Rechthaberei: So gehen Sie damit um

Mit manchen Kollegen lassen sich keine Kompromisse machen. Sie beharren auf ihrer Meinung, sind absolut resistent gegenüber anderen Vorschlägen und sind auch von den besten Argumenten nicht zu beeindrucken. Kurz: Ein klarer Fall von Rechthaberei! Wer es mit einem Rechthaber zu tun bekommt, ist mit den Nerven schnell am Ende. Besonders schlimm und anstrengend wird es, wenn die Rechthaberei beim direkten Büronachbarn oder gar beim Vorgesetzten zum Vorschein kommt. Schließlich muss man jeden Tag zusammenarbeiten, Vorschläge machen und sich auf eine Vorgehensweise einigen. Das ist nicht ganz einfach, doch wer mit Rechthaberei richtig umgeht, kann sich viel Frust ersparen und zufriedenstellendere Ergebnisse erzielen…

Rechthaberei: So gehen Sie damit um

Rechthaberei: Woher kommt sie?

Ein unverbesserlicher Rechthaber lässt sich durch so gut wie nichts von seiner Meinung abbringen. Hat er sich erst einmal ein Bild von einer Angelegenheit gemacht, wird er dieses voraussichtlich auch nicht mehr ändern. Was die einen nun möglicherweise positiv als Beharrlichkeit auslegen, ist gerade für die Kollegen im Büro eine kräfteraubende Zerreißprobe für die Nerven. Ein Grund dafür ist, dass die Gründe hinter dem rechthaberischen Verhalten nicht erkannt werden.

Welchen Auslöser die Rechthaberei bei Ihrem konkreten Kollegen hatte, lässt sich meist nur durch ein intensives Gespräch oder genaue Beobachtungen feststellen. Aber auch wenn Sie die individuellen Hintergründe nicht kennen, kann es zu einem besseren Verständnis beitragen, wenn Sie die allgemeinen Auslöser verstehen.

  • Vorbilder. Wer beispielsweise durch Eltern, Freunde oder auch berufliche Vorbilder kein anderes Verhalten gewohnt ist, entwickelt in vielen Fällen auch selbst ein rechthaberisches Verhalten. Der Grund ist, dass er sich in diesem Umfeld nur Gehör verschaffen und durchsetzen kann, wenn er ebenfalls auf seiner Meinung besteht.
  • Unsicherheit. Auch bei Unsicherheit kann es zu Rechthaberei kommen. Wer auf einem Themengebiet unsicher ist, besteht einfach auf seine Ansichten, um nicht in eine Diskussion verwickelt zu werden, in der seine Schwächen aufgedeckt werden könnten.
  • Geltungsbedürfnis. In anderen Fällen entwickelt sich Rechthaberei als Folge eines gesteigerten Geltungsbedürfnisses. Man möchte für seine Meinungen und Ansichten geschätzt werden, hat selbst das Gefühl, immer Recht zu haben und möchte dies bitte auch von anderen bestätigt bekommen.

Allerdings könnte die Rechthaberei auch am Testosteron liegen. Kein Scherz. Forscher um Nick Wright vom University College London fand etwa heraus, dass das Hormon leider rechthaberisch, egoistisch und reichlich unkooperativ macht.

Für ihre Studie absolvierten die Wissenschaftler diverse Tests mit 17 weiblichen Paaren, die sich untereinander nicht kannten.

Der Trick dabei: Mal bekam die eine Probandin zusätzlich Testosteron verabreicht und die andere ein Placebo, anderntags war es umgekehrt, und am dritten Tag bekamen sogar beide nur Placebos. Die Frauen (und keine Männer) wählten die Forscher deshalb aus, weil männliche Versuchsteilnehmer bereits von sich aus einen zu hohen Testosteronspiegel mitgebracht hätten und weitere Dosen davon, die natürliche Produktion eher hätten drosseln und das Ergebnis verfälschen können.

Was passierte?

Tatsächlich kooperierten die beiden Probandinnen am besten, wenn beide nur ein Placebo-Mittel erhalten hatten. Bekam eine von beiden aber Testosteron, wurde sie rechthaberisch und versuchte sich gegenüber ihrer Partnerin durchzusetzen. Im Ergebnis – und das ist die schlechte Nachricht – schnitt das Versuchs-Duo bei den Tests jedes Mal schlechter ab, als wenn beide – testosteronfrei – kooperierten.

Woran Sie einen Rechthaber erkennen

In der Regel enttarnen Rechthaber sich sehr schnell selbst. Doch nicht jeder Kollege, der einmal auf seine Meinung besteht, ist gleich automatisch rechthaberisch. Vielleicht hat er in diesem Fall wirklich ein gutes Argument und möchte seinen Punkt nicht zu leicht aufgeben. Der Unterschied ist nicht immer leicht zu erkennen, doch Rechthaber sind meistens sehr…

  • … stur. Die offensichtlichste Eigenschaft jedes Rechthabers ist seine Sturheit. Auch wenn alle Zeichen gegen ihn sprechen, will er weiterhin mit dem Kopf durch die Wand und lässt sich nicht von seiner anfänglichen Meinung abbringen.
  • … forsch. Es ist ganz und gar nicht die Art eines Rechthabers, mit seinen Einstellungen hinterm Berg zu halten. Er möchte seine Meinung verbreiten und andere überzeugen. Dabei tritt er manchmal forsch auf oder mischt sich in fremde Diskussionen ein.

Rechthaberei: So verhalten Sie sich richtig

Haben Sie es wirklich mit einem Rechthaber zu tun, wünschen wir Ihnen an dieser Stelle zunächst einmal viel Geduld und starke Nerven. Gerade zu Beginn werden Sie diese sicherlich brauchen. Gleichzeitig wollen wir Ihnen aber auch Mut machen, denn auch wenn Rechthaberei eine unangenehme und für das Umfeld vor allem anstrengende Eigenschaft ist, können Sie lernen, besser damit umzugehen. Die folgenden drei Tipps werden Ihnen dabei helfen, den Arbeitsalltag mit einem Rechthaber mit weniger Stress zu überstehen und können sogar dazu beitragen, dass dieser sein Verhalten ändert.

  1. Bleiben Sie objektiv

    Ja, ein Rechthaber ist nervig und Diskussionen mit ihm sind meist das reinste Chaos, ohne ein erkennbares Ziel oder wenigstens Fortschritt zu erzielen. Versuchen Sie aber dennoch, objektiv zu bleiben und seine Argumente anfangs neutral zu beobachten. Auch wenn er eine schreckliche Art hat, um dies zu zeigen, hat der Rechthaber doch tatsächlich öfter Recht, als man ihm zugestehen möchte.

  2. Bleiben Sie freundlich

    Auch wenn Sie den Rechthaber für sein Verhalten in einigen Momenten anschreien wollen, werden Sie mit dieser Strategie vermutlich wenig Erfolg haben. Ihr Gegenüber wird sich darin höchstens in seiner Ansicht bestätigt fühlen, dass er Recht hatte und Sie sich nun nicht mehr anders zu helfen wissen. Es fällt schwer, aber mit Freundlichkeit kommen Sie weiter, da offene Angriffe an der Sturheit einfach abprallen.

  3. Bleiben Sie selbstkritisch

    Warum ist es Ihnen wichtig, den Rechthaber zu überzeugen? Sind sie tatsächlich noch ergebnisorientiert oder spricht die Eitelkeit aus Ihnen? Es ist ein nachvollziehbarer Wunsch, einen Rechthaber in die Schranken zu weisen und zu zeigen, dass er eben nicht immer richtig liegt. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass Sie sich auf das Niveau des Rechthabers begeben – Sie wollen nur noch Recht behalten, um nicht von Ihrem Standpunkt abweichen zu müssen.

Was bei Rechthaberei nicht funktioniert

Neben dem richtigen Verhalten einem Rechthaber gegenüber, gibt es natürlich auch falsche Vorgehensweisen. Dazu zählt wie bereits erwähnt das offensive Auftreten, dass nur zu noch größerer Sturheit und verhärteten Fronten führt. Aber auch andere Taktiken bringen nicht den gewünschten Erfolg:

  • Lange Diskussionen Egal ob Sie 30, 60 oder 120 Minuten lang argumentieren. Wenn Sie mit einem hartnäckigen Rechthaber reden, wird sich die anfängliche Meinung nicht mehr ändern – unabhängig von der Dauer des Gesprächs.
  • Neue Fürsprecher Es ist gut zu wissen, dass Sie noch weitere Kollegen auf Ihrer Seite haben, doch wird es Ihren Gegenüber wenig beeindrucken. Er ist auch bereit, seine Meinung gegenüber dem ganzen Büro zu verteidigen.
  • Leere Drohungen Ich geh zum Chef – diese und ähnliche Drohungen wirken bei Rechthaberei leider nur sehr selten, da Ihr Gesprächspartner die Konfrontation mit dem Chef nicht scheut. Nun können Sie nur wirklich mit dem Chef reden – oder gestehen sich ein, dass Sie leere Drohungen gemacht haben.
[Bildnachweis: WAYHOME studio by Shutterstock.com]
14. Juli 2015 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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