Rücksichtnahme: Definition, hohe Bedeutung + Beispiele

Rücksichtnahme ist heute leider selten. Menschen reden in der Öffentlichkeit laut am Telefon; drängeln sich vor; im Parkhaus herrscht Krieg. Der Egoismus triumphiert – von Rücksicht kaum noch eine Spur. Dabei ist gegenseitige Rücksichtnahme wichtig bis unverzichtbar für ein soziales Miteinander! Was sie bedeutet, wie sie im Alltag gelingt und wo Rücksicht Grenzen hat…

Rücksichtnahme Auf Andere Bedeutung Einfach Erklaert

Definition: Was ist Rücksichtnahme?

Rücksichtnahme bedeutet, die Bedürfnisse, Gefühle und Interessen anderer Menschen zu achten und im eigenen Verhalten zu berücksichtigen. Das verständnisvolle Verhalten zeigt sich im Job ebenso wie im Straßenverkehr, im Alltag oder in Beziehungen. Wer Rücksicht nimmt, nimmt sich selbst zurück, um auf andere zu achten. Gegenseitige Rücksichtnahme ist eine Form der Empathie und Sozialkompetenz.

Rücksichtnahme: Synonyme + Gegenteil

Typische Synonyme für Rücksichtnahme (englisch: „consideration“ oder „thoughtfulness“) sind: Achtung, Behutsamkeit, Diskretion, Entgegenkommen, Freundlichkeit, Höflichkeit, Mitgefühl, Nachsicht, Respekt, Takt, Toleranz oder Vorsicht.

Das Gegenteil von Rücksichtnahme ist Rücksichtslosigkeit, Egoismus (siehe: D-Faktor), Egozentrik, Selbstsucht oder Skrupellosigkeit.

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Warum ist Rücksichtnahme wichtig?

Rücksichtnahme ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Überall, wo unterschiedliche Persönlichkeiten und Charaktere zusammentreffen oder zusammenarbeiten, prallen verschiedene Vorstellungen, Verhaltensweisen oder Werte aufeinander. Eine enorme Herausforderung für unser Sozialverhalten. Schon Rosa Luxemburg erkannte: „Freiheit ist die Freiheit des Andersdenkenden.“ Würde jeder nur an sich denken, herrschten bald Anarchie und ein ewiges Hauen und Stechen.

Ohne Rücksichtnahme keine Kooperation. Dabei gilt es, unterschiedliche Meinungen, Stärken und Schwächen zu berücksichtigen und die eigenen Wünsche mit denen der anderen abzugleichen. Nicht selten ist das Ergebnis ein Kompromiss. Ein solch rücksichtsvolles Verhalten ist zugleich Ausdruck von Integrität, emotionaler Reife und Verantwortungsbewusstsein.

Rücksicht ist keine Einbahnstraße

Der Wunsch nach Rücksichtnahme begleitet uns ein Leben lang. Das liegt daran, dass Rücksicht, Respekt und Wertschätzung enge Verwandte sind. Sie sind das Schmiermittel einer Gesellschaft. Ohne sie funktioniert diese nicht. Nur: Was wir selbst von anderen erwarten, müssen wir diesen auch umgekehrt zugestehen und gewähren.

Rücksichtnahme ist keine Einbahnstraße: Wer Rücksicht fordert, sollte ebenso Nachsicht üben. Oft sind gerade rücksichtslose Menschen jene, die besonders empfindlich reagieren, wenn ihnen ihr eigenes Verhalten begegnet. Andersrum wird ein Schuh daraus: Rücksicht bleibt ein Geben und Nehmen – aber in dieser Reihenfolge!

Die Folgen von Rücksichtslosigkeit

Rücksichtslosigkeit wirkt toxisch. Denken immer mehr Menschen nur noch an sich, vergiftet das das Betriebsklima ebenso wie jeden Teamgeist. Erst nimmt die Hilfsbereitschaft ab, zum Schluss stirbt das gegenseitige Vertrauen. Was bleibt, ist: „Jeder gegen jeden“ – und „Hauptsache ICH zuerst“. Es gilt das Recht des Stärkeren. Wie im Tierreich. Ein kulturelles wie zivilisatorisches Versagen.

Gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr

Im Straßenverkehr ist Rücksichtnahme sogar gesetzlich vorgeschrieben. Nach § 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) erfordert die Teilnahme am Straßenverkehr ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Das gilt für Autofahrer ebenso wie für Radfahrer und Fußgänger! Selbst wer Vorfahrt hat, muss aufmerksam bleiben. Rücksichtnahme schützt hier sogar Leib und Leben.

Rücksicht nehmen: Hier geht das ganz einfach

Sicher, schwierige Menschen gibt es überall. Sie machen unser Leben nicht bequemer und die Rücksichtnahme nicht leichter. Und doch können wir auf sie – in Maßen – Rücksicht nehmen. Noch mehr gegenüber den Mitmenschen, die es verdienen. Wie das geht? Eigentlich ganz leicht:

Freundlichkeit

Rücksicht beginnt bei so trivialen Dingen wie der Begrüßung, dem Bitte- oder Danke-Sagen. Kurz: Wie wir anderen Menschen begegnen – und zwar unabhängig davon, welchen Status oder welches Einkommen diese genießen. Wahre Größe offenbart sich nicht daran, wie wir Ranghöhere behandeln, sondern den Pförtner oder die Reinigungskraft. Selbst in einer scheinbar so harmlosen Frage wie „Wie geht es dir?“ steckt so viel mehr. Vorausgesetzt, wir interessieren uns wirklich für die Antwort.

Hilfsbereitschaft

Rücksicht zu nehmen bedeutet auch, dass man gelegentlich Opfer bringen muss. In Vorleistung geht, guten Willen zeigt und über den eigenen Schatten springt. Das offenbart sich regelmäßig bei vermeintlichen Selbstverständlichkeiten: zum Beispiel das Toilettenpapier aufzufüllen. Oder die Büroküche sauber zu hinterlassen und die Geschirrspülmaschine auszuräumen. Natürlich müssen Sie zuweilen Grenzen setzen. Nette Menschen werden gerne ausgenutzt. Das bedeutet aber nicht, dass Altruismus und temporäre Selbstlosigkeit generell dumm wären. Es sind achtenswerte Tugenden!

Geräusche

Was die Sinne anbelangt, hat jeder Mensch ein anderes Empfinden. Manche reagieren auf Lärm durch lautes Gerede, knallende Türen oder Telefongeklingel wesentlich empfindsamer als andere. Gerade hochsensible Menschen haben dann Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, und fühlen enormen Stress. In einem solchen Umfeld oder zu klassischen Ruhezeiten ist es rücksichtsvoll, die Stimme zu dämpfen, Kopfhörer zu nutzen oder zum Gespräch den Raum zu verlassen.

Gerüche

Apropos Sinne: Gegen das Hören helfen noch Ohrstöpsel. Seinen Geruchssinn dagegen kann man nicht abstellen. Manche Düfte empfinden wir als angenehm (Parfüms etwa), andere als unangenehm (Schweißgeruch zum Beispiel). Wie so oft macht die Dosis das Gift: Auch Parfüm kann belästigen, wenn der Raum davon trieft. Und Döner muss man nun wirklich nicht am Schreibtisch essen. Einfaches und vorausschauendes Mitdenken führt schon zur Rücksichtnahme.

Temperatur

Ein weiteres Konfliktthema (im Büro) ist die richtige Temperatur. Die einen frieren schnell. Andere schlafen fast ein, weil ihnen die Luft zu warm ist. Genauso wenig wie man ungefragt die Fenster aufreißen sollte, wenn der Kollege direkt darunter sitzt, sollte dieser erwarten, dass er ein Monopol auf das Heizungsthermostat hat. Rücksicht nehmen bedeutet hier, immer wieder Kompromisse zu finden. Sprechen Sie miteinander, statt einen stillen Kampf um Fenster und Heizung zu führen.

Diskretion

Auch das ist eine Form der Rücksichtnahme: empfangenes Vertrauen nicht zu missbrauchen. Beweisen Sie Feingefühl und Diskretion, wenn sich ein Freund oder Kollege öffnet und Ihnen etwas Persönliches erzählt. Nicht alles gehört an die große Glocke. Diskretion beweist ebenso, wer anderen ihre Privatsphäre lässt und sensible Situationen nicht zum Gesprächsthema macht. Ob jemand sein Kind stillt, eine Insulinspritze benötigt oder gerade eine schwierige Lebensphase durchmacht: Begegnen Sie dem Menschen mit Einfühlungsvermögen, statt ihn mit neugierigen Fragen in Verlegenheit zu bringen.

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Wie gehe ich mit rücksichtslosen Menschen um?

Rücksichtslosen Menschen begegnen Sie am besten mit einer Mischung aus Freundlichkeit und klaren Grenzen. Sprechen Sie störendes Verhalten zunächst sachlich an. Nicht jeder handelt absichtlich rücksichtslos. Manchmal bemerken Menschen schlicht nicht, wie sehr sie andere beeinträchtigen. Wiederholt sich das Verhalten jedoch, sollten Sie Ihre Interessen deutlicher vertreten.

  • Verhalten konkret ansprechen

    Statt „Sie sind immer so rücksichtslos!“ sagen Sie besser: „Wenn Sie während meiner Präsentation telefonieren, verliere ich den Faden.“ So beschreiben Sie die Wirkung, ohne den anderen als Person abzuwerten.

  • Eigene Bedürfnisse äußern

    Erwarten Sie nicht, dass andere Ihre Wünsche erraten. Sagen Sie freundlich und bestimmt, was Sie brauchen: „Ich möchte das Gespräch gerne in Ruhe zu Ende führen.“

  • Klare Grenzen setzen

    Wiederholte Rücksichtslosigkeit müssen Sie nicht hinnehmen. Wenn freundliche Hinweise nichts bewirken, dürfen Sie deutlicher werden. Im Job hilft es beispielsweise, verbindliche Absprachen zu treffen oder bei anhaltenden Störungen die Führungskraft einzubeziehen.

Bewahren Sie dabei möglichst die Ruhe. Wer auf Rücksichtslosigkeit mit derselben Härte reagiert, verschärft den Konflikt häufig nur. Mit gewaltfreier Kommunikation vertreten Sie Ihre Interessen, ohne andere unnötig zu verletzen. Sie dürfen Verständnis zeigen und trotzdem bei Ihrem Standpunkt bleiben.

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Rücksichtnahme sich selbst gegenüber

Die Rücksichtnahme auf andere ist ein wesentlicher Erfolgs- und Sympathiefaktor. Vergessen wird dabei allerdings oft, dass es auch eine Rücksichtnahme sich selbst gegenüber gibt. Die ist genauso wichtig. Ohne Achtung und Achtsamkeit uns selbst gegenüber geraten die eigenen Bedürfnisse unter die Räder. Es sind Formen der Selbstliebe und Selbstachtung, auch mal „Nein“ zu sagen – oder sich selbst an die erste Stelle zu setzen.

Gewiss, das klingt widersprüchlich zu dem oben Gesagten. Ist es aber nicht. In dem christlichen Gebot der Nächstenliebe („Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“) steckt nicht zuletzt und zuerst das Gebot zur Selbstliebe. So ist es auch mit der Rücksicht: Wer sich selbst nicht achtet, verliert leicht das Gespür für die eigenen Grenzen. Beginnen Sie also ruhig bei sich selbst – solange Sie dort nicht Halt machen.


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