Headhunter Panne: Wenn die Bewerbung beim Chef landet
Sagen wir es, wie es ist: In der Zunft der Headhunter tummeln sich leider auch unzählige schwarze Schafe, unseriöse Kopfjäger und honorarschindende Outplacement-Experten. Gut beraten ist, wer solche Berater meidet. Allerdings hört und sieht man es den Personalberatern eben nicht immer auf Anhieb an, wie gut und seriös diese arbeiten. Und so kann es im ungünstigsten Fall sogar dazu kommen, dass die eigene Bewerbung über Umwege doch beim noch aktuellen Chef landet - oder zumindest die Information, dass man sich gerade auf dem Arbeitsmarkt aktiv umhört. Peinlich. Aber was kann man jetzt noch tun?

Wie kommt es überhaupt zu dieser Headhunter-Panne?

Zugegeben, ein solcher Fauxpas in Sachen Diskretion ist selten, aber nicht ausgeschlossen.

Der erste und grundlegende Fehler, den potenzielle Jobwechsler begehen: Sie streuen ihre Bewerbungsunterlagen zu breit und vor allem zu leichtfertig.

Das (naive) Kalkül dahinter: Je mehr Headhunter sich für mich umsehen, desto mehr Angebote bekomme ich und desto größer meine Chancen auf einen baldigen Jobwechsel mit 30, 40 oder 50... Fehler!

Viel hilft hier genau nicht viel.

Schon aus mehreren Gründen:

  • Sichtbare Massenware

    Wirklich exzellente Headhunter erkennen solche Massenware - und würden allein schon deshalb die Kandidaten ablehnen. Sie sind schließlich keine Personalvermittler, sondern Berater im Wortsinn, die versuchen, im Auftrag des suchenden Unternehmens Idealbesetzungen zu finden und nicht bloß Stellen mit Personal zu füllen. Schließlich kann ein Headhunter auch an den Kandidaten gut verdienen, wenn diese langfristig aufsteigen und sich gut beraten fühlen. Dann hören Sie auch beim nächsten Headhunter-Anruf in drei bis fünf Jahren nach dem Wechsel umso aufgeschlossener zu, falls der Berater eine neue passende Position anbieten kann.

  • Erhöhtes Risiko

    Wer seinen Lebenslauf derart breit streut, erhöht nicht seine Chancen, sondern das Risiko eben an jene schwarzen Schafe der Branche zu geraten. Die wiederum nutzen solche wechselwilligen Kandidaten gerne mal dazu, um sie als Auswahl- und Ausschussware beizumischen, Motto: Der wird zwar eh nicht genommen, aber der Kunde wollte ja 5 Vorschläge... Dumm, wenn der Kunde dann mal später der Konzern ist, in dem der Kandidat aktuell noch beschäftigt ist.

  • Verbrannter Name

    Oft ist es aber auch so, dass man sich auf diese Art allzu leicht seinen Namen im Markt verbrennt: Der Headhunter reicht drei Kandidaten-Profile ein, eines wird akzeptiert, die beiden anderen aber nicht. Als abgelehnt bekannt, bleiben die Namen in den HR-Abteilungen aber weiterhin. Sollten Sie sich danach mangels Headhunter-Erfolg dort dann direkt bewerben, stehen die Chancen bei Null. Das Pulver für einen Volltreffer ist bereits verschossen.

  • Schlechter Eindruck

    Nicht wenige Unternehmen und Personalabteilungen arbeiten mit einem Stamm ihnen bekannter und professioneller Personalberater zusammen. Dabei spielen gewachsene Beziehung sicher eine Rolle, festgelegte Qualitätskriterien aber auch. Wer dann von einem als eher unseriös bekannten oder gar verrufenen Berater feilgeboten wird, verbrennt seine Reputation nur noch zusätzlich: Wer, der etwas auf sich hält und Rang und Namen besitzt, würde schon mit so einem Headhunter zusammenarbeiten? Eben. Per Sippenhaft ins Aus manövriert.

Wenn Sie einen Jobwechsel planen, sollten Sie Ihre Unterlagen also nicht streuen, sondern vielmehr gezielt nur wenigen (ein bis maximal drei) Personalberatern, die Sie überdies gut und persönlich kennen, anvertrauen. Alles andere ist Karriere-Kamikaze...

Was tun, wenn die Bewerbung beim Chef landet?

Nun aber, nehmen wir an, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen: Die Kunde, dass Sie sich nach einem neuen Job umsehen, hat den eigenen Chef erreicht, schlimmstenfalls wedelt der Personalchef gar triumphal mit Ihren Unterlagen herum: "Sie ahnen gar nicht, was mir soeben angeboten wurde..." Echt dumm gelaufen.

Viel retten lässt sich jetzt nicht mehr, allenfalls Schadensbegrenzung betreiben. Der Loyalitätsbruch ist nun mal dokumentiert.

Zu behaupten, dies sei eine alte Bewerbung, dürfte kaum glaubwürdig sein - auf einem aktualisierten Lebenslauf steht schließlich immer ein Datum.

Was Sie aber tun können:

  • Vorwärtsverteidigung

    Nicht besonders glaubwürdig, aber womöglich beschwichtigend ist die Flucht nach vorn: Sie wollten ohnehin demnächst über Ihr Gehalt verhandeln, da sei der Anruf des Headhunters eine gute Gelegenheit gewesen, den aktuellen Marktwert zu prüfen. Sie hatten zwar nicht wirklich vor zu wechseln, aber ein konkretes Angebot hätte Ihre Verhandlungsposition doch erheblich verbessert. Diese Art der Recherche sei ja nun mal legitim...

  • Ehrlichkeit

    Sagen Sie es, wie es ist: Sie sind mit der aktuellen Jobsituation unzufrieden. Es entwickelt sich nicht so gut, wie erhofft. An der Stelle sollten Sie sich entschuldigen, dass Sie nicht zuerst das Gespräch gesucht haben. Das war ein Fehler. Ihrer. Nun aber hätten beide Seiten die Chance, die sicherlich latent unschöne Situation konstruktiv zu nutzen und zu überlegen, ob und wie man nicht doch weiter zusammenarbeiten könne. Aus dem impulsiven Fluchtreflex können genauso gut auch neue berufliche Ziele und festere Bande hervorgehen...

Für welche Alternative Sie sich entscheiden, ist sicher eine Typfrage.

Der zweite Weg ist aber weniger riskant und vor allem nachhaltiger. Die Milch ist so oder so verschüttet, Ihr Image angeknackst, der Chef verstimmt. Aber reden hilft auch hier. Unzufrieden mit dem Job sind Sie ja, sonst hätten Sie sich nicht umgesehen. Die Kündigungsfristen gelten aber auch weiterhin - und womöglich finden Sie auch beide neu zueinander.

[Bildnachweis: WAYHOME studio by Shutterstock.com]

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