Smalltalk-Tipps: Besser plaudern lernen

Mit dem Smalltalk ist es wie mit dem Flirten: Dem ersten Satz haftet ein nahezu mythisches Fanal an – so als gäbe es danach keine Höhepunkte mehr. Stimmt aber nicht. Sicher, eine gekonnte Konversation zu führen, ist nicht nur eine Kunst und ein wichtiger Erfolgsschlüssel. Diese Kunst des leichten Plauderns ist aber auch keine Raketenwissenschaft. Sie lässt sich lernen – und damit elegant jedes sprichwörtliche Eis brechen sowie einen positiven (ersten) Eindruck hinterlassen. Wie Sie künftig besser smalltalken können, das zeigen wir Ihnen hier – samt passender Themen, Einstiege, Fragen und Beispiele…

Smalltalk-Tipps: Besser plaudern lernen

Warum überhaupt Small Talk?

Warum überhaupt Small TalkUnter Smalltalk versteht man, laut Definition, ein Alltagsgespräch, das spontan, zufällig, locker und in einem umgangssprachlichen Ton geführt wird. Es gibt also keine formalen Regeln dafür.

Das bedeutet aber auch: Smalltalk ist universal einsetzbar. Als Plauderei mit Kollegen, als Schwatz auf einer Feier, als kleine Unterhaltung im Fahrstuhl oder in der Bahn und ähnliches. Es gibt aber Situationen, in denen es besonders wichtig ist, dass Sie mit Ihren Mitmenschen ins Gespräch kommen. Zum Beispiel:

  • Am ersten Tag im neuen Job. Sie sind neu und kennen noch niemanden. Um einen sympathischen ersten Eindruck zu hinterlassen, sollten Sie mit Ihren Kollegen ins Gespräch kommen.
  • Bei dem Besuch einer Messe oder eines Kongresses. Stehen Sie zwischen den Vorträgen und in den Pausen nicht alleine rum. Nutzen Sie die Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen. Damit schaffen Sie die Basis für eine eventuelle berufliche Zusammenarbeit.
  • Beim Treffen mit einem Kunden. Gewiss, der Grund Ihres Treffens ist geschäftlich. Doch leichte Konversation lockert die Atmosphäre auf und heißt den Kunden willkommen.
  • Im Vorstellungsgespräch. Bereits die ersten Minuten des Zusammentreffens entscheiden über die Sympathie. Nehmen Sie also das Angebot des Personalers an und betreiben Sie etwas zwanglose Konversation. Dann fällt auch der Rest leichter.

Smalltalk: Plaudern ist nicht Präsentieren

Gelungener Smalltalk versprüht Charme und Charisma, Witz und Esprit. Er ist aber völlig zweckfrei. Es geht nicht darum, jemandem etwas zu verkaufen (und sei es nur sich selbst) oder zu beeindrucken. Beim Plaudern wollen Sie sich kennenlernen, sich unterhalten, Brücken bauen und Gemeinsamkeiten finden. Wenn nicht – auch gut.

Das macht die Leichtigkeit des Smalltalks aus. Und nur so behält er sie auch.

Eine gute Konversation ist die Kunst eine interessante Geschichte zu erzählen – Storytelling zu betreiben, wie es heute auch genannt wird. Sie geben ein bisschen von sich preis, erzeugen gute Laune, zeigen Humor – lachen vielleicht sogar über sich selbst. Und der Effekt ist: Sie gewinnen Vertrauen und Sympathien.

Weil das leider manche vergessen, führen solche Gespräche regelmäßig zu einer verkrampften Atmosphäre und latenten Alertheit, deren unbeholfene Gesprächsanbahnungen so flüchtig sind wie weiße Weihnachten im Rheinland:

  • „Schönes Wetter heute?“
  • „Sind Sie öfters hier?“
  • „Läuft bei dir?“
  • „Und sonst?“

Bitte beginnen Sie Ihren Smalltalk niemals so. Und verkrampfen Sie nicht. Egal, wie empathisch Sie sind: Es allen recht machen zu wollen, führt in die geistige Sklaverei. Und zu Konversations-Krampf. Genießen Sie lieber den Augenblick und die Chance, Ihren Horizont zu erweitern und einen Fremden kennenzulernen.

Nicht wenige assoziieren mit dem Smalltalk mitreißende Eloquenz oder die geschliffene Rhetorik eines Alleinunterhalters. Dabei ist Smalltalk das genaue Gegenteil davon: Es ist die Kunst des unangestrengten, ebenso amüsanten wie eleganten Geplauders – der Sprezzatura, wie Smalltalk früher einmal hieß.

Wer etwa dem inneren Zwang erliegt, jedem beweisen zu müssen, wie kommunikativ er oder sie ist, kann nur scheitern. Eine solche Haltung wird immer unbewusst wahrgenommen und wirkt entsprechend angestrengt oder aufdringlich.

Der englische König Charles II. soll einmal gesagt haben:

Die Kunst guter Konversation besteht darin, Unsicheren Sicherheit zu geben.

Entsprechend dient das lockere Parlieren dazu, sich unverbindlich auszutauschen, Gemeinsamkeiten zu betonen und so eine gute Atmosphäre für das Weitere zu schaffen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Smalltalk-Tipp: Wie Sie Redehemmungen überwinden

Smalltalk-Tipp: Wie Sie Redehemmungen überwindenSmalltalk lässt sich lernen. Das ist die gute Nachricht. Allerdings fällt der erste Satz vielen oft enorm schwer. Denn er kostet vor allem eines: Überwindung.

Zuerst sollten Sie sich natürlich selber vorstellen, den vollen Namen nennen und vielleicht noch zwei, drei Sätze zu sich oder Ihrem Beruf (wenn es ein Business-Empfang ist) sagen. Das ist schon mal gar nicht schwer und lässt sich vorab auch gut üben.

Das anschließende Plaudern fällt Ihnen womöglich schwerer. Vielleicht sind Sie eher schüchtern oder leiden an Redehemmungen. Dann beachten Sie die folgenden Tipps:

  • Schauen Sie Ihren Gesprächspartner freundlich an und lächeln Sie. Damit ist bereits der erste Schritt getan. Mit Ihrer offenen Haltung signalisieren Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie sich gerne unterhalten würden.
  • Scheuen Sie sich nicht davor, über Belangloses zu sprechen. So gut wie jedes Thema eignet sich für Smalltalk. Hauptsache Sie beginnen das Gespräch. Dieses können Sie auch gerne mit einer Anekdote Ihrer Anreise beginnen. Ebenso gut können Sie über den Anlass des Treffens, die Musik, das Essen und vieles mehr sprechen. Nur Mut!
  • Achten Sie darauf, sich positiv zu äußern. Sie wollen für eine angenehme Atmosphäre sorgen. Mit Nörgelei verschrecken Sie Ihr Gegenüber.

Gesprächseinstieg: Wie fange ich bloß an?

Die Grundvoraussetzung für ein gelungenes Gespräch, für perfekten Smalltalk ist aufrichtiges Interesse an Ihrem Gegenüber. Nur wenn Sie Ihrem Gesprächspartner mit echter Anteilnahme und Respekt begegnen, wird sich dieser im Gespräch wohl fühlen und ganz darauf einlassen.

Ein solches Gespräch verbindet zwei Menschen miteinander, beim leichten Schnack hat jeder den Eindruck, auf der gleichen Wellenlänge zu sein und fühlt sich verstanden.

Falls es Ihnen jedoch schwer fällt, ein solches Gespräch zu beginnen oder an ein bestehendes anzuknüpfen, gibt es einen einfachen Trick: Stellen Sie ein paar Fragen! So gut wie jeder Mensch liebt es, über sich selbst zu sprechen. Umso besser, wenn Sie Ihrem Gegenüber diese Chance eröffnen.

Smalltalk Gespraechsfuehrung Fragen Ablauf

Tatsächlich ist es so, dass die meisten Menschen das Gefühl haben, ein wirklich gutes Gespräch geführt zu haben, wenn sie selbst die meiste Redezeit beanspruchen konnten. Das ist zwar schizophren, lässt sich aber nutzen: Wenn Sie Sorge haben, anfangs das Falsche zu sagen oder nicht richtig smalltalken zu können, stellen Sie eben Fragen. Schenken Sie Ihrem Gegenüber Redezeit und gehen auf die Antworten Ihres Gegenübers ein – es wird Sie dafür mehr schätzen als jeden Draufgänger und Sprücheklopfer.

Smalltalk Themen Inhalt Einstiege Redezeit

Fragen zu stellen, eignet sich zum Anwärmen ebenso wie zum Auflockern (ganz besonders, wenn einem nichts Besseres einfällt). Vorausgesetzt, es sind die richtigen Fragen. Hier ein paar Vorschläge:

  • Was machen Sie beruflich?

    Der Klassiker unter allen Smalltalk-Intros, denn er eröffnet eine Reihe von Anschlussfragen, etwa zum Unternehmen, der Branche oder der Position, in der Ihr Gegenüber arbeitet. Die Frage ist gut, allerdings auch ziemlich abgedroschen. Durch Originalität fällt man damit nicht auf.

  • Wodurch lassen Sie sich inspirieren?

    Zweifellos der originellere Opener. Denn er bringt den anderen dazu, über sich selbst zu reflektieren – und das inspiriert Sie beide. Die Frage eignet sich daher nicht nur als Gesprächseinstieg, sondern auch als Diskussionsauftakt in einer bereits etablierten Gruppe.

  • Welches Buch lesen Sie gerade?

    Diese Frage zielt ebenfalls auf Inspirationsquellen, kann aber auch durch Hobbys oder private Interessen erweitert werden. In jedem Fall gewinnen Sie so eine Menge Informationen über Ihr Gegenüber sowie weiteren Gesprächsstoff.

  • Was haben Sie davor gemacht?

    Diese Frage können Sie stellen, nachdem sich der andere ausgiebig vorgestellt hat. Allerdings sollte sie nie so klingen, als würden Sie sich nicht für seinen aktuellen Job interessieren. Sonst ist Ihr Gegenüber beleidigt. Ein bisschen über den Werdegang des anderen herauszufinden, verrät Ihnen viel über seine Profession und seine potenziellen Erwartungen an Sie.

  • Und was machen Sie hier?

    Obacht: Die Frage lässt sich so und so betonen. In der einen Variante klingt sie nach Verhör. Gemeint ist aber die zweite: Sie interessieren sich, wie es Ihr Gegenüber auf diese Veranstaltung, zu diesem Vortrag oder zu der Party verschlagen hat und in welchem Verhältnis er oder sie zum Veranstalter steht. Spätestens damit haben Sie die erste Gemeinsamkeit, denn auch Sie kennen den Veranstalter ja irgendwo her.

  • Wie fanden Sie den Vortrag?

    Voraussetzung dafür ist natürlich, dass es eine solche Präsentation gegeben hat. Wichtig ist dann aber, dass Sie Ihre eigene Meinung nicht gleich herausposaunen. Insbesondere wenn Sie den Vortrag doof fanden. Sonst verbreiten Sie sofort zu Beginn negative Stimmung. Und das blockiert. Eine inhaltliche und intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Gesagten betont indes Ihre Gemeinsamkeit als Zuhörer und schafft neue Gesprächspunkte.

  • Das sieht wirklich lecker aus! Wo haben Sie das her?

    Zugegeben, die Frage ist eher etwas für Mutige und Extrovertierte und für Partys mit Büffet. Dafür kommt sie meistens extrem gut an, denn in ihrem humorvollen Kleid steckt Lob: „Sie haben Geschmack!“ Und das bringt Sympathien ein. Außerdem können Sie sich, nachdem Sie sich dasselbe geholt haben, dazustellen und mit dem Plaudern beginnen: Entschuldigung, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Mein Name ist…

  • Möchten Sie etwas trinken?

    Der ideale Einstieg für jemanden, der noch einsam und allein an einem Tisch steht. Sie beweisen so nicht nur Aufmerksamkeit und gute Manieren, sondern schaffen zugleich ein Reziprozitäts-Verhältnis, das zu Ihren Gunsten spielt. Alternativ: „Soll ich Ihnen etwas von der Bar mitbringen?“ Falls Sie einer attraktiven Frau begegnen und mit ihr auf diese Weise ins Gespräch kommen wollen, empfiehlt sich jedoch die Gentleman-Variante: Bringen Sie ihr den Drink direkt mit. Vorher aber bitte ihre Vorlieben ausspähen!

Überhaupt hat Fragen stellen und zuhören zahlreiche Vorteile…

Smalltalk-Einstiege als Gratis-Download

Smalltalk PDF kostenlos herunterladen Gratis IconFür den Fall, dass Sie sich unsere Einstiege für den Smalltalk abspeichern oder ausdrucken wollen, um diese immer dabei zu haben, können Sie die folgenden Einstiegshilfen und Smalltalk Tipps können Sie sich kostenlos als PDF herunterladen.

Mitten im Smalltalk: 6 Tipps für gute Themen

Einstiege in den Smalltalk und die Themen des Gesprächs sind wichtige Aspekte. Zu wirklich gutem Smalltalk gehört aber noch mehr. Oft geht es nicht nur darum, was Sie sagen, sondern auch wie Sie sich im Gespräch verhalten. Gemeint sind damit zum Einen Ihre Körpersprache. Mindestens genauso wichtig ist aber auch Ihre Einstellung zum Smalltalk selbst, die vom Gesprächspartner durchaus wahrgenommen wird.

Empfinden Sie den Dialog als banal, unnötig oder haben gar kein Interesse daran, sich mit Leuten zu unterhalten? Dann bleibt das nicht lange unbemerkt. Sie wirken schnell desinteressiert und abweisend. Die Wahrscheinlichkeit, dass auf dieser Basis ein gutes Gespräch entsteht oder der Kontakt in der Zukunft vertieft wird, ist gering.

Nur seine Themen abzuspulen und wie auf einer Checkliste abzuhaken, ist so zielführend wie Furchen durchs Meer zu ziehen. Gezwungener Smalltalk macht niemandem Spaß und sorgt eher für betretenes Schweigen. Sobald das Gespräch also Fahrt aufnimmt, beherzigen Sie bitte ebenso die folgenden Empfehlungen:

  1. Mimik gezielt einsetzen.

    Auch wenn Ihr Gesprächspartner ein Stinkstiefel ist – ein nettes Lächeln während des Smalltalks bringt Sie nicht um und schafft eine freundliche Atmosphäre. Auch deutliches und selbstbewusstes Sprechen ist wichtig!

  2. Ein Kompliment machen.

    Es ist durchaus angebracht, beim Smalltalk ein Kompliment zu machen – solange dieses nicht zu persönlich ist und absolut ehrlich wirkt.

  3. Besserwisser sind unsympathisch.

    Wir nehmen Ratschläge nur von Menschen an, die wir mögen oder deren Kompetenz wir respektieren. Beim ersten Plausch fehlt beides. Also weg mit dem erhobenen Zeigefinger.

  4. Dem anderen nicht zu nahe kommen.

    Dies gilt inhaltlich wie auch auf körperlicher Ebene. Smalltalk ist entspanntes Plaudern, kein Seelenstriptease. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt für tiefgründige Analyse oder psychologische Diskussionen. Außerdem gilt: Halten Sie Distanzzonen ein. Kaum jemand empfindet es als angenehm, wenn Sie ihm beim Smalltalk zu nahe kommen.

  5. Pausen schaden nicht.

    Im Gespräch mit Fremden entstehen immer Pausen, die sich unangenehm anfühlen, aber normal sind. Nutzen Sie die Zeit, um das bisher Gesagte durchzugehen und interessante Fragen zu finden!

  6. Kritische Themen auslassen.

    Smalltalk soll keine erschreckenden Erkenntnisse liefern, sondern Spaß machen. Tod, Sex, Krankheit, Politik, Geld, Religion und Gerüchte (sowie mitunter eklige Kombinationen daraus) sind tabu (siehe auch folgender Kasten).

Falsche Themen: 10 peinliche Fehler

10 peinliche Smalltalk-FehlerHat man den Dreh erst einmal raus, funktioniert Smalltalk in der Regel wie von selbst. Doch es gibt auch ein paar Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten. Insbesondere die folgenden Formulierungen führen aufs Glatteis:

  • Haben Sie auf das Kleid der Rednerin geachtet? Das war ja wohl ein Griff ins Klo.

    Vorsicht! Sie könnten gerade mit einer Freundin oder der Schwester der Rednerin sprechen. Mit Lästereien wie diesen können Sie sich ganz schnell blamieren. Außerdem fragt sich Ihr Gegenüber, ob Sie bei nächster Gelegenheit auch über ihn oder sie lästern werden. So entsteht keine angenehme Atmosphäre.
  • Unglaublich, dass der Schröder seinen Geburtstag in Sankt Petersburg gefeiert hat. Und das bei der Politik, die Putin betreibt.

    Binden Sie Ihrem Gegenüber nicht Ihre politische Meinung auf die Nase. Wenn Sie Ihr Gegenüber noch nicht kennen, ist ein Gespräch über Politik ein Glücksspiel. Entweder Ihr Gegenüber entrüstet sich mit Ihnen über Putins Politik oder er ist ganz anderer Meinung. Im letzteren Fall hat sich ein tiefer Graben zwischen Ihnen aufgetan. Diesen werden Sie nicht mehr schließen können und Sie werden nicht in positiver Erinnerung bleiben.
  • Haben Sie schon gehört, dass Herr Mustermann aus der Buchhaltung aufhört?

    In Nullkommanichts haben Sie sich Gehör verschafft und eine Traube interessierter Kollegen wird sich um Sie scharen. Sollte es sich dabei jedoch um eine Gerücht handeln, können Sie ganz schön auf die Nase fallen. Die anderen könnten Ihre Aussage hinterfragen. Wenn sich dann herausstellt, dass Sie Blödsinn erzählen, haben Sie Ihren Ruf dauerhaft beschädigt. Man wird Sie künftig nicht mehr ernst nehmen.
  • Ich finde es nicht richtig, dass Johannes Paul II. heilig gesprochen wurde.

    Äußern Sie eine solche Meinung einem glaubigen Katholiken gegenüber, wird er sich gekränkt fühlen. Der eigene Glaube ist religiösen Menschen wichtig, greifen Sie diesen an, haben Sie die Person sofort verprellt. Religiöse Äußerungen können beim Smalltalk zu Sprengstoff werden.
  • Ich bin so froh, dass ich noch etwas auf der hohen Kante habe. Damit brauche ich mir über die Rente keinen Kopf zu machen.

    Sie haben sich gerade noch ganz zwanglos mit Ihrem Gegenüber unterhalten. Doch eine zwangloses Gespräch kann schnell kippen, wenn das Thema Geld auf den Tisch kommt. Finanzen sind für viele Menschen mit Emotionen behaftet. Sorgen und Existenzängste können damit verbunden sein. Ihr Gegenüber kann einen teuren Anzug tragen und trotzdem verschuldet sein. In diesem Fall wird er Sie für einen arroganten Schnösel halten. Doch selbst, wenn Ihr Gesprächspartner vermögend ist, kann es ihm peinlich sein, darüber zu sprechen. In beiden Fällen hätten Sie verspielt.
  • Ich stecke gerade mitten im Scheidungsprozess.

    Solche Offenbarungen sind den meisten Menschen, die Sie nicht kennen, peinlich. Was soll man darauf antworten? Die meisten entscheiden sich für betretenes Schweigen. Mit Informationen zu Ihrer Ehe haben Sie eine Grenze überschritten. Mit derlei Problemen konfrontiert, fühlt sich Ihr Gegenüber unwohl. Über Beziehungsthemen lässt sich nicht leicht plaudern, besonders nicht, wenn Frust mitschwingt.
  • Es hat mir sehr gut gefallen, wie der Redner Alliterationen gezielt eingesetzt hat. Doch auf die Pleonasmen hätte er verzichten können.

    Sie wollen ein gehaltvolles Gespräch über den Vortrag beginnen. Doch damit könnten Sie Ihr Gegenüber überfordern. Was soll er sagen, wenn er nicht genau weiß, was ein Pleonasmus ist? Niemand wird gerne bloßgestellt. Im Zweifel wird er Sie für einen Angeber und Klugscheißer halten und kein Gespräch führen wollen. Versuchen Sie nicht krampfhaft klug zu wirken. Seien Sie natürlich.
  • Bevor ich hier angefangen habe, war ich drei Jahre lang in den USA tätig. Das war eine sehr lehrreiche Zeit. Blablabla…

    Wenn Sie Minutenlang wie ein Wasserfall reden, schaltet Ihr Gegenüber irgendwann ab. Sie verwandeln den Smalltalk damit in einen Monolog. Das wird von Ihrem Gegenüber negativ goutiert, wer will schon gerne zur Bühne degradiert werden? Eine angenehme Gesprächsatmosphäre entsteht, wenn beide Gesprächspartner ungefähr den gleichen Redeanteil haben.
  • Ihr Gegenüber: Mallorca ist eine wunderschöne Insel. Ihre Antwort: Aha.

    Einsilbige Antworten zeigen Desinteresse. Im Smalltalk sind sie tabu. Stellen Sie lieber eine Rückfrage. Ihr Gegenüber wird sich freuen, wenn Sie nachhaken und ihm so die Möglichkeit geben, von einen tollen Urlaub zu erzählen. Bietet man dem anderen Raum über das zu erzählen, was ihn begeistert, kann sich ein nettes Gespräch entwickeln.
  • Gefällt Ihnen die Messe auch so gut?

    Im Prinzip ein guter Anfang für ein Gespräch. Allerdings verleiten geschlossene Fragen zur Einsilbigkeit (siehe oben). Antwortet Ihr Gegenüber nur mit einem „Ja“, kommt das Gespräch nicht in Schwung. Es entsteht eine unangenehme Pause. Offene Fragen eignen Sich besser dazu, ein Gespräch zu beginnen. Zum Beispiel könnten Sie fragen: Wie gefällt Ihnen die Messe? Oder: Welcher Vortrag hat Ihnen gut gefallen? Damit regen Sie Ihr Gegenüber zum Nachdenken und Plaudern an.

Langweiliges Gespräch? Das läuft schief

Der Einstieg war noch gelungen, das Gespräch fing vielversprechend an. Doch dann gerät die Konversation ins Stocken. Plötzlich nur noch Langeweile. Das kann verschiedene Gründe haben. Wenn der Smalltalk verkrampft, liegt es häufig hieran:

  • Sie erzählen nur von sich selbst.

    Ihr Gesprächspartner hat nicht die Chance, sich einzubringen und auch eigene Erfahrungen zu teilen. Doch genau das wollen die meisten Menschen. Immerhin soll ein Gespräch die Möglichkeit bieten, sich auszutauschen. Wer zu viel von sich selbst erzählt, wirkt oft arrogant.

    Was können Sie tun? Statt über sich sprechen, bieten Sie dem anderen eine Plattform. Stellen Sie Fragen und erkundigen Sie sich auf diese Weise nach den Interessen Ihres Gegenübers.

  • Sie monologisieren.

    Ohne es zu merken, reden und reden Sie ohne Punkt und Komma. Das mag an Ihrer Nervosität liegen und ein Versuch sein, Ihre Unsicherheit zu überspielen. Reden Sie jedoch so viel, dass der andere nicht dazwischen kommt, ist Ihr Gegenüber auf Dauer frustriert von der Situation und verliert das Interesse sich zu beteiligen.

    Was können Sie tun? Konzentrieren Sie sich mehr auf das Zuhören. Bringen Sie den Stein ins Rollen und sorgen Sie dafür, dass aus dem Monolog ein Dialog wird. Und achten Sie generell darauf, dass Ihr Redeanteil nicht zu groß wird.

  • Sie haben ein uninteressantes Thema gewählt.

    Natürlich ist es von der Person abhängig, welches Thema gut ankommt und welches nicht. Merken Sie jedoch, dass Ihr Gegenüber nichts zur Konversation beiträgt und nur einsilbig antwortet, kann es daran liegen, dass seine Interessen ganz woanders liegen.

    Was können Sie tun? Hier ist ein Themenwechsel im Smalltalk angebracht. Leiten Sie diesen mit einer Frage ein und geben Sie auf diese Weise Ihrem Gesprächspartner die Möglichkeit, ein anderes Thema zu wählen.

  • Ihr Gesprächspartner versteht Sie nicht.

    Einsilbige Antworten können auch ein Zeichen dafür sein, dass Ihr Gegenüber sich in der gerade ausgesprochenen Thematik nicht auskennt. Ist man Experte für ein bestimmtes Thema, vergisst man leicht, dass andere nicht so bewandert sind auf dem Gebiet. Dann besteht die Gefahr, den Gesprächspartner zu überfordern. Dieser schaltet ab, weil er nicht mehr mitkommt.

    Was können Sie tun? Ihr Smalltalk-Partner kann nicht offen zugeben, dass er nicht versteht, wovon Sie sprechen, dann würde er sein Gesicht verlieren. Also beziehen Sie ihn wieder ins Gespräch ein und stellen Sie eine Frage. Generell: Achten Sie darauf, nie zu sehr ins Detail zu gehen und nicht in eine Fachsprache abzudriften.

Warnzeichen: Sie langweilen beim Smalltalk, wenn…

  • Ihr Gegenüber wiederholt nur, was Sie bereits gesagt haben. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass Sie nicht mehr die volle Aufmerksamkeit Ihres Gegenübers genießen. Da seine Gedanken bereits woanders sind, spricht er nur noch die letzten Worte nach.
  • Ihr Gegenüber hat sich von Ihnen abgewendet. Der Körper lügt nicht. Menschen, die sich aufmerksam belauschen, sich sympathisch finden und füreinander interessieren, stehen sich frontal zugewandt gegenüber. Sie schotten sich damit von äußeren Einflüssen ab und signalisieren: Wir wollen nicht gestört werden. Dreht sich einer von beiden jedoch wieder dem Raum zu, öffnet er die Gemeinschaft – und sagt nonverbal: Kann mich bitte jemand wieder interessieren?
  • Ihr Gegenüber schaut sich im Raum um. Sie merken, dass Ihr Gegenüber Sie nicht mehr anschaut, sondern den Blick schweifen lässt, während Sie reden. Wahrscheinlich sucht er nach einer Gelegenheit, sich zu verabschieden.
  • Ihr Gegenüber schaut auf die Uhr oder auf sein Smartphone. Auch das ist ein Signal dafür, dass Ihr Gesprächspartner sich bei der nächsten Gelegenheit verabschieden wird. Wahrscheinlich denkt er gerade: „Wie lange muss ich mir das noch anhören?“ oder „Dafür ist mir meine Zeit zu schade“.
  • Ihr Gegenüber trommelt mit seinen Fingern auf die Tischplatte. Das ist ein Zeichen für Ungeduld. Ihr Gesprächspartner wartet wahrscheinlich darauf, dass Sie zum Punkt kommen. Höchste Zeit den eigenen Redefluss zu stoppen.

Smalltalk-Ende: Wie Sie die Konversation elegant beenden

Nicht immer hat man das Glück, einen geistreichen Gesprächspartner zu finden. Dann wird das Plaudern zur Qual und die Suche nach einem Helden-Notausgang unumgänglich.

Dennoch tun sich viele damit schwer. Entweder, weil sie versuchen, höflich zu bleiben oder weil sie Angst vor den Konsequenzen haben: Schließlich könnte der andere gekränkt sein oder den sermon interruptus gar persönlich und dazu übel nehmen. Und man begegnet sich bekanntlich immer zweimal im Leben…

Natürlich wäre es weder nett, noch zeugt es von Kultiviertheit, den anderen spüren zu lassen, was für Konversationsvakuum er darstellt und dass man lieber eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt hätte, als sich mit ihm weiter zu unterhalten. Soweit muss es aber auch nicht kommen. Egal, in welcher Situation Sie stecken – es gibt gewandtere Ausstiege:

  • Entschuldigen

    Die einfachste Methode, einen Smalltalk zu beenden, ist noch immer die beste: Entschuldigen Sie sich, dass Sie gerne auch noch mit anderen Gästen plaudern würden. Natürlich nicht gleich nach den ersten 30 Sekunden. Ein, zwei Takte sollten Sie mit Ihrem Gegenüber schon aushalten. Wichtig ist nur: Verzichten Sie auf jedwede Begründung. Die wirkt immer wie ein Schuldbekenntnis. Besser: Nennen Sie lieber einen konkreten Namen, mit wem Sie noch reden wollen.

  • Versprechen

    Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Abgang allzu abrupt ausfällt, können Sie demjenigen auch ein Versprechen geben, etwa: „Ich würde mich freuen, wenn wir in Kontakt blieben. Wenn Sie mir Ihre Karte geben, melde ich mich bei Ihnen…“ Natürlich sollten Sie Ihr Wort dann auch halten. Andernfalls sind Sie wortbrüchig und Ihr Gegenüber wird die Geste im Nachhinein (zurecht) als Abbügelei interpretieren. Die Alternative ist, dem anderen Ihre Karte zu geben und ihm vorzuschlagen, er möge sich melden. Im Zweifel haben Sie später eben gerade keine Zeit.

  • Vorstellen

    Noch eleganter können Sie sich aus der Affäre stehlen, indem Sie Ihrem Gegenüber einen alternativen Gesprächspartner vorstellen und beide miteinander bekannt machen. Charmanterweise ist das nicht irgendwer (sonst wird der sich anschließend bei Ihnen bedanken), sondern jemand, von dem Sie glauben (oder wissen), dass er mit Ihrem bisherigen Gesprächsgenossen harmoniert. Womöglich, weil beide ein gemeinsames Interesse haben.

  • Retten

    Für Schauspieltalente eignet sich die Methode Überraschungsgast: Merken Sie unvermittelt auf und stellen Sie auf dramaturgisch hohem Niveau fest, dass gerade jemand gekommen ist, mit dem Sie unbedingt sprechen müssen – „eine wirklich wichtige Sache…“. Bitten Sie um Verständnis – und weg sind Sie. Nicht gerade eine 6,0 in Sachen Höflichkeit, aber wenigstens ein guter Grund. Für Gentleman mit weiblicher Begleitung gibt es zudem die Variante Held: „Ich sehe gerade, meine Partnerin/Freundin/Frau steckt in Schwierigkeiten. Bitte entschuldigen Sie mich, Sie gab mir ein Signal, sie aus der Situation zu retten…“

  • Irritieren

    Nur weil Sie beim Smalltalk dummerweise an einen vielsagenden Profilneurotiker geraten sind, heißt das noch lange nicht, dass Sie keinen Spaß mit ihm haben dürfen. Verunsichern Sie ihn, indem Sie ihn immer wieder unterbrechen, um gleich darauf völlig aus der Luft gegriffene Anekdoten zu erzählen, Motto: „Das erinnert mich an meinen letzten Mallorca-Urlaub…“ Oder stellen Sie regelmäßig Rückfragen bei denen Sie ihn kategorisch missverstehen. Schon bald wird er derjenige sein, der das Gespräch nur allzu gerne beenden will.

  • Thema wechseln

    Gut, der Typ ist langweilig und hat Superkleber zwischen den Zähnen. Dann wechseln Sie das Thema – und zwar möglichst hörbar zu einem Inhalt, der Ihre Nachbarn interessieren könnte. Wenn Sie Glück haben, beteiligen die sich schon bald an dem Gespräch – und Sie sind raus.

  • Zirkulieren

    Wenn nichts davon klappt, hilft das Motto jeder guten Smalltalk-Party. Prosten Sie dem Zeitgenossen mit Maulsperre zu und sagen Sie: „Ich glaube, es wird von uns erwartet, dass wir auf dieser Party zirkulieren.“ Und tschüss…

So lässt sich das Plaudern trainieren und üben

Nun haben Sie schon viel über guten Smalltalk gelernt. Das Wissen können und sollten Sie jetzt noch weiter trainieren. Übung macht bekanntlich den Meister, wobei Smalltalk keine Ausnahme ist.

Je häufiger Sie plaudern, unverfänglich ein Gespräch beginnen oder den spontanen Dialog suchen, desto leichter wird es Ihnen fallen und desto besser werden Sie darin. Ein weiterer großer Vorteil der Übung: Sie können in ganz unverfänglichen Situationen üben.

Nutzen Sie jede Gelegenheit, um ein bisschen Smalltalk zu machen. Es muss gar kein längeres Gespräch entstehen, einfach ein oder zwei Fragen einbinden, freundlich lächeln, sich wieder verabschieden. Nun müssen Sie nicht gleich irgendjemanden auf der Straße ansprechen – darauf reagieren die viele ohnehin eher abweisend. Doch es gibt genügend Chancen, um ganz nebenbei mit anderen ins Gespräch zu kommen und den eigenen Smalltalk zu verbessern.

  • Sagen Sie beim Bäcker am Morgen mehr als nur Ihre Bestellung für die Brötchen.
  • Unterhalten Sie sich mit Ihrem Frisör, anstatt nur stumm die Zeit abzusitzen.
  • Erweitern Sie das kurze Grüßen auf dem Flur, wenn Sie einen Kollegen aus einer anderen Abteilung sehen.
  • Sprechen Sie mit Ihren Nachbarn, wenn diese Ihnen über den Weg laufen.

Gelegenheiten gibt es viele, bisher nutzen Sie diese vermutlich nur nicht.

Und wenn diese Versuche nicht so gut laufen, ist auch das überhaupt nicht schlimm. Die Übungssituationen sind eher unwichtig. Der Lerneffekt wird sich aber dennoch einstellen, und Sie werden in einem wichtigen Umfeld, wenn Sie beispielsweise auf einem Netzwerk-Event jemanden treffen, umso besser dastehen und mit Ihren Smalltalk-Fähigkeiten überzeugen können.

Dabei viel Erfolg!

[Bildnachweis: Rawpixel by Shutterstock.com]
9. Oktober 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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