Heikle Fragen im Bewerbungsgespräch: So antworten Sie

Papier ist geduldig – aus diesem Grund stellen Personaler gerne heikle Fragen im Bewerbungsgespräch, um tatsächlich etwas über den Bewerber zu erfahren. Sie können aber beruhigt sein: In der Regel möchte der Personaler Sie nur etwas in Schwitzen bringen und Ihre Reaktion testen. Im Job ist nämlich auch nicht jeder Tag durchweg geschmeidig. Heikle Fragen sind daher auch dazu da, Ihre Stresstoleranz und Lösungsfindung zu testen. Das beruhigt Sie nicht wirklich? Dann haben wir eine Reihe Tipps und Tricks, wie Sie bestmöglich mit fiesen Fragen umgehen…

Heikle Fragen im Bewerbungsgespräch: So antworten Sie

Heikle Fragen im Bewerbungsgespräch: Warum Personaler sie stellen

Im Vorstellungsgespräch möchten Sie sich als Bewerber von Ihrer Schokoladenseite präsentieren – das weiß natürlich auch der Personaler. Und dessen Aufgabe ist es, nicht nur Ungereimtheiten im Lebenslauf aufzudecken, sondern auch auszuloten, ob Sie optimal auf die Stelle und vor allem auch in die Firma passen.

Jedes Jobinterview ist für Bewerber Werbung in eigener Sache – und wie echte Werbung auch, sind die Aussagen hin und wieder nur teilweise wahr. Der Personaler will aber wissen, mit wem er es zu tun hat und greift daher zu heiklen Fragen im Bewerbungsgespräch, die Sie aus der Reserve locken sollen.

Kurzum, Personaler stellen heikle Fragen im Bewerbungsgespräch, um Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Bewerbers zu ziehen. Sie möchten mehr über

  • die Motivation
  • die Wertvorstellungen
  • die Ziele
  • die Arbeitsweise

des Bewerbers erfahren.

Heikle Fragen: So antworten Sie

Eins ist also klar: Sie werden nur mit viel Glück um heikle Fragen im Bewerbungsgespräch herumkommen. Da ist es besser, sich schon vorab bestmöglich davor zu wappnen.

Halten Sie sich bitte immer vor Augen, dass der Personaler Sie (in der Regel) nicht vorführen, sondern aus Ihrer Komfortzone locken möchte. Heikle Fragen sind nicht böse gemeint, sondern sollen Sie lediglich testen.

Daher kommt es auch nicht in erster Linie darauf an, WAS Sie antworten, sondern WIE Sie es tun.

Die folgenden Tipps können dabei helfen:

  • Spontaneität

    Bitte überlegen Sie sich vorab keine „Mustersätze“, die Sie dem Personaler bei Bedarf präsentieren. Das geht meist nach hinten los. Der Personaler möchte Sie schließlich mit diesen Fragen näher kennenlernen und einen Eindruck von Ihrer Persönlichkeit bekommen. Das gelingt ihm nicht, wenn Sie ihm 08/15-Antworten liefern, wie:

    Meine größte Schwäche ist mein Perfektionismus.

  • Ehrlichkeit

    Wenn Sie bei heiklen Fragen nur das antworten, was nach Ihrer Einschätzung der Personaler hören möchte, werden Sie damit keinen Erfolg haben. Personaler sind in der Regel darin geschult, genau solche Dinge zu erkennen. Ihnen selbst hilft es aber auch nicht weiter. Schließlich dient das Vorstellungsgespräch auch Ihnen dazu, herauszufinden, ob Sie langfristig im Unternehmen glücklich werden können.

  • Kürze

    Überdies sollten Sie im Bewerbungsgespräch nicht lange um den heißen Brei herumreden. Das vermittelt nur den Eindruck, dass Sie nicht wissen, was Sie sagen möchten und daher abschweifen. Viel besser: Fassen Sie sich kurz und beschränken Sie sich auf die wichtigsten Punkte.

Der wichtigste Tipp für Antworten auf heikle Fragen

Der wichtigste Tipp für Fangfragen-AntwortenLassen Sie sich Zeit. Natürlich sollten Sie nicht stundenlang überlegen, bevor Sie dem Personaler antworten. Überhasten sollen Sie aber auch nichts.

Im Zweifel denken Sie lieber ein paar Sekunden länger nach. Halten sich umso eher an die drei Tipps von oben. Das wird Ihnen mehr Pluspunkte bringen als ein Schnellschuss aus der Hüfte.

Die beliebtesten heiklen Fragen im Bewerbungsgespräch

Tatsächlich haben die meisten Personaler ein Repertoire an bestimmten heiklen Fragen, die sie im Bewerbungsgespräch stellen, um mehr über den Kandidaten zu erfahren. Wenn Sie diese vorab schon kennen, wissen Sie wenigstens zum Teil, was Sie erwartet und können etwas entspannter in das Vorstellungsgespräch gehen.

Eine kleine Auswahl:

  • Welche Marotten haben Sie?

    Das ist eine Abwandlung nach der Frage nach Ihren Stärken. Wenn Sie nicht sofort darauf antworten möchten, können Sie den Personaler zunächst fragen, was er unter Marotten versteht. Damit schinden Sie etwas Zeit, um sich auf die Antwort vorzubereiten.

    Ähnlich wie bei der Frage nach den Stärken und Schwächen sollten Sie hier nicht alles aufzählen, was der Personaler als negativ empfinden könnte. Umgekehrt wirkt eine zu seichte Beantwortung, wie „meine größte Schwäche ist Schokolade“, eher floskelhaft.

    Überlegen Sie sich vorab Dinge, die nicht jeder andere Bewerber macht und die vielleicht etwas schrullig sind, aber Sie keineswegs mit Ihrer Bewerbung ins Aus katapultieren.

    Zum Beispiel:

    Bei Vollmond brauche ich mindestens drei Kaffee um auf Touren zu kommen.

    Oder:

    Ich bin leider schwer kaffeeabhängig. Apropos: Wie gut schmeckt eigentlich Ihrer hier?

  • Wie können Sie das Unternehmen bereichern?

    Hier möchte der Personaler wissen, welchen Mehrwert Sie für das Unternehmen bringen. Vorbereiten können Sie sich auf diese heikle Frage, indem Sie die Stellenanzeige genau lesen und sich vor dem Vorstellungsgespräch die Webseite des Unternehmens genau ansehen.

    Legen Sie sich vorab schon Punkte zurecht, die das Unternehmen sucht und die Sie mitbringen. Idealerweise können Sie Erfahrungen auf dem speziellen Gebiet durch Ihren Lebenslauf belegen.

    Zum Beispiel so:

    Die ausgeschriebene Stelle hat eine starke internationale Ausrichtung. Wie Sie meinem Lebenslauf entnehmen können, war ich bereits für meinen letzten Arbeitgeber drei Jahre im Ausland und konnte hier wichtige Erfahrungen im Bereich ___________ sammeln. Die kann ich nun bei Ihnen einsetzen.

    oder

    Dass ich über die in der Stellenanzeige geforderte Hands-on-Mentalität verfüge, zeigt der schnelle Erfolg, den ich in der vergangenen Position hatte. Dabei ist mir innerhalb von fünf Monaten gelungen, das Team neu auszurichten und ein wichtiges Projekt auf die Beine zu stellen.

  • Können Sie sich in einem Wort beschreiben?

    Natürlich sollten Sie hier auf keinen Fall eine negative Eigenschaft nennen. Der Personaler möchte mit dieser Frage herausfinden, wie Sie sich selbst einschätzen. Nennen Sie einen negativen Charakterzug, wird das vermutlich nicht gut ankommen.

    Bleiben Sie stattdessen gelassen und überlegen Sie sich schon vor dem Gespräch, welche Eigenschaften in der Position gebraucht werden und welche Sie mitbringen. Wenn Sie vorab schon ein Repertoire an Antwortmöglichkeiten auf diese Frage bereithalten, können Sie sich in der aktuellen Situation ganz spontan für eine entscheiden. Abhängig davon, wie gut Sie den Personaler schon einschätzen können.

    Sucht das Unternehmen einen neuen Teamleiter, können Sie beispielsweise so antworten:

    Ich bin sehr kommunikativ. Interessanterweise konnte ich am besten mit denjenigen Mitarbeitern zusammenarbeiten, die mir anfangs skeptisch gegenüberstanden. Nach einigen Gesprächen war das Eis gebrochen und ich konnte mich voll und ganz auf sie verlassen – mit großem Erfolg.

    oder:

    Ich bin enorm flexibel. Auch unvorhergesehene Ereignisse stellen mich in der Regel nicht vor Probleme. In den meisten Fällen habe ich noch immer einen schnellen und effektiven Ausweg gefunden.

  • Welchen Fehler in Ihrer Karriere bereuen Sie?

    Hier sollten Sie natürlich nicht den schlimmsten Fauxpas nennen, der Ihnen bisher unterlaufen ist, sondern auch diese heikle Frage ins Positive drehen – das geht.

    Und zwar so:

    Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich vermutlich schneller in die Branche oder diesen Job (den, auf den Sie sich gerade bewerben) hätte wechseln sollen. Schon nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass ich ein Faible dafür habe und mich hier weiterentwickeln kann. Ich hätte hier also schon vor ein paar Jahren sitzen können. Aber besser spät, als nie.

    oder:

    Ich hätte mich schon früher nach einem neuen Job umsehen können. Bei meiner Bewerbung ist mir aufgefallen, wie viel positiven Input ich bekommen kann. Schließlich bin ich auch so auf Ihr Unternehmen aufmerksam geworden. Das war ein echter Glücksfall, den ich gerne schon vor einigen Jahren erlebt hätte.

Der Ausweg: Selbst Fragen stellen

Statt heikle Fragen zu beantworten, können Sie auch selbst aktiv werden. Natürlich sollten Sie das Interview nicht dazu nutzen, ein Kreuzverhör mit dem Personaler zu führen. Wenn Sie allerdings die Chance bekommen, selbst Fragen zu stellen, sollten Sie diese unbedingt ergreifen.

Gut gewählte und durchdachte Rückfragen verschaffen Ihnen nicht nur Pluspunkte beim Personaler, sie gehen auch von Ihrer Zeit ab, die der Interviewer für das Gespräch eingeplant hat.

Das bedeutet: Weniger Zeit, um Ihnen heikle Fragen zu stellen.

Folgende (kluge) Rückfragen können und sollten Sie stellen:

  • Was erwartet mich in der Position?

    Damit zeigen Sie dem Personaler, dass Sie sich im Vorfeld mit der Stelle auseinandergesetzt haben – klarer Pluspunkt. Außerdem signalisieren Sie damit einen lösungsorientierten Ansatz. Auch nicht schlecht.

    Die Frage hat aber noch einen Vorteil: Mit viel Glück verrät Ihnen der Personaler, welche Probleme bei der Stelle auf Sie warten. Das kann später nützlich sein, wenn Sie sich zwischen mehreren Stellen entscheiden müssen.

  • Wie werden meine Leistungen beurteilt?

    Diese Frage lohnt sich dann, wenn zu Ihrem Basisgehalt noch ein variabler Anteil hinzukommen soll. Schließlich müssen Sie vor Ihrer Entscheidung wissen, welche Ziele für die Bonuszahlungen erreicht werden müssen – und wer darüber entscheidet. Dem Personaler zeigen Sie damit, dass Sie diese Postion ernsthaft in Erwägung ziehen.

  • Welches sind die wichtigsten Expansionsfelder des Unternehmens?

    Bei großen Konzernen sollten Sie diese Frage eher nicht stellen, sondern bei Ihrer Recherche herausgefunden haben, welche Marktanteile das Unternehmen hat.

    Bei kleineren und mittelständischen Unternehmen muss das dagegen nicht unbedingt der Fall sein. Hier können Sie diese Frage ruhig stellen.

Gratis eBook: 100 Rückfragen fürs Bewerbungsgespräch

100 Rückfragen fürs BewerbungsgesprächNoch weitere Tipps gefällig? Dann empfehlen wir Ihnen unser kostenloses eBook zu Thema. Hier finden Sie 100 Fragen, die Sie im Vorstellungsgespräch nutzen können, um heiklen Fragen des Personalers zu begegnen. Das eBook können Sie sich hier kostenlos als PDF herunterladen und sich damit auf das Gespräch vorbereiten.

Übrigens: Auswendig lernen oder gar einen vorbereiteten Spickzettel im Bewerbungsgespräch zücken, sollten Sie nicht. Damit Sie trotzdem entspannt an die Sache herangehen können, haben wir hier einen weiteren Tipp für Sie: Den sogenannten Hand-Trick.

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[Bildnachweis: Kinga by Shutterstock.com]
5. April 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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