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Minderwertigkeitsgefühle: Psychologie, Ursachen, Symptome, Tipps

Minderwertigkeitsgefühle kennt fast jeder. Im Zentrum steht das Gefühl: Ich bin nicht gut genug, unzulänglich, minderwertig… Diese Selbstentwertung kann in eine gefährliche Negativspirale führen. Betroffene zweifeln immer stärker an sich selbst, werden unglücklich oder versuchen krampfhaft den eigenen Wert zu beweisen. Wir erklären die Psychologie der Minderwertigkeitsgefühle, die Ursachen und Symptome und geben Tipps, wie Sie Minderwertigkeitsgefühle überwinden können…



Minderwertigkeitsgefühle: Psychologie, Ursachen, Symptome, Tipps

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Was sind Minderwertigkeitsgefühle? Einfach erklärt

Minderwertigkeitsgefühle beschreiben das Empfinden der eigenen Unvollkommenheit, Unzulänglichkeit und Wertlosigkeit. Betroffene fühlen sich unterlegen, klein, unbedeutend und nicht gut genug, um von anderen gemocht, geschätzt oder respektiert zu werden. Eigene Leistungen und Erfolge werden als Glück oder Zufall gewertet, jeder Fehler hingegen bekräftigt die eigene Minderwertigkeit.

Es ist mangelnde Wertschätzung zur eigenen Person. Statt Stärken und positive Seiten zu sehen, stehen bei Minderwertigkeitsgefühle Schwächen und Zweifel im Fokus. Bin ich gut genug? Bin ich schön genug? Bin ich erfolgreich genug? Im Vergleich zu anderen fühlen sich Betroffene stets unterlegen und das Selbstwertgefühl sinkt weiter.

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Minderwertigkeitsgefühle Psychologie

In die Psychologie wurde der Begriff der Minderwertigkeitsgefühle durch den Psychologen Alfred Adler bereits im Jahr 1912 eingeführt. Ursprünglich stammt das Konzept aus der Kunst- und Literaturtheorie. Durch Adler wurden sie zum zentralen Begriff der Individualpsychologie. Anfangs wurden „Minderwertigkeitsgefühl“ und „Minderwertigkeitskomplex“ synonym verwendet. Später differenzierte Adler den Minderwertigkeitskomplex als „abnorm gesteigertes Minderwertigkeitsgefühl“.

Sind Minderwertigkeitsgefühle grundsätzlich schlecht?

Die Unterscheidung ist wichtig, da Adler auch die Meinung vertritt: Minderwertigkeitsgefühle in leichter Ausprägung sind nicht grundsätzlich schlimm. Sie können auch Motivation sein, um etwas zu verändern oder ein Ziel zu erreichen. Leider wird bei vielen Betroffenen dieses gesunde Maß schnell überschritten.


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Ursachen: Wie entstehen Minderwertigkeitsgefühle?

Ihren Ursprung haben Minderwertigkeitsgefühle oft schon in der Kindheit. Fehlende Liebe und Anerkennung durch die Eltern schaffen in Kindern früh die innere Einstellung „Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden“ oder auch „Mit mir muss etwas falsch sein, weil meine Eltern mich zurückweisen“. Verstärkt werden diese Mangelgefühle durch zu wenig Wertschätzung und Probleme in Schule oder Freundeskreis. Betroffene entwickeln kein ausreichendes Selbstbewusstsein und Empfinden für die eigenen Stärken. Vielmehr sehen sie sich nur mit empfundenen Mängeln konfrontiert.

Aber auch zu viel Aufmerksamkeit und Zuneigung kann zu Minderwertigkeitsgefühlen führen. Lässt die Beachtung irgendwann nach, kommen Zweifel und Schuldgefühle.

Ursachen im Erwachsenenalter

Minderwertigkeitsgefühle können auch bei Erwachsenen entstehen. Ein unerfüllter Wunsch nach Anerkennung – etwa bei beruflichen Erfolgen oder wichtigen privaten Ereignissen – löst Unsicherheit aus und führt zu einem negativen Selbstbild. Viele leiden zudem unter den dauerhaften Vergleichen zu Familienmitgliedern, Freunden und Kollegen. Alle scheinen immer besser, erfolgreicher, schöner oder klüger zu sein als man selbst.

Ein verstärkender Faktor ist das Gefühl der Hilflosigkeit. Betroffene sind überzeugt, nichts an der eigenen Situation ändern zu können: Egal, was man tut, es wird nichts Bedeutendes oder Wertvolles sein, den (eigenen) Anforderungen nicht gerecht werden und vor allem schlechter sein als das, was andere leisten – zumindest in der eigenen Wahrnehmung.

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Minderwertigkeitsgefühle Symptome

Bei Minderwertigkeitsgefühlen wird das eigene Handeln als unzulänglich eingestuft und Betroffene sind davon überzeugt, den (eigenen) Ansprüchen nicht zu genügen. Doch wie genau äußern sich diese Gedanken im Verhalten? Das sind häufige Symptome:

Gefährliche Folgen von Minderwertigkeitsgefühlen

Jeder hat Phasen, in denen man sich minderwertig oder unzulänglich fühlt. Diese gehen zum Glück meist wieder vorbei oder werden durch wahrgenommene (!) Erfolge Lügen gestraft. Ausgeprägte und anhaltende Minderwertigkeitsgefühle haben aber ernsthafte Folgen. Dazu zählen:

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Minderwertigkeitsgefühle bei Männern und Frauen

Männer kompensieren ihr geringes Selbstwertgefühl – vor allem in jungen Jahren – häufig durch eine nach außen gerichtete Aggressivität, durch eine extreme Sprache der Aus- und Abgrenzung, durch übermäßigen Alkohol- oder Drogenkonsum oder die Flucht in Statussymbole und überteuerte Wertgegenstände, die sie entsprechend zur Schau stellen.

Frauen dagegen neigen eher zu einer nach innen gerichteten Aggressivität: Die Betroffenen verurteilen sich vor allem für körperliche Merkmale (krumme Nase, flache Brüste, dicker Po, …). Die eigene Selbstabwertung führt zu psychischen Problemen oder gar Bestrafungen in Form von Selbstverstümmelung (Ritzen). Minderwertigkeitsgefühle bei Frauen können sich aber auch durch kompensatorische Aus- und Abgrenzung nach außen offenbaren. Dies wird dann vom Umfeld oft als Arroganz wahrgenommen.

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Minderwertigkeitsgefühle überwinden: 4 Tipps

Je länger und tiefer Minderwertigkeitsgefühle im eigenen Denken verankert sind, desto schwieriger ist es, sich von diesen zu lösen und die Selbstabwertung zu stoppen. Das negative Selbstbild wird zur Normalität, es kommt sogar zu Selbstbetrug. Betroffene blenden Erfolge und Stärken einfach aus, weil sie nicht ins eigene Selbstbild passen. Umso wichtiger ist es, solchen Gefühlen frühzeitig zu begegnen. Diese Tipps helfen dabei:

  • Finden Sie die Ursachen
    Ein schwieriger, aber notwendiger Schritt, ist die Frage nach den Auslösern: Wann fühlen Sie sich minderwertig, ungenügend oder abgelehnt – und warum? Verstehen Sie die Ursachen der Minderwertigkeitsgefühle, ist es leichter, richtig mit diesen umzugehen.
  • Reden Sie sich nicht schlecht
    Entlarven Sie klassischen Selbstbetrug und entsprechende Lügen. Vor allem: Ändern Sie Ihre Einstellung zu sich selbst. Sie sind eben NICHT schlechter als andere, sondern ebenso liebenswert – mitsamt Ihren Macken und Schwächen. Stoppen Sie den inneren Kritiker und lernen Sie stattdessen größere Selbstliebe.
  • Machen Sie sich Ihre Stärken bewusst
    Jeder Mensch hat individuelle Schwächen, aber genauso Stärken und Talente. Ignorieren Sie Ihre positiven Seiten nicht. Sehen Sie Ihre Fähigkeiten, Erfolge und Leistungen – und entwickeln Sie Stolz darauf. Es ist eben kein Glück oder Zufall, sondern Ihr Verdienst. Dabei kann ein Erfolgstagebuch helfen, in dem Sie jeden Tag kleine und große Errungenschaften aufschreiben.
  • Bleiben Sie fair zu sich selbst
    Setzen Sie sich selbst nicht unnötig unter Druck und schrauben Sie die eigenen Erwartungen herunter. Sie müssen nicht perfekt sein – bei dieser Annahme können Sie sich sonst nur minderwertig fühlen. Setzen Sie für sich keinen unerreichbaren Maßstab an und vergleichen Sie sich nicht mit unerreichbaren Dingen. Sie stehen nicht im endlosen Wettbewerb mit Ihrer Umwelt.

Minderwertigkeitskomplexe Therapie

In (pathologischen) Extremen hilft nur noch eine professionelle Behandlung und sogenannte Minderwertigkeitskomplexe Therapie. Spätestens wenn psychische Probleme auftreten oder Sie zunehmend unter den eigenen Minderwertigkeitsgefühlen leiden, sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen. Die Therapie beginnt durch eine ausführliche Diagnose und mehrstündige Sitzungen bei einem Psychologen oder in einer psychiatrischen Ambulanz. Nach anfänglichen Gesprächen und Fragebögen folgt die eigentliche Therapie.


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[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]