Der erste Eindruck: Was dabei wirklich zählt

Dem ersten Eindruck haftet oft eine unerträgliche Bedeutungsschwere an. Studien zufolge prägt er unser Urteil nach nur 100 Millisekunden. Danach steht laut Psychologie nahezu unveränderlich fest, wie wir eine Person einschätzen, ob wir sie sympathisch, kompetent oder glaubwürdig finden. Was aber prägt den ersten Eindruck? Worauf achten wir, was muss stimmen, damit wir andere mögen? Tipps und Studien mit teils überraschenden Antworten…

Erster Eindruck Psychologie Studien Praegen Einflussfaktoren

Erster Eindruck Definition: Wie schnell?

Der erste Eindruck ist die Bewertung einer unbekannten Person. Dieses erste Urteil oder Gesamtbild entsteht erstaunlich schnell: Zwischen 100 Millisekunden und maximal 30 Sekunden benötigen wir dafür. Der Eindruck selbst bildet sich aus zahlreichen Eindrücken, Merkmalen und Wahrnehmungen einer Person. Dazu zählen:

Kennen wir unser Gegenüber etwas besser, kommen die Erfahrungen mit diesem Menschen in der Vergangenheit, der soziale Status sowie dessen Kompetenz hinzu.

Der erste Eindruck ist oft richtig

Zwar prägt der erste Eindruck unser Urteil von einer Person nachhaltig. Die Bewertung steht jedoch auf wackligen Füßen: Die Genauigkeit des ersten Eindrucks variiert erheblich und hängt maßgeblich von der Menschenkenntnis und Wahrnehmung des Beobachters ab. Ein wirklich stimmiges Bild entsteht erst mit dem besseren Kennenlernen. Trotzdem ist der erste Eindruck erstaunlich oft richtig. Das liegt daran, dass unser Unterbewusstsein und die Amygdala (das „emotionale Gehirn“) mehr Informationen wahrnehmen und intuitiv verarbeiten können als das Bewusstsein.

Sensorische Reize beim ersten Eindruck wichtiger als Worte

Studien über die Macht des ersten Eindrucks gibt es inzwischen viele. Generelles Ergebnis: Was jemand sagt, der uns zum ersten Mal begegnet, spielt kaum eine Rolle. Gerüche, Stimme, Körpersprache haben die größere Bedeutung. Schon die Wirkung der Worte hängt zu 38 % von der Stimme ab – also von Tonfall, Betonung und Artikulation. 55 % machen wiederum Gestik und Mimik aus und nur 7 % beeinflusst der Inhalt selbst. Diese Zahlen gehen auf Studien des US‑Psychologen Albert Mehrabian aus dem Jahr 1967 zurück. Sie sind wissenschaftlich jedoch umstritten: Die Probandengruppe umfasste damals gerade einmal 20 Studenten. Die Tendenz aber stimmt: Sensorische Reize sind für den ersten Eindruck wichtiger als Worte!

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3 wichtige Effekte prägen unser Urteil

Tatsächlich spielen bei einer neuen Begegnung drei psychologische Effekte eine zentrale Rolle. Sie prägen maßgeblich unser Urteil über eine andere Person:

Erster Eindruck Primacy Halo Recency Effekt

  1. Primacy-Effekt

    Der „Primäreffekt“ ist ein Kurzzeitgedächtnis-Phänomen. Er sorgt dafür, dass erste Informationen höher bewertet werden und sie damit prägender sind als jene zwischendrin. Diese Dominanz des ersten Eindrucks wird auch „Vorrangeffekt“ genannt. Daher sollte etwa die wichtigste Aussage eines Vortrags immer am Anfang fallen und am Ende nochmal wiederholt werden.

  2. Halo-Effekt

    Entdeckt wurde dieses sozialpsychologische Phänomen vom amerikanischen Verhaltensforscher Edward Lee Thorndike. Der Halo-Effekt beschreibt einen Wahrnehmungsfehler, bei dem einzelne Eigenschaften einer Person so dominant auf uns wirken, dass sie einen überstrahlenden Gesamteindruck erzeugen („Halo“ = „Heiligenschein“). Das negative Gegenstück ist der Horn-Effekt: Hierbei reicht eine einzige negative Eigenschaft, ein falsches Wort – schon unterstellen wir unserem Gegenüber auch in anderen Bereichen Defizite. Jede Aussage wird dann auf die Goldwaage gelegt.

  3. Recency-Effekt

    Der „Rezenzeffekt“ ist das Gegenstück zum Primacy-Effekt. Kurz: Der letzte Eindruck bleibt ebenfalls enorm haften, denn er hallt nach. Deshalb spielt der Primacy-Recency-Effekt bei der Urteilsbildung – gerade bei neuen Kontakten – eine besonders prägende Rolle. Oder wie das Sprichwort sagt: „Der erste Eindruck zählt, der letzte bleibt.“⁣

Erster Eindruck Psychologie: Wie wirkt was?

Schauen wir uns den ersten Eindruck genauer an: Was prägt ihn vor allem? Interessanterweise ist es nicht ein einzelnes Merkmal. Beim ersten Eindruck spielen gleich mehrere Wahrnehmungen und Eindrücke eine prägende Rolle. Folgende Schlüsselreize haben die größte Bedeutung:

Lächeln beim ersten Eindruck

Lächeln verbindet. Untersuchungen von Chris Robert, einem Management-Professor an der Universität von Missouri-Columbia, konnten zeigen, dass lächelnde Menschen ihr Ansehen steigern. Wissenschaftler um Arnaud D’Argembeau wiederum stellten in ihren Studien fest: Wir erinnern uns an lächelnde Menschen besser – und bewerten diese auch positiver. Diese zweite Erkenntnis geht primär auf Alice Isen von der Cornell-Universität zurück. Ihre Studie zeigte: Lächelnde Kollegen sind beliebter und populärer – und werden öfter befördert.

Duft beim ersten Eindruck

Ob wir jemanden sprichwörtlich „gut riechen“ können, entscheidet tatsächlich unsere Nase. Besonders einflussreich sind hierbei die Haare: Ihre Duftoberfläche ist riesig und prägt den olfaktorischen ersten Eindruck am meisten. Vanille-Duft kommt laut Studien an der Northwestern University in Chicago besonders gut an. Werden die Duftspuren aber zu stark, büßen wir den Sympathiebonus wieder ein. Bei Studien von Robert Baron an der Purdue-Universität kam heraus: Im Bewerbungsgespräch stuften Personaler allzu stark parfümierte Kandidaten prompt als weniger intelligent und unfreundlicher ein.

Händedruck beim ersten Eindruck

Ein kräftiger Handschlag dauert nur 3-4 Sekunden. Auch er prägt aber den ersten Eindruck massiv mit: Als erste physische Interaktion aktiviert er diverse Hirnregionen – stärker als eine verbale Begrüßung. Das Wichtigste beim Händegeben: Der Handschlag muss fest und möglichst trocken sein. Laut Studien des Management-Professors Greg Stewart von der Universität von Iowa erzielen Betroffene damit die höchsten Sympathiewerte.

Blickkontakt beim ersten Eindruck

Halten Sie bei der ersten Begegnung möglichst oft Blickkontakt zu Ihrem Gegenüber! Insbesondere beim Handschlag und der Begrüßung. Augenkontakt zeigt Aufgeschlossenheit und Vertrauenswürdigkeit. Wer anderen in die Augen sieht, wirkt weniger bedrohlich und beweist Selbstbewusstsein. Beim Blickkontakt ist jedoch die Dauer entscheidend: Ab 3,3 Sekunden stellt sich bei anderen Unbehagen ein, so das Ergebnis von Studien um Alan Johnston vom University College London. Besser ist die sog. Dreiecksmethode:

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Kleidung beim ersten Eindruck

Während die Körpersprache im Gespräch schon mal wechselt, bleibt die Kleidung gleich. Entsprechend nachhaltig prägt sie den ersten Eindruck. Aus der Sympathieforschung ist bekannt, dass wir Menschen sympathischer finden, je mehr Gemeinsamkeiten es gibt. Bedeutet für die Kleidung: Ziehen Sie sich stets zum Anlass passend an! Im Bewerbungsgespräch sollten Sie sich deshalb unbedingt an den Dresscodes des Unternehmens orientieren.

Stimme beim ersten Eindruck

Unsere Stimme ist so unverwechselbar wie ein Fingerabdruck. Zugleich ist sie eine authentische und intime Visitenkarte unserer Persönlichkeit. Mithilfe der Stimme bestimmen wir enorm, wie wir auf andere Menschen wirken. Bereits Intonation und Atmung lösen Sympathien oder Antipathie aus. Tiefe Stimmen empfinden die meisten Menschen als angenehmer, ihre Träger gelten als souverän und kompetent. Piepsstimmen dagegen unterstellen viele „Unsicherheit“ oder „Inkompetenz“. Besondere Bedeutung hat die Indifferenzlage: Das ist der Grundton Ihrer Stimme. Nur wer regelmäßig um diesen Ton herumredet, wird von seinen Zuhörern als authentisch und selbstbewusst wahrgenommen. Finden lässt sich die Indifferenzlage, indem Sie an ein gutes Essen denken und ein wohliges „Mmmmmh“ summen.

Wortwahl beim ersten Eindruck

Sie begrüßen Ihr Gegenüber mit Namen, stellen sich kurz vor und beginnen mit Smalltalk. Für den ersten Eindruck ist jetzt weniger wichtig, was Sie sagen, sondern wie Sie es sagen: Sprechen Sie langsam und betont und legen Sie Begeisterung in Ihre Stimme. Damit gewinnen Sie sofort an Begeisterungs- und Überzeugungskraft. Positive Emotionen übertragen sich – und prägen wieder den Gesamteindruck. Achten Sie deshalb ebenso darauf, grammatikalisch korrekt und auf Hochdeutsch zu sprechen. Studien zeigen: Dialekt und Slang lassen Menschen weniger intelligent wirken – mit Ausnahme von regionalen Gesprächen, in denen die Mundart eine Gemeinsamkeit betont!

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Eindruck und Wahrnehmung: 2 Fragen stellt sich jeder

Die Psychologie des ersten Eindrucks lasse sich kompakt zusammenfassen, findet Susan Fiske von der Princeton-Universität. Sie sagt: „Wenn sich fremde Menschen das erste Mal begegnen, fragen sie sich insgeheim (und vielleicht nur unbewusst) exakt zwei Fragen:“

  1. Wie warmherzig ist dieser Mensch?

    Natürlich ist die Frage komplexer, als sie sich anhört. Dazu gehört etwa die Einschätzung, wie freundlich, hilfsbereit, sozial und vertrauenswürdig eine Person ist. Aber im Kern geht es darum: guter Mensch oder nicht?

  2. Wie kompetent ist dieser Mensch?

    Dabei wird binnen Sekunden entschieden, wie intelligent, klug, kreativ und nützlich der Kontakt für die Zukunft sein könnte. Noch knapper: Lohnt es sich, ihr oder ihm zuzuhören und eine Beziehung aufzubauen?

Das Besondere an Fiskes Studie ist: Die Wissenschaftlerin untersuchte das Phänomen des ersten Eindrucks über mehrere Kulturen, Anlässe und persönliche Situationen hinweg. Trotzdem ließ sich die erste Einschätzung, das erste Kennenlernen jedes Mal auf diese beiden Fragen reduzieren.

Erster Eindruck: Online beurteilen wir andere negativer

Auch wenn Sie sich redlich bemühen, Menschen unvoreingenommen und objektiv zu beurteilen, gelingt das nur selten. Am Anfang gewinnen Vorurteile, Stereotype und Klischees meist die Oberhand. Vor allem online: Laut einer Studie um Jeremy Biesanz von der Universität British Columbia bewerten wir Menschen online oftmals negativer als von Angesicht zu Angesicht. Massiven Einfluss hat dabei – wenig überraschend – das Profilbild. Das Forscherinnen-Duo Vivian Zayas (Cornell Universität) und Gül Günaydin (Middle East Technical University) stellte sogar fest, dass dieser erste Online-Eindruck auch noch dominiert, wenn wir die Person längst besser oder persönlich kennengelernt haben.

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Schlechter erster Eindruck: Was tun?

Mit dem ersten Eindruck kann man überzeugen, professionell und sympathisch wirken – oder auch nicht. Was aber tun, wenn Sie den ersten Eindruck verpatzt haben? Zugegeben, es ist nicht leicht, einen heftigen Fauxpas zu Beginn wieder auszugleichen oder Ihr Image zu retten. Ein paar Optionen aber bleiben noch:

  • Ziehen Sie sich nicht zurück

    Die Situation ist unangenehm, ja. Einen schlechten ersten Eindruck hinterlassen, will keiner. Flucht und Rückzug wären aber jetzt die komplett falsche Reaktion. Dadurch bekommt die erste Einschätzung nur mehr Zeit, um sich zu verfestigen. Wichtiger ist daher jetzt, die Kraft des zweiten Eindrucks zu nutzen: Zeigen Sie, dass Sie besser sind oder es besser können. Auch ein erster Eindruck ist nicht in Stein gemeißelt.

  • Liefern Sie eine glaubwürdige Erklärung

    Rechtfertigungen vom Typ „So bin ich eigentlich nicht!“ bringen nichts. Sie verstärken durch die Aussage und Wiederholung nur erneut das Gefühl und die erste Einschätzung. Besser wirkt dagegen eine glaubwürdige Erklärung. Waren Sie zum Beispiel unpünktlich, sollten Sie sich entschuldigen und kurz (!) erklären, woran es lag. Ist das nachvollziehbar, gibt man Ihnen auch eine zweite Chance.

  • Finden Sie Fürsprecher

    Noch besser ist, wenn nach einem verpatzten Ersteindruck andere positiv für Sie sprechen. Bei einem falschen Eindruck hat das Wort eines renommierten Fürsprechers deutlich mehr Gewicht als eigene Erklärungen. Erst recht, wenn der Fürsprecher respektiert und für seine Meinung geschätzt wird. Haben Sie etwa den ersten Eindruck im neuen Job bei den Kollegen versemmelt, kann der Chef diesen korrigieren, indem er die Kollegen an Ihre Stärken und den persönlichen Hintergrund erinnert.

Machen Sie sich dennoch bewusst: Auch wenn der erste Eindruck häufig als „unumstößlich“ gilt, kann er durch spätere Erfahrungen korrigiert werden. Wichtig ist, dass Sie bewusst und immer wieder reflektieren, wie Sie auf andere wirken, und diese Wirkung durch eine offenere Körpersprache, Blickkontakt, Selbstvertrauen und Authentizität stetig verbessern.


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