Arbeitszeugnis: Vorlage, Beispiele, Noten & Anspruch

Das Arbeitszeugnis hat bei der Bewerbung und bei Personalern einen hohen Stellenwert. Es dokumentiert Dauer und Art bisheriger Beschäftigungen. Und es bewertet Leistungen, Erfolge und Sozialverhalten des Arbeitnehmers. Ein „sehr gutes“ Arbeitszeugnis bringt bei der Jobsuche enorme Vorteile. Allerdings verstecken sich hinter wohlklingenden Formulierungen oft schlechte Noten und negative Geheimcodes. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie bei Aufbau, Inhalt und Zeugnissprache achten sollten und welche Rechte und Ansprüche Sie beim Arbeitszeugnis haben…

Arbeitszeugnis: Vorlage, Beispiele, Noten & Anspruch

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Arbeitszeugnis: Aufbau und Inhalt

Viele Arbeitnehmer dürfen heute ihr Zeugnis selber schreiben. Ein Vertrauensbeweis, sicher. Andererseits laufen so auch viele Gefahr – aus Unwissenheit – formelle Fehler zu machen oder sich selbst ein schlechtes Arbeitszeugnis auszustellen. Daher sollten Sie bei Aufbau und Inhalt wichtige Regeln beachten.

Aufbau eines qualifizierten Arbeitszeugnisses

  • 1. Briefkopf Arbeitgeber (oder Firmenpapier)
  • 2. Überschrift („Arbeitszeugnis“)
  • 3. Stammdaten Arbeitnehmer
    • Vor- und Nachname, Geburtsdatum
    • Beschäftigungsart
    • Beschäftigungsdauer
  • 4. Tätigkeitsbeschreibung
    • Aufgabenfelder
    • Haupt- und Nebentätigkeiten
    • Besondere Erfolge
  • 5. Leistungsbewertung
    • Arbeitsbereitschaft (Wollen)
    • Arbeitsbefähigung (Können)
    • Bewertung der Fachkompetenz
    • Beurteilung der Arbeitsweise
    • Nennung spezieller Fähigkeiten und Kenntnisse
    • Bewertung der Führungsleistung
  • 6. Sozialverhalten (Beurteilung)
    • Verhalten gegenüber Vorgesetzten
    • Verhalten gegenüber Kollegen
    • Verhalten gegenüber Kunden
  • 7. Austrittsgrund
  • 8. Schlussformel & Zukunftswünsche
  • 9. Ort, Datum & Unterschrift

Arbeitszeugnis Länge

Insgesamt sollte das Arbeitszeugnis nicht mehr als zwei, maximal drei Seiten umfassen. Zu viel Text und Seiten wecken den Verdacht, das Zeugnis sei pure Lobhudelei und selbst geschrieben.

Formale Anforderungen an das Arbeitszeugnis

Ein korrektes Arbeitszeugnis muss formale Ansprüche erfüllen. Auf diese Punkte haben Arbeitnehmer ein Recht und sollten diese auch einfordern:

  • Ausdruck
    Das Arbeitszeugnis muss schriftlich ausgestellt werden. Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf fehlerfreien, knitterfreien, sauberen Ausdruck auf Firmenpapier.
  • Individualität
    Arbeitnehmer haben das Recht auf ein individuelles Zeugnis. Können Sie nachweisen, dass das Zeugnis von einer Standard-Vorlage stammt, können Sie ein neues verlangen.
  • Bewertung
    Ihr Arbeitszeugnis muss mindestens „befriedigend“ sein. Schlechtere Zeugnisse hat der Arbeitgeber zu begründen, die Beweislast für ein „gutes“ beziehungsweise „sehr gutes“ Zeugnis liegt beim Arbeitnehmer (BAG-Urteil, 9 AZR 584/13).
  • Kündigungsgrund
    Der Grund für das Ausscheiden des Mitarbeiters (zum Beispiel dessen Kündigung) darf nur mit ausdrücklicher Zustimmung im Arbeitszeugnis stehen. Dasselbe gilt für krankheitsbedingte Fehltage: Auch die dürfen nicht angegeben werden.
  • Unterschrift
    Das Arbeitszeugnis muss vom bisherigen Personalverantwortlichen unterschrieben werden. Bei Vorständen vom Vorsitzenden des Aufsichtsrates; bei Geschäftsführern vom Gesellschafter oder dessen Vertreter; bei Mitarbeitern von deren Vorgesetzten oder dem Personalchef.
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Qualifiziertes Arbeitszeugnis oder einfaches Arbeitszeugnis?

Das „einfache Arbeitszeugnis“ ist kürzer als das qualifizierte. Hier fehlen die Bewertungen von Leistung und Sozialverhalten. Grundsätzlich sollten Sie von Ihrem Ex-Arbeitgeber IMMER ein qualifiziertes Arbeitszeugnis verlangen. Es ist aussagekräftiger und wird von Personalern bei der Bewerbung erwartet. Das einfache Arbeitszeugnis ist nur dann ratsam, wenn Sie kein gutes Zeugnis erhalten. In dem Fall kaschiert der knappe Inhalt die unbefriedigenden Leistungen.

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Arbeitszeugnis Formulierungen: Geheimcodes & Noten

Jedes Arbeitszeugnis muss zwei Bedingungen erfüllen: Es muss „wahr“ sein („Wahrheitspflicht“). Und es muss „wohlwollend“ formuliert werden („Wohlwollenspflicht“). Laut § 109 Absatz 2 GewO ist offene Kritik darin unzulässig. Effekt: Personaler verschleiern Ihre Bewertung in sogenannten Zeugniscodes. Einer Art Geheimsprache. Die Geheimcodes sind NICHT gleichbedeutend mit einer Note. Sie beschreiben vielmehr (negative) Arbeits- oder Verhaltensweisen des Arbeitnehmers.

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Beurteilung von Leistung und Sozialverhalten

Die Leistungsbeurteilung und Bewertung des Sozialverhaltens sind wesentlich für den Gesamteindruck des Arbeitszeugnisses. Hier ein paar Beispiele für Formulierungen im Arbeitszeugnis:

Arbeitsbefähigung (Fachwissen)

  • Sehr gut:
    „Er/Sie meisterte neue Arbeitsaufgaben stets souverän und konnte dank seines/ihres profunden Fachwissens jederzeit voll überzeugen.“
  • Gut:
    „Neue Arbeitssituationen bewältigte er/sie stets zur vollen Zufriedenheit.“
  • Befriedigend:
    „Seine/Ihre Arbeitsaufgaben bewältigte er/sie erfolgreich und konnte durch Fachkenntnisse überzeugen.“
  • Ausreichend:
    „Dank seiner/ihrer Fachkenntnisse konnte sich Herr/Frau _____ neuen Arbeitssituationen jederzeit anpassen.“
  • Mangelhaft:
    „Neuen Arbeitssituationen konnte er/sie sich größtenteils problemlos anpassen und entsprach damit den Anforderungen der Position.“

Arbeitsbereitschaft (Engagement)

  • Sehr gut:
    „Er/Sie war in höchstem Maße motiviert und zeigte stets außerordentliche Eigeninitiative und großes Engagement.“
  • Gut:
    „Er/Sie bewies stets großes Interesse und Eigeninitiative sowie eine vorbildliche Arbeitseinstellung und Motivation.“
  • Befriedigend:
    „Er/Sie zeigte große Initiative und viel Engagement bei der Arbeit.“
  • Ausreichend:
    „Er/Sie erledigte seine/ihre Aufgaben motiviert, gewissenhaft und mit viel Fleiß.“
  • Mangelhaft:
    „Er/Sie war ingesamt motiviert bei der Arbeit und zeigte nach Anleitung Fleiß.“

Arbeitsweise

  • Sehr gut:
    „Die Aufgaben wurden von ihm/ihr selbständig und stets mit äußerster Sorgfalt und größter Genauigkeit umgesetzt.“
  • Gut:
    „Herr/Frau _____ überzeugte durch hohe Sorgfalt, Selbstständigkeit und große Präzision.“
  • Befriedigend:
    „Er/Sie erledigte seine Aufgaben stets sorgfältig und zufriedenstellend.“
  • Ausreichend:
    „Er/Sie erledigte seine Arbeit mit Sorgfalt und Genauigkeit.“
  • Mangelhaft:
    „Bei der Erledigung seiner/ihrer angetragenen Aufgaben war Herr/Frau _____ stets um Sorgfalt und Genauigkeit bemüht.“

Arbeitserfolg

  • Sehr gut:
    „Er/Sie zeigte stets herausragende Arbeitsergebnisse und überzeugte durch bemerkenswerte Motivation sowie überdurchschnittliche Zielerreichung.“
  • Gut:
    „Herr/Frau _____ erzielte bei der Arbeit stets beste Ergebnisse und gute Qualität.“
  • Befriedigend:
    „Seine/Ihre Arbeitsergebnisse und Qualität lagen über dem Durchschnitt.“
  • Ausreichend:
    „Die erreichten Ergebnisse und die Arbeitsqualität entsprachen den kommunizierten Erwartungen.“
  • Mangelhaft:
    „Im Großen und Ganzen entsprachen die Arbeitsergebnisse unseren Erwartungen und waren angemessen.“

Sozialverhalten

  • Sehr gut:
    „Im Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war Herr/Frau _____ jederzeit vorbildlich, freundlich und überzeugte durch sein professionelles Auftreten.“
  • Gut:
    „Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich und freundlich.“
  • Befriedigend:
    „Der Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war professionell.“
  • Ausreichend:
    „Sein/Ihr Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten war stets freundlich.“
  • Mangelhaft:
    „Sein/Ihr Verhalten gegenüber Kollegen war insgesamt angemessen.“

TIPP: Achten Sie bei der Bewertung des Sozialverhaltens auf die richtige Reihenfolge. Hierbei wird in der Regel der Umgang mit drei Personengruppen erwähnt:

  • Vorgesetzte (intern)
  • Kollegen (intern)
  • Kunden & Geschäftspartner (extern)

Das ist auch die korrekte Reihenfolge. Wird das Sozialverhalten gegenüber Vorgesetzten erst an zweiter Stelle erwähnt (oder fehlt), gilt das als versteckter Hinweis für Insubordination.

Arbeitszeugnis Noten: Sehr gut oder mangelhaft?

Neben den Geheimcodes haben sich in der Zeugnissprache auch verschlüsselte Formulierungen für Noten durchgesetzt. Sie entsprechen folgenden Schulnoten:

Er/Sie erfüllte seine/ihre Aufgaben…

  • Note 1 (sehr gut): …stets zur vollsten Zufriedenheit.
  • Note 2 (gut): …zur vollsten/stets zur vollen Zufriedenheit.
  • Note 3 (befriedigend): …zur vollen Zufriedenheit.
  • Note 4 (ausreichend): …zur Zufriedenheit.
  • Note 5 (mangelhaft): …im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit.
  • Note 6 (ungenügend): …Er/Sie hat sich bemüht.

Verräterisches Zeugnis: Was steht NICHT drin?

Achten Sie nicht nur auf die Formulierungen und Geheimsprache im Arbeitszeugnis. Ebenso wichtig ist, was NICHT drinsteht. Das gilt besonders für Führungskräfte und Geschäftsführer. Werden etwa nur Nebensächlichkeiten betont, zeigt das an, dass die Arbeitsleistung in der Hauptsache schlecht war. Vor allem das Fehlen der Schlussformel (Dank für Zusammenarbeit, Bedauern über das Ausscheiden und positive Zukunftswünsche) hat großen Einfluss auf die Gesamtwirkung. Denn die Schlussformel ist freiwillig. Das macht sie so wertvoll.

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Arbeitszeugnis Vorlage: Beispiel für ein sehr gutes Zeugnis

Falls Sie Ihr Arbeitszeugnis selber schreiben oder es mit anderen vergleichen wollen: Hier finden Sie ein Musterzeugnis mit der Note „sehr gut“. Nur bei den Soft Skills gab es eine 2. Das macht es aber glaubwürdiger.

Sie können die Arbeitszeugnis Vorlage online im Browser editieren, anschließend kopieren und auszudrucken. Dazu einfach auf den Kasten klicken. Oder Sie können sich das Arbeitszeugnis Muster HIER kostenlos als PDF herunterladen.

Arbeitszeugnis

Herr _____, geboren am TT.MM.JJJJ in Köln, ist vom 1. April JJJJ bis zum 30. Mai JJJJ in unserem Unternehmen als _____ tätig gewesen.

Herr _____ verfügt über ein äußerst profundes Fachwissen, welches er stets effektiv und erfolgreich in der Praxis einsetzte. Dieses Fachwissen konnte er ohne Einschränkungen an seine Mitarbeiter weitergeben.

Gerne bestätigen wir ihm eine außerordentlich hohe wirtschaftliche Sachkompetenz. Durch sein herausragendes unternehmerisches und strategisches Denken und Handeln erwarb er sich den höchsten Respekt der Geschäftsführung und seiner Mitarbeiter. Zum Nutzen des Unternehmens erweiterte und aktualisierte er immer mit großem Gewinn seine umfassenden Fachkenntnisse durch regelmäßige Teilnahme an Weiterbildungen. Aufgrund seiner präzisen Analysefähigkeiten und seiner sehr schnellen Auffassungsgabe fand er hervorragende Lösungen, die er konsequent und erfolgreich in die Praxis umsetzte.

Hervorzuheben ist seine hoch entwickelte Fähigkeit, stets konzeptionell und konstruktiv zu arbeiten, sowie seine immer präzise Urteilsfähigkeit.

Herr _____ ist eine überdurchschnittlich engagierte Führungskraft, die ihre Aufgaben jederzeit mit voller Einsatzbereitschaft erfolgreich erfüllte. Auch in Stresssituationen erzielte er sehr gute Leistungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht und war auch stärkstem Arbeitsanfall immer gewachsen. Stets arbeitete Herr Mustermann äußerst umsichtig, sehr gewissenhaft und genau.

Vertrauenswürdigkeit und absolute Zuverlässigkeit zeichneten seinen Arbeitsstil jederzeit aus. Selbst für schwierigste Problemstellungen fand und realisierte er sehr effektive Lösungen und kam immer zu ausgezeichneten Arbeitsergebnissen. Im Laufe seiner Unternehmenszugehörigkeit hat er unter anderem viele wichtige Projekte mit sehr großem Erfolg geleitet.

Durch sein überaus systematisches Vorgehen und seinen sehr kooperativen Führungsstil konnte er seine Projekte stets mit äußerster Zuverlässigkeit sowie zeitplan- und budgetgerecht abschließen. Seine Mitarbeiter motivierte und überzeugte er durch einen kooperativen Führungsstil.

Herr _____ war als Vorgesetzter jederzeit voll anerkannt, wobei sein Team unsere hohen Erwartungen nicht nur erfüllte, sondern oftmals sogar übertraf. Als Führungskraft bewies uns Herr _____ stets seine gute Integrationsfähigkeit. Er verstand es jederzeit, alle Mitarbeiter seines Teams entsprechend ihrer Persönlichkeit und Kompetenz bei der Entscheidungsfindung einzubeziehen und konnte so ein sehr gutes Arbeitsklima in seinem Team schaffen.

Herr _____ hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zur unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt. Mit allen Ansprechpartnern kam Herr _____ sehr gut zurecht und begegnete ihnen immer mit seiner freundlichen, offenen und zuvorkommenden Art. Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Externen war jederzeit vorbildlich.

Wir bedanken uns für die stets sehr gute langjährige Mitarbeit und bedauern Herrn _____ Ausscheiden sehr. Wir wünschen diesem vorbildlichen Kollegen beruflich und persönlich alles Gute, viel Erfolg.

Ort, Datum
UNTERSCHRIFT


Arbeitszeugnis für Manager: Wichtige Unterschiede

Zeugnisse für Manager unterscheiden sich von denen einfacher Angestellter teils enorm. In das Arbeitszeugnis von Geschäftsführern oder hochrangigen Führungskräften gehören vor allem drei Komponenten:

  1. Die Einschätzung der strategischen und unternehmerischen Kompetenz. Fehlt sie, legt das den Verdacht nahe, der Manager war weder ein wichtiger Impulsgeber noch sonderlich innovativ.
  2. Die Beschreibung seines Führungsverhaltens. Vor allem substanzielle Aussagen zum Verhältnis zu den Kollegen im Vorstand und den Mitarbeitern sollten im Zeugnis enthalten sein. Andernfalls kann das auf eingeschränkte Sozialkompetenz und Führungskompetenzen hindeuten.
  3. Eine nachvollziehbare Begründung für die berufliche Veränderung. Das kann ein Wechsel der Eigentümerstrukturen sein oder ein freiwilliges Ausscheiden wegen neuer Herausforderungen. Auch geteilte Ansichten über die strategische Ausrichtung des Unternehmens sind okay. Alles ohne Begründung aber klingt nach: „Wir mussten die Lusche leider feuern.“

Häufig gestellte Fragen zum Arbeitszeugnis

Habe ich Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?

Sobald das Beschäftigungsverhältnis endet, haben Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis (§630 BGB und §109 GewO). Der Anspruch ist aber ein zweischneidiges Schwert. Personaler erwarten es bei der Bewerbung. Es besitzt einen ähnlichen Stellenwert wie der Lebenslauf oder das Bewerbungsschreiben. Alle drei Dokumente zusammen bilden den Kern vollständiger Bewerbungsunterlagen. Fehlt das Arbeitszeugnis, wirft das Zweifel an der Eignung oder Ehrlichkeit eines Kandidaten auf.

Wann verjährt der Arbeitszeugnis Anspruch?

Wer seinen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis wahrnehmen will, sollte damit nicht zu lange warten: Drei Jahre nach Ende des Beschäftigungsverhältnisses verfällt dieser.

Arbeitszeugnis Wunsch: Wie bitte ich darum?

Der Arbeitszeugnis Anspruch besteht nur für das „einfache Zeugnis“. Bedeutet: Für das „qualifizierte Arbeitszeugnis“ gilt eine Holschuld. Sie müssen aktiv darum bitten. Das können (und sollten) Sie schriftlich tun. Idealerweise mit einem Vorlauf von drei bis vier Wochen, bevor das Arbeitsverhältnis endet. Für die Anfrage reicht ein einfacher Zweizeiler. Beispiel Formulierung:


Sehr geehrter Herr _____, hiermit bitte ich höflich um Ausstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses für meine Beschäftigung vom TT.MM.JJJJ bis TT.MM.JJJJ.

Mit freundlichen Grüßen
Max Muster

Schlechtes Arbeitszeugnis: Wie kann ich mich wehren?

Falls das Arbeitszeugnis schlecht ausfällt oder (formale) Fehler enthält, können Arbeitnehmer umgehend Nachbesserung oder Austausch verlangen. Missverständliche oder widersprüchliche Formulierungen sowie Rechtschreibfehler müssen Sie im Zeugnis nicht akzeptieren. All das können Sie anfechten. Damit sollten Sie allerdings nicht zu lange warten: Der Anspruch auf Korrekturen am Arbeitszeugnis verfällt nach maximal 15 Monaten.

Arbeitszeugnis Recht: Wie setze eine Korrektur durch?

Wer mit seinem Arbeitszeugnis nicht einverstanden ist, hat drei Optionen:

  • Direkte Ansprache
    Den Chef direkt anzusprechen, ist der beste Weg. Ein schlechtes Zeugnis muss nicht mutwillig negativ sein. Die Bitte um Korrektur kann oft das Problem beseitigen.
  • Schriftlicher Widerspruch
    Lässt die Korrektur auf sich warten oder zeigt sich der Arbeitgeber uneinsichtig, sollten Sie einen schriftlichen Widerspruch formulieren. Darin führen Sie alle Passagen auf, die Sie beanstanden und schlagen Alternativformulierungen vor.
  • Gerichtliche Klage
    Erfolgt trotz der schriftlichen Aufforderung keine Korrektur, haben Sie das Recht, drei Wochen nach Erhalt des Arbeitszeugnisses eine Zeugnisberichtigungsklage einzureichen. Allerdings liegt die Beweislast bei Ihnen, solange das Zeugnis nicht schlechter als Durchschnittsnote 3 ausfällt.

Was darf nicht im Zeugnis stehen?

Wegen der Wahrheits- und Vollständigkeitspflicht dürfen keine wichtigen Tätigkeiten ausgelassen oder falsch dargestellt werden. Zudem darf das Arbeitszeugnis keine Krankheitsauskünfte geben. Oder (beim Ausbildungszeugnis) nicht bestandene Prüfungen erwähnen. Auch der Kündigungsgrund beziehungsweise Beendigungsgrund der Beschäftigung darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Arbeitnehmers im Arbeitszeugnis stehen. Informationen (auch unterschwellige) über Parteimitgliedschaft oder Gewerkschafts-Engagement sind im Arbeitszeugnis generell verboten.

Wer muss das Arbeitszeugnis unterschreiben?

Die Unterschrift muss immer noch von einer dazu berechtigten Person stammen. Erst Unterschrift und Firmenstempel machen daraus eine Urkunde. Achtung: Wer diese Urkunde manipuliert oder frisiert, begeht Urkundenfälschung. Die rechtfertigt auch Jahre nach der Einstellung eine fristlose Kündigung und Anzeige.

Wie lange muss ich auf das Arbeitszeugnis warten?

Leider existiert keine rechtliche Regelung, wie schnell das Arbeitszeugnis ausgestellt werden muss. Im Arbeitsrecht spricht man nur von einer „angemessenen“ Ausstellungszeit. Wenn Sie schon ausgeschieden sind und noch kein Zeugnis haben, dürfen Sie Druck machen. Bitte immer schriftlich, um dies später nachweisen zu können. Stellt der Arbeitgeber auch nach wiederholter Aufforderung kein Arbeitszeugnis aus, müssen Sie vor dem Arbeitsgericht klagen.

Muss ich das Arbeitszeugnis persönlich abholen?

Im Zweifel, ja. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, das Arbeitszeugnis per Post zu schicken. Nur wenn die Reisekosten für das Abholen unzumutbar wären, muss es verschickt werden. Ansonsten kann man Arbeitnehmer auffordern, das Arbeitszeugnis persönlich abzuholen.

Kann ich das Arbeitszeugnis in der Bewerbung weglassen?

Können Sie – sollten Sie aber nicht. Ein fehlendes Zeugnis in den Anlagen deuten Personaler regelmäßig als Indiz dafür, dass der Bewerber etwas verbergen will. Spätestens im Vorstellungsgespräch fragen sie nach. Der Bluff fliegt also nur später auf. Besser ist, mögliche Differenzen und Fehler proaktiv und konstruktiv anzusprechen. Motto: „Was ich heute besser mache…“ Sie beweisen so Lernwillen und Lernfähigkeit. Das erhöht die Bewerbungschancen.

3 weitere Zeugnisarten und 4 Alternativen

Zwischenzeugnis

Das Zwischenzeugnis wird während des Beschäftigungsverhältnisses ausgestellt. Häufige Gründe: interne Jobwechsel, Beförderung, Wechsel des Vorgesetzten oder Betriebsübernahme. Im Gegensatz zum Arbeitszeugnis besteht aber kein Anspruch auf ein Zwischenzeugnis.

Es existiert als einfaches oder qualifiziertes Zwischenzeugnis und kann bis zu zwei DIN A4 Seiten umfassen. Es wird immer im Präsens verfasst, weil das Beschäftigungsverhältnis noch andauert. Leistung und Verhalten werden darin oft besser bewertet, um den Mitarbeiter zu motivieren und die Zusammenarbeit zu fördern. Vorteil: Spätere Zeugnisse dürfen dann nur noch aus triftigen Gründen von der Beurteilung im Zwischenzeugnis abweichen (sogenannte „Bindungswirkung“).

Praktikumszeugnis

Praktikanten sind Arbeitnehmer. Entsprechend haben auch sie Anspruch auf ein Praktikumszeugnis. Wie beim Arbeitszeugnis gibt es auch hier eine einfache und qualifizierte Variante. Beide unterscheiden sich nicht in Aufbau und Inhalt vom klassischen Zeugnis. Da das Praktikumszeugnis gerade Berufseinsteigern bei der Bewerbung hilft, sollten sie immer eines verlangen.

Als Alternative dient die sogenannte Praktikumsbescheinigung. Sie beinhaltet Angaben zu Art und Dauer des Praktikums, aber keine Informationen über die Aufgaben und Leistungen des Praktikanten.

Ausbildungszeugnis

Bei Ende der Ausbildung erhalten Azubis ein Ausbildungszeugnis. Aufbau und Inhalt unterscheiden sich nicht von dem eines Arbeitszeugnisses. Zudem besteht nach §16 BBiG ebenfalls ein Anspruch darauf. Das Ausbildungszeugnis enthält neben allen wichtigen Stammdaten, Aufgaben und Tätigkeiten eine Leistungsbeurteilung sowie den „Prüfungsvermerk“ mit der Note der Abschlussprüfung. Oft vermerkt der auszubildende Betrieb darin, ob der Auszubildende übernommen wurde – oder den Beendigungsgrund.

Arbeitszeugnis Alternativen

Die Kritik am Arbeitszeugnis nimmt seit Jahren zu. Deshalb gibt es zum Arbeitszeugnis Alternativen. Diese müssen oft weniger gesetzliche Auflagen erfüllen, werden von Personalern aber nicht gleichermaßen anerkannt.

  • Tätigkeitsbeschreibung
    Die sogenannte ausführliche Arbeits- und Tätigkeitsbeschreibung ist häufig aussagekräftiger als ein Arbeitszeugnis. Sie gibt einen Einblick in alle Aufgabenbereiche und Projekte, schärft das Profil und nennt persönliche Stärken. So kann ein zukünftiger Arbeitgeber sehen, welche Leistungen und Erfolge Sie realisiert haben und wie Sie bei Ihrer Arbeit vorgehen.
  • Referenzen und Empfehlungsschreiben
    Wer im Guten geht, kann ehemalige Vorgesetzte oder Mentoren um Referenzen oder ein Empfehlungsschreiben bitten. Überlegen Sie, was einen zukünftigen Arbeitgeber überzeugen könnte. Das Empfehlungsschreiben sollte überdies Kontaktmöglichkeiten enthalten, damit der Personaler sich von der Referenz überzeugen kann.
  • Mitarbeiterbeurteilung
    Führungskräfte können eine Mitarbeiterbeurteilung als Zeugnisersatz ins Vorstellungsgespräch mitnehmen oder als Anlage zur Bewerbungen verschicken. Es dient als Nachweis eines tadellosen Führungsverhaltens. Alternativ funktionieren auch Bewertungen aus Assessment Centern oder 360-Grad-Feedbacks.
  • Testimonials
    Selbstständige oder Freelancer, die zurück in die Festanstellung wechseln, besitzen kein Arbeitszeugnis aus bisheriger Tätigkeit. Sie können branchenrelevante Kunden und Klienten um ein Testimonial bitten. Das sind lobenden Zitate zu Arbeitsweise oder Qualifikationen. Alternativ können Sie auch auf die Bewertungen und Referenzen auf Linkedin verweisen.

Ihre Bewerbungsunterlagen sollten maximal 10 DIN A4 Seiten nicht übersteigen. Mehr will kein Personaler beim Erstkontakt lesen. Wählen Sie daher nur die aktuellsten und für den Job relevantesten Arbeitszeugnisse aus. Weitere Dokumente können Sie nachreichen. Achten Sie umso auf Rechtschreibfehler. Schlampigkeiten und Fehler im Zeugnis wirken genauso negativ wie im Anschreiben oder Lebenslauf.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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11. November 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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