Bewerbungsgespräch: Ablauf, Vorbereitung, Tipps

Ein Bewerbungsgespräch ist die große Chance auf den Traumjob: Sie und Ihre Bewerbung haben das Unternehmen bereits neugierig gemacht. Jetzt geht es darum, auf den letzten Metern zu überzeugen und den positiven Eindruck im Bewerbungsgespräch zu bekräftigen. Allerdings spielen Nervosität und Unsicherheit immer mit hinein und können zu fiesen Stolpersteinen werden: Wie bereite ich mich am besten vor? Welches Outfit ist für ein Bewerbungsgespräch geeignet? Welche Fragen kommen auf mich zu und wie verhalte ich mich richtig? Hier erfahren Sie, was Sie zum Bewerbungsgespräch wissen müssen, um dieses erfolgreich zu meistern…

Bewerbungsgespräch: Ablauf, Vorbereitung, Tipps

Bewerbungsgespräch: Das kommt auf Sie zu

Nach einer erfolgreichen schriftlichen Bewerbung kommt die Einladung zum Bewerbungsgespräch. Ein Grund zur Freude, weil Sie dem Job einen großen Schritt näher gekommen sind. Leider kommt nach der ersten Freude meist die Angst und Fragen: Was kommt auf mich zu? Wie läuft das Bewerbungsgespräch ab? Woran muss ich denken? Zunächst einmal gilt: Keine Panik, ein Bewerbungsgespräch ist zwar eine Herausforderung, aber eine, auf die Sie sich sehr gut vorbereiten können.

Denkbar sind für ein solches Bewerbungsgespräch zwei Formen. Entweder in der klassischen Variante, in der Sie zum Unternehmensstandort eingeladen werden und ein Präsenzinterview haben oder als Telefon- beziehungsweise Videointerview, bei dem Sie nicht vor Ort anwesend sein müssen, sondern meist von zuhause aus ein digitales Bewerbungsgespräch führen.

Je nach Unternehmen und Position kann ein Bewerbungsgespräch aber durchaus unterschiedlich gestaltet werden. In diesem kostenlosen PDF stellen wir Ihnen vier Formen vor, die in der Praxis häufig zum Einsatz kommen.

Unabhängig von der Form ist der Ablauf eines Bewerbungsgesprächs meist typisch und durchläuft die gleichen Phasen:

Bewerbungsgespräch Ablauf Phasen Tipps

Nach ein wenig Smalltalk kommt die Selbstpräsentation von Ihnen als Bewerber. Sie stellen sich selbst vor, erklären Ihren bisherigen Werdegang, der Sie bis zu diesem Punkt geführt hat und auch, wie Sie den weiteren Weg bei diesem Unternehmen sehen. Anschließend wird es einige Fragen vom Personaler geben, um Sie und Ihre Fähigkeiten besser kennenzulernen. Bevor das Bewerbungsgespräch endet, haben auch Sie noch einmal die Chance, eigene Fragen zu stellen und für Sie wichtige Aspekte anzusprechen.

Die Größe des Personenkreises in einem Bewerbungsgespräch hängt von verschiedenen Faktoren ab. Beispielsweise richtet sie sich nach der Betriebsgröße, aber auch, ob der Bewerber schwerbehindert ist.

Je nachdem werden dann noch Betriebsrat und/oder Schwerbehindertenvertretung hinzugezogen. Allgemein lässt sich sagen, dass die Anzahl der Vertreter des Unternehmens mit der Wertigkeit der Stelle steigt, das heißt, der Aufwand für einen Spezialisten ist deutlich höher als für einen Auszubildenden.

Vorbereitung zum Bewerbungsgespräch: Informationen und Recherche

Zwischen der Einladung zu einem Bewerbungsgespräch und dem Termin selbst können einige Tage oder auch Wochen liegen. In dieser Zeit gilt es sich auf den großen Tag richtig vorzubereiten. Das bedeutet vor allem viel Recherchearbeit; sofern Sie das nicht bereits beim Verfassen der Bewerbung erledigt haben, sollten Sie folgende Fragen für sich klären:

  • Woher kommt das Unternehmen, wo liegen die Firmenstandorte (gegebenenfalls: Mutter-/Tochterfirma)?
  • Wo steht das Unternehmen momentan wirtschaftlich?
  • Wie viele Angestellte gibt es?
  • Welche Ideale und Werte verkörpert das Unternehmen?
  • Plant das Unternehmen demnächst zu expandieren?
  • Wie sehen Ihre Aufgabenbereiche auf? Welche Erwartungen und Ziele sind damit verbunden?

Fragen wie diese helfen Ihnen dabei, sich ein besseres Bild vom Unternehmen zu machen und im Bewerbungsgespräch zu zeigen, dass Sie gut vorbereitet sind und sich intensiv mit dem Unternehmen beschäftigt haben. Idealerweise informieren Sie sich umfassend auf der Unternehmenswebsite über Ihren potenziellen Arbeitgeber. Darüber hinaus können auch Unternehmensseiten auf Facebook oder Twitterprofile eine Hilfe sein.

Zu der Vorabrecherche gehört auch unbedingt, dass Sie den genauen Ort in Erfahrung bringen, um auf jeden Fall pünktlich zu sein. Wer ein Vorstellungsgespräch im Wohnort hat, hat einen gewissen Heimbonus, allerdings empfiehlt es sich auch hier großzügig Zeit für den Weg einzuplanen, da der genaue Gebäudeteil, die Etage et cetera möglicherweise doch gesucht werden müssen.

Müssen Sie hingegen zum Bewerbungsgespräch in eine andere Stadt, sollten Sie Staus und Verspätungen bei Reisen mit der Bahn unbedingt einkalkulieren und nötigenfalls einen Zug vorher nehmen oder einen Tag früher anreisen und im Hotel übernachten.

Kleidung im Bewerbungsgespräch: Ein passendes Outfit wählen

Eine gepflegte Erscheinung ist unerlässlich um im Bewerbungsgespräch zu punkten. Dazu gehören zunächst die Basics der Körperhygiene: Frisch geduscht, saubere Hände und Nägel, ein gepflegter Haarschnitt und – falls bei Männern vorhanden – ein ordentlich getrimmter Bart.

Unsicher sind viele Kandidaten bei der Kleidung für ein Bewerbungsgespräch. Grundsätzlich gilt dabei: Ihre Kleidung sollte den Eindruck machen, den Sie vermitteln wollen. Nicht billig und abgetragen, sondern professionell und wertig. Herren greifen dabei zu Anzug, Hemd und Krawatte, Frauen können einen Hosenanzug wählen oder auch auf einen Rock oder eine Stoffhose mit passender Bluse zurückgreifen.

Es muss kein teures Designer-Outfit sein, doch sollten Sie sich für ein Bewerbungsgespräch bestmöglich kleiden. Keine Fusseln oder lose Fäden und Nähte, keine Falten in der Kleidung, sondern frisch gebügelt und saubere Schuhe, die das Outfit abrunden.

Sollte es die finanzielle Situation zulassen, greifen Sie lieber auf hochwertige Materialien zurück, da diese sich im Endeffekt auszahlen. Die Kleidung kann – je nach Branche, wenn Sie beispielsweise eher in konservativ geprägten Bereichen wie im Banken- oder Versicherungswesen arbeiten – Teil Ihrer täglichen Arbeitskleidung werden.

Außerdem kleiden Sie sich für den Job, den Sie anstreben und nicht den, den Sie bereits haben. Sie wollen schließlich nicht irgendeine 08/15-Stelle, sondern Ihren Traumjob. Sie signalisieren so auch über die Kleidung, was Ihnen diese Stelle bedeutet.

Mehr zu der passenden Kleidung im Bewerbungsgespräch lesen Sie hier:

Der erste Eindruck im Bewerbungsgespräch

Bewerbungsgespräch erster Eindruck TippsIm Bewerbungsgespräch sind bereits die ersten Sekunden entscheidend. Es wird davon ausgegangen, dass es in den meisten fällen nur zwischen 90 und 100 Sekunden dauert, bis sich entscheidet, ob der Personaler einem Bewerber den Job geben möchte oder nicht. Sie haben somit rund anderthalb Minuten Zeit, um den optimalen ersten Eindruck zu erwecken und eine Tendenz zu Ihren Gunsten herzustellen.

Das soll nicht heißen, dass Sie den Rest des Bewerbungsgesprächs nicht mehr ernst nehmen müssen, doch kommt den ersten Eindruck eine besondere Bedeutung zu. Achten Sie darauf: Der erste Eindruck beginnt bereits vor Beginn des eigentlichen Bewerbungsgespräches, nämlich wenn Sie begrüßt und in den Gesprächsraum hineingebeten werden.

Ein freundliches und professionelles Auftreten, ein offenes und sympathisches Lächeln, ein fester Handschlagscheinbare Kleinigkeiten können den Unterschied ausmachen. Wichtig ist, dass Sie mit Selbstsicherheit ins Bewerbungsgespräch gehen. Die oben angesprochene Vorbereitung und richtige Kleidung im Bewerbungsgespräch hilft Ihnen dabei.

Bewerbungsgespräch: Das richtige Verhalten

Im Bewerbungsgespräch sind Kandidaten von Anfang bis Ende nervös. Das ist ganz normal, schließlich geht es für Sie um eine wichtige Stelle und es zeigt, dass Sie diese wirklich wollen. Mit der Unsicherheit kommen viele Fragen. Allen voran: Wie soll ich mich im Bewerbungsgespräch verhalten?

Eine gute Nachricht für alle besonders nervösen Bewerber: Im Bewerbungsgespräch können Sie sich durch weite Teile vom Personaler leiten lassen. Dieser übernimmt klassischerweise die Führung im Gespräch, was Ihnen die Möglichkeit gibt, zu reagieren. Das beginnt bereits bei der Begrüßung. Klassischerweise reicht der Personaler die Hand zuerst, Sie ergreifen diese. Der Personaler bietet Ihnen einen Platz an, Sie setzen sich.

Für Ihr Verhalten im Bewerbungsgespräch gibt es keine klaren Regeln, jedoch drei Aspekte, auf die Personaler achten und mit denen Sie punkten können:

Wer sich nur verstellt, eine Fassade aufbaut und versucht, dem Personaler im Bewerbungsgespräch nur etwas zu zeigen, was er eigentlich nicht ist, hat meist schlechte Karten. Geübte Personaler durchschauen fehlende Authentizität sehr schnell und ziehen daraus entsprechende Schlüsse.

Wenn Sie nicht ehrlich antworten oder nur runterbeten, was Sie vorher auswendig gelernt haben, wirkt das nicht überzeugend, sondern erweckt den Eindruck, Sie hätten etwas zu verbergen.

Aus diesem Grund ist auch Blickkontakt im Bewerbungsgespräch wichtig, aber bitte ohne Ihren Gegenüber durchdringend anzustarren.

Gelingt es Ihnen zudem, Ihre Professionalität unter Beweis zu stellen – nicht nur durch Worte, sondern durch Ihr gesamtes Verhalten – steigen Ihre Chancen erheblich. Was Sie sagen, ist dabei nur ein Teil der Kommunikation, Personaler achten gleichzeitig sehr genau auf nonverbale Signale wie Körpersprache, Gestik und Mimik.

Professionell kann es beispielsweise wirken, wenn Sie Ihre Bewerbungsunterlagen mit zum Gespräch bringen und sich während der Unterhaltung Notizen machen. Natürlich sollten Sie dem Bewerbungsgespräch weiterhin folgen können, doch Sie signalisieren damit Interesse am Gesagten und können im Verlauf des Gesprächs passende Rückfragen stellen.

Bei der Sympathie geht es weniger um Vitamin B, sondern um die Frage, ob Sie ins Team passen. Künftig arbeiten Sie schließlich mit anderen zusammen und sollen im Team Erfolge erzielen. Personaler achten deshalb bereits im Bewerbungsgespräch auf Persönlichkeit und Soft Skills, um einstufen zu können, ob Sie sich gut mit den Kollegen verstehen.

Interview: „Sei einfach du selbst bringt nichts“

Yvonne de Bark Schauspielerin Körpersprache InterviewWie wichtig ist Authentizität im Bewerbungsgespräch? Und wie viel Schauspielerei ist dabei erlaubt? Dazu haben wir mit der renommierten Schauspielerin und Körpersprache-Expertin Yvonne de Bark gesprochen. Die Autorin, Hochschuldozentin an der Steinbeis-Universität und Beraterin im Bereich der nonverbalen Kommunikation unterstützt unter anderem Vorstände in DAX-Unternehmen, schult Politiker für den richtigen Auftritt und hält Seminare, wie man seine Wirkung besser einsetzen kann. Sie ist davon überzeugt, dass sich niemand dauerhaft verstellen kann – und sollte.

Frau de Bark, darf ich im Vorstellungsgespräch so sein, wie ich will?

Klar, Sie dürfen immer sein, wie Sie wollen. Aber Sie selbst haben es in der Hand, so zu wirken, wie Sie wirken wollen.

Was meinen Sie damit?

In einem Jobinterview versuchen sich natürlich alle von der besten Seite zu zeigen. Dabei läuft der Bewerber Gefahr, sich zu verstellen, um möglichst gut dazustehen. Wenn ihm das Verstellen aber nicht gelingt, wirkt das sofort gespielt. Dabei würde der Personaler doch gerne den Menschen kennenlernen, der für viele Jahre ins Team passen soll. Eine Maske aufzusetzen, ist hier ein fataler Hemmschuh und führt nicht zum Ziel. Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen so tun als ob und seine Rolle perfekt auszufüllen.

Nämlich?

Das eindeutigste Erkennungsmerkmal schlechter Schauspielerei ist, wenn die Körpersprache nicht mit der inneren Haltung übereinstimmt. Der Bewerber kann nicht vorspielen selbstbewusst zu sein, wenn er es nicht ist. Er kann nicht spielen, jemanden zu mögen, wenn er ihn nicht ausstehen kann. Und er kann nicht vorspielen, er sei die Ruhe in Person, wenn sein Herz bis zum Hals schlägt. Das funktioniert einfach nicht.

Die Körpersprache verrät jeden, der versucht etwas anderes darzustellen, als er ist. Sei es eine erhöhte Blinzelrate, eine verschlossene Sitzhaltung oder eine zu lässige Haltung auf dem Stuhl – in Kombination mit Nervositätsflecken am Hals. Oder auch wenn die Körpersprache erst nach dem gesprochenen Wort kommt.

Unsere Körpersprache entspringt dem limbischen System und dem Reptiliengehirn. Beide Teile des Gehirns sind nicht für kognitive Prozesse verantwortlich, sondern für Emotionen und Überleben. Und weil Überleben evolutionsbedingt schon immer wichtiger ist als das Denken, ist die Körpersprache unter Stress schwer steuerbar. Personaler sind in der Regel geschult oder haben die Erfahrung, schlechte Schauspielerei zu erkennen. Ist der Bewerber sich allerdings seiner Rolle bewusst, die er im Unternehmen einnehmen wird und auch bereit, diese auszufüllen, kann das eine fruchtbare Zusammenarbeit werden.

Aber versuchen sich nicht alle von der Schokoladenseite zu präsentieren? Wo beginnt da die Schauspielerei, wo hört Authentizität auf?

Aufgesetzte und meist durchschaubare Schauspielerei beginnt da, wo sich der Bewerber erfolglos abmüht, etwas darzustellen, was er oder sie nicht ist. Immerhin: Nicht alle Menschen erkennen das gleichermaßen gut. Schauspielern funktioniert letztlich nur, wenn das Gespielte nah an der Authentizität ist.

Das müssen Sie erklären.

Bei einem Casting für eine Filmrolle bekommen jene Bewerber den Job, die von ihrer Authentizität her viel für die Rolle mitbringen. Nehmen Sie zum Beispiel Jürgen Vogel: Er würde niemals die Rolle eines steifen Anwalts in einem großen Konzern bekommen. Und würden Sie Iris Berben in der Rolle einer kleinen Praktikantin sehen, die sich wegduckt, sobald der Chef den Raum betritt? Das passt einfach nicht, da hilft die beste Schauspielkunst nicht.

Aber ist nicht genau das die Kunst des Schauspielers: Jemanden darzustellen, der er oder sie nicht ist?

Wir Schauspieler verstellen uns nicht. Wir sind in diesem Moment das, was die Rolle von uns verlangt. Wenn ich weine, dann bin ich traurig; wenn ich lache, dann bin ich fröhlich. Anders wäre eine überzeugende Darstellung nicht möglich. Wir Schauspieler sind es nur gewohnt, Emotionen zu produzieren und haben gelernt, sie im richtigen Moment abzurufen. Dazu gehört Vorbereitung, Konzentration und Mut.
Wer das nicht gelernt hat, kann nicht überzeugen.

Gute Schauspielerei aber bedeutet nicht, sich eine Rolle auszudenken. Es bedeutet vielmehr das, was man von seiner Persönlichkeitsstruktur schon vorgegeben hat, in die situationsangepasste richtige Richtung zu schieben. Der Zuschauer denkt dann nicht mehr darüber nach, ob es gespielt ist oder nicht, sondern genießt.

Sie sagen also, man kann gar nicht aus seiner Haut?

Genau. Menschen haben genetisch vererbte und durch Erfahrung erworbene Merkmale in ihrer Persönlichkeitsstruktur, die willentlich nicht veränderbar sind. Sie können diese auch nicht einfach an- oder abstellen. Dazu gehören zum Bespiel der Grad an Zielstrebigkeit, Struktur, Wissbegier, Teamgeist, Veränderungsbereitschaft, der momentane IQ und die Fähigkeit mit Menschen umzugehen. Menschen können sich nur bis zu einem gewissen Grad verstellen. Aber das, was sie in die Wiege gelegt bekommen haben und was sie im Laufe ihres Lebens geprägt hat, können sie nicht mal eben für ein Bewerbungsgespräch verändern.

Wie sollten sich Bewerber dann am besten präsentieren?

Das Problem ist, dass der gut gemeinte Ratschlag – sei einfach du selbst – überhaupt nichts bringt. Im Moment des höchsten Stresses sind wir nun mal nicht wir selbst und unser Gehirn geht in den Überlebensmodus. Jede Regung im Gesicht des Personalers wird von uns bewertet und kann zu Fehlinterpretationen führen.

Zu denken, der findet mich nicht gut, kann eine ungünstige Kettenreaktion in unserem Gehirn auslösen: Wenn der mich nicht gut findet, muss ich irgendwas anders machen, um zu retten, was zu retten ist. Und der Personaler denkt: Auweia, der versucht aber jetzt hier eine Show abzuziehen. Der Bewerber wiederum interpretiert: Mist, der findet mich ja wirklich schrecklich. Und wirkt prompt noch verkrampfter und verzweifelter. Eine Abwärtsspirale entsteht.

Was also tun?

Nutzen Sie den sogenannten Rückkopplungseffekt. Was Sie im Körper machen, wirkt sich auf Ihr Gehirn aus und umgekehrt. Damit verstellen Sie sich nicht, sondern nutzen das, was uns seit mehreren Millionen Jahren das Überleben in der Gruppe gesichert hat.

Heißt konkret?

Lächeln Sie. Jemand, der ehrlich lächelt, wirkt auf unser Steinzeitgehirn ungefährlich und suggeriert, dass wir ihm vertrauen können. Suchen Sie sich etwas an dem anderen, das Sie mögen. Das wirkt sich auf die innere Einstellung aus und Sie strahlen von Innen.

Stehen oder sitzen Sie außerdem gerade. Eine aufrechte Haltung suggeriert dem Gegenüber, dass wir kompetent und souverän sind. Denken Sie sich dazu einen imaginären Faden aus Ihrem Scheitelpunkt am Kopf und stellen Sie sich vor, wie der nach oben zieht. Dadurch richtet sich die Wirbelsäule auf, der Nacken wird durchblutet und Sie stehen aufrecht und wirken stark und kompetent.

Neigen Sie beim Zuhören zudem den Kopf zur Seite, um Interesse zu signalisieren. Sie präsentieren so die verletzliche Halsseite und senden das Signal: Ich bin nicht gefährlich, du kannst mir vertrauen. Das gilt aber vorrangig für Frauen. Ein Mann mit zur Seite geneigtem Kopf wirkt eher befremdlich als kommunikativ.

Und das Wichtigste: Seien Sie emphatisch. Zeigen Sie dem Personaler, dass Sie zuhören und freuen Sie sich, wenn er sich freut. Das wirkt enorm anziehend, weil der andere sich dann verstanden fühlt. So stellen Sie schnell eine Vertrauensbasis her. Sollten Sie nicht sicher sein, ob Sie Gefühle spiegeln können, nehmen Sie sich spaßeshalber mal mit der Kamera Ihres Smartphones auf und versuchen folgende Emotionen zu zeigen: Traurig, wütend, erstaunt, bewundernd, skeptisch. Dann zeigen Sie das Ergebnis einer vertrauten Person. Diese soll erraten, welche Emotionen Sie gezeigt haben.

Ist das wirklich so einfach?

Im Prinzip ja. Aber es gibt natürlich auch ein paar Reize, die beim Personaler unbewusst Unwohlsein hervorrufen können. Trotz gerader Haltung und strahlendem Lächeln…

Welche wären das?

Nuschelnde Menschen zum Beispiel wirken nicht nur inkompetent, sondern machen uns regelrecht aggressiv. Bewerber sollten also stets auf eine gute und klare Aussprache achten. Nuscheln kann übrigens ganz einfach vermieden werden, indem Sie zu Übungszwecken die Zunge weit herausstrecken, dann ein paar Zeilen laut vorlesen und dabei so überdeutlich sprechen, dass jeder Vokal und Konsonant zu verstehen ist.

Nun stellen Personaler einem aber gerne auch einmal unangenehme Fragen oder provozieren. Weglächeln funktioniert da nicht…

Stimmt. Auf unangenehme Fragen sollte jeder Bewerber vorbereitet sein. Lücken im Lebenslauf, häufige Jobwechsel in der Vergangenheit – das sind Punkte, auf die man eine gute Antwort parat haben sollte. Wenn mich jemand in einem Gespräch dennoch in Bedrängnis bringt und mir trotz bester Vorbereitung die Sprache wegbleibt, wende ich den 3-Sekunden-Blick an: Ich blicke meinem Gegenüber gelassen in die Augen. Meine Mimik bleibt dabei ruhig. In Gedanken sage ich zu ihm: Ach, du Armer, hast du so was nötig? Wichtig ist hierbei den Blickkontakt über drei Sekunden zu halten. Natürlich sollten Sie das zuerst mit Freunden üben. Es gehört eine Menge Mut dazu, drei Sekunden wortlos den Blickkontakt zu halten. Aber die Wirkung ist enorm.

Frau de Bark, Danke für das Gespräch.

Mehr zu der richtigen Körperhaltung im Bewerbungsgespräch, Gestik und Mimik lesen Sie hier:

Fragen und Antworten im Bewerbungsgespräch: So reagieren Sie

Gesprächsthemen gibt es wie Sand am Meer. Einige klassische Fragen tauchen dennoch immer auf, daher können Sie sich gut auf diese vorbereiten. Nebendem sollten Sie allerdings auch Ihre Rechte kennen: Bei Fragen, die der Arbeitgeber nicht stellen darf – etwa, ob Sie demnächst Nachwuchs planen oder schwanger sind – haben Sie das Recht zu lügen.

Für gewöhnlich wird man Sie zu Ihrem beruflichen Werdegang befragen. Dabei sollten Sie nicht bei Adam und Eva anfangen und erzählen, welche Grundschule Sie besucht haben, sondern sich auf die für diese Stelle wichtigen Punkte konzentrieren. Ein weiterer Klassiker der Fragen im Bewerbungsgespräch lautet: Warum bewerben Sie sich bei uns?


Jedes Unternehmen interessiert sich für die Motivation des Bewerbers, die mit der Frage nach dem Bewerbungsgrund abgetastet wird. Überlegen Sie sich deshalb bereits im Vorfeld, was Sie motiviert hat, genau bei diesem Unternehmen arbeiten zu wollen.

Ist das Unternehmen beispielsweise Marktführer in einem bestimmten Bereich? Können Sie sich besonders mit der Unternehmenspolitik wie zum Beispiel Nachhaltigkeit identifizieren? Ist es die Zukunftsorientierung? Möglichkeiten gibt es viele, doch sollten Sie wissen, was Ihre Motivation ist, um die Frage zu beantworten.

Knifflig sind im Bewerbungsgespräch auch Fragen nach den persönlichen Stärken und Schwächen. Einerseits sind Antworten wie Ich bin perfektionistisch fehl am Platze. Denn mit einer scheinbaren Schwäche wie dieser, die sich aus Arbeitgebersicht in Wirklichkeit als Stärke entpuppt, lockt man heutzutage keinen Personaler mehr hinterm Ofen hervor.

Besser ist es, im Bewerbungsgespräch auf Eigenschaften und Kenntnisse einzugehen, an denen Sie gerade arbeiten. So geben Sie eine ehrliche Schwäche zu, was authentisch wirkt und sympathisch macht – zeigen gleichzeitig aber sofort Ihre Lernbereitschaft und dass Sie wissen, wo Sie sich verbessern möchten.

Ebenso vorsichtig sollten Sie bei Fragen nach Ihrem ehemaligen Arbeitgeber sein: Das ist nicht der Zeitpunkt, an dem Sie über Ihren alten Arbeitgeber vom Leder ziehen sollten. Wenn es Konflikte gegeben hat, die Sie zum Verlassen bewogen haben, dann sollten Sie diese lieber verschweigen und stattdessen auf Ihre persönlichen beruflichen Ziele eingehen.

Signalisieren Sie, dass Sie neue Herausforderungen suchen und sprechen Sie beispielsweise über Aufgabenbereiche der anvisierten Stelle.

So bereiten Sie sich richtig auf Fragen im Bewerbungsgespräch vor:

Und hier haben wir einige Beispiele zusammengestellt, wie Sie es nicht machen sollten:

Verabschiedung im Bewerbungsgespräch: Sie haben es geschafft

Das Ende eines Bewerbungsgesprächs ist meist der beste Part für den Bewerber, jetzt haben Sie es hinter sich gebracht, in den folgenden Tagen entscheidet sich, wie erfolgreich oder nicht Ihre Performance war.

Wie für den Beginn des Gesprächs gilt auch hier, dass der Personaler das Gespräch führt beziehungsweise beendet. Es sei denn, Sie merken bereits nach kurzer Zeit im Bewerbungsgespräch, dass eine Zusammenarbeit für Sie vollkommen außer Frage steht, weil Sie sich das Unternehmen oder die Position vollkommen anders vorgestellt haben. In diesem Sonderfall können Sie ein Bewerbungsgespräch jederzeit von sich aus beenden – aber bitte freundlich und professionell.

Die letzten Minuten im Bewerbungsgespräch eignen sich sehr gut, um noch abschließende Fragen zu stellen. Besonders wichtig und für Sie interessant ist der weitere Verlauf. Wann meldet sich das Unternehmen wieder bei Ihnen? Was sind die nächsten Schritte im Bewerbungsprozess? Fragen Sie nach, bevor Sie sich verabschieden.

Ist das Bewerbungsgespräch vorbei und Sie befinden Sie auf dem Heimweg, sollten sich einige Minuten zur Selbstreflexion nehmen. Wie ist das Bewerbungsgespräch gelaufen? Waren Sie mit sich und Ihren Antworten zufrieden? Wenn ja, was ist gut gelaufen? Wenn nein, was würden Sie das nächste Mal besser machen wollen?

Überlegen Sie auch, ob das Unternehmen Sie überzeugen konnte, ob alle Ihre Fragen zufriedenstellend geklärt wurden. Wenn Sie mit dem Ablauf zufrieden waren und Sie dort arbeiten möchten, spricht nichts dagegen, sich nach dem Gespräch per E-Mail kurz bei dem Gesprächspartner für das freundliche Gespräch zu bedanken.

[Bildnachweis: Dima Sidelnikov by Shutterstock.com]

Weitere Tipps und Dossiers zum Bewerbungsgespräch

Vorstellungsgespräch Ablauf

Vorstellungsgespräch Tipps
5 typische Gesprächsphasen
Vorstellungsgespräch vorbereiten
Vorstellungsgespräch Checkliste
Dresscode
Begrüßungstipps
Selbstpräsentation
Soft Skills
Authentisch sein
Gesprächsführung
Vorstellungsgespräch beenden

Interview Arten

Assessment Center
Stressinterview
Vorstellungsgespräch auf Englisch
Strukturiertes Interview
Bewerbungsgespräch per Video
Telefoninterview Tipps
Zweites Vorstellungsgespräch
Anruf vom Headhunter
Outplacement Beratung

Typische Fragen

100 Fragen an Bewerber
25 Fangfragen
Stressfragen
Wie hoch war Ihr letztes Gehalt?
Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?
Warum haben Sie gekündigt?
Haben Sie sich woanders beworben?
Was wären Sie für ein Tier?
Warum sollten wir Sie einstellen?
Wie stehen Sie zu Überstunden?
Was sind Ihre Schwächen?
Unzulässige Fragen
Rückfragen an Personaler

Tipps & Tricks

Bewerbungsgespräch Tipps
Vorstellungsgespräch trainieren
Bewerbungsgespräch Fehler
Notlügen im Vorstellungsgespräch
Körpersprache Tipps
Nervosität überwinden
Wohin mit den Händen?
Tipps gegen Prüfungsangst

Organisation

Gesprächstermin verschieben
Vorstellungsgespräch absagen
Vorstellungsgespräch abbrechen
Reisekosten: Wer zahlt?
Vorstellungsgespräch gut gelaufen?
Nachfassen
Vorstellungsgespräch Nachbereitung
Achten Sie aufs Umfeld

PS: Nutzen Sie zur Jobsuche unsere Jobbörse!


29. November 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!