Bewerberfrage: Wie stehen Sie zu Überstunden?

In manchem Vorstellungsgespräch kommt direkt die Frage nach möglicher Mehrarbeit: „Wie stehen Sie zu Überstunden?“ – Studien zufolge macht jeder Beschäftigte in Deutschland im Schnitt 13 bezahlte und 12 unbezahlte Überstunden im Jahr. Wenn also Personaler schon im Bewerbungsgespräch danach fragen, sollten Sie im Job mit regelmäßigen Überstunden rechnen. Wie aber richtig auf die Frage antworten ohne sich festzulegen? Das sind unsere Empfehlungen…

Vorstellungsgespraech Frage Ueberstunden Antworten

Gute Frage: Wie stehen Sie wirklich zu Überstunden?

Egal, wie sehr Sie den Job wollen oder brauchen: Die Frage nach den Überstunden ist ein guter Anlass, selbst zu reflektieren, wozu Sie später im Beruf tatsächlich bereit sind. Dauerhaft können Überstunden zur Belastung werden. Das sollten Sie weder unterschätzen, noch ignorieren. Fragen Sie sich daher:

  • Bin ich generell bereit, Überstunden zu leisten?
  • Wieviele Überstunden pro Woche wären für mich noch okay?
  • Wieviele Überstunden trägt meine Familie noch mit?
  • Welche Bedingungen müssen hierfür erfüllt sein?

Die Antworten auf diese Fragen helfen Ihnen überdies, einen möglichen Arbeitsvertrag genau unter die Lupe zu nehmen sowie Arbeitszeiten und Gehalt besser zu verhandeln.

Anzeige

Vorsicht Fangfrage im Vorstellungsgespräch

Die Frage nach den Überstunden zählt zu den Fangfragen im Bewerbungsgespräch: Sie klingt harmloser als sie ist!

Ein bedingungsloses „Nein. Ich mache nur ungern Überstunden“ wäre vielleicht ehrlich, stößt aber jeden Personaler vor den Kopf. Außerdem beweist es weder Einsatzbereitschaft noch Teamfähigkeit, wenn Sie Punkt 17 Uhr den Stift fallen lassen und Feierabend machen, während alle anderen noch das Projekt zuende bringen.

Wie Sie NICHT auf die Frage antworten sollten

Die meisten Bewerber denken spontan: „In jeder Firma gibt es mal Überstunden. Das gehört zum Job einfach dazu. Wird ja auch bezahlt. Also sollte man sagen, dass man grundsätzlich dazu bereit ist.“ Entsprechend antworten Sie – engagiert wie Sie nun mal sind: „Kein Problem! An Überstunden bin ich gewöhnt. Schon in vergangenen Jobs kam das öfter vor. Das ist nichts, was mich abschreckt.“

Was auf den ersten Blick einsatzfreudig klingt, ist jedoch ein großer Fehler und viel zu lapidar. Wer regelmäßig Überstunden macht, sagt damit indirekt:

  • „Ich bin schlecht organisiert und habe kein gutes Zeitmanagement, denn ich schaffe es nicht, meine Arbeit in der dafür vorgesehenen Zeit zu erledigen.“
  • „Ich habe kein vitales Privatleben und kaum Freunde. Mein Job ist für mich alles. Dem ordne ich alles andere unter.“
  • „Mit mir können Sie alles machen. Ich kann sowieso nicht Nein sagen oder mich durchsetzen.“

Natürlich könnten manche jetzt einwenden: Wieso? Das ist doch ein Traummitarbeiter, der zu allem „Ja“ sagt und sich derart leicht führen lässt!? Stimmt. Aber nur für Arbeitgeber, die kurzfristig denken.

Folgen Sie nicht Ihrem ersten Impuls!

Auf Dauer wird die Leistung eines Mitarbeiters, der ständig Überstunden macht, nicht besser. Im Gegenteil: Mit fehlendem Privatleben fehlt auch der psychosoziale Ausgleich und mentale Abstand zur Arbeit. Die mangelhafte Organisation wird immer mehr zur Belastung, Folge: Die Produktivität sinkt.

Und wer sich schon in eigener Sache nicht durchsetzen kann, qualifiziert sich noch weniger zum Leistungsträger mit Führungspotenzial. Folgen Sie bei dieser Frage also nicht Ihrem ersten Impuls, sondern antworten Sie bitte differenziert – wie prinzipiell auf alle Fangfragen!

Anzeige

Wie stehen Sie zu Überstunden? Gute Antworten

Zwar will der Arbeitgeber und Personaler bei dieser Frage im Vorstellungsgespräch wissen, ob man in heißen Projektphasen auf Sie zählen kann. Dieses Engagement können Sie aber genauso zeigen, ohne sich gleich bereitwillig ausbeuten zu lassen. Eine strategisch kluge Antwort lautet dann zum Beispiel so:

  • „Grundsätzlich versuche ich, meine Aufgaben in der dafür vorgegebenen Zeit zu erledigen. Aber natürlich weiß ich, dass es in jedem Job Unvorhergesehenes gibt, sodass man mal für Kollegen einspringen und flexibel sein muss. Ich suche in dieser Position eine neue Herausforderung und keinen 9-to-5-Job. Ich habe das Thema daher schon mit meinem Partner besprochen, und wir sind uns einig, dass gelegentliche Überstunden okay sind, wenn die Balance insgesamt stimmt.“

Vor allem der letzte Satz sagt, dass Sie erwarten, dass Überstunden eine Ausnahme bleiben und ausgeglichen werden müssen – zeitlich oder finanziell. Das tun Sie aber ohne dazu eine direkte Forderung zu formulieren.

Jeder Personaler wird den Wink verstehen, nimmt aber zugleich keine grundsätzliche Ablehnung oder gar Drohgebärde wahr. Gut so! Damit bleiben Sie souverän, professionell – ohne sich gleichzeitig festzulegen. Natürlich ist diese Antwort nur eine von mehreren Varianten. Wie Sie auf die Frage „Wie stehen Sie zu Überstunden?“ antworten, hängt immer vom jeweiligen Job und Umfeld ab. Entscheidend ist, etwaige Fallen durch eine differenzierte Antwort zu entschärfen.

Perfekt aufs Vorstellungsgespräch vorbereiten!

Meistern Sie die letzte Hürde vor dem Traumjob: das Vorstellungsgespräch. Unser Interviewtraining (8 Module, 3 Stunden Videos + Zusatzmaterial) hat schon mehr als 1000 Bewerberinnen und Bewerbern geholfen, alle 7 Phasen und Fragen zu knacken:

Jetzt Kurs kennenlernen

Anzeige

Bin ich zu Überstunden verpflichtet?

Als „Überstunden“ wird jene Arbeitszeit bezeichnet, die über die vertraglich vereinbarte hinausgeht. Eine gesetzliche Pflicht zu Überstunden gibt es nicht. Wieviele Stunden Sie am Tag arbeiten müssen, geht aus dem Arbeitsvertrag hervor. Der Arbeitgeber hat zwar ein Weisungsrecht, das erlaubt ihm aber nicht, von Ihnen permanent Überstunden zu verlangen. Ausnahmen: existenzbedrohliche Unternehmenskrisen oder ein betrieblicher Bedarf.

Ist ein Auftrag beispielsweise zeitkritisch und für das Unternehmen von überdurchschnittlicher wirtschaftlicher Bedeutung, kann der Arbeitgeber Überstunden anordnen. Er kann sogar die tägliche Arbeitszeit auf maximal 10 Stunden erhöhen. Jedoch nur vorübergehend. Und er muss dafür innerhalb von 6 Monaten einen entsprechenden Ausgleich schaffen. Zudem haben Sie nach einem überlangen Arbeitstag Anspruch auf eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden.


Was andere dazu gelesen haben

0 Kommentare
Wir freuen uns über Ihren Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

0 / 700