Feinde: Kontrahenten im Job

Feinde sollen um jeden Preis vermieden werden. So lässt sich die Einstellung der meisten Menschen kurz, knapp und präzise zusammenfassen. Zu groß ist der Wunsch nach Sympathie, Eintracht und Zugehörigkeit. Schon der Gedanke, sich Feinde zu machen, von jemandem nicht gemocht oder sogar gehasst und verachtet zu werden, löst bei vielen Unbehagen aus. Diese Denkweise ist weit verbreitet und stößt auf entsprechend viel Zustimmung, doch ist sie deshalb nicht automatisch richtig und erstrebenswert. Wer Angst davor hat, sich den ein oder anderen Feind zu machen, bezahlt dafür immer wieder einen Preis und schafft es nicht, authentisch zu bleiben. Tatsächlich sind Feinde im Job sogar wichtig, haben einige Vorteile und können ein gutes Zeichen sein…

Feinde: Kontrahenten im Job

Feinde: Ein Zeichen von Charakter

Gibt es so etwas wie Feinde heutzutage überhaupt noch? Das klingt irgendwie altmodisch und übermäßig dramatisch. Nach Säbelrasseln, Kampfgeschrei und offen ausgetragenen Gefechten. So zumindest ist es in Film und Fernsehen, wenn von Feinden die Rede ist. Doch auch im täglichen Berufsleben gibt es Feinde, die vielleicht nicht hollywoodreif sind, aber dennoch eindeutig als solcher betrachtet werden kann.

Ein Feind im Job ist etwa der Kollege, der sich grundsätzlich gegen jede Ihrer Ideen ausspricht und stattdessen versucht, die eigenen Vorschläge durchzusetzen und Sie auszustechen. Oder der unliebsame Büronachbar, mit dem Sie einfach nicht zurecht kommen, weil Ihre Meinungen und Arbeitsweisen meilenweit auseinander liegen. In manchen Fällen ist sogar der Chef ein Feind im Büro, wenn er Ihrem beruflichen Erfolg im Weg steht, Verbesserungen abblockt oder durch schlechte Führungsarbeit zu Demotivation und negativem Betriebsklima beiträgt.

Die gute Nachricht ist jedoch: Wenn Sie Feinde haben, spricht das für Ihren Charakter. Starke Persönlichkeiten machen sich zwangsläufig Feinde, weil Sie einen eigenen Standpunkt haben, den sie auch vertreten, weil sie sich nicht verbiegen, nur um anderen zu gefallen und weil sie sich nicht einschüchtern lassen, sondern anderen die Stirn bieten.

Wer immer klein beigibt, sich wie ein Fähnchen im Wind verhält und es nicht schafft, authentisch und er selbst zu bleiben, hat zwar keine Feinde – muss sich aber auch regelmäßig selbst belügen, eigene Werte oder Ansichten verraten und wider der eigenen Persönlichkeit handeln.

Feinde zu haben bedeutet also noch lange nicht, dass Sie ein Unsympath sind – auch wenn es natürlich Menschen gibt, die vor allem deshalb viele Feinde haben. Daher ist es falsch, sich keine Feinde machen zu wollen. Tatsächlich gibt es sogar einige gute Gründe, warum Sie im Job ein paar Feinde haben sollten.

Gute Gründe, warum Sie sich Feinde machen sollten

  • Feinde sorgen für Entwicklung

    Wer sich mit Feinden umgibt, wird zwangsläufig daran wachsen. Wenn Sie beispielsweise wissen, dass ein Kollege nur darauf wartet, Ihre Präsentation zu zerreißen, werden Sie umso sorgfältiger daran arbeiten, um erst gar keine Angriffsfläche zu bieten und am Ende erfolgreich zu sein. So verhält es sich in allen Bereichen – je durch Ihre Feinde im Job werden Sie wachsen und zur Höchstform auflaufen, da nichts schöner ist, als zu sehen, wie ein Feind sich eingestehen muss, dass er Ihnen nichts anhaben kann.

  • Ihr Durchsetzungsvermögen steigt

    Ja-Sager machen Ihnen das Leben zwar leichter, doch Feinde schulen Ihr Durchsetzungsvermögen. Wenn Sie immer den leichtesten Weg gehen, wird es Ihnen irgendwann schon bei kleinen Hürden schwer fallen, weiterzumachen und durchzuhalten. Durch Ihre Feinde lernen Sie jedoch, selbst mit großen Herausforderungen umzugehen, sich nicht einschüchtern zu lassen und diese souverän zu meistern.

  • Feinde sagen die Wahrheit

    Freunde und Kollegen, mit denen Sie sich gut verstehen, sind wichtig für die Motivation und gute Stimmung im Job. Doch fällt es diesen manchmal schwer, bei der Wahrheit zu bleiben, weil Sie nett sein und Ihnen nicht sagen wollen, dass Sie ordentlich gepatzt haben. Ein Feind wird Ihnen einen solchen Fehler hingegen genüsslich vorhalten. Das sollte Ihnen nicht zu schaffen machen. Erkennen Sie die Chance, dieses ehrliche Feedback richtig zu nutzen und für die Zukunft daraus zu lernen.

So leicht werden Sie zum Feind im Job

Größere Konflikte und Auseinandersetzungen führen schnell zu einer Feindschaft im Job. Vielleicht geraten Sie mit einem Kollegen aneinander, mit dem Sie sich ohnehin nie wirklich gut verstanden haben und nach einem hitzigen Wortgefecht gibt es in Zukunft kaum noch etwas zu sagen. Man geht sich aus dem Weg, manchmal wird auch versucht, dem anderen das Leben ein bisschen schwerer zu machen und kleine Nadelstiche zu setzen – das ist nicht sonderlich professionell, aber wo die Emotionen hochkochen, wird rationales Entscheiden schnell zur Nebensache.

Manchmal geht es aber auch viel schneller und noch bevor Sie es überhaupt mitbekommen, werden Sie von einem Kollegen als Feind betrachtet. Ganz ohne großen Streit. Es kann schon ausreichen, dass Sie sich im Meeting zu Wort melden, etwas sagen und sich ein anderer Mitarbeiter davon angegriffen fühlt. Ob das Ihre Absicht war, spielt dabei keine Rolle.

Häufig spielt auch Neid eine große Rolle, wenn Feindschaften im Job entstehen. Vielleicht ist Ihr Gehalt ein wenig höher, Sie erhalten eine Beförderung, von der ein Kollege überzeugt war, dass sie ihm zusteht oder Sie tragen bei einem Projekt mehr Verantwortung und können wichtigere Entscheidungen treffen. Je größer die wahrgenommene Konkurrenz, desto schneller werden Sie als ein Feind am Arbeitsplatz betrachtet.

Auch hier gilt jedoch: Wenn Sie merken, dass jemand auf Sie nicht gut zu sprechen ist, muss Sie das nicht gleich beunruhigen. Denken Sie immer daran, dass Sie es nicht jedem recht machen können. Irgendjemand wird immer etwas finden, das ihn stört. Und wenn Sie sich nichts zuschulden haben kommen lassen, brauchen Sie sich keine Vorwürfe oder Zweifel machen.

Am besten wirkt in einem solchen Fall eine offene Aussprache. Suchen Sie das Gespräch unter vier Augen, versuchen Sie herauszufinden, was die negativen Gefühle beim Gegenüber ausgelöst hat und zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Vielleicht wurde etwas falsch aufgefasst und missverstanden, was sich schnell und einfach aus der Welt schaffen lässt.

Ist das Problem größer oder liegt darin begründet, dass der Kollege mit Ihnen persönlich ein Problem hat, müssen Sie sich die Frage stellen: Kann und will ich daran etwas ändern? Wollen Sie sich verbiegen und von nun an anders verhalten, weil jemand Ihre Art nicht mag? In der Regel sollte die Antwort auf diese Frage Nein lauten.

Ein Feind am Arbeitsplatz ist allemal besser, als in dem Versuch, jedem zu gefallen, den eigenen Charakter zu verleugnen.

[Bildnachweis: Anetlanda kes by Shutterstock.com]
8. Dezember 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!