Gruppendiskussion Assessment Definition Gruppendiskussion Assessment Beispiele
Der Bewerbungsprozess gestaltet sich mitunter recht aufwendig. Hat man eine Einladung zur Teilnahme an einem Assessment Center, dann ist man zumindest bereits einen Schritt weiter. Jetzt gilt es zu überzeugen - zu den verschiedenen Übungen gehört häufig auch die Gruppendiskussion. Die Gruppendiskussion im Assessment Center gibt den Beobachtern die Möglichkeit, die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten der einzelnen Teilnehmer zu beobachten und einzuschätzen. Wie Sie den Test bestehen, lesen Sie hier.

Definition einer Gruppendiskussion im Assessment Center

Gruppendiskussion AssessmentEigentlich kommt die Gruppendiskussion aus der empirischen Sozialforschung. Sie bezeichnet dort eine Methode, anhand derer man Aussagen zu einem Thema beziehungsweise die Kommunikation innerhalb einer Gruppe erfassen kann.

Kurt Lewin, von dem auch eine Klassifikation verschiedener Führungsstile stammt, setzte sich bereits in den dreißiger Jahren mit Gruppendiskussionen auseinander. In sozialpsychologischen Untersuchungen setzte er Gruppendiskussionen ein, um das Verhalten einzelner Teilnehmer zu beeinflussen.

Nach Siegfried Lamnek ist eine Gruppendiskussion...

ein Gespräch mehrerer Teilnehmer zu einem Thema, das der Diskussionsleiter benennt, und dient dazu, Informationen zu sammeln.

Eine Gruppendiskussion im Assessement Center (AC) ist so gesehen eine spezifische Form des Gruppeninterviews, da es eng mit der Methode der Befragung verwandt ist. Ein Assessment bedeutet, es wird eine Einschätzung, eine Bewertung vorgenommen und dies passiert anhand der Gruppendiskussion.

Gruppendiskussion im AC: Ablauf

Eine Gruppendiskussion als Teil des AC dauert zwischen 15 und 45 Minuten und besteht aus vier bis acht Teilnehmern, die zusammen an einem Tisch sitzen. Während eine Diskussion zu einem vorgegebenen Thema herbeigeführt wird, werden die Teilnehmer, die um den Job konkurrieren, in ihrem Verhalten beobachtet.

Ziel einer Gruppendiskussion ist es, die Teilnehmer in einer Ausnahmesituation zu beobachten. So lässt sich besser einschätzen, wie Sie unter Zeitdruck und Stress reagieren.

Die Kandidaten haben für gewöhnlich zwischen 15 und 30 Minuten Zeit, sich auf das Thema vorzubereiten. Um jedem Kandidaten gleiche Chancen einzuräumen, gibt es Beobachter, die für einen oder maximal zwei Bewerber zuständig sind. So wird sichergestellt, dass nicht nur das Verhalten von sehr dominant auftretenden Bewerbern registriert wird, sondern auch, wie die Teilnehmer insgesamt miteinander interagieren.

Beispiele für eine Gruppendiskussion im Assessment Center können sein:

  • Erörtern Sie die Vor- und Nachteile von erneuerbaren Energien im Vergleich zur Atomenergie.
  • Sollte in Grundschulen eine Männerquote eingeführt werden?
  • Wie gefährlich sind Videospiele?

Der Ablauf gestaltet sich dann häufig so, dass die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt werden und eine Seite die Pro-Argumente, die andere die Contra-Argumente aufführt.

Bei der Themenwahl kann es passieren, dass Sie aufgefordert werden einen Standpunkt zu vertreten, der nicht unbedingt Ihrer persönlichen Meinung entspricht. Hier ist Flexibilität und eine gute Strategie gefragt. Beispielsweise können Sie punkten, wenn Sie sich zuvor Definitionen für bestimmte Kriterien zurechtlegen, beispielsweise für Kreativität:

Die Fähigkeit, phantasievoll und gestaltend zu denken und zu handeln. Sie können Ihre Argumentation in der Vorbereitungszeit wesentlich stringenter aufbauen, wenn Sie auf bestimmte Kriterien aus Ihrer Definition zurückgreifen können. Je eher Ihre Ausführungen auf objektiv nachvollziehbaren Kriterien beruhen, desto eher werden Teilnehmer aus der Gruppendiskussion im Assessment Ihnen zustimmen.

Es kann zwei Arten von Gruppendiskussionen geben:

  • Die kooperativ-orientierte Gruppendiskussion

    Die Teilnehmer müssen als Gruppe zu einer Lösung kommen, indem sich alle auf das weitere Vorgehen einigen.

  • Die konflikt-orientierte Gruppendiskussion

    Hier muss sich ein Teilnehmer den anderen gegenüber mit seinem Standpunkt durchsetzen.

Bei der Gruppendiskussion im Assessment Center kommt es nicht so sehr auf Fachwissen an. Vielmehr sind soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kompetenz beim Lösen von Problemen und Empathie gefragt. Wer einfach nach vorne prescht und seine Ellenbogen einsetzt, wird den potentiellen Arbeitgeber kaum überzeugen.

Weiterhin nachteilig wirkt sich folgendes Verhalten aus:

  • Die Arme verschränken.
  • Sich auf die eigenen Argumente festbeißen.
  • Andere nicht ausreden lassen.
  • Auf etwas ironisch reagieren.
  • Anderen die eigene Meinung aufzwingen.
  • Selbst nichts zur Gruppendiskussion beitragen.

So punkten Sie bei der Gruppendiskussion

Gruppendiskussion TippsEin Fehler, den gerade Berufsanfänger machen, ist nach vorne zu preschen. Manche Bewerber denken, es käme lediglich auf möglichst dominantes Verhalten an, um Führungsqualitäten zu beweisen. Dabei wird mangelnder Respekt leider mit Durchsetzungsvermögen verwechselt.

Dennoch kommt es vor, dass genau so ein Verhalten empfohlen wird - nach dem Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Auch gibt es Ratgeber, die empfehlen, sich als Zeitnehmer hervorzutun, falls man schon nicht als Erster das Wort ergreifen konnte.

Als Zeitnehmer erinnert man die anderen Teilnehmer mahnend daran, wieviel Zeit für bestimmte Problemlösungen noch übrig ist. Beide Rollen sind nicht besonders vorteilhaft. Die desjenigen, der zuerst spricht nicht, weil es zu einem heillosen Chaos führt, wenn jeder diesen Tipp beherzigen würde.

Die Rolle des Zeitnehmers ist darüber hinaus ziemlich nichtssagend und lässt vermuten, dass Sie inhaltlich beziehungsweise strategisch wenig beizutragen haben.

Besser ist es, wenn Sie zu Beginn abwarten: Tun Sie sich durch aktives Zuhören hervor. Sie haben währenddessen die Zeit, Ihre Argumente inhaltlich zu sortieren und können dann in Ruhe auf einzelne Punkte eingehen.

Sie tun sich hier hervor, wenn Sie dabei abwägen: Es geht nicht darum, einfach zu widersprechen, auch Zustimmung zu signalisieren kann vorteilhaft sein. Aber wie Sie sich auch entscheiden, am besten ist es, wenn Sie Ihre Meinung begründet darlegen können.

Auch können Sie Präsenz in der Diskussion dadurch zeigen, dass Sie Gesprächsinhalte anderer Teilnehmer zusammenfassen und Ergebnisse formulieren.

Sollte andererseits niemand das Wort ergreifen wollen, können Sie durchaus als Erster reden: Denn eine schweigende Gruppe erscheint natürlich nicht besonders positiv.

Positiv fallen Sie hingegen durch dieses Verhalten auf:

  • Eine positive Körpersprache signalisieren.
  • Gute Ideen anderer wertschätzen.
  • Stillere Teilnehmer miteinbeziehen.
  • Gemeinsamkeiten festhalten.
  • Kompromissbereitschaft zeigen.
  • Konflikte umgehen oder auflösen.
  • Ruhig und sachlich diskutieren.

Gruppendiskussion im Assessment: Worauf Personaler achten

Neben Äußerlichkeiten wie einer angemessenen Kleidung kommt es vor allem auf Ihr Verhalten an. Von Bedeutung bei der Gruppendiskussion ist, dass Sie sich von Anfang an aktiv einbringen. Die Personaler machen sich ein Bild der Teilnehmer und versuchen Sie entsprechend einzuordnen:

  • Wer moderiert die Gruppendiskussion?
  • Wer löst festgefahrene Diskussionen wieder auf?
  • Wer bindet zurückhaltendere Teilnehmer mit ein?
  • Wer verhält sich kooperativ und kompromissbereit?
  • Wer kann andere von seinen Standpunkten überzeugen?

Wie das jeweilige Verhalten von den Personalern bewertet wird, hängt unter anderem davon ab, welche Anforderungen die zu vergebene Stelle mit sich bringt. Wichtiger als Ihre Argumente ist jedoch, wie Sie auf die Argumente der anderen eingehen. Eine klare Ausdrucksweise und freundliches Auftreten werden sich positiv für Sie auszahlen.

[Bildnachweis: Africa Studio by Shutterstock.com]

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