Unterstützung: Nehmen Sie Hilfe an!

Unterstützung wird gerne mit Hilfe übersetzt. Vielleicht liegt genau darin das Problem: Kaum jemand möchte als hilfsbedürftig und schwach wahrgenommen werden. Das deckt sich nicht mit dem Selbstbild und auch nicht mit dem Ehrgeiz vieler, es allein zu schaffen.

Dahinter liegen gleich zwei Missverständnisse, nämlich zum einen der Glauben, dass Unterstützung ein Eingeständnis von Hilflosigkeit oder gar Versagen sei. Zum anderen die irrige Annahme, erfolgreiche Vorbilder würden auch alles allein schaffen. Das führt dazu, dass viele Menschen sich damit schwertun, Unterstützung zu erbitten oder diese anzunehmen. Ein Manko, das dazu führen kann, dass Sie auf der Stelle treten, statt voranzukommen. Anders ausgedrückt: Wenn Sie auf Unterstützung verzichten, stehen Sie vor Schwierigkeiten, die Sie gar nicht haben müssten.

Wir erklären die große Bedeutung von Unterstützung für Ihr Wohlbefinden und Ihren Erfolg. Zusätzlich geben wir Tipps, wie Sie sich von anderen helfen lassen und wie Sie um Hilfe bitten…

Unterstützung: Nehmen Sie Hilfe an!

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Definition: Was bedeutet Unterstützung?

Synonym zu Unterstützung kann von Beistand, Betreuung oder Kooperation gesprochen werden. Wie diese Form der Hilfe aussieht, ist von der konkreten Situation beziehungsweise der unterstützenden Seite abhängig. Unterscheiden lassen sich:

➠ Finanzielle Unterstützung
➠ Staatliche Unterstützung
➠ Soziale Unterstützung
➠ Mentale Unterstützung

Diese Formen der Unterstützung lassen sich nicht immer klar trennen. Auch weichen die Begrifflichkeiten ab. Für Familien oder für Unternehmen in der derzeitigen Corona-Krise gibt es beispielsweise verschiedene Möglichkeiten der staatlichen Unterstützung – häufig in Form finanzieller Unterstützung. Diese kann ebenso gut als praktische (im Gegensatz zu mentaler) oder als materielle Unterstützung verstanden werden. Von Freunden und Familie wird es vorrangig soziale Unterstützung geben – aber oft ist finanzielle Unterstützung ebenfalls ein Teil dessen. Jemanden zu unterstützen kann auch bedeuten, sich für jemanden einzusetzen. Ein gutes Wort für diese Person einzulegen, etwa wenn jemand in seiner Entscheidung noch nicht ganz sicher ist. Oder jemand leistet mentale Unterstützung, indem er an einen guten Freund denkt, der gerade mitten in einer schweren Prüfung steckt.

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Warum manche so ungern Unterstützung annehmen

Einige versuchen um jeden Preis alles alleine zu stemmen und lieber auf Unterstützung zu verzichten. Selbst dann, wenn es bei objektiver Betrachtung der falsche Weg ist. Woran liegt es, dass sich manche ungern helfen lassen? Dahinter stehen in den meisten Fällen diese Gründe:

Sie wollen die Anerkennung nicht teilen

Im Job herrscht in vielen Bereichen große Konkurrenz. Natürlich wird zusammengearbeitet, doch zeigt sich, dass einige vor allem auf den eigenen Vorteil bedacht sind. Wie kann ich mich beim Chef präsentieren? Wie steigere ich meine persönlichen Chancen auf eine Gehaltserhöhung oder Beförderung?

Wer Unterstützung annimmt, kann die Lorbeeren nicht mehr alleine ernten. Die Anerkennung für gemeinsame Leistungen müsste geteilt werden. Um nur sich selbst hervortun zu können, wird die Unterstützung abgelehnt. Lieber alleine irgendwie durchkommen, als der Konkurrenz die Chance zu geben, etwas vom Kuchen abzubekommen.

Sie wollen sich keine Schwäche eingestehen

Ein großes Problem ist die Selbstwahrnehmung. Wer die Unterstützung anderer annimmt, muss sich selbst eingestehen, dass er Schwächen hat. Oder schlimmer noch: Das die Kollegen in diesem Bereich überlegen sind. Das kann ganz schön am eigenen Ego kratzen. Zusehen zu müssen, wie ein anderer Mitarbeiter mit scheinbarer Leichtigkeit das erledigt, was man selbst nicht konnte, kann schwer fallen. Um sich diese Blöße nicht geben zu müssen, wird das Angebot zur Unterstützung lieber gleich verweigert. Dann muss man sich nicht mit den eigenen Grenzen und möglichen Unzulänglichkeiten beschäftigen.

Sie wollen nicht in der Schuld des anderen stehen

Wer Unterstützung durch einen anderen annimmt, steht in dessen Schuld. Nun gibt es je nach Gefallen unterschiedliche Ansichten darüber, wie groß die Schuld desjenigen ist, der Unterstützung annimmt. Einen Brief zur Post mitzunehmen ist sicherlich ein anderes Kaliber als mit einem Kredit von 5.000 Euro auszuhelfen. Auch wird der Beistand in einer schweren Phase des Trauerns anders zu bewerten sein als beispielsweise ein Schichttausch. Je nachdem, wie privat oder peinlich jemanden eine bestimmte Situation (etwa Schulden) ist, umso schwerer wird es ihm fallen, andere um Unterstützung zu bitten oder die Hilfe zu akzeptieren. Dazu kommt die (vermeintliche oder reale) Gefahr, dass die andere Person die Notsituation ausnutzen könnte.

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Warum ist Unterstützung wichtig?

Die Motive derjenigen, die Unterstützung für sich eher ablehnen, sind nun zwar geklärt. Offen ist allerdings noch die Frage, warum Unterstützung so eine große Bedeutung hat. Tatsächlich geht es um mehr als einfach nur schneller in den Feierabend gehen zu können, weil etwa die Kollegin einem Arbeit abgenommen hat:

  • Unterstützung lässt Freundschaften entstehen
    Unterstützung ist ein echtes soziales Schmiermittel. Es mag Sie vielleicht Überwindung kosten, einen Kollegen um Hilfe zu bitten. Auf der anderen Seite muss das aber längst nicht als lästige Bitte ankommen, ungeliebte Aufgaben zu erledigen. Es ist genauso gut eine Chance, sich als Kollege oder sogar Freund zu bewähren.
  • Unterstützung hilft beim Netzwerkausbau
    Vielleicht kommen Sie in die Lage, einen Fremden um Unterstützung bitten zu müssen. Sie fragen auf die Empfehlung eines Freundes hin, der leider selbst verhindert ist. Auf diese Art und Weise machen Sie neue Erfahrungen, knüpfen neue Kontakte.
  • Unterstützung steigert Wohlbefinden
    Die positiven Effekte von Unterstützung sind immens. Dabei geht es nicht so sehr um eine tatsächliche Arbeitserleichterung – die bei mentaler Unterstützung ja ohnehin nicht gegeben ist. Vielmehr ist der signalisierte Rückhalt für die unterstützte Person von großem Wert. Zu wissen, dass man sich auf andere verlassen kann, reduziert nachweislich die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol.
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Bindungsstil beeinflusst Hilfe und Gesundheit

Wie gut jemand Unterstützung annehmen kann, hängt meist mit frühkindlichen Entwicklungen zusammen. Studien zeigen, dass Kinder, die positive vertrauensvolle Bindungserfahrungen machen, auch als Erwachsene leichter enge Bindungen eingehen. Sie zeichnen sich durch offene Interaktion mit ihren Mitmenschen aus. Ihre überwiegend positiven Erfahrungen in sozialen Zusammenhängen lässt gleichzeitig ihre Erwartung steigen, in einer schwierigen Lage Unterstützung durch andere zu erhalten. Diese Erwartungshaltung führt dazu, dass sie geringere Hemmungen haben, andere um Hilfe zu bitten. Und so fügt sich alles zusammen: Aufgrund ihres engeren Bindungsstils haben sie ein großes Netzwerk. Das wiederum macht es äußerst wahrscheinlich, dass sich entsprechende Hilfe findet. Die erhaltene Unterstützung stärkt das Selbstvertrauen und verleiht das Gefühl von Kontrolle.

Sich Unterstützung zu suchen, ist allerdings eine Frage der Kommunikationsfähigkeit. Auch hier sind Personen, die einen positiven, vertrauensvollen Bindungsstil pflegen, im Vorteil. Sie zeichnen sich durch Offenheit und Empathie aus. Sie gehen mit ihren Wünschen und Sorgen bewusst um. Sie haben gleichzeitig ein Gespür dafür, wenn es ihrem Gegenüber nicht besonders gut geht und können darauf eingehen.

Anders bei Menschen, die nicht diese tiefe Sicherheit von Kindesbeinen an spüren. Sie haben damit einen klaren Nachteil: Sie rechnen in schwierigen Situationen nicht mit Hilfe und suchen auch ihrerseits kaum danach. Die so ausbleibende soziale Unterstützung wirkt sich sowohl psychisch als auch physisch aus. Geringere Resilienz aufgrund negativer Erfahrungen und ein hohes Stressempfinden setzen diesen Menschen zu.

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Unterstützung im Berufsleben unverzichtbar

Nur ganz wenige Menschen können sich als Einzelkämpfer völlig in eine Aufgabe oder Herausforderung vertiefen, ohne jemals andere miteinzubeziehen. Irgendwann kommen die meisten an einen Punkt, an dem sie ohne Unterstützung nicht mehr weiter kommen. Dieser ist spätestens dann erreicht, wenn die eigenen Kompetenzen oder Kapazitäten nicht mehr ausreichen. Selbst in einem Job, in dem Sie gut ausgebildet und versiert sind, kommt das immer wieder vor: Aufgaben überschneiden sich mit anderen Bereichen oder Projekte sind viel zu groß, um alleine bewältigt werden zu können.

Das gilt besonders für Berufsanfänger. Sie sind noch unerfahren, neu bei Ihrem Arbeitgeber und haben viele Fragen, die beantwortet werden wollen. Wer hier auf Unterstützung verzichtet, schadet sich nur selbst und lernt deutlich langsamer. Eigeninitiative und die Suche nach Lösungen sind zwar gut, doch sehen es Vorgesetzte gern, wenn Sie bei Fragen gezielt nach Unterstützung suchen, um möglichst schnell voll leistungsfähig zu sein. Mit einigen Ausnahmen, in denen Aufgaben am besten allein erledigt werden können, gilt: Gemeinsam lassen sich schnellere und bessere Ergebnisse erzielen. Vier Augen sehen mehr als zwei, viele Hände, schnelles Ende. Der Haken ist allerdings, dass Unterstützung zwar gerne und oft angeboten, aber nur schwerlich akzeptiert wird.

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So nehmen Sie die Unterstützung anderer an

Mit der Unterstützung anderer sind Sie in der Regel besser dran. Es geht längst nicht nur um Arbeitserleichterung oder berufliches Netzwerken. Vielmehr kräftigen Sie das Verhältnis zu anderen und tun sich gleichzeitig noch einen gesundheitlichen Gefallen. Dafür müssen Sie bereit sein, sich helfen zu lassen. Die folgenden Tipps können dabei helfen:

Akzeptieren Sie eigene Schwächen

Wenn Sie akzeptieren, dass Sie nicht perfekt sind und in jedem Bereich gleichermaßen gut sein können, wird es Ihnen deutlich einfacher fallen, Unterstützung anzunehmen und diese wertzuschätzen. Es ist nicht ganz leicht, sich Fehler und Defizite einzugestehen und natürlich können Sie daran arbeiten, diese auszugleichen – doch zunächst sollten Sie sich die Unterstützung anderer holen – schließlich ist es keine Schande, das Wissen und die Fähigkeiten von Kollegen anzuerkennen.

Sehen Sie sich als Team

Unterstützt zu werden bedeutet nicht, dass Sie selbst nichts beitragen oder Ihre Leistungen unter den Tisch fallen. Sie brauchen keine Angst zu haben, dass Ihr Chef denkt, Sie seien nicht kompetent genug, nur weil Sie sich Ratschläge oder Hilfe bei einem anderen Kollegen holen. Ganz im Gegenteil. Indem Sie Unterstützung annehmen und gezielt nach dieser fragen, zeigen Sie Ihre Teamfähigkeit sowie die Bereitschaft, zusammenzuarbeiten, um die besten Ergebnisse zu erzielen.

Nutzen Sie die Chance zur Entwicklung

Hilfreich ist eine neue Einstellung zur Unterstützung: Es geht nicht darum, dass jemand anders etwas für Sie tut, während Sie tatenlos und nutzlos in der Gegend herumstehen. Vielmehr haben Sie die Chance, von den Fähigkeiten zu lernen, Ihren eigenen Horizont zu erweitern und beim nächsten Mal selbst in der Lage zu sein. Um Unterstützung zu bitten ist kein Zeichen des eigenen Scheiterns, sondern ein Ausdruck Ihres Entwicklungswillens.

Bieten Sie im Gegenzug ebenfalls Unterstützung an

Sollte es Ihnen weiterhin schwer fallen, Unterstützung anzunehmen, kann ein einfacher Trick helfen: Lassen Sie sich nicht nur helfen, sondern unterstützen Sie gleichzeitig den Helfer bei einer anderen Aufgabe. Diese Gegenseitigkeit macht es leichter, sich bei eigenen Schwächen unter die Arme greifen zu lassen, weil Sie Ihre Kompetenzen bei der zweiten Aufgabe beweisen können. Und das stärkt wiederum das Selbstbewusstsein.

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[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
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4. September 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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