Selbstkontrolle ist ein schwieriges Thema. Wir selbst sprechen uns gerne ein hohes Maß an Selbstkontrolle zu, versichern anderen (und uns selbst) bei jeder Gelegenheit, dass wir uns im Griff haben und jeder Versuchung widerstehen können. Doch wer ganz ehrlich zu sich selbst ist, kennt seine ganz persönlichen Schwachstellen und die Momente, in denen jede Selbstkontrolle über Bord geworfen wird und stattdessen impulsiv entschieden und gehandelt wird. Das ist kein Grund sich zu schämen, sondern sogar gut, da ewige Selbstkontrolle rein gar nichts bringt. Das andere Extrem, gar keine Selbstkontrolle, ist aber ebenso schädlich. Doch dagegen lässt sich etwas tun. Wir erklären, warum Sie Ihre Selbstkontrolle ruhig ab und zu verlieren dürfen und mit welchen Tipps sich Selbstkontrolle trainieren und steigern lässt...

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Was ist Selbstkontrolle?

Selbstkontrolle Definition trainieren verlieren Synonym ÜbungUnter Selbstkontrolle wird im allgemeinen die Fähigkeit verstanden, das eigene Handeln zu kontrollieren, Verhaltensweisen zu beeinflussen und so zu gestalten, dass Sie den eigenen Zielen und dem langfristigen Vorteil dienen. Das klingt komplizierter als es ist, was ein einfaches Beispiel verdeutlicht: Sie können jetzt sofort 10 Euro bekommen und damit machen, wonach Ihnen gerade der Sinn steht. Oder Sie warten eine Woche und bekommen dann 20 Euro.

Selbstkontrolle wäre es, sich selbst im Griff zu haben, die 10 Euro dankend abzulehnen und sich umso mehr auf die größere Belohnung in der Zukunft zu freuen. Es geht um die Kontrolle von Impulsen und Gefühlen, die manchmal zum eigenen Wohl unterdrückt werden müssen.

So wäre es für manche ein Traum, sich fast ausschließlich von Schokolade zu ernähren und jeden Tag zwei Tafeln zu verdrücken. Die Selbstkontrolle verhindert dies jedoch, da die Folgen einer solchen Ernährung ausschließlich negativ wären. Das ist ein extremes Beispiel, doch Selbstkontrolle reguliert auch viele andere Verhaltensweisen. Für manche ist dies leicht und geschieht vollkommen unbewusst. Andere stellt Selbstkontrolle vor eine große Herausforderung.

Die eigene Selbstkontrolle kann dabei auch von anderen Faktoren als der eigenen Persönlichkeit beeinflusst werden. Eine Sucht macht die Selbstkontrolle für viele beispielsweise unmöglich. So wissen Raucher durchaus, dass sie ihrer Gesundheit schaden, doch der Drang nach der nächsten Zigarette ist oft größer - weil die Befriedigung der Sucht eine größere Belohnung verspricht, der nicht widerstanden werden kann.

Zu viel Selbstkontrolle führt zum Gegenteil

Selbstkontrolle gilt weithin als wünschenswerte Eigenschaft und Fähigkeit. Wer sich nicht von Impulsen leiten lässt, sondern kontrolliert handelt, trifft bessere Entscheidungen, denkt langfristig, lebt gesünder und ist sogar erfolgreicher, weil er dazu bereit ist, auf den sofortigen Nutzen zu verzichten, um langfristig noch mehr zu ernten.

Wie so oft gilt allerdings auch bei der Selbstkontrolle: Die Dosis macht das Gift. Selbstkontrolle bis zu einem gewissen Maß ist wichtig und sogar notwendig, wer es damit allerdings übertreibt, erreicht am Ende das genaue Gegenteil.

Je häufiger Sie einer Versuchung widerstehen, Ihre Impulse unterdrücken, sich zurücknehmen und sich auf später vertrösten, desto schwieriger wird es, dies auch beim nächsten Mal zu tun und weiterhin standhaft zu bleiben.

Sinnvoll ist es, ab und zu nachzugeben und die Selbstkontrolle nach hinten zu stellen. So gehen Sie sicher, dass Sie nicht irgendwann vollkommen erschöpft von all der Selbstkontrolle sind - und dann nur noch kopflos und impulsiv handeln, da Sie die ständige Kontrolle satt haben und nicht mehr aufrecht erhalten können.

Ihre Selbstkontrolle lässt am Abend nach

Selbstkontrolle trainieren verlieren Synonym ÜbungWie ausgeprägt Ihre Selbstkontrolle ist, hängt nicht nur von Ihrer Persönlichkeit, sondern auch von der Tageszeit ab. Das liegt vor allem daran, dass Selbstkontrolle Kraft kostet und anstrengend ist. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Universität von Washington, die untersuchten, wie sich Müdigkeit auf moralische Entscheidungen auswirkt. Dabei zeigte sich, dass frische und ausgeschlafene Teilnehmer mehr Wert auf Moral legten, je müder die Probanden waren, desto lockerer und zum Teil sogar unmoralischer entschieden sie.

Das führten die Forscher vor allem auf den Einfluss der Erschöpfung zurück. Stundenlanger Stress, Probleme, die gelöst werden müssen, nervige Kollegen im Job, Kunden, denen man es einfach nicht recht machen kann. All das reduziert die Selbstkontrolle im Laufe des Tages.

Je später es wird, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Versuchungen nachgeben, Impulsen die Kontrolle überlassen und die Selbstkontrolle abhanden kommt. Das können Sie auch an sich selbst beobachten. Früh am Tag ist es meist noch nicht so schwer, Nein zu einem Schokoriegel zu sagen und auch sich zum Sport aufzuraffen fällt morgens vielen leichter. Je anstrengender der Tag ist, desto schwerer wird es, der Leckerei zu widerstehen und nach einem harten Arbeitstag bleiben viele dann doch auf der Couch.

So lässt sich Ihre Selbstkontrolle trainieren

Selbstkontrolle - oder eben deren Fehlen - lässt sich bereits bei Kindern beobachten. Sie entsteht bereits sehr früh, kann sich mit der Zeit aber noch verändern. Sowohl positiv wie negativ.

Die gute Nachricht für Sie: Selbstkontrolle lässt sich trainieren und somit langfristig verbessern. Wir haben einige bewährte Strategien zusammengestellt, die Ihnen dabei helfen, Ihre Selbstkontrolle zu steigern.

  • Halten Sie sich von Versuchungen fern.

    In Sachen Selbstkontrolle machen wir uns das Leben vor allem selbst schwer. Überall lauern Versuchungen, die ein Höchstmaß an Selbstkontrolle abverlangen - und meist tun wir gar nichts dagegen oder sind sogar noch selbst Schuld daran und setzen uns diesen Versuchungen bewusst selbst aus.

    Wer seine Essgewohnheiten kontrollieren will, sollte keinen Schrank voller Süßigkeiten zuhause haben und wer mehr Sport treiben will, sollte sich nicht vier neue Staffeln seiner Lieblingsserie auf DVD kaufen und wer über einen Ex-Partner hinweg kommen möchte, sollte möglichst nicht jeden Tag mehrere Stunden mit ihm verbringen. Je mehr Sie sich darauf konzentrieren, Versuchungen aus Ihrem Umfeld zu verbannen, desto besser wird Ihre Selbstkontrolle.


  • Schaffen Sie Verbindlichkeit.

    Selbstkontrolle ist etwas, dass die meisten Menschen nur mit sich alleine ausmachen. Darauf läuft es am Ende auch hinaus, allerdings kann es auf dem Weg dahin sehr hilfreich sein, Verbindlichkeit zu schaffen, indem Sie mit anderen über Ihre Vorhaben reden oder diese sogar darin einbinden.

    Erzählen Sie Ihren Freunden, wenn Sie sich etwas vorgenommen haben oder laden Sie diese gleich ein, sich Ihnen anzuschließen. So können Sie sich nicht so einfach rausreden, da Sie sich sonst auch vor den anderen rechtfertigen müssten. Dies wird Ihnen dabei helfen, Selbstkontrolle konsequenter beizubehalten.


  • Beeinflussen Sie Ihre Emotionen.

    Es klingt im ersten Moment vielleicht merkwürdig, hilft aber tatsächlich, die eigene Selbstkontrolle zu verbessern: Wenn Sie Ihre Gefühle beeinflussen können, werden Sie auch Ihre Handlungen und Impulse kontrollieren. Abneigung, Wut, aber auch Vorfreude und andere Emotionen wirken darauf ein, wie Sie sich verhalten.

    Haben Sie Ihre Emotionen im Griff, steigt Ihre Selbstkontrolle sofort spürbar. Ihre Gefühle können Sie beispielsweise kontrollieren, indem Sie sich bestimmte Sachen bewusst schlecht (oder eben schön) reden. Das nimmt Impulsen Ihren Reiz und die Selbstkontrolle fällt Ihnen leichter.


  • Überschätzen Sie sich nicht selbst.

    Ein großes Selbstbewusstsein ist in vielen Bereichen nützlich, gerade bei der Selbstkontrolle sollten Sie es damit aber nicht übertreiben, denn Selbstüberschätzung schwingt hier schnell ins Gegenteil und anstatt Ihre Disziplin zu fördern, erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit für das eigene Scheitern.

    Heißt im Klartext: Eine Das-mach-ich-doch-mit-links-Einstellung ist nicht angebracht. Besser ist Realismus, Ehrlichkeit zu sich selbst und manchmal auch die Einsicht, dass man nicht gerade die Selbstkontrolle in Person ist. Mit einem Das wird sicherlich schwer, aber ich werde mein Bestes geben und es schaffen fahren Sie besser als mit überheblicher Selbstüberschätzung.


  • Bestrafen Sie sich für zu wenig Selbstkontrolle.

    Was bei anderen funktioniert, klappt auch ganz gut bei Ihnen selbst. Wenn Sie Ihre selbst gesteckten Ziele nicht einhalten und es mit der Selbstkontrolle nicht so ernst nehmen, wie Sie es gerne hätten, dann ist es ein gutes Mittel, kleine Bestrafungen einzuführen - aber natürlich nur dann, wenn Sie genügend Disziplin (oder Wut auf sich selbst) mitbringen, um diese auch wirklich durchzuziehen.

    Hilfreich ist auch hier eine Verpflichtung mit Freunden, Familie oder Kollegen. Vereinbaren Sie beispielsweise, dass Sie den gesamten Freundeskreis auf Ihre Kosten zum Essen einladen, wenn Sie die Selbstkontrolle nicht durchhalten oder das Sie alleine die neue Küche bei den Eltern aufbauen. So schaffen Sie einen großen Anreiz, um durchzuhalten. Und falls nicht, haben Sie Ihre Lektion darauf hoffentlich gelernt.


  • Üben Sie Selbstkontrolle in jeder Situation.

    Ein anstrengender, aber wirksamer Tipp für mehr Selbstkontrolle: Üben, üben, üben. Das klingt wenig innovativ, muss es aber auch gar nicht sein, denn nur wenn Sie Selbstkontrolle wirklich praktizieren, wird diese mehr und mehr zur Gewohnheit, die so fest verankert ist, dass Sie gar nicht mehr darüber nachdenken müssen und unbewusst selbstkontrolliert agieren.

    Im Job, in der Freizeit, beim Einkaufen... Wo auch immer Sie sind und was Sie machen, nutzen Sie jede Gelegenheit, um Ihre Selbstkontrolle zu üben. Am Anfang fällt das noch schwer und fühlt sich ungewohnt an, doch der Effekt wird sich bereits nach kurzer Zeit einstellen.

[Bildnachweis: Koldunov by Shutterstock.com]

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