Auswahlgespräch: So wird es zum Erfolg

Im Auswahlgespräch wird oft die ausschlaggebende Entscheidung getroffen, ob ein Kandidat eine Zusage bekommt oder leider doch noch kurz vor Schluss eine Absage erhält. Entsprechend groß sind die Hoffnungen, aber auch der Druck, der in dieser Situation auf Bewerbern lastet. Mit dem Auswahlgespräch muss nur noch eine letzte Hürde genommen werden, doch ausgerechnet die wird oft zum Stolperstein. Doch auch für Unternehmen ist das Auswahlgespräch von großer Bedeutung, da Fehlbesetzungen mit großen Kosten und zusätzlichem Zeitaufwand verbunden sind. Hier erfahren Sie, wie das Auswahlgespräch für beide Seiten zum Erfolg wird…

Auswahlgespräch: So wird es zum Erfolg

Definition und Unterschiede: Was ist ein Auswahlgespräch?

Auswahlgespräche Definition Unterschied Vorstellungsgespräch Job Bewerber UnternehmenDer Begriff Auswahlgespräch wird in verschiedenen Kontexten benutzt und sorgt deshalb hin und wieder für Verwirrung. Oft wird ein Auswahlgespräch deshalb mit dem Vorstellungsgespräch synonym verwendet. Das ist nicht grundsätzlich verkehrt und im alltäglichen Sprachgebrauch verständlich, doch können Auswahlgespräch und Vorstellungsgespräch bei genauer Definition voneinander abgegrenzt werden.

Entscheidend ist dabei die Perspektive, aus der das Gespräch betrachtet wird – und zusätzlich kann es noch eine dritte Möglichkeit geben, in der der Begriff Auswahlgespräch genutzt wird:

  • Auswahlgespräch für Bewerber

    Aus Sicht von Bewerbern wird in der Regel vom Vorstellungsgespräch gesprochen. Der einfache Grund: Als Kandidat stellen Sie sich beim Unternehmen vor, versuchen sich von Ihrer besten Seite zu präsentieren und den Personaler zu überzeugen. Das ist natürlich ein Auswahlgespräch, in der Perspektive des Bewerbers wird der Begriff jedoch seltener verwendet.

  • Auswahlgespräch für Unternehmen

    Betrachtet man das Gespräch aus der Perspektive von Unternehmen, macht es mehr Sinn von einem Auswahlgespräch zu reden. Schließlich sind die Interviews tatsächlich darauf ausgelegt, eine Personalauswahl zu treffen und aus einer Vielzahl von Kandidaten die bestmögliche Besetzung für eine freie Position zu finden.

  • Auswahlgespräch für Studiengänge oder Stipendien

    Oftmals wird der Begriff Auswahlgespräch auch bei Studiengängen oder Stipendien benutzt. Um sich endgültig zu qualifizieren und aufgenommen zu werden, müssen Interessenten in ein persönliches Gespräch und werden noch einmal nach Qualifikation, Motivation und anderen Kriterien beurteilt. Auch wenn Sie sich auf einen Masterplatz bewerben, kann ein Auswahlgespräch anstehen.

In diesem Artikel wollen wir auf beide Seiten eines Auswahlgesprächs eingehen und hilfreiche Tipps und Informationen sowohl für Bewerber, als auch für Unternehmen und Personaler liefern. Dabei ist es natürlich auch hilfreich, einen Blick auf die jeweils andere Seite zu werfen, um den Gesprächspartner besser zu verstehen, sich auf die Situation einstellen zu können und am Ende das bestmögliche Ergebnis in einem Auswahlgespräch zu erzielen.

Tipps für Bewerber im Auswahlgespräch

Für Bewerber ist das Auswahlgespräch eine schwierige und ungewohnte Situation. Die letzte Jobsuche liegt vielleicht schon viele Jahre zurück oder als Berufseinsteiger ist es gar das erste Mal, dass Sie im Auswahlgespräch einem Personaler gegenübersitzen. Umso wichtiger, dass Sie gut auf das Auswahlgespräch vorbereitet sind und wissen, was auf Sie zukommt.

Erster Tipp: Keine Panik, Nervosität ist im Auswahlgespräch normal, das weiß auch Ihr Gesprächspartner und es wird Ihnen nicht gleich ein Strick daraus gedreht. Damit es für Bewerber im Auswahlgespräch optimal läuft, haben wir weitere Tipps und Ratschläge zusammengestellt:

  • Machen Sie sich mit dem Ablauf vertraut

    Das Auswahlgespräch läuft typischerweise nach einem gleichbleibenden Muster ab. Wenn Sie dieses kennen, können Sie sich darauf einstellen und sind weniger nervös. Klassischerweise verläuft ein Auswahlgespräch dabei in fünf Phasen:

    • Smalltalk. Jedes Auswahlgespräch beginnt mit ein wenig Smalltalk vornweg. So kommt man direkt ins Gespräch. Schon hier sollten Sie einen sympathischen und offenen ersten Eindruck machen.
    • Selbstpräsentation und Fragen. Es folgt die Selbstpräsentation, bei der Sie sich genauer vorstellen. Wer sind Sie? Was bringen Sie mit? Welche Ziele verfolgen Sie im Job und bei diesem Unternehmen? Wichtig ist, dass Sie immer einen Bezug zum Unternehmen herstellen und zeigen, warum Sie genau zu diesem Arbeitgeber passen.

      Im Anschluss sollten Sie sich auf einige Fragen von Seiten des Personalers einstellen. Hier will das Unternehmen mehr über Sie erfahren und herausfinden, ob Sie wirklich zum Team passen und die benötigten Qualifikationen mitbringen.

    • Unternehmensvorstellung. Im Anschluss stellt sich auch das Unternehmen noch einmal genauer vor. Dazu zählt auch eine Beschreibung der Position, auf die Sie sich bewerben und den damit verbundenen Aufgaben und Verantwortungen.
    • Rückfragen. Kurz vor Schluss bekommen Sie die Chance Rückfragen zu stellen. Dies sollten Sie unbedingt tun! Es zeigt noch einmal Ihr Interesse. Stellen Sie aber bitte keine Fragen, die schon beantwortet wurden oder die Sie sich selbst leicht beantworten könnten (etwa: Wie viele Mitarbeiter hat das Unternehmen? – lässt sich über eine Internetrecherche herausfinden).
    • Verabschiedung. Zuletzt folgt eine souveräne Verabschiedung. Diese können Sie nutzen, um sich für das Gespräch zu bedanken und noch einmal Ihr Interesse an einer Zusammenarbeit zu betonen. Auch haben Sie die Gelegenheit den Personaler zu fragen, wie der Prozess nach dem Auswahlgespräch weitergeht und wann Sie mit einer Antwort rechnen können.
  • Überlegen Sie sich konkrete Beispiele

    Im Auswahlgespräch betont jeder Bewerber die eigenen Stärken und Fähigkeiten. Zunächst sind das jedoch wenig überzeugende Worthülsen. Ich bin flexibel, belastbar, sehr gut organisiert und bringe eine große Motivation mit… Klingt gut, behauptet aber jeder und wird Personaler kaum überzeugen.

    Wirklich glaubwürdig werden solche Stärken erst, wenn sie durch konkrete Beispiele belegt werden. Gehen Sie darauf ein, wie Sie dank Ihrer Flexibilität eine Lösung gefunden haben oder wie Ihr Organisationstalent geholfen hat, den Überblick über ein sehr großes und komplexes Projekt zu behalten.

  • Stellen Sie Ihren Mehrwert heraus

    Für ein Unternehmen geht es darum, im Auswahlgespräch den Mitarbeiter zu finden, der bestmöglich zur freien Position passt und einen großen Beitrag zum Erfolg der Abteilung und des Unternehmens leistet. Gehen Sie im Auswahlgespräch darauf ein und zeigen Sie, welchen Nutzen Sie für den Arbeitgeber bringen.

    Wenn Sie von Ihrer Berufserfahrung sprechen, können Sie beispielsweise überleiten: Das Wissen, das ich aus dieser Erfahrung mitnehmen konnte, möchte ich in Ihrem Unternehmen einsetzen, um …. So zeigen Sie zudem, dass Sie sich bereits Gedanken über die Arbeit gemacht haben und mit einem klaren Ziel vor Augen in die Zusammenarbeit starten.

  • Kennen Sie die häufigsten Fragen

    Zu 100 Prozent lassen sich die Fragen im Auswahlgespräch natürlich nicht vorhersagen, doch gibt es einige Klassiker und besonders beliebte Fragen, die fast in jedem Gespräch vorkommen. Dazu zählt beispielsweise Was sind Ihre Stärken? oder das Gegenstück Was sind Ihre Schwächen? Es ist sehr hilfreich, wenn Sie sich bereits vorher Gedanken dazu gemacht haben.

    Allerdings sollten Sie keine Antworten auswendig lernen. Eine monoton aufgesagte, vorgeschriebene Antwort wirkt unsympathisch und nicht authentisch. Eine Liste mit den häufigsten Fragen im Auswahlgespräch finden Sie in unserem Artikel dazu: 100 häufige Fragen im Auswahlgespräch.

  • Beteiligen Sie sich am Auswahlgespräch

    Das Auswahlgespräch sollte ein Dialog sein, an dem Sie sich ebenfalls aktiv beteiligen. Soll heißen: Sie müssen nicht nur auf Fragen antworten, sondern sollten ein wirkliches Gespräch aufbauen. Gehen Sie auf die Entwicklung des Auswahlgespräches ein, stellen Sie bei Gelegenheit eine Rückfrage und zeigen Sie sich interessiert.

    Ein Auswahlgespräch sollte sich nicht nach einem reinen Frage-Antwort-Spiel anfühlen. Es ist kein Verhör, sondern – wie der Name bereits sagt – ein Gespräch. Schließlich geht es auch für Sie darum, dass Unternehmen kennenzulernen und zu entscheiden, ob Sie dort arbeiten wollen.

Tipps für Unternehmen im Auswahlgespräch

Für Unternehmen ist das Auswahlgespräch ein wichtiges Instrument, um einen passenden Mitarbeiter zu finden. Nach der Vorauswahl durch die Bewerbungsunterlagen ist das Gespräch die Gelegenheit, die verbliebenen Kandidaten persönlich kennenzulernen.

Ein gut geführtes Auswahlgespräch reduziert dabei das Risiko, den falschen Bewerber einzustellen. Das erspart dem Unternehmen die Kosten für ein weiteres Auswahlverfahren und sichert den Personalbedarf. Um diese Ziele zu erreichen, können die folgenden Tipps für Auswahlgespräche aus Sicht des Unternehmens helfen:

  • Legen Sie Kriterien fest

    Der persönliche Eindruck ist für die Entscheidung ein wichtiger Aspekt, doch können sich selbst geübte Personaler in einem Bewerber täuschen. Um sich nicht allein auf die Menschenkenntnis verlassen zu müssen, sollten im Vorfeld zu einem Auswahlgespräch die wichtigsten Kriterien bestimmt werden, die ein Kandidat in jedem Fall erfüllen muss.

    Das können beispielsweise bestimmte Erfahrungen oder Eigenschaften sein, die für den Job oder die Zusammenarbeit im Team von großer Bedeutung sind.

  • Passen Sie das Auswahlgespräch an

    Ein Auswahlgespräch sollte immer an die ausgeschriebene Position und auch an den Kandidaten angepasst sein. Wird hingegen in jedem Auswahlgespräch nur ein Standardprogramm abgespult, bleiben wichtige Erkenntnisse aus, die ansonsten die Entscheidung beeinflusst hätten.

    Besonders wichtig ist die Gestaltung beispielsweise auf unterschiedlichen Hierarchieebenen. Das Auswahlgespräch für eine Führungskraft sollte anders aufgebaut und ausgerichtet sein.

  • Nutzen Sie verschiedene Fragetechniken

    Viele Bewerber kommen sehr gut vorbereitet ins Auswahlgespräch. Das bedeutet auch, dass sie auf nahezu jede Frage bereits eine passende Antwort parat haben. Um ein wenig hinter die Fassade zu blicken und mehr zu erfahren, können verschiedene Fragetechniken helfen.

    Variieren Sie etwa zwischen offenen und geschlossenen Fragen, bauen Sie auch einige situative und lösungsorientierte Fragen ein und runden Sie die Fragerunde mit einer hypothetischen Frage ab.

  • Präsentieren Sie sich als attraktiver Arbeitgeber

    Im Auswahlgespräch sollten Sie nicht nur darauf achten, möglichst viel über einen Bewerber herauszufinden. Nutzen Sie die Gelegenheit auch, um die Vorzüge des Unternehmens zu betonen, ein positives Image aufzubauen und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Dazu zählt beispielsweise auch, dass Sie transparente Informationen über den weiteren Ablauf des Auswahlprozesses geben.

    Wenn Sie einen passenden Bewerber im Auswahlgespräch haben, wollen Sie schließlich auch, dass dieser seinerseits zusagt und sich nicht kurz vorher für einen anderen Arbeitgeber entscheidet.

[Bildnachweis: Gutesa by Shutterstock.com]

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29. November 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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