Auswahltag: Tipps für das neue Assessment Center

Examen geschafft, Bewerbung geschrieben, dann das Vorstellungsgespräch und es kann losgehen: Ganz so einfach gestaltet sich der Eintritt ins Berufsleben dann leider doch nicht. Häufig gibt es auf dem Weg zum Traumjob noch eine Hürde zu überwinden – den Auswahltag. Was ist das und wie läuft so etwas ab? Damit Sie nicht völlig unvorbereitet in diesen Auswahltag gehen und auch den letzten Schritt auf Ihrem Karrierepfad meistern, haben wir hier einige Tipps für Sie zusammengetragen.

Auswahltag: Tipps für das neue Assessment Center

Auswahltag Bedeutung: Was ist das?

Die letzten Jahre ist es still geworden um das Assessment Center, und so könnten Berufseinsteiger vermuten, dass es dieses Auswahlverfahren nicht mehr gibt. Das Kind hat stattdessen einen neuen Namen: Nicht mehr vom Assesssment Center, sondern vom Auswahltag ist nun die Rede.

Das heißt aber nicht, dass hiermit alles ganz anders abliefe, im Gegenteil. Auswahltag ist nur einer von diversen Begriffen, außerdem finden Sie ebenso in den Stellenangeboten:

  • Assessment Center
  • Bewerber-Workshop
  • Meet and Greet

Wobei gerade die letztere Bezeichnung für Auswahltag recht amüsant ist und das Selbstverständnis des jeweiligen Unternehmens widerspiegelt – stammt doch „Meet and Greet“ ursprünglich aus der Welt der Stars und Sternchen und meint arrangierte Treffen mit Fans.

Selbst wenn Sie irgendwo den Begriff Management Audit lesen, ist dies letztlich nichts anderes als ein Auswahltag, allerdings geht es hier darum, Führungskräfte zu rekrutieren. Übernommen wird dieses Auswahlverfahren meistens von externen Beratungsfirmen.

Wie auch immer dieses Auswahlverfahren genannt wird: Es handelt sich um eine Prüfungssituation, bei der Bewerber anhand von verschiedenen Aufgaben getestet und beim Absolvieren der Aufgaben beobachtet werden. Ziel ist es, den geeigneten Kandidaten für die zu besetzende Stelle zu finden.

Wofür braucht es einen Auswahltag?

So ein Auswahltag kommt vor allem bei solchen Stellen zum Einsatz, die mit Hochschulabsolventen zu besetzen sind. Dass Unternehmen zu einem im Vergleich zu einem normalen Vorstellungsgespräch so aufwendigen Prozedere greifen, hat einen einfachen Grund.

Besetzt werden Stellen in Traineeprogrammen oder Führungspositionen, in jedem Fall Stellen, die mit einem entsprechenden Gehalt verknüpft sind.

Unternehmen können es sich in Zeiten des Fachkräftemangels schlicht nicht mehr erlauben, den falschen Kandidaten zu nehmen. Die Einarbeitung neuer Mitarbeiter ist ohnehin kein unwesentlicher Kostenfaktor für viele Unternehmen.

Stellt sich dann noch heraus, dass ein Bewerber auch nach der Probezeit eher ungeeignet ist, fängt die Suche nach einem geeigneten Kandidaten von vorne an. Bis dahin hat das Unternehmen bereits viel Geld fehlinvestiert.

Es sind vor allem größere, namhafte Unternehmen, die so die Bewerberauswahl treffen. Darunter Banken, Beraterfirmen, aber auch Unternehmen aus dem Einzelhandel oder dem Luftverkehr. Zum Beispiel veranstalten einen Auswahltag:

  • Commerzbank
  • Detecon
  • Deutsche Bahn
  • Deutsche Bank
  • Kaufland
  • Lidl
  • Lufthansa
  • McKinsey

Auswahltag Ablauf: Mix aus verschiedenen Prüfungen

Ein Charakteristikum von Auswahltagen ist, dass Situationen aus dem Berufsalltag simuliert werden. Das ermöglicht den Personalern, die Bewerber zu beobachten und festzustellen, wie sie sich in Stresssituationen verhalten: Behält der Kandidat die Ruhe? Wie geht er mit Kunden um? Bleibt er handlungsfähig?

Wichtig sind hierbei also nicht nur die fachlichen Fähigkeiten, sondern die soziale Kompetenz.

Meist ist der Auswahltag eine Mischung aus folgenden Übungen:

  • Selbstpräsentation

    Hier will der Arbeitgeber etwas über den Kandidaten erfahren. Warum sind Sie besonders geeignet für das Unternehmen? Dafür sollten Sie im Vorfeld Ihre Stärken und Schwächen reflektiert haben. So können Sie passend zu den Anforderungen argumentieren.

    Erklären Sie, worin Ihre persönliche Motivation liegt und inwieweit diese dem Unternehmen von Nutzen sein wird. Wie beim Lebenslauf sollten Sie für Ihre Ausführungen alles Nebensächliche weglassen und sich auf die Punkte konzentrieren, die im Zusammenhang mit der Stelle von Bedeutung sind.

    Planen Sie nicht zu viel Zeit für Ihre Ausführungen ein – die Selbstpräsentation kann zwischen drei und zehn Minuten dauern. Am besten, Sie haben eine Kurz- und eine Langversion vorbereitet. In die Langversion sollten Sie nach Möglichkeit Medien zur Unterstützung Ihrer Erläuterungen einbauen – das gestaltet nicht nur kurzweiliger, sondern zeigt, dass Sie im Umgang damit vertraut sind.

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  • Übungen

    Auf etliche der Übungen, die sich der Selbstpräsentation anschließen, können Sie sich im Internet vorbereiten. Dazu können beispielsweise Intelligenztests und Brainteaser gehören.

    Weit verbreitet ist ebenfalls die sogenannte Postkorbübung: Hier müssen Bewerber innerhalb einer vorgegebenen Zeit eine komplexere Aufgabe lösen. Häufig ist die Zeit viel zu knapp bemessen. Personalern dient auch dieser Teil des Auswahltages dazu, zu erkennen, wie Kandidaten mit Druck umgehen.

    Für Sie als Bewerber heißt dies, dass Sie Prioritäten setzen müssen. Welche Aufgabe verdient wie viel Zeit? Was ist dringend, was kann warten? Können einzelne Aufgaben delegiert werden? Hier zeigt sich neben Ihrer Stressresistenz, ob Sie über gute Analysefähigkeiten verfügen und schnelle Entscheidungen treffen können.

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  • Rollenspiel

    Beliebt sind bei Auswahltagen Rollenspiele, auf die Sie sich nur schwer vorbereiten können, da die Themenvielfalt entsprechend groß ist. Häufig wird eine Situation kreiert werden, die in irgendeiner Form ein Dilemma darstellt.

    Dazu kann beispielsweise der Umgang mit einem aufgebrachten Kunden gehören oder die Aufgabe, dass Sie als Vorgesetzter einem Mitarbeiter kündigen müssen. In kritischen Momenten ist vor allem Ihre Problemlösungskompetenz und Kommunikationsfähigkeit verlangt.

    Auch wenn Sie unangenehme Situation wie die beschriebenen gerne schnell hinter sich bringen möchten, sollten Sie zuvor überlegen, welches Verhalten angebracht sein könnte. Wie würden Sie als Kunde oder Mitarbeiter behandelt werden wollen?

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  • Gruppendiskussion

    Zu Auswahltagen werden meist mehrere Bewerber geladen. Gerade bei Jobs für Berufsanfänger sind bis zu 20 Teilnehmer an einem Termin keine Seltenheit. Aufgeteilt in kleinere Gruppen lassen sich so ideal Gruppendiskussionen führen.

    Hierfür eignen sich Themen, die auch gesellschaftlich kontrovers geführt werden, so dass meist ein Für und Wider erörtert werden muss. Denkbar wäre beispielsweise, die Vorzüge und Nachteile von einem erhöhten Benzinaufschlag für Luftverkehr zu diskutieren. Bei solchen Gruppen- oder auch Partnerübungen lässt sich die Kommunikations- und Kompromissfähigkeit der Kandidaten beobachten.

    Hierbei ist es wichtig, eine Balance zu finden. Niemand sollte sich von anderen unterbuttern lassen. Wer allerdings zu dominant auftritt und andere nicht zu Wort kommen lässt oder beleidigt, sammelt ebenfalls Minuspunkte.

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  • Feedback

    Zum Ende des Auswahltages wird ein Feedbackgespräch zwischen den Teilnehmern und den Beobachtern geführt. In diesem Gespräch werden Sie nach Ihrer Selbsteinschätzung gefragt. Das bedeutet, Sie bekommen die Gelegenheit, einzelne Stationen des Auswahltages zu reflektieren und Ihre Wahrnehmung zu schildern: Was hätte besser laufen können, an welcher Stelle waren Sie zufrieden mit Ihrer Leistung.

    Auch hier ist eine gesunde Balance gefragt: Niemand ist nur toll, vermeiden Sie also überzogenes Eigenlob. Ebenso wichtig ist, nicht nur das Negative in den Fokus zu rücken, übertriebene Selbstkritik ist also unangebracht. Im Idealfall konnten Sie kritische Anmerkungen von Beobachtern bereits während einzelner Übungen umsetzen.

    Falles es keine Hinweise gab oder es Ihnen nicht gelungen ist, die Personalverantwortlichen zu überzeugen, sollten Sie sich nicht grämen: Betrachten Sie diesen Auswahltag als eine Gelegenheit, Erfahrungen für den nächsten zu sammeln. Übung macht den Meister und bei einem weiteren Verfahren werden Sie wissen, worauf es ankommt.

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So können Sie sich vorbereiten

Das Mindeste ist, dass Sie die Nachrichten zu dem Unternehmen verfolgen, für das Sie sich interessieren. Wofür steht das Unternehmen? Welche Unternehmenskultur wird repräsentiert? Machen Sie sich mit Zahlen, Daten, Fakten vertraut – dazu eignen sich in der Regel die unternehmenseigene Website, manchmal gibt es Jubiläumsbände oder Flyer.

Eine (kostenpflichtige) Möglichkeit ist außerdem, auf die Bisnode Firmendatenbank zurückzugreifen, ehemals unter dem Namen Hoppenstedt bekannt.

Außer den oben aufgeführten „Trockenübungen“ gibt es die Möglichkeit, einen Auswahltag live durchzuexerzieren. Hierfür gibt es verschiedene kostenpflichtige Anbieter wie die Volkshochschulen oder Industrie- und Handelskammern.

Für Studierende, die sich ihrem Examen nähern und für Absolventen gibt es bis zu ein Jahr nach dem Abschluss die Möglichkeit, an Veranstaltungen des Career Service ihrer Universität teilzunehmen. Beispielsweise bieten die Universitäten Bochum und Münster eine kostenlose Teilnahme an Veranstaltungen an, die einen Auswahltag simulieren.

Allgemein gelten für einen Auswahltag dieselben Kriterien wie für ein Vorstellungsgespräch, das heißt: Machen Sie sich zuvor mit der Anreise und dem Ort vertraut, erscheinen Sie pünktlich. Kommen Sie ausgeruht und angemessen gekleidet zum Unternehmen.

[Bildnachweis: Photographee.eu by Shutterstock.com]

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12. März 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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