Fingerspitzengefühl: Lenken mit sanfter Hand

Bei einer Aufzählung wichtiger Eigenschaften für die Karriere tauchen immer wieder die bekannten Klassiker auf: Teamfähigkeit, Flexibilität, Belastbarkeit, Motivation… Die Liste könnte noch deutlich länger werden, Fingerspitzengefühl würde man darauf jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit vermissen. Zu Unrecht, denn ein ausgeprägtes Fingerspitzengefühl ist eine grundlegende Fähigkeit für zwischenmenschliche Beziehungen, die auch im Job viele Vorteile mitbringt. Gerade Konflikte lassen sich vermeiden und besser lösen, wenn nicht immer gleich das Brecheisen zur Hand genommen wird, sondern ein wenig feinfühliger reagiert wird. Dies gilt innerhalb des Teams, doch noch wichtiger kann Fingerspitzengefühl in Führungspositionen sein…

Fingerspitzengefühl: Lenken mit sanfter Hand

Fingerspitzengefühl im Job: Was bedeutet das?

Fingerspitzengefühl Bedeutung Definition Synonym Duden ErklärungFingerspitzengefühl hat in diesem Zusammenhang nichts mit einem gut funktionierenden Tastsinn zu tun. Vielmehr gehört es zu den sozialen Kompetenzen und ob jemand über das nötige Fingerspitzengefühl verfügt, zeigt sich vor allem dann, wenn es knifflig wird und hart auf hart kommt. Häufig verwendete Synonyme sind Einfühlungsvermögen, Feingefühl, Mitgefühl, Verständnis, Sensibilität, Taktgefühl oder auch Empathie.

Am besten lässt sich Fingerspitzengefühl im direkten Umgang mit Menschen beobachten. Es geht darum, eine Situation und die daran beteiligten Menschen richtig einzuschätzen und angemessen darauf zu reagieren. Wichtig ist es, die Emotionen, Bedürfnisse, Wünsche und Ziele anderer Menschen richtig zu erkennen und das eigene Verhalten daran anzupassen.

Wie sich Fingerspitzengefühl im Job auswirken kann, zeigt dabei schon ein einfaches Beispiel: Kommt ein Kollege seinen Aufgaben nicht nach, bleibt Arbeit liegen, die jemand anders erledigen muss. Es entsteht Frust, der sich entlädt und zu Streit führt. Ein verärgertes Wort führt zum nächsten, das Betriebsklima ist nachhaltig gestört und gute Zusammenarbeit ist in nächster Zeit nicht möglich.

Mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl hätte vielleicht erkannt werden können, dass besagter Kollege nicht aus Faulheit seine Arbeitslast nicht geschafft hat, sondern weil er möglicherweise gerade nach einer längeren Krankheit wieder in die Arbeit einsteigt und auch bei ihm einiges liegen geblieben ist, was erst einmal aufgearbeitet werden muss. Oder er befindet sich gerade in einer schwierigen Phase – beruflich oder privat – wofür Sie Verständnis aufbringen und deshalb anders reagieren.

Verständnis statt voreiliger und vielleicht unpassender Reaktion. Das macht Fingerspitzengefühl aus.

Woran Sie Fingerspitzengefühl erkennen

Fingerspitzengefühl erkennen Tipps Definition Bedeutung Erklärung Synonym DudenFingerspitzengefühl drängt sich nicht in den Vordergrund, es ist auf den ersten Blick keine besonders auffällige Eigenschaft, wodurch sie oftmals übersehen oder als selbstverständlich betrachtet wird. So macht es sich meist erst dann bemerkbar, wenn die Feinfühligkeit fehlt und Sie sich denken Mit der Situation hätte man aber wirklich besser umgehen können…

Es gibt aber auch einige Merkmale, an denen Sie Fingerspitzengefühl erkennen können – sowohl bei sich selbst als auch bei anderen in Ihrem Umfeld:

  • Aufmerksamkeit

    Um Fingerspitzengefühl beweisen zu können, muss zunächst die Wahrnehmung stimmen. Aufmerksamkeit den Mitmenschen gegenüber ist daher besonders wichtig. Zuhören, beobachten und erkennen, in welcher Situation sich die anderen befinden, wie sie sich fühlen oder was sie durchmachen. Erst auf Grundlage dieser Informationen kann verständnisvoll und angemessen reagiert werden.

  • Anpassungsfähigkeit

    Wer Fingerspitzengefühl besitzt, passt sich immer den Begebenheiten an. So kann auf das eigentlich gleiche Verhalten immer unterschiedlich reagiert werden, wenn die Situation es erfordert.

  • Rücksicht

    Viele Menschen denken zuerst (oder auch nur) an sich selbst. Die Gefühle anderer werden übergangen und ignoriert. Fingerspitzengefühl zeigt sich jedoch durch Rücksichtnahme und manchmal auch dadurch, eigene Impulse zu kontrollieren, um sich richtig zu verhalten.

Fingerspitzengefühl in Führungspositionen

Je mehr Fingerspitzengefühl die Kollegen mitbringen, desto angenehmer und konfliktfreier wird die Zusammenarbeit im Team. Noch wichtiger ist es, dass die Person im Chefsessel über das nötige Feingefühl verfügt, um die Mitarbeiter nicht nur von oben herab und mit strenger Führung, sondern angemessen und situationsbedingt leiten zu können.

Genau damit tun sich viele Führungskräfte aber schwer. Das ist auf der einen Seite nachvollziehbar. Es ist nicht einfach, in jeder Lage die richtigen Worte zu finden und passend zu reagieren. Ist nun eine Ermahnung angebracht, weil die Leistung nicht stimmt und dem Unternehmen schadet? Oder sollte mehr Verständnis gezeigt werden, weil der Mitarbeiter gerade viel zu tun hat und unter Stress steht?

Noch komplizierter wird es, weil alle Teammitglieder gleichermaßen fair behandelt werden wollen. Soll heißen: Mancher fühlt sich vielleicht benachteiligt, wenn der Chef ihm für einen Fehler eine Standpauke hält, während ein Kollege auf mehr Verständnis stößt. Diese unterschiedliche Reaktion ist aber der Kern des Fingerspitzengefühls – und Vorgesetzte stehen vor der Herausforderung, diesen in ihre Führungsarbeit einzubauen.

Erfolgreich ist dabei vor allem Kommunikation und ein offener Umgang mit dem Team. Wird Fingerspitzengefühl gezeigt, sollten alle Beteiligten wissen und verstehen, wie es zu dieser Reaktion kam und welche Faktoren möglicherweise darauf Einfluss genommen haben. Ein simples Keine Sorge wegen dem Fehler, das bügeln wir schon wieder aus ist zwar schon feinfühlig, kann bei anderen Kollegen aber das Gefühl auslösen, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.

Besonders dann, wenn bei einem vergleichbaren Fehler bei einem anderen Kollegen mit harscher Kritik reagiert wird. Besser ist deshalb beispielsweise die Aussage Ich sehe, dass Sie aktuell unter großem Stress stehen und viel zu tun haben, da kann ein Fehler schon mal passieren. Wenn sich die Lage etwas beruhigt hat, wird sich auch die Leistung wieder entsprechend bessern.

Weiterhin wird mit Verständnis reagiert und die Situation des Mitarbeiters berücksichtigt – nun allerdings mit einer Erklärung für alle anderen und der gleichzeitig daran geknüpften Erwartung, dass es unter Normalbedingungen nicht so viel Verständnis geben würde.

[Bildnachweis: marvent by Shutterstock.com]
12. März 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px


Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!