Warum sind manche Kollegen so nervig?
Kollegen können wir uns nicht aussuchen. Dabei treffen unterschiedliche Persönlichkeiten, Gewohnheiten und Arbeitsweisen aufeinander. Was uns daran stört, ist höchst individuell: Während der eine täglichen Smalltalk genießt, fühlt sich der andere davon gestört. Ähnlich unterschiedlich reagieren wir auf Unordnung, lautes Telefonieren oder Unpünktlichkeit.
Nervig ist deshalb zunächst eine subjektive Bewertung. Hinzu kommt: Die wenigsten Kollegen wollen uns absichtlich auf die Nerven gehen. Viele Marotten passieren unbewusst. Das macht sie nicht weniger lästig, hilft aber, gelassener zu reagieren und unnötige Konflikte zu vermeiden.
Nervige Kollegen: Entscheidend ist der Umgang
Andere Menschen können Sie kaum verändern – Ihren Umgang mit ihnen schon. Bei kleinen Marotten hilft häufig Gelassenheit. Stört ein Verhalten dagegen regelmäßig Ihre Arbeit, sollten Sie es frühzeitig und konkret ansprechen. Kritisieren Sie dabei das Verhalten, nicht den Charakter. „Du bist unglaublich rücksichtslos“ provoziert Widerstand. „Wenn du mich während meiner Telefonate ansprichst, kann ich mich nicht konzentrieren“ benennt dagegen das konkrete Problem. Und nicht jede Marotte verlangt überhaupt eine Reaktion: Sie müssen den Angeber nicht übertrumpfen, den Besserwisser nicht widerlegen und den Miesepeter nicht aufheitern. Manches verliert schon an Wirkung, wenn Sie ihm weniger Aufmerksamkeit schenken.
Nervige Kollegen: 10 Typen und Tipps
Es gibt unzählige Verhaltensweisen, die Kollegen auf die Nerven gehen können. Besonders häufig begegnen uns im Berufsalltag die folgenden zehn Typen. Natürlich sind diese keine wissenschaftlichen Persönlichkeitstypen, sondern bewusst zugespitzte Beschreibungen typischer Verhaltensmuster:
1. Der Angeber
Der Angeber macht aus Erfolgen gerne Großereignisse. Er erzählt von Projekten, wichtigen Kontakten und außergewöhnlichen Leistungen – häufig ungefragt und mit deutlicher Selbstinszenierung. Selbst gewöhnliche Geschichten werden bei ihm schnell zum Beweis der eigenen Großartigkeit.
| Hauptproblem | Die permanente Selbstdarstellung zieht Aufmerksamkeit auf den Angeber und erzeugt leicht Konkurrenzdruck. Besonders ärgerlich wird es, wenn er eigene Beiträge überhöht oder Leistungen des Teams als persönlichen Erfolg verkauft. |
| Was tun? | Steigen Sie nicht in den Wettbewerb ein. Anerkennen Sie tatsächliche Leistungen kurz und sachlich, ohne die Show weiter zu befeuern. Lenken Sie das Gespräch anschließend zurück auf die Aufgabe oder das gemeinsame Ergebnis. |
2. Der Besserwisser
Der Besserwisser kann kaum eine Aussage unkommentiert stehen lassen. Er korrigiert Details, ergänzt ungefragt Informationen und erklärt Kollegen, wie etwas „richtig“ funktioniert. Besonders anstrengend wird das, wenn er auch auf Gebieten mitredet, von denen andere deutlich mehr verstehen.
| Hauptproblem | Ständige Korrekturen wirken herablassend und vermitteln anderen das Gefühl, ihre Kompetenz werde nicht ernst genommen. Wer sich darauf einlässt, landet schnell in unnötigen Rechthabereien. |
| Was tun? | Diskutieren Sie nicht über jede Kleinigkeit. Bei wichtigen Punkten fragen Sie nach konkreten Fakten oder einer Lösung. Ungefragte Belehrungen dürfen Sie freundlich abbrechen: „Danke, ich komme damit zurecht.“ |
3. Der Energieräuber
Nach einem Gespräch mit dem Energieräuber fühlen Sie sich regelmäßig erschöpft. Er braucht Aufmerksamkeit, berichtet ausführlich von Problemen und sucht ständig jemanden, bei dem er seinen Frust abladen kann. Aus fünf Minuten Smalltalk wird so schnell eine halbe Stunde Seelsorge.
| Hauptproblem | Energieräuber beanspruchen Zeit und emotionale Aufmerksamkeit, die Ihnen anschließend für die eigene Arbeit fehlen. Wer aus Höflichkeit immer zuhört, wird schnell zur dauerhaften Anlaufstelle für jedes Problem. |
| Was tun? | Setzen Sie zeitliche Grenzen und beenden Sie Gespräche freundlich: „Ich muss jetzt wieder an meine Aufgabe.“ Sie dürfen empathisch sein, ohne jedes Problem zu Ihrem eigenen zu machen. |
4. Der Hilflose
„Kannst du mal kurz?“ ist sein Lieblingssatz. Der Hilflose braucht Unterstützung bei Aufgaben, die er eigentlich selbst erledigen könnte. Statt zunächst nach einer Lösung zu suchen, fragt er lieber Kollegen – und gewöhnt sich schnell daran, dass andere ihm Arbeit abnehmen.
| Hauptproblem | Hilfsbereitschaft wird zur zusätzlichen Arbeitsbelastung, wenn Sie immer wieder dieselben Probleme lösen. Gleichzeitig lernt der Kollege nichts dazu, solange andere zuverlässig einspringen. |
| Was tun? | Helfen Sie beim Lösungsweg, nicht bei der kompletten Aufgabe. Fragen Sie beispielsweise: „Was hast du selbst schon versucht?“ So unterstützen Sie den Kollegen, ohne ihm dauerhaft die Verantwortung abzunehmen. |
5. Der Miesepeter
Beim Miesepeter ist das Glas grundsätzlich halb leer. Das Wetter ist schlecht, das Meeting überflüssig, die neue Idee unrealistisch und die Geschäftsführung sowieso unfähig. Selbst gute Nachrichten überstehen seine Suche nach dem berühmten Haar in der Suppe selten unbeschadet.
| Hauptproblem | Schlechte Stimmung ist ansteckend. Permanente Nörgelei kann Motivation bremsen und dazu führen, dass im Team mehr über Probleme gesprochen wird als über deren Lösung. |
| Was tun? | Widerstehen Sie der Versuchung, mitzujammern oder jedes Gegenargument widerlegen zu wollen. Fragen Sie stattdessen nach Lösungen: „Was würdest du konkret anders machen?“ Damit muss aus pauschaler Kritik ein konstruktiver Vorschlag werden. |
6. Die Nervensäge
Die Nervensäge muss weder unfreundlich noch bösartig sein. Sie strapaziert ihr Umfeld vielmehr durch permanente Kleinigkeiten: wiederholte Unterbrechungen, endlose Geschichten, laute Telefonate, dieselben Witze oder Fragen zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.
| Hauptproblem | Einzelne Marotten wären leicht zu verkraften. Durch ihre ständige Wiederholung kosten sie jedoch Konzentration und Geduld. Oft merkt die betreffende Person selbst nicht, wie störend ihr Verhalten wirkt. |
| Was tun? | Sprechen Sie die konkrete Gewohnheit frühzeitig und freundlich an. Erwarten Sie nicht, dass Ihr Gegenüber Ihre Gedanken liest. Ein klarer Hinweis ist fairer als wochenlanges Augenrollen hinter seinem Rücken. |
7. Der Protagonist
Der Protagonist benötigt eine Bühne – und findet sie notfalls in der Kaffeeküche. Gespräche drehen sich erstaunlich schnell um ihn, seine Erlebnisse und seine Meinung. Erzählt ein Kollege von seinem Urlaub, kennt er das bessere Hotel. Berichtet jemand von einem Problem, hat er selbstverständlich schon etwas viel Dramatischeres erlebt.
| Hauptproblem | Der permanente Wunsch nach Aufmerksamkeit lässt anderen wenig Raum und kann Gespräche ermüdend einseitig machen. Im Team entsteht zudem der Eindruck, dass die Beiträge anderer weniger wichtig seien. |
| Was tun? | Geben Sie dem Kollegen nicht automatisch die gewünschte Bühne. Unterbrechen Sie freundlich, wenn ein Gespräch gekapert wird, und beziehen Sie andere wieder ein: „Mich würde noch interessieren, was Frau Müller dazu sagen wollte.“ |
8. Der Schleimer
Der Schleimer weiß genau, wann der Chef einen Kaffee braucht und welche Meinung im Meeting besonders gut ankommt. Gegenüber Vorgesetzten ist er auffällig aufmerksam, hilfsbereit und zustimmend. Unter Kollegen zeigt er diesen Einsatz nicht immer mit derselben Begeisterung.
| Hauptproblem | Offensichtliche Schmeichelei wirkt schnell opportunistisch und ungerecht, besonders wenn dadurch Vorteile entstehen. Wer sich ständig darüber ärgert, verschwendet allerdings mindestens genauso viel Energie wie der Schleimer für seine Strategie. |
| Was tun? | Versuchen Sie nicht, den Kollegen im Schleimen zu übertreffen oder ihn vor anderen bloßzustellen. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Leistung und machen Sie eigene Ergebnisse sichtbar. Langfristig ist glaubwürdige Kompetenz die bessere Selbstvermarktung. |
9. Der Trittbrettfahrer
Der Trittbrettfahrer besitzt ein bemerkenswertes Gespür dafür, wann Arbeit verteilt und wann Erfolg gefeiert wird. Bei mühsamen Aufgaben hält er sich zurück, beim erfolgreichen Abschluss spricht er plötzlich von „unserem Projekt“. Besonders bei Teamarbeit fällt dieses Verhalten negativ auf.
| Hauptproblem | Andere müssen zusätzliche Arbeit übernehmen, während der Trittbrettfahrer vom gemeinsamen Ergebnis profitiert. Das verletzt das Gerechtigkeitsempfinden und kann die Bereitschaft zur Zusammenarbeit erheblich beschädigen. |
| Was tun? | Machen Sie Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Beiträge von Beginn an transparent. Halten Sie bei größeren Projekten Zuständigkeiten schriftlich fest. So wird sichtbar, wer welchen Anteil am Ergebnis geleistet hat. |
10. Der Unpünktliche
Beim Unpünktlichen dauert alles „nur noch 5 Minuten“. Meetings beginnen ohne ihn, Abgabefristen werden großzügig interpretiert und Kollegen warten auf Informationen, die längst da sein sollten. Ein einzelnes Zuspätkommen ist menschlich – als Dauerzustand wird es respektlos.
| Hauptproblem | Chronische Unpünktlichkeit kostet nicht nur Zeit. Sie signalisiert anderen indirekt, dass deren Termine und Planung weniger wichtig sind. Besonders problematisch wird sie, wenn nachfolgende Arbeitsschritte davon abhängen. |
| Was tun? | Warten Sie nicht jedes Mal geduldig. Beginnen Sie Meetings pünktlich und vereinbaren Sie bei wichtigen Aufgaben klare Fristen. Entstehen durch Verspätungen konkrete Probleme, sprechen Sie genau diese Auswirkungen an. |
Wann werden nervige Kollegen zum echten Problem?
Nervig ist nicht automatisch schwierig oder toxisch. Lautes Telefonieren, ungefragte Ratschläge, Selbstdarstellung oder gelegentliche Verspätungen gehören zu den typischen Reibungen im Arbeitsalltag. Eine Grenze ist erreicht, wenn das Verhalten die Zusammenarbeit regelmäßig beeinträchtigt, Konflikte eskalieren oder persönliche Grenzen wiederholt missachtet werden. Beleidigungen, Einschüchterung, gezielte Sabotage oder systematische Ausgrenzung sind keine bloßen Marotten.
Dann geht es nicht mehr um nervige Eigenheiten, sondern um problematisches Verhalten, gegen das Sie sich professionell wehren sollten. Sprechen Sie Vorfälle klar an, setzen Sie Grenzen und holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung durch Vorgesetzte.
Umgang mit schwierigen Kollegen
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