvermögen bewiesen hatte, verdiente in der Zwischenzeit deutlich mehr als die anderen, nur ehrgeizig waren.

Die Begründung: Menschen mit einem feinen emotionalen Sensorium seien oft Meister darin, zwischen den Zeilen zu lesen. Das helfe, manches karriereschädliche Fettnäpfchen zu umgehen. Im Job müsse man nicht nur Entscheidungen treffen. Es komme auch darauf an, die emotionale Reichweite dieser Entscheidungen vorauszusehen.


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Empathie Psychologie: Studien über Einfühlungsvermögen

Sie haben schon eine ganze Menge über Empathie erfahren. Die folgenden wissenswerten Erkenntnisse und Fakten aus der Psychologie zum Thema wollen wir Ihnen trotzdem nicht vorenthalten:

  • Romane verbessern Empathie.
    Wer regelmäßig Romane liest, verbessert nicht nur seinen Sprachschatz, sondern steigert auch noch seine Empathiefähigkeit. Das geht aus Studien um Raymond Mar hervor. Bemerkenswert daran: Bei den Lesern von Sachbüchern stellten die Wissenschaftler einen gegenteiligen Effekt fest.
  • Armut fördert Empathie.
    Traurig, aber wahr: Der sozioökonomische Status eines Menschen wirkt sich ebenfalls auf das Empathievermögen aus. Das fand der britische Psychologe Antony S. R. Manstead von der Universität Cardiff heraus. Seine Studien ergaben, dass ärmere Menschen schnelleren Blickkontakt aufnehmen und eher auf andere zugehen. Reichere Menschen waren eher verschlossen.

    Die Erklärung: Wer wenig zum Leben hat, sei eher auf die Hilfe anderer angewiesen. Reiche hingegen würden Empathie in Form von Wohltätigkeit nur dann zeigen, wenn es eine entsprechende Öffentlichkeit gäbe, wie beispielsweise auf einer Spendengala.
  • Sprachmelodie verrät Empathie.
    Laut einer Studie von Lisa Aziz-Zadeh von der Universität von Südkalifornien verrät schon die Art, wie ein Redner seine Sätze betont, dessen Empathie. Wer zum Beispiel seine Aussprache besonders deutlich modulierte war auch besonders empathisch.
  • Empathie senkt Stress.
    Laut Untersuchungen um Sarina Rodrigues von der Oregon State Universität können empathische Menschen besser mit Stress umgehen. Verantwortlich dafür ist ein spezielles Gen, dass die Betroffenen nicht nur empathischer macht, sondern ihnen ebenso dabei hilft, störende Eindrücke auszublenden.
  • Synästhetiker sind empathischer.
    Synästhesie – also die Fähigkeit einen Sinnesreiz mehrfach wahrzunehmen und zum Beispiel einem Geschmack eine Farbe zuzuordnen – ist zugleich ein veritables Indiz für hohe Empathiewerte. Das fanden Michael Banissy und Jamie Ward vom University College in London in ihren Studien heraus.

    Das deckt sich mit Studien von Wen Zhou und Denise Chen von der Rice Universität in Houston, wonach empathische Menschen ein besonders ausgeprägtes Geruchsgedächtnis besitzen. Rund vier Prozent der Menschen in Deutschland sind übrigens Synästhetiker.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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2. September 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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