Auseinandersetzungen und Streit lassen sich nicht immer verhindern. Zu vielseitig sind die möglichen Auslöser und wo immer Menschen aufeinander treffen, kann es Reibungspunkte geben, die mitunter schnell eskalieren. Für manchen reicht schon eine Kleinigkeit, die hochgeschaukelt wird, bis sich ein handfester Krach entwickelt hat, bei dem gebrüllt, gemeckert und verbal angegriffen wird. Ein solches Gewitter kann eine reinigende Wirkung haben und es tut gut, seinem Ärger Luft zu machen, doch ist es wichtig einen Streit schlichten zu können, bevor dieser komplett ausufert. Leichter gesagt als getan, denn einmal in Rage geredet und aufgebracht, kann das Streit schlichten durchaus schwierig werden. Am Ende hilft vor allem eine offene Kommunikation und vor allem auch der Wille, einen Streit schlichten zu wollen...

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Streit schlichten: Es darf ruhig Unstimmigkeiten geben

Ein Streit fühlt sich selten gut an. Die Gemüter sind erhitzt, Frust bahnt sich seinen Weg nach außen und trifft dabei nicht selten den falschen, der vielleicht gar nichts dafür kann, unterschiedliche Meinungen treffen aufeinander und sind scheinbar kaum zu vereinbaren oder im schlimmsten Fall werden unschöne Bemerkungen gemacht, die später vielleicht sogar noch einmal bereut werden.

Kurz gesagt: Streiten ist eine unangenehme Sache, bei der wir uns in der Regel von unserer besonders fiesen Seite zeigen und uns manchmal selbst davor erschrecken, wie gemein wir eigentlich sein können, um dem Kontrahenten eins auszuwischen. Auf der anderen Seite sollten Streitigkeiten und Auseinandersetzungen aber auch nicht verteufelt werden - weder im Privatleben, noch im Beruf, wenn gemeinsam gearbeitet wird.

Tatsächlich kann ein Streit durchaus gut und sinnvoll sein, auch wenn es sich während der Auseinandersetzung nicht wirklich so anfühlt. Solange es im Rahmen bleibt, sind Meinungsverschiedenheiten sogar notwendig, um auf einen gemeinsamen Nenner kommen zu können. Wer ständig nur Ja und Amen sagt geht vermutlich jeder Diskussion aus dem Weg, wird am Ende aber auch regelmäßig übergangen und ist mit den Ergebnissen unzufrieden, da diese seine Ansichten nicht berücksichtigen.

Auch zwischenmenschlich erfüllt der Streit eine wichtige Funktion. Er sorgt dafür, dass Konflikte nicht endlos lange vor sich hin schwelen und dabei immer gefährlicher werden. Ein kurzer, selbst heftiger Streit ist besser als ein Problem, dass über Wochen unausgesprochen bleibt und irgendwann explodiert.

Dabei gilt aber immer ein wichtiger Faktor: Auseinandersetzungen zu beginnen und diese auszufechten ist nicht die Herausforderung. Entscheidend ist, dass Sie auch in der Lage sind, einen Streit schlichten zu können. Bevor dieser vollkommen aus den Fugen gerät. An dieser Stelle tun sich viele Streithähne aber schwer.

Warum es schwer ist, einen Streit schlichten zu wollen

Streit schlichten Mediation Synonym SprücheIn der Theorie klingt es so einfach. Beide Parteien beruhigen sich, es folgen entschuldigen und Sätze wie Ich war aufgebracht, ich weiß, dass du eigentlich nichts dafür kannst. Ich hab meinen Ärger an der falschen Person ausgelassen... Es werden sich die Hände gereicht und es herrscht wieder eine Friede, Freude, Eierkuchen Atmosphäre, als wäre nie etwas gewesen. Leider ist dieser märchenhafte Ausgang oftmals tatsächlich der Fantasie vorbehalten, denn die harte Realität sieht ein wenig anders aus.

Statt den Streit zu schlichten, gehen die Widersacher irgendwann beide genervt auseinander, versuchen den anderen möglichst zu ignorieren, fühlen sich missverstanden oder zu unrecht attackiert. Vertragen und den Streit schlichten? Das Warten darauf ist oft vergebens.

Aber warum fällt das Streit schlichten so schwer? Dahinter stehen zwei Gründe:

  • Die Emotionen kochen hoch

    Rational betrachtet ist es natürlich sinnvoll, den Streit schlichten zu wollen. Doch denken Streithähne in diesem Moment nicht rational, sondern werden größtenteils von ihren Emotionen gesteuert. Es wird sich dabei voll und ganz auf die Wut, den Frust und den empfundenen Ärger konzentriert, so dass kein Raum bleibt, sich darüber Gedanken zu machen, den Streit zu schlichten.

  • Der erste Schritt ist der schwerste

    In vielen Situationen sind alle Beteiligten froh, wenn der Streit geschlichtet wird - es scheitert jedoch immer wieder daran, dass niemand den ersten Schritt auf den anderen zugeht. Entweder wissen Sie nicht, was Sie sagen wollen oder Sie sind zu stolz und wollen nicht den Eindruck machen, sie würden einknicken und im Streit nachgeben.

Tipps zum Streit schlichten

Ein Streit, der sich ewig in die Länge zieht und Beziehungen langfristig zerstört ist nicht nur anstrengend, sondern kann sich auch negativ auf Glück und Zufriedenheit auswirken. Gehen Sie beispielsweise jeden Morgen mit dem unguten Gefühl zur Arbeit, dass im Büro ein Kollege wartet, mit dem Sie sich ordentlich verkracht haben, ohne den Streit jemals zu schlichten, ist die Stimmung entsprechend schlecht.

Soweit muss es aber erst gar nicht kommen, denn einen Streit schlichten ist zwar nicht immer leicht, aber auch keine unmögliche Aufgabe. Die folgenden Tipps können Ihnen dabei helfen, in Zukunft einen Streit besser zu schlichten und die Wogen zu glätten:

  • Entwickeln Sie die richtige Einstellung

    Um einen Streit schlichten zu können, brauchen Sie zunächst die richtige Einstellung. Soll heißen: Sie müssen den Streit wirklich schlichten wollen und nicht einfach nur genervt von der Situation sein. Mit dem Gedanken Ich will bloß meine Ruhe haben... werden Sie nicht viel dazu beitragen können, die Auseinandersetzung wirklich zu beenden.

    Rufen Sie sich ins Gedächtnis, wie viel Energie und gute Laune durch den Streit verloren geht und dass Sie eigentlich die Harmonie in Ihrem Umfeld schätzen. So werden Sie sich nicht mehr nur auf den Streit konzentrieren, sondern Ihre Gedanken auf eine Lösung richten, um den Streit zu schlichten.


  • Kommen Sie erst einmal zur Ruhe

    Solange die Gemüter noch erhitzt sind, ist es schwer, einen Streit schlichten zu wollen. Die Wut ist noch zu frisch und solange das Adrenalin vom Streit noch im Körper ist, wird der Versuch wahrscheinlich eher nach hinten los gehen und eine weitere Runde des Geplänkels einläuten.

    Besser ist es deshalb, wenn Sie sowohl sich als auch Ihrem Gegenüber ein wenig Zeit lassen, um sich zu beruhigen. Dabei ist es völlig in Ordnung, wenn jeder erst einmal für sich bleibt und sich im Job beispielsweise ins eigene Büro zurückzieht. Ist der erste Rauch dann verflogen, kann der Streit einfacher geschlichtet werden.


  • Warten Sie nicht auf den anderen

    Wie bereits erwähnt: Der erste Schritt ist besonders schwer, wenn Sie einen Streit schlichten wollen. Gerade deshalb sollten Sie diesen wichtigen Schritt tun, da Ihr Kontrahent es möglicherweise nicht schafft. Wenn Sie nur darauf warten, dass der andere die Aussöhnung herbeiführt, dauert der Streit möglicherweise ewig an.


  • Bitten Sie um Entschuldigung

    Nach einem Streit sollten Sie auf jeden Fall um Entschuldigung bitten - selbst wenn Sie das Gefühl haben, dass eigentlich der andere Ihnen ein Sorry schuldet. Zum einen zeigen Sie damit Größe, da Sie bereit sind, für Ihr Verhalten geradezustehen und auch einzusehen, dass Sie möglicherweise im Streit nicht ganz fair waren.

    Auf der anderen Seite erleichtern Sie es damit, den Streit zu schlichten. Eine Entschuldigung Ihrerseits öffnet dem anderen eine Tür und macht es ihm leichter, auch einen Schritt auf Sie zuzugehen.


  • Hören Sie dem Gegenüber weiterhin zu

    Einen Streit zu schlichten bedeutet nicht, dass die Kommunikation und der Austausch an dieser Stelle enden. Um das Problem wirklich aus der Welt zu schaffen und nicht über ähnliche Punkte erneut aneinanderzugeraten, ist es wichtig, weiterhin zuzuhören und auf Ihren Gegenüber einzugehen.

    Was hat ihn so wütend gemacht? Was ist ihm besonders wichtig? Wo ist er zu Kompromissen bereit? Gerade wenn der Streit geschlichtet ist und miteinander geredet wird, können Sie wichtige Informationen erhalten.


  • Nutzen Sie Ich-Formulierungen

    Beim Streit schlichten wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und mit Vorwürfen oder Anschuldigungen - selbst wenn diese gar nicht so gemeint sind - schlagen Sie den ganz falschen Ton an. Das Problem: Viele Formulierungen klingen automatisch wie eine Beschuldigung, sobald Sie den Satz mit "Du" beginnen. Der Angesprochene fühlt sich sofort angegriffen: Du hast..., Du willst... oder Du denkst... sind immer implizite Vorwürfe.

    Einen Streit schlichten Sie besser mit Ich-Botschaften, mit denen Sie die Lage schildern und Ihre Sicht der Dinge wiedergeben, ohne Ihren Gesprächspartner dabei anzugreifen. Ich denke..., Ich sehe das so... Ich bin der Meinung... Damit nehmen Sie der Situation gleich eine Menge Konfliktpotenzial.


  • Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten

    Es mag sich vollkommen gegensätzlich anfühlen, doch selbst im Streit gibt es fast immer Punkte, auf die sich beide Seiten trotz unterschiedlicher Ansichten einigen können. Diese Gemeinsamkeiten sind wichtig, um einen Streit schlichten zu können. Legen Sie den Fokus auf die Dinge, die sie gemeinsam haben und beginnen Sie an dieser Stelle, eine Lösung zu suchen, mit der beide Seiten gut leben können.

Streit schlichten durch gewaltfreie Kommunikation

Auch die Kommunikationstrainerin und Expertin für gewaltfreie Kommunikation Susanne Lorenz sieht den Schlüssel, um einen Streit schlichten zu können, in der Verständigung untereinander. Wird falsch kommuniziert, führt schnell eins zum anderen und anstatt eine Auseinandersetzung beizulegen, wird diese nur schlimmer.

Aus der gewaltfreien Kommunikation hat Lorenz vier Schritte abgeleitet, die dabei helfen, einen Streit zu schlichten:

  1. Streit schlichten: Auslöser beobachten

    Beim Schritt der Beobachtung wird Abstand von der auslösenden Situation gesucht und diese wird aus einer wertfreien Perspektive betrachtet. Nützlich ist es, sich vorzustellen, die Situation wie eine Kamera zu sehen: Was ist konkret passiert oder nicht passiert? ("Vorhin bin ich im Flur an dir vorbei gegangen und habe Hallo gesagt, von dir kam kein Hallo zurück.")

    Dadurch wird es möglich, bewertende Interpretationen, die zu negativen Gefühlen führen, von der wertfreien Betrachtung zu trennen. Bei regelmäßiger Anwendung fallen die verurteilenden Gedanken schneller auf und es entsteht ein Bewusstsein für die Verbindung von diesen Gedanken und den daraus folgenden negativen Gefühlen.

    Mit Hilfe dieser Kommunikationsform können Situationen mit Abstand betrachtet und Beobachtung von Interpretationen getrennt werden.


  2. Streit schlichten: Gefühle analysieren

    Im zweiten Schritt geht es darum, zu analysieren, was in der entsprechenden Situation gefühlt wird. Wichtig ist zu verstehen, dass dieses Gefühl lediglich von der Situation ausgelöst und nicht verursacht wurde. Ursache für die Gefühle sind die erfüllten oder nicht erfüllten Bedürfnisse, auf die im nächsten Schritt eingegangen wird. Durch die gewaltfreie Kommunikation wird die Verantwortung für die eigenen Gefühle übernommen. Somit erhält man die Macht über die eigene Gefühlswelt zurück.

    Fühle ich mich wohl, liegt es daran, dass meine Bedürfnisse erfüllt sind. Bei Unwohlsein liegen unerfüllte Bedürfnisse vor. Nun besteht die Möglichkeit dies zu ignorieren oder dagegen vorzugehen. Letzteres kann ich mit dieser Methode.

    Wir differenzieren echte Gefühle und solche, die eher Interpretationen darstellen (übergangen, mißverstanden etc.). Grund hierfür ist, dass der Gesprächspartner sich bei letzterem eher in die Ecke gedrängt fühlt, da man ihm etwas unterstellt. Dies passiert nicht, wenn echte Gefühle genannt werden. Die sieben Basisemotionen von Paul Ekman (amerikanischer Anthropologe und Psychologe) geben hier Hilfestellung bei der Analyse: Überraschung, Ekel, Freude, Ärger, Trauer, Angst, Verachtung.

    Im Businesskontext ist es einfacher, von Überraschung oder auch Irritation zu sprechen als zuzugeben, dass man Angst hat oder sich vielleicht hilflos fühlt. Oft ist es so, dass Menschen sich nicht trauen, ihre Gefühle preiszugeben, besonders, wenn sie den Eidnruck haben, das könnte ausgenutzt werden. Bei der authentischen Nutzung der gewaltfreien Kommunikation wird das Gegenüber dadurch jedoch eher erreicht, als wenn Drohungen oder Warnungen ausgesprochen werden. Wie bereits erwähnt, führt dies nicht dazu, dass ein Streit geschlichtet wird, sondern feuert ihn noch weiter an.

    Das Beispiel: "Vorhin bin ich im Flur an dir vorbei gegangen und habe Hallo gesagt, von dir kam kein Hallo zurück. "Ich bin überrascht,..."


  3. Streit schlichten: Bedürfnisse erkennen

    Weiterhin werden die eigenen nicht erfüllten Bedürfnisse der Situation analysiert. Diese gilt es zu erfüllen, damit positive Gefühle wieder möglich sind. Die Grundannahme besteht darin, dass unsere Bedürfnisse unsere Gefühle auslösen. Sind sie erfüllt, geht es uns gut. Sind unsere Bedürfnisse nicht erfüllt, fühlen wir uns unwohl. Um letzteren Zustand zu ändern, ist es elementar, die nicht erfüllten Bedürfnisse zu erkennen und Abhilfe zu schaffen (dies erfolgt durch den vierten Schritt "Bitte"). Im obrigen Beispiel hieße es "weil mir der Kontakt wichtig ist."

    Bei der Formulierung ist darauf zu achten, dass dieses Gefühl vorhanden ist, "weil mir der Kontakt wichtig" ist und nicht, "weil du mich nicht gegrüßt hast."

    Somit kann gefolgert werden, dass unsere Bedürfnisse unsere Taten lenken. Für die eigenen Bedürfnisse sind wir selbst verantwortlich. Um sie zu erfüllen, gibt es verschiedene Wege: wir können sie uns selbst erfüllen oder andere fragen. Auch verschiedene Strategien stehen dabei zur Verfügung. Eine weitere Erkenntnis ist, dass Menschen nicht für die Erfüllung der Bedürfnisse anderer zuständig sind.

    Hierbei geht es nicht um puren Egoismus, lediglich darum, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und zu sehen, dass die eigene Kraft davon abhängt, wie wir mit uns und unseren Bedürfnissen umgehen. Anders ausgedrückt: Die Bedürfnisse werden als Motivator für Handlungen erkannt.


  4. Streit schlichten: Änderung erbitten

    Bei dieser Analyse bleibt es nicht. Durch den letzten Schritt, die Bitte, ändert sich etwas an der Situation und eine Handlungsorientierung erfolgt. ("Kannst Du mir bitte sagen, ob Du mich gesehen hast?")

    Somit deckt die gewaltfreie Kommunikation beide Ebenen der Kommunikation ab, die Sachebene (durch die Beobachtung und Bitte) und die Beziehungsebene (durch Gefühl und Bedürfnis).

    Desweiteren geht es der gewaltfreien Kommunikation darum, dass wir erkennen, dass Menschen gern helfen und sich gegenseitig unterstützen. Bekommen Personen die Möglichkeit, freiwillig zu helfen, tun sie dies gern. Sobald jedoch Druck aufkommt, verschließen sie sich und helfen weniger gern.

    Folglich ist es wichtig, dass Bitten mit der richtigen Haltung ausgesprochen werden. Als Bitte und nicht als Forderung, so dass der Gegenüber die Möglichkeit hat, dieser Bitte nicht nachzukommen. Diese Bitte kann an sich selbst gerichtet sein, an den Betroffenen, mit dem die Situation besteht oder an jemand anderes. Dabei kann die Bitte ganz einfach sein. Beispielsweise Kannst du mir bitte sagen, ob du bereit bist, mit mir über dieses Thema zu reden? Oder auch Kannst Du mir erklären, woran es lag?

[Bildnachweis: Vitali Michkou by Shutterstock.com]

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