Frollegen: Haben Sie auch eine Work Wife?
Erst kürzlich ermittelte eine Forsa-Umfrage, dass rund die Hälfte der deutschen Berufstätigen im Job schon Freundschaften fürs Leben geschlossen haben. Unter den Frauen waren es sogar 60 %. Besonders Singles schließen gerne Freundschaften im Büro. Bei rund jedem Zehnten geht die Freundschaft sogar darüber hinaus – sie pflegen mit ihren „Frollegen“ eine eheähnliche Vertrauensbeziehung (allerdings ohne Sex). Im Fachjargon spricht man dann von einer „Work Wife“ bzw. einem „Work Husband“.
Frollegen Definition
Gleiche Interessen, gleiche Leidenschaften, ähnlicher Werdegang und ähnliche Ziele – wenn man sich dann noch sympathisch ist, steht einer solch intensiven Büro-Freundschaft nichts im Weg. Sobald man den Kollegen privat kennenlernt, wird das Verhältnis zueinander vertrauter: Man erzählt sich von beruflichen Zielen oder teilt private Sorgen. Ab diesem Punkt befinden Sie sich bereits auf einem guten Weg zum Frollegen.
Gut so! Denn mit zunehmendem Alter wird es schwieriger, Freundschaften aus Schul- und Studienzeiten aufrechtzuerhalten. Viele ziehen in eine andere Stadt und sehen sich dadurch seltener. Freundschaften, die auf der Arbeit entstehen, übernehmen dann diesen Platz – ihr Fundament, der Job, kann aber zum Problem werden…
Kollegin oder Kollege? Lieber ein Mann!
Frauen arbeiten lieber mit Männern zusammen, nur 3 % der erwerbstätigen Frauen wünschen sich eher eine Kollegin. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von TNS Infratest. Zwar sagte jede zweite Berufstätige (58 %) das Geschlecht spiele bei der Zusammenarbeit keine Rolle, mehr als jede vierte (28 %) Befragte wünschte sich aber lieber einen Mann im Team, wenn sie wählen könnte.
Freunde und Kollegen: Vorteile
Ein freundlicher Umgangston, hilfsbereite Kollegen und weniger Streit am Arbeitsplatz: Gute Beziehungen im Beruf machen den Arbeitsalltag angenehmer. Kann aber aus einem kollegialen Umgang eine echte und innige Freundschaft entstehen? Wir denken: Ja, eine solche Freundschaft im Job bringt sogar noch weitere Vorteile mit sich:
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Weniger Stress
Mit einem Freund an der Seite überstehen Sie auch die stressigsten Phasen im Beruf. Er oder sie schafft es, sie zu beruhigen, und hilft dabei, sich auf die entscheidenden Aufgaben zu fokussieren. Außerdem ist es gut zu wissen, dass jemand in der Nähe ist, auf den Sie sich verlassen können.
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Mehr Produktivität
Studien zeigen: Arbeitnehmer, die angeben, mit mindestens einem engen Freund zusammenzuarbeiten, sind effektiver als Kollegen, die am Arbeitsplatz keinen Freund haben. Dieser Effekt liegt an der gesteigerten Motivation und gegenseitigen Unterstützung.
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Bessere Arbeitsatmosphäre
Besteht ein Team aus lauter Einzelgängern, sinkt die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter schnell auf ein Minimum. Wer aber mit Freunden zusammenarbeitet, ist bei der Arbeit glücklicher, zufriedener und entwickelt gleichzeitig ein besseres Bild von seinem Arbeitgeber.
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Mehr Kreativität
Die Vertrautheit eines Freundes gibt vielen die Sicherheit, auch mal etwas Neues auszuprobieren und kreativen Ansätzen zu folgen. Allein würde man sich vielleicht nicht trauen, doch der Rückhalt eines Freundes gibt den nötigen Mut.
7 Tipps, wie Sie Freunde im Job finden
Natürlich ist es nicht immer klar, zu definieren, wo eine normale berufliche Beziehung aufhört und eine Freundschaft beginnt. Typischerweise haben Frollegen regelmäßig privaten Kontakt untereinander. Entscheidend ist aber, dass Sie selbst viel dazu beitragen können, am Arbeitsplatz Kontakte zu knüpfen, auf deren Basis sich eine Freundschaft entwickeln lässt:
1. Seien Sie hilfsbereit
Wer im Job nur an sich selbst denkt, wird es schwerhaben, sich mit seinen Kollegen anzufreunden. Sind Sie aber stattdessen bereit, Ihren Kollegen bei dringenden Aufgaben unter die Arme zu greifen oder auch mal eine Schicht zu übernehmen, weil ein Kollege einen dringenden Termin hat, zeigen Sie, dass man sich auf Sie verlassen kann. Übertreiben Sie es mit der Hilfsbereitschaft aber nicht: Die Grenze zwischen „anderen helfen“ und „ausgenutzt werden“ ist schmal.
2. Finden Sie Gemeinsamkeiten
Jeder umgibt sich gerne mit Menschen, die ähnliche Interessen haben, die gleiche Meinungen vertreten oder über dieselben Witze lachen. Ob im Beruf oder im Privatleben: Erkennen wir Gemeinsamkeiten mit einem Kollegen, entsteht automatisch eine engere Verbindung. Die Herausforderung besteht darin, die Gemeinsamkeiten zu entdecken. Verstecken Sie sich also nicht, sondern gehen Sie auf Ihre Kollegen zu: Führen Sie Smalltalk beim Kaffee oder stellen Sie kluge Fragen zum Kennenlernen. Nach etwas Zeit können Sie dann zum Deep Talk wechseln.
3. Beteiligen Sie sich nicht an Gerüchten
Es ist die Grundregel für jede Beziehung: Hat Ihr Gegenüber das Gefühl, dass Sie hinter seinem Rücken schlecht über sie oder ihn reden, kann kein Vertrauen entstehen. Ohne gegenseitiges Vertrauen ist eine Freundschaft unmöglich. Vermeiden Sie es also, sich an Gerüchten und dem Flurfunk im Job zu beteiligen. Ebenso wichtig ist es, nicht alles zu glauben, was über Kollegen getratscht wird. Bilden Sie sich bitte immer ein eigenes Bild – vielleicht übersehen Sie sonst einen möglichen Freund.
4. Nutzen Sie Ihr Lächeln
Lächeln ist ein klassischer Eisbrecher. Wer andere anlächelt, wirkt automatisch positiver, freundlicher, sympathischer. Studien zeigen, dass Mitarbeiter, die öfter lächeln, bei ihren Kollegen beliebter sind. Soll heißen: Lachen verbindet. Nutzen Sie dieses Wissen und verschenken Sie im Büro öfter mal ein Lächeln. Bringen Sie einem netten Kollegen morgens einen Kaffee mit an den Schreibtisch und überreichen Sie diesen mit einem Lächeln. Sie werden sehen, wie die Laune Ihres Kollegen sofort steigt und wie Sie positiv im Gedächtnis bleiben – ein guter Auftakt für eine Bürofreundschaft.
5. Lernen Sie, richtig zu kritisieren
Feedback und Kritik sind im Job unumgänglich. Gerade die Arbeitsweise, Ideen, Konzepte und Strategien bieten hierfür reichlich Diskussionsstoff. Wichtig für eine freundschaftliche Basis ist jedoch immer, dass Sie dabei respektvoll bleiben und konstruktiv kritisieren. Das bedeutet auch, lieber mal das Gespräch unter vier Augen suchen, statt den oder die Kollegin vor dem Team auf einen Fehler anzusprechen. Allein dieser Akt beweist Ihre Vertraulichkeit und das Wohlwollen.
6. Bleiben Sie weiterhin offen
Haben Sie einen guten Freund auf der Arbeit gefunden, sollten Sie sich dennoch nicht vom restlichen Team distanzieren. Sonst entsteht schnell die der Verdacht der Vetternwirtschaft oder die Gefahr der Grüppchenbildung. Beides ist nicht gut für das Team- und Wir-Gefühl. Gehen Sie besser offen mit Ihrer Freundschaft um, beziehen Sie weiterhin Kollegen mit ein und verbessern Sie so den Teamgeist. Außerdem besteht eine Freundschaft nicht zwangsläufig nur aus zwei Personen!
7. Trennen Sie Beruf und Privatleben
Dieser Punkt wirkt zunächst widersprüchlich – ist er aber nicht: Gerade im Job können bei einem beruflichen Projekt schnell unterschiedliche Standpunkte und Streit entstehen. Wenn Sie nach Feierabend aber das Büro verlassen, sollten Sie die Meinungsverschiedenheit im Büro lassen und die Freundschaft nicht weiter belasten. Nur so können Sie auch langfristig Freunde bleiben.
Was sind die Nachteile von Frollegen?
Nicht immer ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. Frollegen können plötzlich zu Konkurrenten oder Neidern werden – etwa, wenn einer von beiden befördert und des anderen Chef wird. Oder wenn man sich für die gleiche Stelle im Unternehmen interessiert. Anders als bei Freundschaften, die nichts mit Arbeit zu tun haben, ist der gegenseitige Vergleich unter Frollegen naheliegender, häufiger. Viele Freundschaften halten diesem Vergleich allerdings nicht stand. Im schlimmsten Fall werden dann aus Freunden Feinde – und all die positiven Dinge verkehren sich ins genaue Gegenteil.
Vom Kollegen zum Chef
Besonders unangenehm kann die Situation sein, wenn aus dem Freund plötzlich der Vorgesetzte wird. Frollegen teilen schließlich auch Privates. Dieses Insiderwissen kann nun gegen einen eingesetzt werden oder das Verhältnis belasten – Entscheidungen von beiden sind einfach nicht mehr so neutral, wie sie es sein sollten. Natürlich sollte man nicht immer vom Schlimmsten ausgehen. Es kann aber nicht schaden, mögliche Konfliktpotenziale im Hinterkopf zu behalten, um frühzeitig darauf reagieren zu können.
Frollegen: 5 Regeln für die Beziehung
Freundschaften am Arbeitsplatz bereichern den Job. Sie machen den Arbeitsalltag angenehmer, sorgen für Rückhalt und manchmal entstehen daraus Freundschaften fürs Leben. Allerdings treffen im Büro auch unterschiedliche Erwartungen und Interessen aufeinander. Damit aus Frollegen echte Freunde werden und die Zusammenarbeit nicht leidet, sollten Sie ein paar Regeln beachten:
1. Ziehen Sie rechtzeitig Grenzen
Nicht jeder Kollege, mit dem Sie sich gut verstehen, muss gleich Ihr engster Vertrauter werden. Wenn Ihnen jemand schon nach wenigen Gesprächen seine Eheprobleme anvertraut, dürfen Sie freundlich auf Abstand gehen. Etwa mit den Worten: „Ich weiß nicht, ob ich dafür die richtige Ansprechperson bin. So gut kennen wir uns noch nicht.“ Das ist weder unhöflich noch abweisend. Sie zeigen lediglich, wo Ihre persönlichen Grenzen liegen.
2. Verwechseln Sie Vertrautheit nicht mit Freundschaft
Wer täglich acht Stunden miteinander verbringt, kennt irgendwann die Eigenheiten, Macken und Lieblings-Flachwitze des anderen. Daraus entsteht schnell ein Gefühl von Nähe. Doch nur weil Sie gemeinsam lachen und über den Chef lästern, sind Sie noch lange keine Freunde. Freundschaft braucht gegenseitiges Interesse, Vertrauen und Zeit – auch außerhalb des Büros. Wer hier zu viel interpretiert, riskiert unnötige Enttäuschungen.
3. Vertrauen Sie nicht jedem sofort alles an
Sympathie ist schnell da. Vertrauen muss wachsen. Gerade bei neuen Kollegen wissen Sie noch nicht, wie diskret diese mit persönlichen Informationen umgehen. Erzählen Sie deshalb nicht gleich von Ihren größten Sorgen, privaten Krisen oder beruflichen Wechselabsichten. Beginnen Sie lieber mit unverfänglichen Themen wie Hobbys, Urlaub oder gemeinsamen Interessen. Mit der Zeit zeigt sich, wem Sie wirklich vertrauen können.
4. Unterschätzen Sie die Hierarchie nicht
Eine Freundschaft zwischen Chef und Mitarbeiter ist möglich, aber selten unkompliziert. Schließlich entscheidet der Vorgesetzte womöglich über Gehalt, Beförderung oder Aufgabenverteilung. Das schafft ein Ungleichgewicht, das selbst bei bester Sympathie bestehen bleibt. Hinzu kommt: Was Sie einem Freund im Vertrauen erzählen, könnte für den Chef beruflich relevant werden. Überlegen Sie deshalb gut, wie viel Privates Sie preisgeben – und trennen Sie persönliche Nähe von beruflichen Entscheidungen.
5. Vernachlässigen Sie die anderen Kollegen nicht
Natürlich gibt es Kollegen, mit denen die Chemie besonders stimmt. Trotzdem sollten Sie nicht jede Mittagspause ausschließlich mit Ihrem Lieblingskollegen verbringen. Sonst entstehen schnell Grüppchen, aus denen sich andere ausgeschlossen fühlen. Noch heikler wird es, wenn Sie einander bevorzugen oder Informationen nur untereinander austauschen. Pflegen Sie deshalb auch den Kontakt zum restlichen Team. Frollegen benötigen keine geschlossene Gesellschaft.
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