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Gefühle zeigen im Job: Ja oder nein?

Gefühle zeigen im Job ist heikel. Emotionen sind menschlich, gelten aber im Beruf als unprofessionell. Ob Wutanfall oder Tränenausbruch: Vorgesetzte und Kollegen reagieren in der Regel hilflos, sind peinlich berührt und wissen nicht, wie sie mit den Emotionen umgehen sollen. Doch muss es kein Problem sein, wenn Mitarbeiter im Job Gefühle zeigen. Worauf es ankommt…



Gefühle zeigen im Job: Ja oder nein?

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Gefühle zeigen: Umdenken bei Unternehmen

Lange Zeit war es verpönt, im Job Gefühle zu zeigen. Wer weint, ist nicht belastbar. Wut und Frust sind unprofessionell und schaden der Karriere. Noch heute sind Emotionen in vielen Betrieben ein Tabu.

Gleichzeitig findet ein Umdenken statt. Immer mehr Arbeitgeber erkennen, dass Mitarbeiter Menschen mit Gefühlen sind – die sich nicht ausblenden oder unterdrücken lassen. Wer zufriedene, motivierte und erfolgreicher Angestellte sucht, muss deren Emotionen akzeptieren und richtig darauf reagieren.

Gefühle im Job sind Chefsache

Der richtige Umgang mit Gefühlen im Job ist zunächst Chefsache und Aufgabe der Führungskräfte. Genau davor drücken sich viele Vorgesetzte. Es reicht nicht, Wutausbrüche, frustrierte Tränen oder chronisch gereizte Reaktionen zu ignorieren. Motto: „Hoffentlich hört das bald wieder auf…“

Ebenso falsch sind Strafen oder andere Sanktionen, wenn Mitarbeiter Gefühle zeigen. Das demonstriert höchstens einen Mangel an Empathie und wenig Führungsqualitäten. Vielmehr muss klar sein, dass Mitarbeiter Gefühle zeigen können – ohne Scham oder Angst vor Konsequenzen.

Grenzen für Gefühle im Job

Bei allem offenen Umgang muss klar sein: Gefühle zeigen im Job hat Grenzen. Nicht jede Emotion sollte am Arbeitsplatz nach außen getragen werden. Dazu zählen:

  • Tägliche Heulkrämpfe
  • Gefühlsausbrüche gegenüber Kunden
  • Grundlose cholerische Anfälle

Abgesehen von diesen Ausnahmen ist ein respekt- und verständnisvoller Umgang mit Gefühlen im Job eine Bereicherung für Unternehmen und Teams.


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Gefühle zeigen: 3 Tipps für Vorgesetzte und Kollegen

Der richtige Umgang mit Gefühlen muss im Job oft gelernt werden. Sich mit jemand anderem zu freuen, fällt noch leicht – negative Emotionen sind eine ganz andere Herausforderung. Wie reagiert man, wenn ein Mitarbeiter oder Kollege traurig oder wütend ist und diese Gefühle zeigt? Drei Empfehlungen:

  • Zeigen Sie Verständnis

    Gefühle führen im Job zu großer Unsicherheit. Gerade bei Trauer und Frust sind Betroffene aufgebracht oder schämen sich sogar. Verständnis ist der wichtigste Schritt für einen besseren Umgang. Zeigen Sie, dass Sie die Emotionen nachvollziehen können und nicht gleich schlecht über den Kollegen denken. Die verständnisvolle Reaktion reduziert die Belastung und erleichtert die Verarbeitung der Emotionen.

  • Suchen Sie das Gespräch

    Oft brauchen Mitarbeiter vor allem ein offenes Ohr. Gehen Sie nicht einfach darüber hinweg, sondern suchen Sie das 4-Augen-Gespräch. Sie müssen dafür nicht einmal eine Lösung parat haben. Hören Sie aufmerksam zu und zeigen Sie Unterstützung. Gerade Führungskräfte können so die Ursache der Gefühle erfahren – und daran arbeiten, falls es beispielsweise an Überlastung oder beruflichen Problemen liegt.

  • Bieten Sie Hilfe an

    Gibt es etwas, das Sie tun können, um dem Kollegen zu helfen? Schon die Geste beruhigt die Gemüter, und Betroffene fühlen sich besser verstanden. Die gemeinsame Lösungssuche zeigt, dass Sie die Situation ernst nehmen und sich für den anderen einbringen wollen. Was Sie konkret tun können, hängt von der Situation ab. Hat der Kollege zu vielen Aufgaben, können Sie unterstützen. Bei Meinungsverschiedenheiten können Sie vermitteln und das Betriebsklima wieder verbessern.

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Gefühle zeigen im Job: Vorteile für beide Seiten

Es ist nicht nur menschlich, wenn Unternehmen und Vorgesetzte emotionale Belastungen ihrer Mitarbeiter erkennen und berücksichtigen. Es hat auch messbare Vorteile – für Arbeitgeber und Mitarbeiter:

  • Arbeitsmoral und Stimmung profitieren
  • Mitarbeiter fühlen sich ernst genommen und akzeptiert
  • Arbeitsqualität steigt
  • Krankheitsrate und Ausfallquote sinken
  • Zufriedenheit und Loyalität steigen

Weiterer Vorteil für Mitarbeiter: Sie können authentisch sein. Im Job bauen viele eine unantastbare Fassade auf. Ein großer Stressfaktor und Belastung für die Psychohygiene.

Für Unternehmen lohnen sich deshalb Fortbildungen oder Schulungen, um Führungskräfte zu trainieren. Zentrale Themen sind Der Umgang mit Emotionen, aber auch Konfliktmanagement. Diese sollten aber als Angebote und nicht als Vorgabe oder Zwang kommuniziert und verstanden werden.

Emotionen zeigen in den Social Media

Psychologin Sonja Utz von der Uni Tübingen untersuchte geteilte Gefühle in sozialen Netzwerken. Die Frage: Wie kommen mehr oder weniger selbstoffenbarende Nachrichten bei Empfängern an? Klares Ergebnis: Unter Freunden stärkt das digitale Teilen von Emotionen die Zugehörigkeit. Es erfüllt eine ähnliche Funktion wie persönliche Gespräche.

Aber: Andere Menschen reagieren nicht mit mehr Verbundenheit. Reine Social-Media-Kontakte wollen nichts von Tränen und Tragödien lesen, sondern locker-leicht unterhalten werden. Probleme kümmern sie nicht. Was hingegen wirkt: Gemeinsame Lacher im Internet. Wer von anderen per Kommentar zum Lachen gebracht wird, hat das Gefühl, dass der Absender sich interessiert und kümmert.


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Gefühle zeigen: Jeder kann es lernen

Unternehmen und Vorgesetzte schaffen die Rahmenbedingungen im Job. Ob und in welchem Ausmaß Mitarbeiter im Job Gefühle zeigen, liegt an jedem einzelnen. Nicht jeder kann sich anderen gegenüber öffnen – und ein jahrelang verpöntes Verhalten lässt sich nicht via Dienstanweisung verordnen. Motto: „Ab jetzt zeigen wir hier mehr Gefühle…“

Mitarbeiter müssen sich dem Thema langsam nähern. Ein erster Schritt sind 4-Augen-Gespräche mit Kollegen oder Feedbackgespräche mit dem Chef, in denen der eigene Unmut angesprochen wird. Positive Erfahrungen mit ausgedrückten Emotionen erleichtern den weiteren Umgang.

Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihre Gefühle

Gefühle zu zeigen, bedeutet auch, Verantwortung dafür zu übernehmen. Sie können Gefühle zulassen – diese aber nicht immer und sofort offen zeigen. Lernen Sie, Ihre Emotionen zu filtern, zu hinterfragen und bewusst damit umzugehen. So können Sie in vielen Situationen gelassener reagieren und Ihre Gefühle zu einem späteren Zeitpunkt in angemessenerem Umfeld äußern.


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