Konfliktfähigkeit: Richtiger Umgang mit Konflikten

Wenn Streit in der Luft liegt, treten die meisten Menschen den Rückzug an. Mit Konflikten und Auseinandersetzungen können nur wenige umgehen, der Rest versucht alles, um jedem Knatsch und Zank aus dem Weg zu gehen. Mit Konfliktfähigkeit hat das nur sehr wenig zu tun. Dabei ist es so wichtig, auf drohende und akute Streitereien richtig zu reagieren. Schon deshalb, weil es regelmäßig zu Konflikten kommt – sowohl im privaten Bereich, aber ganz besonders auch im Berufsleben. Kollegen geraten aneinander, eine Meinungsverschiedenheit mit dem Chef muss geklärt werden oder Kunden sind unzufrieden und es muss eine Lösung für die Situation gefunden werden. Eine reine Vermeidungsstrategie bringt herzlich wenig, doch Konfliktfähigkeit lässt sich zum Glück lernen und verbessern…

Konfliktfähigkeit: Richtiger Umgang mit Konflikten

Die zwei Seiten der Konfliktfähigkeit

Konfliktfähigkeit Definition Beispiel Synonym Üben Trainieren lernen PsychologieUnter einer ausgeprägten Konfliktfähigkeit wird oft das Können verstanden, einen Streit konstruktiv zu führen, dabei nicht persönlich zu werden und am Ende den Konflikt wirklich aus der Welt zu schaffen – ohne nachtragend zu sein oder sich nur scheinbar geeignet zu haben, weil die Streitigkeit auf die Nerven geht und Sie Ihre Ruhe haben wollten. Damit ist eine wichtige Kernkompetenz der Konfliktfähigkeit gemeint, doch umfasst diese noch eine weitere Seite, die nicht unter den Tisch fallen sollte.

Im besten Fall beginnt Konfliktfähigkeit, bevor die Lösung des Streits überhaupt notwendig werden könnte. Soll heißen: Es geht darum, ein gutes Gespür für aufkommende Konflikte zu haben und diese schon im Keim zu ersticken und zu entschärfen, bevor der große Knall in Form einer lautstarken, emotionalen oder einfach sehr unangenehmen Auseinandersetzung kommen kann.

Dies sollte nicht mit dem oben beschriebenen Weglaufen vor Konflikten verwechselt oder gleichgesetzt werden. Dabei wird regelrecht die Flucht ergriffen, um nicht mit der Situation und der Atmosphäre eines Streits in Kontakt zu kommen. Konfliktfähigkeit zeigt sich hingegen durch die bewusste und gezielte Erkenntnis, dass ein Konflikt anstehen könnte – und entsprechend proaktivem Handeln.

Wann wird Konfliktfähigkeit benötigt?

Konflikte können immer und überall entstehen. Manchmal zeichnet es sich über einen langen Zeitraum ab, Ärger staut sich auf und wenn nichts dagegen unternommen wird, bricht er irgendwann heraus. In anderen Fällen entsteht ein Streit urplötzlich, bis vor wenigen Minuten war alles in bester Ordnung und auf einmal herrscht dicke Luft und angespannte Stimmung.

Vor dem Unmut stehen dabei unterschiedliche Ansichten und Meinungen, gegensätzliche Prioritäten, Wünsche und Ziele oder auch Missverständnisse, die durch fehlerhafte Kommunikation entstehen können. Je verschiedener Menschen sind, desto leichter kann es deshalb zu Konflikten kommen und umso wichtiger wird eine gute Konfliktfähigkeit, um das Potenzial für Auseinandersetzungen zu verringern und vorhandene Streitereien bestmöglich zu lösen.

Genau deshalb ist Konfliktfähigkeit gerade im Beruf eine gefragte Kompetenz. Natürlich gibt es auch im Privatleben regelmäßig Streit und Ärger, doch hier können Sie mehr Einfluss darauf nehmen, mit wem Sie sich umgeben. Freunde und Familie ticken eher wie Sie, wodurch gegensätzliche Meinungen seltener vorkommen.

Im Job werden Sie hingegen mit einer Vielzahl von Kollegen zusammengewürfelt, wobei die unterschiedlichsten Persönlichkeiten auf engem Raum und über lange Zeit zusammenarbeiten müssen. Darunter sind gute Kollegen, mit denen Sie sich verstehen und mit denen die Arbeit Spaß macht, aber mit großer Wahrscheinlichkeit auch mindestens ein anderer Mitarbeiter, der Ihre Ansichten nicht teilt und mit dessen Arbeitsweise Sie nicht gut zurecht kommen.

Gute Gründe für eine bessere Konfliktfähigkeit

Konfliktfähigkeit Beispiel Definition Psychologie lernen Synonym Test Ursachen Trainieren ÜbenEs ist nicht unbedingt schön oder angenehm, doch Konflikte gehören zu zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie können noch so sehr um Harmonie bemüht sein, es wird Ihnen nicht gelingen, vor jedem Streit davonzulaufen. Dies gilt für solche Auseinandersetzungen, die Sie selbst beinhalten und auch solche, die in Ihrem Umfeld stattfinden.

Schon deshalb ist Konfliktfähigkeit eine fast unverzichtbare Kompetenz, um mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen. Darüberhinaus gibt es noch weitere gute Gründe, an der eigenen Konfliktfähigkeit zu arbeiten:

  • Sie vertreten Ihre Meinung

    Wer nicht konfliktfähig ist und sich stattdessen zurückzieht, hat auch keinen Einfluss darauf, wie eine Diskussion endet. So müssen Sie sich damit abfinden, was andere entscheiden – ob Sie dem zustimmen oder nicht. Durch bessere Konfliktfähigkeit können Sie lernen, konstruktiv für Ihre Meinung einzustehen und diese auch zu verteidigen und durchzusetzen.

  • Sie verbessern die Atmosphäre

    Ohne die nötige Konfliktfähigkeit können Streitigkeiten das Zusammenleben oder Zusammenarbeiten nachhaltig negativ beeinflussen. Es wird zwar nicht jeden Tag offen gestritten, doch die Laune leidet trotzdem und der Konflikt kann über Wochen und Monate schwelen und zu jeder Zeit wieder ausbrechen.

  • Sie setzen Grenzen

    Konfliktfähigkeit ist wichtig, um Grenzen zu setzen und dafür zu sorgen, dass andere diese respektieren und einhalten. Es mag leicht klingen, doch es erfordert bereits Konfliktfähigkeit, mit Bestimmtheit Nein zu sagen und zu dieser Aussage zu stehen.

Konfliktfähigkeit lernen: So klappt es

Würden Sie sich selbst als konfliktfähig bezeichnen? Oder zählen Sie doch eher zur zweiten Gruppe, die mit Konflikten nicht umgehen kann? Falls ja, ist es noch kein Weltuntergang, denn wie andere Fähigkeiten lässt sich auch die Konfliktfähigkeit lernen und verbessern.

Wir haben einige Tipps und Vorschläge, mit denen Sie sich im nächsten Konflikt richtig verhalten:

  • Akzeptieren Sie Konflikte

    Ob Sie es nun gut finden oder nicht: Konflikte kommen vor und müssen gelöst werden. Wegschauen, ignorieren und hoffen, dass es vorbei geht, wird Ihnen nicht viel bringen. Wenn Sie erkennen, dass es ohne Konflikte nicht geht, können Sie sich im nächsten Schritt darum kümmern, sich auf die richtigen Reaktionen zu konzentrieren, statt sich nur drücken zu wollen.

    Wichtig ist dabei auch die Erkenntnis, dass ein Konflikt kein nachhaltiges Problem darstellen muss. Konfliktscheue Menschen haben oftmals Angst, Beziehungen endgültig zu ruinieren, wenn es zum Streit kommt. Einen Konflikt konstruktiv zu führen, zielt jedoch auf das genaue Gegenteil ab.


  • Hinterfragen Sie die Situation

    Für eine bessere Konfliktfähigkeit sollten Sie die aktuelle Lage reflektieren und die wichtigsten Punkte hinterfragen. Worum geht es in dem Konflikt genau? Steht vielleicht etwas ganz anderes dahinter? Warum wird gestritten und wie kam es zu diesem Auslöser?

    So können Sie die Situation besser einschätzen und auch gezielter darauf reagieren. Wenn Sie beispielsweise verstehen, was hinter dem aktuellen Konflikt steht, können Sie darauf eingehen und das Problem an der Wurzel packen.


  • Erkennen Sie den Nutzen des Konflikts an

    Streiten macht – zumindest den meisten Menschen – keinen Spaß. Wir sind bestrebt nach einem harmonischen Miteinander und wollen, dass die Auseinandersetzung so schnell es geht wieder vorbei ist. Doch um Konfliktfähigkeit zu lernen, sollten Sie sich auf die Vorteile und Nutzen eines Konflikts konzentrieren.

    Missverständnisse können aus der Welt geschafft werden, nötige Veränderungen werden angeregt und nur wenn unterschiedliche Meinungen aufeinander treffen, kann die wirklich beste Option gefunden und ausgewählt werden. Der Weg dahin ist nicht immer leicht und angenehm, doch Konflikte lohnen sich sehr oft.


  • Bleiben Sie freundlich

    Ein scheinbar trivialer Tipp, der in der Praxis aber für viele nur sehr schwer umzusetzen ist. Konfliktfähigkeit bedeutet den konstruktiven Umgang mit Streit – und wenn Sie sich aufregen oder den anderen vielleicht sogar beleidigen, können Sie sicher sein, dass die Situation nicht gelöst, sondern verschärft wird.

    Freundliches Verhalten und Sachlichkeit in einem Konflikt erfordern Selbstbeherrschung, doch wenn es Ihnen gelingt, werden Ihre Konflikte ganz anders ablaufen als bisher.


  • Versetzen Sie sich in die Lage Ihres Gegenübers

    Das ist doch absoluter Unsinn… In Auseinandersetzungen ist jeder davon überzeugt, dass seine Meinung die einzig wahre ist und der andere vollkommen daneben liegt. Zur Konfliktfähigkeit trägt eine solche Einstellung nicht bei.

    Versuchen Sie, den Standpunkt Ihres Gegenübers nachzuvollziehen und seine Sicht der Dinge zu verstehen. Das kann oftmals bereits helfen, einen Konflikt abzuschwächen und vielleicht sogar komplett zu beenden.


  • Arbeiten Sie an Ihrem Selbstbewusstsein

    Selbstbewusstsein ist eine wichtige Voraussetzung für Konfliktfähigkeit. Sie müssen bereit sein, für sich einzustehen und mit der angespannten Atmosphäre umzugehen, ohne einzuknicken oder in Selbstzweifel zu verfallen.

    Fehlt es Ihnen an Selbstbewusstsein, sind Sie zu sehr von der Zustimmung anderer abhängig und trauen sich daher nicht, einen Konflikt zu führen. Aus Angst vor Ablehnung halten Sie sich zurück und geben jedem recht.

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]
27. Februar 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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