Rücksichtnahme: Ihre Rechte und Pflichten

Der eine knallt die Tür, der nächste labert unüberhörbar mit seiner Freundin am Telefon und der dritte meint, das Kopierpapier fülle sich von selbst auf: Wo viele Menschen unterschiedlichen Charakters aufeinander treffen, ist Rücksichtnahme unersetzlich. Dennoch kommt es vor, dass Leute etwas für sich beanspruchen, das sie selbst anderen nicht gewähren. Egoisten und Selbstdarsteller erschweren den Arbeitsalltag und vergiften das Betriebsklima. Dabei ist Rücksichtnahme in vielfältigen Formen sogar Bestandteil des Arbeitsvertrages. Was Sie über Ihre Rechte und Pflichten dazu wissen sollten…

Rücksichtnahme: Ihre Rechte und Pflichten

Rücksichtnahme Bedeutung: Auch auf andere achten

Rücksichtnahme Bedeutung Definition synonym englisch französischRücksichtnahme (englisch = consideration, französisch = considération) bezeichnet das Verhalten einer Person im Umgang mit anderen.

Darin steckt sprachlich bereits, dass man sich selbst zurücknimmt, um auf andere zu achten. Rücksichtnahme ist ein wichtiger Bestandteil sozialer Kompetenz, da gerade im Arbeitsalltag unterschiedlichste Charaktere miteinander auskommen müssen.

Sie werden nicht immer die gleichen Ansichten teilen, vielleicht auch unterschiedliche Stärken und Wertvorstellungen mitbringen.

Rücksichtnahme wird synonym auch bezeichnet als:

  • Achtung
  • Behutsamkeit
  • Diskretion
  • Entgegenkommen
  • Höflichkeit
  • Mitgefühl
  • Pietät
  • Respekt
  • Schonung
  • Sorgfalt
  • Takt
  • Toleranz
  • Teilnahme
  • Vorsicht

Dabei kommt es darauf an, dass Kollegen nicht nur die Schwächen anderer einkalkuliert, sondern auch Verständnis für deren Gefühle oder besondere Umstände aufbringt. Wenn beispielsweise eine Deadline eingehalten werden muss, können die Nerven schon einmal deutlich angespannter sein als wenn alles ruhig seinen Gang nimmt.

Respektloses Verhalten am Arbeitsplatz: Tipps für soziales Verhalten

Gute Umgangsformen am Arbeitsplatz Richtiges Verhalten am ArbeitsplatzMangelnde Rücksichtnahme hat häufig etwas mit Respektlosigkeit zu tun: Der andere wird gering geschätzt, vielleicht sogar ausgegrenzt, weil er anders ist. Untersuchungen zufolge verlassen Minderheiten wie schwarze Arbeitnehmer und Homosexuelle zwei- bis dreimal häufiger den Arbeitsplatz, weil sie sich nicht wertgeschätzt fühlen.

Rücksicht nehmen kann sich im Arbeitsalltag ganz unterschiedlich zeigen, beispielsweise durch:

  • Freundlichkeit

    Dazu gehört das Grüßen, wenn wir eine andere Person sehen. Ungeachtet, ob Sie mit dem falschen Bein aufgestanden sind und auch ganz gleich, wer Ihnen über den Weg läuft: Der Chef und die Reinigungskraft verdienen gleichermaßen eine Begrüßung. Einzig die Tatsache, dass der Rangniedere den Ranghöheren zuerst begrüßt, ist laut Knigge von Bedeutung. Und das in vielen Betrieben übliche „Mahlzeit“ dürfen Sie gerne durch die Tageszeit ersetzen. Ansonsten gilt: Wer Ihnen ein fröhliches „Hallo“ entgegenruft, wird mit den gleichen Worten begrüßt.

  • Disziplin

    Mangelnde Disziplin in wesentlichen Bereichen sorgt immer wieder für Kopfschütteln: Macht der Kollege das bei sich Zuhause etwa auch? Dazu gehört das nicht nachgefüllte Toilettenpapier, die verdreckte Büroküche, die nicht ausgeräumte Geschirrspülmaschine. Häufig bleiben unbeliebte Aufgaben immer an denselben Leuten hängen. Das ist rücksichtslos und respektlos gleichermaßen.

  • Höflichkeit

    Nicht jeder möchte sofort von Fremden geduzt werden. Rücksichtnahme bedeutet auch in Erwägung zu ziehen, dass andere Menschen andere Grenzen haben. Solange Ihnen also das Du nicht angeboten wird, gehen Sie auf Nummer sicher, wenn Sie neue Kollegen weiterhin siezen.

  • Lärm

    Gerade was die Sinne anbelangt, hat jeder Mensch ein anderes Empfinden: Manche Menschen reagieren auf Lärm durch lautes Gerede, knallende Türen, Telefongeklingel und dergleichen wesentlich empfindlicher als andere. Gerade hochsensible Menschen haben dann Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und empfinden schnell Stress. Daher sollten Sie Ihre Stimme dämpfen, wenn Sie telefonieren und für Privatgespräche am besten den Raum verlassen. Wer während der Arbeit Musik hört, sollte auf Kopfhörer zurückgreifen.

  • Diskretion

    Es gibt Kollegen, die müssen anderen alles erzählen. Jede Krankheit, jedes Detail. Hier ist Feingefühl angesagt – nicht jeder möchte alles erfahren. Anteilnahme und Empathie sind wichtig im Umgang mit Kollegen und natürlich dürfen Gespräche über Arbeitsinhalte hinaus gehen. Dennoch sollten Sie sich lieber etwas in Zurückhaltung üben. Das gilt beispielsweise für Diabetiker, die krankheitsbedingt im Alltag ihren Zuckerspiegel testen und gegebenenfalls Insulin spritzen müssen. Nicht jeder Mensch kann Blut sehen und nicht jeder ist entzückt, wenn plötzlich das Hemd gelüftet wird, um eine Spritze zu setzen. Für Betroffene ist das vielleicht Alltag, für andere nicht. Daher empfiehlt sich hier der kurzfristige Rückzug in den Sanitätsraum oder auf die Toilette.

  • Temperatur

    Ein großes Konfliktthema sind die richtigen Temperaturen. Die einen frieren schnell, andere schlafen fast ein, weil die Luft so warm und stickig ist. Rücksichtnahme ist keine Einbahnstraße: Genauso wenig wie man einfach ungefragt das Fenster aufreißen sollte, wenn der Kollege direkt darunter sitzt, sollte dieser erwarten, dass er als einziger ein Recht darauf hat zu entscheiden, wann und ob das Fenster geöffnet wird. Im Zweifel entscheidet hier die Mehrheit, jedoch sollten Sie Ihren Wunsch entsprechend äußern.

  • Gerüche

    Ein weiteres Sinnesorgan ist die Nase. Manchen Menschen wird schnell übel, wenn sie aufdringliche Gerüche wahrnehmen. Das kann der dezent mit Aftershave übergossene Arbeitskollege sein, das kann der Döner auf dem Schreibtisch sein. Auch hier gilt: weniger ist mehr. Der Döner muss vielleicht nicht unbedingt am Arbeitsplatz verzehrt werden und wer kein Einzelbüro hat, sollte Düfte sparsam auftragen.

Rücksichtnahme: Respektvoll zu sich selbst

Eine Forsa-Umfrage kommt zu dem Ergebnis: Respekt spielt eine große Rolle. Dabei liegt die Überraschung dieser Umfrage darin, dass an erster Stelle für viele Deutsche der Respekt und die Anerkennung durch die Kollegen steht.

Immerhin 54 Prozent aller Arbeitnehmer finden das wichtig, die Wertschätzung durch den Chef halten nur 51 Prozent für erforderlich. Selbst Bekannte rangieren auf dem dritten Platz mit 43 Prozent.

Dabei ist zu beobachten, dass vielen Menschen der Respekt sich selbst gegenüber bereits abhanden gekommen ist. Sie können ihre Stärken und Schwächen schlecht einschätzen, die eigenen Bedürfnisse kaum wahrnehmen.

Aber wie soll man anderen Menschen etwas entgegenbringen, das man bei sich selbst kaum verorten kann? Vor allem bedarf es dafür des Perspektivwechsels und einer Achtsamkeit sich selbst gegenüber.

Respekt zeigt sich in:

  • Rücksichtnahme gegenüber anderen Menschen: Das heißt, es werden ihre Bedürfnisse gesehen, Verständnis für Schwächen signalisiert.
  • Achtung vor anderen Menschen: Ganz gleich welcher Herkunft jemand ist, welchen Status, welches Geschlecht, welche sexuelle Orientierung er hat.
  • Gleichberechtigung für alle: Sie begegnen anderen auf Augenhöhe, gestehen ihnen die gleichen Rechte zu, die Sie für sich beanspruchen.
  • Anerkennung der Leistung anderer: Kollegen freuen sich auch über ein Lob von anderen Kollegen. Erkennen Sie an, wenn jemand sich Mühe gibt, Ihnen entgegenkommt.

Pflicht zur Rücksichtnahme dem Arbeitgeber gegenüber

Die sogenannte Hauptleistungspflicht eines Arbeitnehmers besteht darin, Arbeit zu leisten. Das ist Bestandteil eines jeden Arbeitsverhältnisses, das per Arbeitsvertrag festgehalten wird und darüber hinaus in § 611 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) festgehalten.

Natürlich hat auch der Arbeitgeber umgekehrt dem Arbeitnehmer gegenüber Haupt- und Nebenpflichten; neben der Entlohnung wäre vor allem die Fürsorgepflicht zu nennen.

Sämtliche über die Hauptleistungspflicht hinausgehenden Pflichten werden als Nebenpflichten bezeichnet. Dazu gehören die Rücksichtnahme- und Loyalitätspflichten, beispielsweise, dass der Mitarbeiter auf die Interessen des Arbeitgebers nach Treu und Glauben Rücksicht zu nehmen hat (§§ 241 II, 242 BGB in Verbindung mit dem Arbeitsvertrag).

Rücksichtnahme gegenüber dem Chef heißt nicht etwa, besonders höflich aufzutreten, es bezieht sich auf die eigene Leistungsfähigkeit, die nicht riskiert werden darf. Sinn und Zweck der Rücksichtnahme ist, dass die Arbeitsbeziehung langfristig erhalten bleibt.

Rücksichtnahme in diesem Kontext bedeutet, dass der Arbeitnehmer pfleglich mit anvertrauten Arbeitsgegenständen umgeht, die schließlich Eigentum des Arbeitgebers sind.

Zu den Rücksichtnahme- und Loyalitätspflichten gehört außerdem…

  • dass die betriebliche Ordnung gewahrt wird, beispielsweise dadurch, dass die Mitarbeiter sich an die Kleiderordnung halten, Alkohol- und Rauchverbote beachten, Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen hinnehmen.
  • dass der Mitarbeiter üble Nachrede oder in anderer Form schädigende Meinungsäußerungen unterlässt.
  • dass er andere Mitarbeiter nicht abwirbt oder anderweitig animiert, vertragsbrüchig zu werden.
  • dass er sich nicht bestechen lässt.
  • dass er im Krankheitsfalle nichts tut, was den Genesungsprozess gefährdet.

Rücksichtnahme Sprüche und Zitate

  • Je rücksichtsloser einer ist, um so empfindlicher pflegt er zu sein. Emil Gött
  • Vor lauter Rücksicht nehmen hätte ich beinahe das Vorwärtsschauen vergessen. Hermann Lahm
  • Wer Rücksicht verlangt, sollte Nachsicht üben können. Fred Ammon
  • Die Rücksichtslosigkeit der Menschen lernt man am besten in den Eisenbahncoupés kennen. Friedrich Christoph Schlosser
  • Rücksicht und Vorausschau sind zwei Blickrichtungen, die einander nicht ausschließen sollten. Else Pannek
  • Rücksicht auf die Verwandten ist die Wurzel allen weihnachtlichen Unglücks. Jane Austen
  • Leute, die keine Rücksicht nehmen, sind mit Vorsicht zu genießen. Lilli U. Kreßner

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[Bildnachweis: GaudiLab by Shutterstock.com]
21. Juli 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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