Querulant: Der ganz normale Wahnsinn im Büro

Vermutlich ist jeder bereits dieser Sorte Mensch begegnet, die die Dinge alles andere als entspannt nimmt und immer etwas an den Dingen auszusetzen hat: Gemeint ist der Querulant. Dabei geht es weniger darum, konstruktive Kritik an den Zuständen zu üben. Vielmehr ist es so, dass Querulanten nicht nur unzufrieden, sondern der Ansicht sind, dass ihnen mehr zustünde. Mehr Geld, mehr Anerkennung, mehr Machtbefugnisse und dergleichen mehr. Und hier liegt genau das Problem: Sie sind die einzigen, die das so sehen. Dementsprechend viel Widerstand begegnet ihnen und das macht diese Sorte Mensch noch unleidlicher. Wie Sie mit Querulanten klarkommen und was es zu beachten gilt…

Querulant: Der ganz normale Wahnsinn im Büro

Querulant Bedeutung: Missliebiger Zeitgenosse

Querulant synonym Bedeutung Psychologie Duden Umgang streitsüchtiger Adjektiv im TeamQuerulant leitet sich vom lateinischen queri = sich beklagen ab und genau das ist scheinbar der Lebensinhalt so eines Menschen.

Ursprünglich bezeichnete der Begriff in der Rechtsprechung eine Person, die sich unnötig (und vor allem: ohne im Recht zu sein) durch diverse Instanzen vor Gericht klagt, selbst wenn sie geringe Aussicht auf Erfolg hat.

Typisch ist für den Querulanten, dass er um jeden Preis recht behalten will und dabei sogar übers Ziel hinausschießt. Der Duden definiert den Querulanten ganz allgemein als…

jemand, der sich unnötigerweise beschwert und dabei starrköpfig auf sein (vermeintliches) Recht pocht.

Synonym zu Querulant sind folgende Begriffe gebräuchlich:

  • Nörgler
  • Raunzer
  • Beckmesser
  • Mäkler
  • Kritikaster
  • Meckerer
  • Meckerfritze
  • Meckerziege
  • Nörgelfritze
  • Quertreiber
  • Stänkerer
  • Räsoneur

Auch wenn es nicht gleich um arbeitsgerichtliche Urteile geht, gleich geblieben ist in der Bedeutung des Wortes Querulant eine unangenehme Person, die im Umgang schwierig ist. Ein streitsüchtiger Mensch, der meint, ihm käme eine andere Rolle zu, als er tatsächlich bekleidet.

Dabei schließt das eine das andere nicht aus: Der Gang zum Gericht, vermehrte Beschwerden bei Behörden und Institutionen, die allesamt unbegründet sind, zeichnen den Querulanten aus.

Querulantentum unter psychologischen Gesichtspunkten

Das Verhalten kann geradezu wahnhafte Züge annehmen. Aber ist das vielleicht nur ein subjektiver Eindruck? Was sagt die Psychologie zu Querulanten? Tatsächlich scheinen einige Menschen unter einer Art Verfolgungswahn zu leben. Immer glauben sie, dass andere ihnen in irgendeiner Form Schaden zufügen wollten.

Der Querulant kommt dem zuvor, indem er seinerseits vorab aus vollen Rohren schießt. Das macht den Umgang mit ihm sehr beschwerlich und geradezu unmöglich. Ständig ärgert er sich über das Verhalten anderer.

Das Wahnhafte dieser Menschen zeigt sich beispielsweise in ihrem Verhalten vor Gericht. Immer wieder müssen Gerichtsgutachter die psychische Verfassung von Menschen beurteilen. So beispielsweise wenn jemand mal wieder unverbesserlich an seiner Meinung festhält, auch wenn die Fakten klar gegen ihn sprechen.

Selbst die Psychologie tut sich mit einer Einordnung nicht leicht. Häufig wird diese Verhaltensstörung als paranoide oder querulatorische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert (F60.0). Der „Querulantenwahn“ wird als Paranoia unter dem internationalen Klassifikationssystem ICD-10 gefasst.

In selteneren Fällen kann auch eine wahnhafte Störung oder eine paranoide Schizophrenie hinter dem Verhalten stecken. Typisch für den Querulanten:

  • Überempfindlichkeit,
  • Geringe Einsichtsfähigkeit,
  • Leichte Erregbarkeit,
  • Leichte Kränkbarkeit,
  • Misstrauen,
  • Nörgelsucht,
  • Rechthaberei,
  • Unzufriedenheit.

Der Neurologe und Psychiater Volker Faust schreibt über Querulanten:

‚Normale Querulanten‘ sind vor allem Behörden und Gerichten eine Last (‚Quengler-Listen‘). Sie erscheinen mit dicken Hand-Akten, ihre Sprache ist anmaßend, oft beleidigend, zumindest erfüllt von Aggressivität.

Umfangreiche schriftliche Eingaben, engzeilig, kalligraphisch beschrieben und bis an den Rand gefüllt, eine verschnörkelte Ausdrucksweise, schwarze und farbige Unterstreichungen, kurz: Eine schwülstige Pathetik, das heißt leidenschaftlich bewegte, aber im Grunde verlogene Ausdrucksweise, die sich ständig wiederholt, für alle anderen Mühsal, wenn nicht Unheil ankündigend.

Typologie der Querulanten

Vom deutschen Psychiater und Neurologen Heinz Dietrich existiert eine von 1973 stammende Klassifizierung der unterschiedlichen Querulanten. Demnach gibt es diese Typen:

  • Der Rechts-Querulant

    Typisches Merkmal ist seine extrem ausgeprägte Rechthaberei. Hierbei handelt es sich gewissermaßen um den Proto-Typen, der das Land mit von ihm angestrengten Gerichtsverfahren lähmt. In Fällen, in denen es um Beleidigung, Verleumdung oder Körperverletzung geht, muss ein psychiatrischer Gutachter klären, ob besagter Querulant überhaupt zurechnungsfähig und damit mündig ist.

  • Der Karriere-Querulant

    Querulanten im Team nerven am Arbeitsplatz im Unternehmen oder auf der Dienststelle. Dabei unterstellen sie ihren Vorgesetzten absichtliche Benachteiligung und schlechte Benotung, so dass sie in ihrer Karriere behindert werden. Psychiatrische Gutachter müssen hier die Berufs- oder Dienstunfähigkeit feststellen, bei Beamten haben sie es mit einem Disziplinarverfahren zu tun.

  • Der Renten-Querulant

    Besonders häufig haben psychiatrische Gutachter es mit dieser Sorte zu tun; Personen, die nie wirklich in der Gesellschaft eingegliedert waren oder deren finanziellen Ansprüche immens sind. Selbst wenn sie aufgrund von Erwerbsunfähigkeit in Rente sind und Rentenansprüche zu ihren Gunsten ausfallen, sind sie noch nicht zufrieden.

  • Der Ehe-Querulant

    Dem Ehe-Querulant geht es um die Unauflöslichkeit der Ehe und seine Vormachtstellung darin. Häufig wird unberechtigterweise dem Partner Untreue unterstellt. Diese Form der Streiterei ist besonders bei Frauen ausgeprägt.

  • Der Haft-Querulant

    Diese Querulanten haben den Eindruck, dass man ihnen in der Justiz übel mitgespielt hat, weshalb sie für die Haft um bestimmte Privilegien kämpfen. Ihnen geht es um Lockerungen wie Freigang oder die vorzeitige Haftentlassung.

  • Der Kollektiv-Querulant

    Kollektiv-Querulanten projizieren ihre eigenen Bedürfnisse und Ängste vorzugsweise auf Minderheiten. Das können ausgegrenzte Menschen, ebenso auch Tiere oder die Natur sein. Mit diesen identifizieren sie sich und kämpfen für diese statt für ihre eigenen Belange. Sie glauben sich moralisch im Recht und sind geradezu missionarisch unterwegs.

Umgang mit Störenfrieden

Allein die Typologie nach Dietrich zeigt, dass Menschen in den verschiedensten Situationen mit Querulanten zu tun haben können. Die einen begegnen ihnen als Partner, Nachbar oder Kollege, die anderen auf Seiten der Justiz als Gutachter, behandelnder Arzt oder Arbeitgeber.

Zur Eigenart des Querulanten gehört eine enorme Beratungsresistenz. Auch wenn Sie mit Engelszungen auf so jemanden einreden, wird dies sehr wahrscheinlich nicht den gewünschten Erfolg bringen. Im Gegenteil: solche Aktionen können den Trotz noch verstärken oder gar eine aggressive Haltung zum Vorschein bringen.

Sie kommen daher auch nicht mit Diskussionen auf der Sachebene weiter. Das Problem ist außerdem, dass angesichts solcher gravierender Verhaltensstörungen von Ihnen eine erhöhte Sozialkompetenz erwartet wird, um deeskalierend zu wirken.

Das ist eine besondere Herausforderung, ganz gleich, in welcher Funktion oder Rolle Sie es mit einem Querulanten zu tun haben. Denn wer von einer anderen Person zu unrecht angegangen wird, will zumindest dem Impuls nach ebenfalls aggressiv reagieren.

Gleichzeitig weiß der klügere und reflektierende Part von beiden, dass sich so Konflikte eher hochschaukeln. Welche Möglichkeiten gibt es also?

  • Zurückhaltung

    Das heißt nicht, dass Sie sich alles gefallen lassen müssen. Vielmehr bedeutet es Impulskontrolle. Verletzt Ihr Gegenüber Sie mit beleidigenden Bemerkungen, so unterlassen Sie Ihrerseits ähnliche Retourkutschen. Bleiben Sie in Ihrem Verhalten verbindlich, formulieren Sie klar und sachlich.

  • Entspannung

    Vermeiden Sie Ihrerseits, kleinlich und rechthaberisch zu wirken, üben Sie sich lieber in Gelassenheit. Sie tragen ungemein zur Entspannung der Situation bei, wenn Sie Ihrem Gegenüber nicht einfach sagen, was er oder sie zu tun hat, sondern Fragen stellen. Das wirkt auf den Querulanten fürsorglich und minimiert seinen Stress.

  • Reflexion

    Idealerweise können Sie auf der Metaebene einen Konflikt betrachten und überlegen, was dazu beigetragen hat: Ist Ihr Gegenüber tatsächlich ein notorischer Querulant, der mit jedem aneckt oder könnte ein Körnchen Wahrheit in seinen Vorwürfen liegen? Überlegen Sie auch, inwieweit Ihr eigenes Verhalten – bewusst oder unbewusst – bei dieser Person womöglich etwas triggert und dann zur Eskalation führt.

  • Relation

    Setzen Sie die Dinge in Relation. Passiert so etwas bei dieser Person (und auch anderen gegenüber) häufiger? Dann spricht einiges dafür, dass es sich bei Ihrem Gesprächspartner um einen Querulanten handelt. Kommt es hingegen selten oder fast gar nicht vor, sollten Sie bedenken, dass jeder Mensch sowohl gute als auch schlechte Tage hat. Jemand ist nicht automatisch ein schlechter Kollege, nur weil er einmal aus der Haut fährt. Menschen, die anderen einen Ausraster auch mal verzeihen können, beweisen Großmut und Charakterstärke.

  • Abgrenzung

    Es kann natürlich genauso gut sein, dass Sie es mit jemanden zu tun haben, der nachweislich mit allen anderen Kollegen aneckt. Der sich über jede Kleinigkeit ereifert, Streit sucht, andere Menschen verbal attackiert, seinerseits aber übertrieben empfindlich reagiert. In diesem Fall haben Sie es sehr wahrscheinlich mit einem Menschen zu tun, der eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat. Ist ein normaler Umgang mit ihm oder ihr kaum möglich, sollten Sie die Gesellschaft nach Möglichkeit meiden.

[Bildnachweis: Minerva Studio by Shutterstock.com]
5. September 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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