Headhunterkontakt: Tipps für den Erfolg

Es klingelt am Telefon, jemand unterbreitet Ihnen ein tolles Jobangebot, Sie sagen zu, fertig: Ganz so einfach verläuft der Headhunterkontakt in der Regel leider nicht. Ein Headhunter ist auf Sie aufmerksam geworden, weil Sie den Eckdaten nach exakt zu den Unternehmen passen könnten, die Bedarf an Fachkräften haben. Wechselwillige sollten sich nicht zu früh freuen: Zunächst einmal ist das als Kompliment zu verstehen, dass sich jemand für Ihre Fähigkeiten interessiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich ein Arbeitnehmer nicht noch durch ungeschicktes Vorgehen ins Aus katapultieren könnte. Worauf Sie achten sollten, damit aus dem Anruf auch ein Erfolg wird…

Headhunterkontakt: Tipps für den Erfolg

Kluges Vorgehen beim Headhunterkontakt

Wer beruflich gerade eher mäßig zufrieden ist, für den mag ein überraschend zustandegekommener Headhunterkontakt wie ein Geschenk des Himmels erscheinen: Jemand bekundet aufrichtiges Interesse an Ihnen, eine neue Stelle und damit die Aussicht auf bessere Konditionen und ein höheres Gehalt winken.

Das Ganze am besten noch ohne eigenes Bewerbungsbemühen – ein Traum. Der Anruf eines Headhunters ist im ersten Moment schmeichelhaft. Hier gilt es allerdings einen kühlen Kopf zu bewahren. Wer sich taktisch unklug verhält oder nicht die gebotene Sorgfalt walten lässt, steht am Ende ohne Job da.

Wichtig ist nicht nur die Selbstpräsentation. Zu einem erfolgreichen Headhunterkontakt gehört, sich ein Bild über den Anrufenden und das Unternehmen zu machen, das er vertritt. Auch sollten Sie wissen, dass die Berufsbezeichnung Headhunter nicht geschützt ist.

Es gibt kein klar geregeltes Ausbildungsverfahren für den Beruf des Headhunters. Ähnlich wie beim Coach kann sich also jeder so nennen – über die Qualifikation sagt das wenig aus. Wenig überraschend also, dass es enorme Unterschiede in der Erfahrung und der Vorgehensweise beim Headhunterkontakt geben kann.

Verhalten beim Erstkontakt

Der erste Anruf signalisiert Interesse. In dieser Phase sind Sie höchstwahrscheinlich nur einer von mehreren Kandidaten, die der Headhunter dem zu betreuenden Unternehmen vorschlägt. Damit am Ende Sie derjenige Kandidat sind, für den sich das Unternehmen entscheidet, gilt es einiges zu beachten.

  • Ruhig bleiben

    Ein Headhunterkontakt auf der Arbeit kann schon einmal Nervosität verursachen – gerade, wenn für Sie ein potenzieller Jobwechsel daran hängt. Wer keinerlei Wechselabsichten hat, mag da schon gelassener sein. Dennoch kann sich ein interessantes Angebot hinter so einem Anruf verbergen. Erste Devise ist daher, sich ruhig anzuhören, worum es geht und nicht zu aufgeregt zu erscheinen. Tipp dafür: Ruhig und tief aus dem Bauch ausatmen. Lassen Sie sich die vollständigen Kontaktdaten des Anrufers geben und machen Sie Notizen. Erfragen Sie die Branche und den Zuständigkeitsbereich des Headhunters: Welches Karrierelevel betreut er? Um welche Stelle handelt es sich und an welchem Ort wäre sie?

  • Professionell reagieren

    Wer nicht frei sprechen kann, da er sich das Büro mit Kollegen teilt, sollte einen konkreten Termin für ein Telefonat ausmachen, bei dem er keine Befürchtungen haben muss, dass das Gespräch unerwartet unterbrochen wird. Ohnehin verträgt sich ein ausführliches Telefonat zum Zwecke der Abwerbung nur bedingt mit Ihrer Loyalitätspflicht. Ein erster Headhunterkontakt dient daher lediglich einer groben Stellenbeschreibung und der Klärung, ob der Arbeitnehmer grundsätzliches Interesse hat. Ist das der Fall, geben Sie Ihre Privatnummer heraus.

  • Korrekt verhalten

    Verhalten Sie sich so, dass Sie sich nichts vorwerfen lassen müssen. Die Preisgabe von Interna über das Unternehmen, bei dem Sie jetzt arbeiten, kann empfindliche Strafen nach sich ziehen. Überhaupt sollten Sie vor einem längeren Gespräch klären, ob in Ihrem Arbeitsvertrag ein sogenanntes nachvertragliches Wettbewerbsverbot besteht. Das würde nämlich eine Beschäftigung bei der direkten Konkurrenz für die Dauer einer vertraglich festgelegten Zeit unmöglich machen.

Gewissheit verschaffen beim zweiten Headhunterkontakt

Besteht beiderseitiges Interesse, kommt es zu einem zweiten, ausführlicherem Gespräch, unter Umständen schon am selben Tag. Für Sie bedeutet das eine Reihe von Vorbereitungen. Dazu gehört, sich über den Headhunter anhand Ihrer Notizen im Erstgespräch ein Bild zu verschaffen.

Handelt es sich um ein seriöses Unternehmen, das bereits mehrere Jahre Expertise in der Personalvermittlung vorzuweisen hat? Von Bedeutung ist ebenso die Branche, für die es tätig ist. Niemand kann sich in allen Branchen gleich gut auskennen. Deshalb spezialisieren sich auch Headhunter auf bestimmte Branchen.

Finden Sie sich und Ihr Berufsprofil dort wieder, ist dies ein gutes Zeichen. Von großem Interesse sind nun Ihrerseits Details über das Unternehmen, das einen neuen Mitarbeiter sucht.

So fragen Sie

Bereiten Sie sich anhand Ihrer Notizen vor. Sofern Sie im Erstgespräch bereits konkrete Hinweise zum Unternehmen erhalten haben, recherchieren Sie dazu. Anderenfalls sollten Sie sich folgende Fragen überlegen:

  • Stellenbeschreibung: Klären Sie im Headhunterkontakt, welche Aufgaben die neue Stelle umfasst. Welche Funktion werden Sie ausüben? Was sind die Ziele? Wie gestaltet sich Ihr Verantwortungsbereich? Welche Möglichkeiten zur Einflussnahme haben Sie? Was ist der Grund für die Vakanz? Wie wurde der Headhunter auf Sie aufmerksam?
  • Unternehmen: Konkrete Details zum Unternehmen und zu Stelle erfahren Sie vor allem, wenn die Stelle tatsächlich frei ist oder extra für Sie geschaffen wird. Ist sie aktuell noch besetzt, wird ein Headhunter sich eher bedeckt halten. Für welche Branche sollen Sie tätig werden? Wo befindet sich das Unternehmen und wie groß ist es?
  • Gehalt: Das Gehalt ist ein wichtiger Aspekt, den Sie durchaus erfragen dürfen, sofern der Headhunter nicht seinerseits darauf zu sprechen kommt. Dass ein Arbeitnehmer seine gegenwärtige Stelle für einen schlechtern dotierten Arbeitsplatz aufgibt, ist eher unwahrscheinlich, daher sollten solche Dinge im Zweitgespräch geklärt werden. Weniger angebracht sind Nachfragen zu konkreten Details für geldwerte Vorteile.

So antworten Sie

Gehen Sie vorab Ihre beruflichen Stationen durch, sehr wahrscheinlich werden vom Headhunter einige Fragen zu Ihrer Person kommen.

  • Kennen Sie Ihren Lebenslauf: Stellen Sie sich – ähnlich wie bei einem Vorstellungsgespräch – darauf ein, dass Sie zu Ihrem Lebenslauf gefragt werden. Der sollte nicht einfach nur heruntergebetet werden. Idealerweise können Sie in einer Kurzvorstellung prägnante Stationen hervorheben, die Ihre Fähigkeiten illustrieren. Sie sollten davon absehen, bereits nach dem Erstgespräch Ihren Lebenslauf an den Headhunter zu schicken, da er wirklich nur dort landen sollte, wo ernsthaftes Interesse besteht. Anderenfalls kann es Ihnen passieren, dass Sie an einen weniger seriösen Headhunter geraten und Ihr Lebenslauf auch in anderen Personalabteilungen kursiert.
  • Vermeiden Sie Arroganz: Bei aller Begeisterung über das Interesse eines Headhunters sollte nicht der Fehler begangen werden, astronomische Gehaltsforderungen daraus abzuleiten. Motto: Sie sind schließlich auf mich zugekommen. Wichtig ist daher, den eigenen Marktwert gut zu kennen und sich daran zu orientieren. Sollte dieser seitens des Headhunters unterschritten werden, ist die angebotene Stelle nichts für Sie. Sollten Sie Ihrerseits deutlich darüber liegen (Erfahrung, Branche und Region bitte beachten!), kann das ein K.O.-Kriterium sein.

Was Headhunter nicht dürfen

Headhunterkontakt Lebenslauf an Headhunter schicken E-Mail antwortenDer Gesetzgeber gesteht dem Arbeitnehmer die freie Wahl des Arbeitsplatzes zu. Was Sie in Ihrer Freizeit machen und wer Sie dann kontaktiert, geht ganz allein Sie etwas an. Das bedeutet, dass sich jemand auch in einem bestehenden Arbeitsverhältnis für Jobs anderer Unternehmen interessieren darf. Dies umfasst ebenfalls den Headhunterkontakt.

Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad: Der darf einen potenziellen Kandidaten bei seinem derzeitigen Arbeitgeber kurz anrufen und ein generelles Angebot unterbreiten. Anders sieht es mit dem persönlichen Kontakt aus:

Im Unternehmen selbst darf Sie der Headhunter nicht aufsuchen – das wird von Gerichten als sittenwidriges Verhalten eingestuft.

Des Weiteren verboten:

  • Gespräche, die über die kurze Information und den Austausch von Nummern beziehungsweise Terminen hinausgehen,
  • diffamierende Äußerungen gegen Ihren derzeitigen Arbeitgeber,
  • Auszahlung von Kopfprämien für abzuwerbende Arbeitnehmer,
  • den Arbeitnehmer zu einer Kündigung zu drängen,
  • ihn unter Gewaltandrohung oder durch Erpressung zum Jobwechsel zu bewegen.

Tipps für den persönlichen Kontakt

Sind Erst- und Zweitgespräch positiv verlaufen, kommt es zu einem Treffen. Der persönliche Headhunterkontakt ist im Prinzip nichts anderes als ein Vorstellungsgespräch. Es hat seitens des Personaldienstleisters eine gewisse Vorauswahl stattgefunden und Sie erscheinen vielversprechend. Entschieden ist jedoch noch nichts.

Hier gilt es mit einer Mischung aus angemessenem Selbstbewusstsein und Offenheit in das Gespräch zu gehen. Der erste Eindruck zählt, und der sollte ausstrahlen, dass Sie sich Ihrer Qualitäten bewusst sind, ohne zu arrogant aufzutreten.

Das heißt: Achten Sie auf Ihre Körpersprache, Mimik und Gestik. Dazu gehört ein aufrechter Gang und eine zugewandte Haltung ebenso wie eine freundliche, höfliche Art.

Eine Reihe weiterer Aspekte nonverbaler Kommunikation können den Verlauf des Gesprächs beeinflussen, etwa die Stimmlage. Häufig schlägt sich Nervosität auf die Stimme nieder – sie klingt gepresst, weil jemand falsch atmet.

Sprechen Sie daher langsam, achten Sie beim Atmen vor allem aufs Ausatmen. Dann laufen Sie nicht Gefahr, mit piepsiger Stimme oder Atemnot sich selbst vorstellen zu müssen.

Wie das Gespräch im Detail verläuft, hängt davon ab, welche Form von Jobinterview vom Headhunter gewählt wird. Denkbar ist ein Stressinterview, in dem provozierende Fragen gestellt werden. Ebenso möglich sind verschiedene Formen des strukturierten Interviews, anhand derer Sie zeigen können, dass Sie der zukünftigen Stelle gewachsen sind.

Mehr dazu lesen Sie in unseren Dossiers:

[Bildnachweis: marvent by Shutterstock.com]
25. September 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!