Gespräche beenden: Höflich der Langeweile entkommen

Ein Gespräch zu beginnen, fällt vielen schon schwer. Fast noch schwerer aber ist es, das Gespräch vorzeitig und höflich zu beenden, falls Sie merken, Ihr Gesprächspartner ist kaum interessanter als Toast. Stilvoll Gespräche beenden zu können, ist eine Kunst. Ansonsten könnte die unfreundliche Abfuhr am Ende den eigenen Ruf überschatten. Wie aber beendet man höflich ein Gespräch, das einen langweilt und keinen Mehrwert bietet? Wir hätten da ein paar Tipps für eine gekonnte Verabschiedung, ohne den Gesprächspartner zu verletzen…

Gespräche beenden: Höflich der Langeweile entkommen

Verabschiedung: Das Gesprächsende bleibt in Erinnerung

Umgangssprachlich sagt man zwar: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Wahr ist aber auch: Nicht nur der erste, auch der letzte Eindruck bleibt haften und wirkt prägend.

Unlängst konnten Psychologen, wie etwa Emily Garbinsky von der Universität Stanford in Studien nachweisen, dass der letzte Eindruck unser Urteil über Erlebtes besonders stark prägt. Das gilt für Speisen ebenso wie für Vorträge, Feuerwerke oder Networking-Events – und eben auch für die Gespräche dort. Zuweilen entfaltet der letzte Eindruck sogar mehr Wucht als der erste – Psychologen sprechen dann auch vom sogenannten Rezenz-Effekt.

Der Psychologe Daniel Kahneman beobachtete bei seinen – durchaus fiesen – Experimenten einmal, dass seine Probanden 60 Sekunden Pein schlimmer fanden als 60 Sekunden Schmerzen gleicher Intensität, jedoch mit anschließenden 30 Sekunden milder Quälerei.

Anders formuliert: Die Teilnehmer fanden die längere Qual besser als die kurz, solange es nach hinten raus wenigstens nachließ. Hauptsache, ein angenehmeres Finale!

Das gilt freilich 1:1 auch für Smalltalk, Diskussionen und andere Unterhaltungen. So wie man sich verabschiedet und auseinander geht, so bleibt die Begegnung im Gedächtnis.

Es handelt sich um eine Art Visitenkarte – eine letzte gemeinsame Interaktion. Fühlt sich Ihr Gesprächspartner am Ende des Gesprächs schlecht behandelt oder entsteht sogar der Eindruck, Sie würden ihn loswerden wollen, kann dieser negative Eindruck den positiven vorherigen Verlauf des Gesprächs im Nachhinein enorm überschatten und belasten.

Gute Gründe, das Gespräch zu beenden

Gute Gründe, das Gespräch zu beendenEs gibt eine ganze Reihe von guten Gründen, warum man ein Gespräch beenden wollen könnte. Nur sollte man eben nicht alle davon auch laut aussprechen. „Ihr Blabla und die latente Profilneurose langweilen mich“, ist zwar ein triftiger Grund für einen sofortigen Gesprächsabbruch, höflich und elegant ist der Abgang aber nicht. Ihr Ruf könnte sich dabei genauso schnell in Luft auflösen wie die Gesprächspartner.

Andere Gründe sind dabei deutlich besser geeignet. Sie dürfen auch genannt werden – solange Sie selbst dabei glaubwürdig bleiben:

  • Sie haben noch einen Termin. Sollten Sie noch mit einem Kollegen oder einem Freund verabredet sein, ist es natürlich ebenso verständlich wie verzeihlich, dass Sie pünktlich erscheinen wollen und in diesem Fall leider das Gespräch beenden müssen. Solange Sie danach wirklich ohne Umschweife den anderen Termin wahrnehmen, ist es völlig legitim, das anzusprechen und um Verständnis zu bitten.
  • Sie wollen noch netzwerken. Falls Sie sich gerade auf einem Networking Event befinden, wird erwartet, dass sich die Anwesenden austauschen und Kontakte knüpfen. Dafür sind solche Kongresse schließlich gemacht. Natürlich sollten Sie nicht sagen, dass Sie lieber noch andere Leute kennenlernen wollen. Das wäre ein Affront. Aber Sie können sich natürlich elegant aus der Affäre stehlen, indem Sie eine Person erwähnen (oder heran winken), mit der Sie schon immer sprechen wollten. Auch hier bitten Sie den Gesprächspartner um Verständnis und verabschieden sich.

Gespräche elegant beenden: Ich muss dann mal weg…

Nicht immer hat man das Glück, einen geistreichen Gesprächspartner zu finden. Dann wird das Plaudern zur Qual und die Suche nach einem Helden-Notausgang unumgänglich.

Viele tun sich damit schwer. Entweder aus falsch verstandener Höflichkeit oder weil sie Angst vor den Konsequenzen haben: Schließlich könnte der andere gekränkt sein – egal, wie höflich Sie sich aus der Affäre stehlen – und den sermon interruptus persönlich nehmen. Und man begegnet sich schließlich immer zweimal im Leben…

Natürlich wäre es weder nett, noch zeugt es von Kultiviertheit, den anderen spüren zu lassen, was für Konversationsvakuum er darstellt und dass man lieber eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt hätte, als sich mit ihm weiter zu unterhalten. Soweit muss es aber auch nicht kommen. Egal, in welcher Situation Sie stecken – es gibt elegantere Ausstiege und Verabschiedungen:

  1. Planen Sie ein späteres Treffen.

    War das Gespräch bis hierhin interessant, und Sie sind ernsthaft an einer Fortsetzung interessiert, sollten Sie dies am Ende des Gesprächs unbedingt aussprechen. Es zeigt Ihr ernsthaftes Interesse und betont, dass Sie Ihren Gesprächspartner nicht loswerden, sondern die Konversation nur vertagen wollen. Bieten Sie das aber nur an, wenn Sie auch wirklich vorhaben, sich erneut zu unterhalten. Ansonsten entlarven Sie sich als Sprücheklopfer.

    Beispiel: „Ich muss jetzt leider los, aber sind Sie noch länger da? Vielleicht können wir die Diskussion nachher noch fortführen?“

  2. Lassen Sie sich die Kontaktdaten geben.

    Sollten Sie oder Ihr Gesprächspartner zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr anwesend sein, können Sie auch nach der Visitenkarte oder einfach den Kontaktdaten fragen. So lässt sich der Kontakt auch außerhalb der Veranstaltung aufrecht erhalten und gegebenenfalls weitere Treffen zu vereinbaren. Auch hier gilt: Um glaubwürdig zu bleiben, sollten Sie sich binnen 24 Stunden noch einmal melden – und sei es nur mit einem Dank für das nette Gespräch, verbunden mit dem Wunsch, dies bald fortzusetzen.

    Beispiel: „Ich muss mich jetzt leider ausklinken, haben Sie wohl eine Visitenkarte für mich? Ich würde mich freuen, wenn wir in Kontakt bleiben.“

  3. Flüchten Sie in eine andere Tätigkeit.

    Ein besonders kreativer Trick, um ein Gespräch zu beenden, ist die Flucht nach vorn. Geben Sie einen Grund an, warum Sie jetzt gleich etwas bestimmtes machen müssen (Essen, Trinken, auf die Toilette gehen) – und laden Sie Ihr Gegenüber ein, Ihrem Beispiel zu folgen (natürlich nicht beim Toilettengang!). Falls der nicht will, ist die Konversation höflich beendet; falls doch, können Sie sich immer noch im Getümmel verlieren oder das Gespräch verläuft irgendwann dabei im Sande.

    Beispiel: „Entschuldigung, aber ich bin kurz vor dem Verhungern. Geht es Ihnen genauso? Ich brauche jetzt ganz dringend ein paar Snacks vom Buffet. Wollen Sie mitkommen?“

  4. Seien Sie ehrlich.

    Ehrlichkeit hat oft etwas Entwaffnendes. Denn sie lässt keinen Raum für Spekulationen. Sagen Sie offen, dass Sie die Veranstaltung gerne noch nutzen würden, um weitere Anwesende kennenzulernen. Natürlich nicht gleich nach den ersten 60 Sekunden. Ein, zwei Takte sollten Sie mit Ihrem Gegenüber schon aushalten. Solange Sie höflich bleiben und nicht abweisend wirken, können Sie sich mit einem Lächeln entschuldigen und sagen, dass Sie gerne noch mit diesem oder jenem Besucher plaudern würden. Wichtig ist nur: Verzichten Sie auf jedwede Begründung. Die wirkt immer wie ein Schuldbekenntnis. Besser: Nennen Sie lieber einen konkreten Namen, mit wem Sie noch reden wollen.

    Beispiel: „Vielen Dank für das interessante Gespräch. Ich sehe da hinten gerade Frank Müller, wir wollten uns hier unbedingt treffen. Bitte entschuldigen Sie mich, es hat mich wirklich gefreut, Sie kennenzulernen!“

  5. Drehen Sie den Spieß herum.

    Wenn Sie das Gefühl haben, es wäre unfreundlich, das Gespräch zu beenden, dann drehen Sie den Spieß doch einfach um: Stellen Sie die Situation so dar, als würden Sie Ihrem Gesprächspartner gerade ein Ohr abkauen und Zeit stehlen. Und um ihm die Chance zu geben, sich wieder anderen Dingen oder Gesprächen zuzuwenden, ziehen Sie sich dezent zurück. Solange das nicht wie ein Fluchtversuch aussieht, wird er sich eher noch geschmeichelt fühlen.

    Beispiel: „Ich glaube, ich rede schon wieder zu viel. Es tut mir leid, ich habe Ihnen sicher schon genug Ihrer kostbaren Zeit gestohlen. Bitte entschuldigen Sie mich, ich lasse Sie jetzt auch wieder in Ruhe und danke Ihnen für das angenehme Gespräch.“

  6. Erweitern Sie den Gesprächskreis.

    Eine der besten Möglichkeiten, um ein Gespräch höflich zu beenden, ist gleichzeitig ein neues Gespräch für Ihren Gesprächspartner einzuleiten. Charmanterweise ist das nicht irgendwer (sonst wird der sich anschließend bei Ihnen bedanken), sondern jemand, von dem Sie glauben (oder wissen), dass er mit Ihrem bisherigen Gesprächsgenossen harmoniert. Womöglich, weil beide ein gemeinsames Interesse haben (oder gleich langweilig sind). So machen Sie nicht nur Fremde miteinander bekannt, es bietet Ihnen auch die Chance, sich elegant zurückzuziehen.

    Beispiel: „Oh, warten Sie mal: Da sehe ich gerade Peter Schmidt. Kennen Sie Herrn Schmidt schon? Nein, dann muss ich Sie unbedingt mal miteinander bekannt machen…“

    Für Gentleman mit weiblicher Begleitung gibt es zudem die dramaturgisch anspruchsvollere Variante „Held“: „Ich sehe gerade, meine Partnerin/Freundin/Frau steckt in Schwierigkeiten. Bitte entschuldigen Sie mich, Sie gab mir ein Signal, sie aus der Situation zu retten…“

  7. Bitten Sie darum, vorgestellt zu werden.

    Der obige Trick funktioniert übrigens auch anders herum. Versuchen Sie das Gespräch so lenken, dass Ihr Gegenüber eine andere Person im Raum erwähnt – idealerweise eine in Sichtweite. Seien Sie anschließend beeindruckt, dass Ihr Partner diese Person kennt und bitten Sie ihn bescheiden, ob er Sie beide nicht einander vorstellen könnte. Egal, ob Sie tatsächlich den Drang verspüren, diese Person kennenzulernen – schlechter werden kann das Gespräch jetzt auch nicht mehr. Und mit etwas Glück lernen Sie jemanden kennen, der das Gespräch unmittelbar spannender macht.

    Beispiel: „Ach, sagen Sie bloß: Sie kennen Susanne Mustermann persönlich? Meinen Sie, Sie könnten mich ihr mal vorstellen? Sie würden mir damit einen großen Gefallen tun. Ich glaube, Sie steht da drüben gerade…“

  8. Lassen Sie den anderen das Gespräch beenden.

    Und zwar gefühlt aus eigener Motivation. Okay, der Typ hat entweder Superkleber zwischen den Zähnen oder ist ein vielsagenden Profilneurotiker – aber das heißt ja nicht, dass Sie keinen Spaß mit ihm haben dürfen. Ihre Strategie lautet daher jetzt: sich unattraktiv machen. Verunsichern Sie ihn und unterbrechen Sie die Konversation immer wieder, um gleich darauf eine völlig aus der Luft gegriffene Anekdoten zu erzählen. Oder stellen Sie regelmäßig Rückfragen bei denen Sie ihn kategorisch missverstehen. Schon bald wird Ihr Gegenüber derjenige sein, der das Gespräch beenden will.

    Beispiel: „Interessant, dass Sie das gerade erwähnen. Das erinnert mich an meinen letzten Mallorca-Urlaub…“

Und falls gar nichts davon funktioniert und Sie auf jemanden treffen, mit dessen baldigem Abgang nicht mehr zu rechnen ist, hilft immer noch der Kerngedanke jedes Networking-Events: Prosten Sie dem Zeitgenossen mit Maulsperre zu und sagen Sie: „Ich glaube, es wird von uns erwartet, dass wir auf dieser Veranstaltung zirkulieren…“ Und tschüss.

[Bildnachweis: Sergey Nivens by Shutterstock.com]
17. September 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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