Anteilnahme: Richtig Mitgefühl zeigen

Stirbt ein Mitarbeiter, erlebt ein Kollege einen schweren Verlust oder erhält eine beängstigende Diagnose, ist die Anteilname anderer gefragt. Vielen fällt es schwer, ihr Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen, Tod und Krankheit sind tabuisiert und aus dem Alltag weitestgehend verdrängt. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Sie sich solchen Ausnahmesituationen nicht entziehen, sondern für den Betroffenen präsent sind. Wie Sie Ihre Anteilnahme glaubwürdig übermitteln und Mitgefühl zeigen…

Anteilnahme: Richtig Mitgefühl zeigen

Anteilnahme ist Teil sozialen Miteinanders

Der Begriff Anteilnahme kann zweierlei bedeuten:

  • Anteilnahme als Beteiligung

    In dieser Bedeutung ist Anteilnahme neutral – wir haben am Leben anderer Anteil.

  • Anteilnahme als Mitgefühl

    In dieser Bedeutung liegt der Fokus auf Anteilnahme an den Gefühlen eines anderen – vor allem im Falle eines Unglücks oder eines Todesfalls.

Um Anteilnahme als Zeichen des Beileids, Mitleids und Mitgefühls soll es hier gehen. Sie zeichnet die Fähigkeit aus, in schwierigen Momenten den passenden Umgang mit Menschen zu finden, die eine besonders belastende Phase durchmachen.

Anteilnahme zu zeigen, ist eine wichtige soziale Kompetenz, die von Ihnen besondere kommunikative Fähigkeiten und ein angemessenes Verhalten erfordert.

Wahre Freundschaften, aber auch echte Kollegialität zeichnet aus, dass man nicht nur die schönen Momente miteinander teilt, für einen Scherz zu haben ist und die Leichtigkeit mitnimmt, sondern auch in schweren, dunklen Momenten beisteht.

Verarbeitung von Trauer durch Kondolieren

Anteilnahme zu zeigen ist aber nicht nur eine Frage des Anstands oder sozialer Konventionen. Sie kann auch Teil eines persönlichen Verarbeitungsprozesses sein.

Denn die Fähigkeit zur Empathie erstreckt sich nicht zwangsläufig nur auf nahestehende Personen. Anteilnahme zeigt sich,…

  • wenn ein Mensch beispielsweise sehr jung ist. Beispiel hierfür sind Kinderhospize wie Königskinder, die eine besondere Unterstützung erfahren. Der bevorstehende Tod von Kindern wird als besonders tragisch empfunden, weil sie niemals die Chance auf ein erfülltes Leben haben werden.
  • wenn viele Menschen betroffen sind. Davon zeugt die Spendenbereitschaft angesichts von Unglücken und Naturkatastrophen. Auch Regionen, die besonders stark von Armut und Ungerechtigkeit geprägt sind, wecken das Mitgefühl der Menschen.
  • wenn Prominente betroffen sind. Feierliche Staatsbegräbnisse für Politiker oder herausragende Persönlichkeiten, aber auch Schicksalsschläge dieser Personen rühren selbst Menschen, die keinerlei persönlichen Bezug haben.

Dahinter kann die Befürchtung stecken, dass beispielsweise das eigene Kind oder eine nahestehende Person eines Tages betroffen sein könnte. Entsetzen, aber gleichzeitig Erleichterung oder auch ein schlechtes Gewissen spiegeln sich in den Gefühlen von Menschen, die selbst nur knapp einer Tragödie entgangen sind.

Oft ist es ein Zufall: Der Flieger wurde verpasst, Pläne haben sich geändert – wäre alles nach Plan verlaufen, wäre man selbst unter den Opfern gewesen. Tief ist die Betroffenheit dann und der Wunsch, die eigene Anteilnahme auszudrücken. In solchen Fällen liegen meist öffentliche Kondolenzbücher aus.

Mitgefühl für Krankheit ausdrücken unter Kollegen

Es ist einer jener Momente, mit denen man nicht rechnet, weil man mit ihnen eigentlich auch gar nicht rechnen will. Man verdrängt sie. Hofft, dass es nie dazu kommt. Obwohl natürlich jedem klar ist, dass die Wahrscheinlichkeit mit steigendem Alter wächst, dass man sich dem Problem doch einmal stellen muss: Anteilnahme ausdrücken gegenüber einem Kollegen.

Und dann passiert es: plötzlich, einfach so. Der Kollege steht einem gegenüber, er sieht anders aus als sonst, nachdenklicher, bedrückter. Man fragt nach, weil man das eben so macht, und weil man die üblichen Floskeln erwartet – so was wie schlecht geschlafen, Ärger mit der Freundin oder Zoff mit dem Chef. Aber diesmal ist es anders. Diesmal sagt der Kollege: „Ich habe Krebs.“ Schweigen…

Was sagt man einem Kollegen mit dieser Diagnose?

Was sagt man einem Bekannten oder Freund, dem es so richtig dreckig geht, der leidet, einen Schicksalsschlag erlitten hat oder eben schwer krank ist? Wie drückt man seine Anteilnahme aus, sein Mitgefühl, ohne dass das wie eine hohle Phrase aus dem Poesiealbum klingt?

Wenn du denkst, es geht nicht mehr… Nein, so etwas geht gar nicht. Aber was dann?

Ganz schweres Thema, gewiss. Und uns ist völlig klar: Egal, was man sagt oder macht, das Leid kann man damit kaum lindern.

Wer gerade erfahren hat, dass er Krebs hat, dem hilft es nicht, wenn man ihm was Nettes sagt. So jemand wünscht sich aus dem Albtraum einfach aufzuwachen. Oder eine Fehldiagnose, ein Instant-Gegenmittel, eine Wundertablette, und alles ist wieder gut.

Nur gibt es die nicht. Sie wissen das. Und der betroffene Kollege irgendwie auch.

Diskretion am Arbeitsplatz ist jetzt das beste Rezept. Und auch wenn Reden nur Silber ist – Schweigen wäre ein kaltes Gold. Wohl die meisten Menschen verspüren in einer solchen Situation einen natürlichen Schutzreflex, den Wunsch, irgendwie zu helfen, Leid zu lindern. Dagegen ist auch überhaupt nichts zu sagen. Allerdings ist das eine hochsensible Konstellation.

Egal, was man sagt, alles kann gegen einen verwendet werden, alles liegt auf der Goldwaage. Auf einer sehr sensiblen dazu. Und so manche beste Freundschaft hat dadurch schon einen Knacks erlitten, weil einer von beiden die falschen Worte oder die falsche Geste wählte.

Also bitte bloß nichts herumerzählen, Motto: Haste schon gehört…? Auf den Flurfunk hin nachfragen oder nachbohren wäre natürlich ebenso taktlos. Wenn der betroffene Kollege Sie ins Vertrauen ziehen will, wird er das schon machen. Falls nicht, hat er seine Gründe, die Sie akzeptieren sollten.

Vorsicht bei diesen Formulierungen

Tröstende Worte AnteilnahmeSie wollen Ihre Anteilnahme und Solidarität bekunden, tröstende Worte zu finden, ist da nicht leicht. Schnell liegen einem Formulierungen wie die folgenden auf der Zunge:

  • Ich weiß, wie Du Dich fühlst.
  • Ich kann mir denken, dass das schwer für Dich sein muss.
  • Ich weiß, was Du gerade durchmachst.

Diese und ähnliche Sätze bitte vermeiden!

Aus einem einfachen Grund: Sofern Sie selbst nicht bereits eine schwere Krankheit, bei der Sie um Ihr Leben gekämpft haben, überwunden haben, können Sie es nicht nachvollziehen. Sie haben keine Vorstellung von dem Auf und Ab der Emotionen und Ängste – jedenfalls keine exakte.

Alles, was Sie in dieser Form formulieren, klingt tendenziell nach einer Verharmlosung. Und diesen Eindruck wollen Sie sicherlich nicht vermitteln.

Wie Sie tröstende Worte der Anteilnahme finden

Nur was sagt man dann? Die meisten Menschen fühlen sich in solchen Situationen enorm hilflos. Es ist ihnen unangenehm, fast peinlich, dass sie selbst bei aller Eloquenz so um Worte verlegen sind.

Deshalb hat das Folgende auch allenfalls den Charakter einer Empfehlung. Ein Patentrezept ist es nicht, kann es weder sein noch geben. Dafür hängen etwaige Reaktionen zu sehr von den individuellen Umständen und der Persönlichkeit des Betroffenen ab.

Folgende Möglichkeiten haben Sie, wie Sie Ihre Anteilnahme ausdrücken könnten:

  1. Sagen Sie nichts.

    Das heißt aber nicht, dass Sie auch nichts tun sollten. Hören Sie dem Kollegen stattdessen einfach nur zu. Schalten Sie Ihren Bildschirm aus, legen Sie das Handy sichtbar zur Seite, schließen Sie die Bürotür und signalisieren Sie, dass Sie 100-prozentig und aufmerksam zuhören. Nicken Sie sanft, fragen Sie ab und an nach. Aber nicht zu oft. Es geht nicht um Gesprächsführung, sondern um Mitgefühl und Gemeinschaft. Vielleicht, aber nur im Äußersten und nur wenn es Ihre Beziehung erlaubt, legen Sie dem Betreffenden noch einen Arm auf die Schulter – aber bitte nicht bei Personen des anderen Geschlechts. Das könnte als sexuelle Annäherung ausgelegt werden, als tückischer Versuch, eine Not auszunutzen. Das wäre fatal. Für beide.

  2. Seien Sie aufrichtig.

    „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Mir fehlen die Worte. Aber ich fühle mit dir.“ Der erste Teil relativiert den zweiten. Das nimmt ihm die Schwere und entschuldigt sogleich die Einsilbigkeit. Die Kernbotschaft ist: Du bist nicht allein! Ungünstig ist an dieser Stelle auch, wenn Sie auf eigene Erfahrungen hinweisen. Die will der Betroffene in dem Moment nicht hören. Sie sind nicht betroffen, es geht gerade um den Kollegen. Mit dem Verweis auf Ihre Erfahrungen würden Sie sein Leid zu Ihrer eigenen Geschichte machen. Das wirkt eher egozentrisch als mitfühlend.

  3. Bieten Sie Hilfe an.

    Aber nicht, indem Sie reflexartig irgendetwas machen, um der Situation zu entgehen – eine Tasse Kaffee holen zum Beispiel (obwohl das vielleicht noch okay wäre), sondern indem Sie danach fragen, wie Sie unterstützen können. Damit derjenige das aber nicht als Almosen empfindet und sich so noch mehr gedemütigt fühlt, muss das gut verpackt werden. Am besten mit dosierter Bewunderung: „Ich finde es toll, wie du mit der Sache umgehst. Ich versuche mir vorzustellen, wie schwer das ist.“

Beispiele: So können Sie aufrichtige Anteilnahme entbieten

Sensibilität und Einfühlungsvermögen sind auch gefragt, wenn der Kollege gar nicht selbst betroffen ist, sondern indirekt. Etwa durch den Tod eines Elternteils, den Verlust eines guten Freundes, den schweren Unfall eines geliebten Menschen. Auch das kann einen Menschen (zeitweilig) aus der Bahn werfen.

In dem Fall gelten die obigen Punkte sicher auch. In diesem Fall wird meist aber noch eine Trauerkarte samt Trauerspruch geschickt, in der man sein Beileid ausdrückt und eben auch schriftliche Anteilnahme demonstriert.

Ob man nun mit den anderen Kollegen zusammen eine solche Karte formuliert und unterschreibt oder eine eigene Karte persönlich verschickt – viele Wort braucht es dabei nicht, sollte man auch nicht machen. Sie erhöhen nur das Risiko, daneben zu liegen. Es zählt vor allem die Geste.

Gängige Formulierungen hierbei sind:

Ich möchte dir hiermit mein aufrichtiges Mitgefühl und tiefe Anteilnahme übermitteln. Meine Gedanken sind jetzt bei dir und deiner Familie.

Mit stillem Gruß, auch im Namen aller Freunde und Kollegen

Dies schicke ich dir, damit du weißt, dass mich das sehr bewegt und ich an deiner Trauer zutiefst Anteil nehme. Mein aufrichtiges und herzliches Beileid.

In tiefer Trauer und Verbundenheit

Ich möchte dir mein aufrichtiges Mitgefühl und mein tiefes Beileid übermitteln. Solltest du in den nächsten Tagen Hilfe benötigen, kannst du dich jederzeit auf mich verlassen. Fühle Dich von mir umarmt.

Mit stillem Gruß und mitfühlender Anteilnahme

So verfassen Sie ein Kondolenzschreiben

In herzlicher AnteilnahmeEine detaillierte Erklärung, wie Sie ein Kondolenzschreiben verfassen, finden Sie hier:

Geeignete Sprüche für Beileidskarten finden

Wie erwähnt, gibt es keine Rezepte, die immer funktionieren für so schwierige Phasen der Trauer oder auch Angst. Entscheidend dafür, wie Sie Ihre Anteilnahme formulieren ist Ihr Verhältnis zum Betroffenen: Wie nahe stehen Sie sich? Handelt es sich um einen Bekannten oder einen engen Freund? Selbst Sympathie kann sich darauf auswirken, wie und ob jemand reagiert.

Dem ärgsten Konkurrenten eine Formulierung mit „In herzlicher Anteilnahme“ in eine Trauerkarte zu schreiben, mag nicht besonders glaubwürdig wirken, daher sollten die Worte mit Bedacht gewählt werden.

Aufrichtigkeit – natürlich entsprechend höflich – ist die beste Wahl. Gebietet der Anstand, dass Sie sich zum Verlust einer Person äußern, dann können Sie beispielsweise folgendermaßen formulieren:

Lieber Peter,
wir waren in einigen Dingen nicht immer einer Meinung. In Zeiten wie diesen finde ich es jedoch wichtig, das Kriegsbeil zu begraben. Ich bedaure Deinen herben Verlust. Lass es mich wissen, wie ich Dich unterstützen kann.

Mein aufrichtiges Beileid
Markus

Erfahrungsgemäß ist der Einstieg beim Verfassen schriftlicher Anteilnahme der schwierigste Teil: Wie den geeigneten Einstieg finden? Gerne wird auf bewährte Sprüche für Beileidskarten zurückgegriffen. Hier können Sie meist aus einer Fülle von weltlichen und religiösen Sprüchen schöpfen.

Gläubige Menschen mögen besonders viel Trost in Bibelversen finden, andere finden Zitate berühmter Persönlichkeiten weise und tröstlich. Nachfolgend haben wir einige geeignete Beispiele aufgelistet:

Weltliche Sprüche für Beileidskarten

Die Liebe ist stärker als der Tod und die Schrecken des Todes. Allein die Liebe erhält und bewegt unser Leben. Iwan Turgenjew

Sprich nicht voller Kummer von meinem Weggehen, sondern schließe deine Augen, und du wirst mich unter euch sehen, jetzt und immer. Khalil Gibran

Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen der Mitmenschen. Albert Schweizer

Ein guter, edler Mensch, der mit uns gelebt, kann uns nicht genommen werden; er läßt eine leuchtende Spur zurück. Thomas Carlyle

Leben ist wie Schnee, Du kannst ihn nicht bewahren. Trost ist, dass Du da warst, Stunden, Monate, Jahre. Herman van Veen

Religiöse Sprüche für Beileidskarten

Alles hat seine Zeit und alles Vorhaben
unter dem Himmel hat seine Stunde:
geboren werden hat seine Zeit,
sterben hat seine Zeit; einpflanzen hat seine Zeit,
ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit.
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit.

Prediger 3

Sei mutig und stark! Fürchte dich also nicht, und hab keine Angst; denn der allmächtige Gott, begleitet dich, wohin dein Weg auch führt. Josua 1,9

Der Tod ist das Tor zum Licht
am Ende eines mühsam
gewordenen Lebens.

Franz von Assisi

In seiner Vergänglichkeit gleicht der Mensch dem Gras und einer Blume auf dem Felde. Wo bleibt seine Blüte, wenn der Wind darüber weht? Aber wer zu Gott aufschaut bleibt unerschütterlich von Ewigkeit zu Ewigkeit in seiner Liebe.

Psalm 103, 14-17

Gottes Licht scheint in der Dunkelheit. Und so dunkel es auch geworden ist, dieses Licht erlischt nicht.

Johannesevangelium 1,5

[Bildnachweis: ldutko by Shutterstock.com]
11. November 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


Ebenfalls interessant:

Weiter zur Startseite

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Details

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close