Zweite Chance bekommen: So geht’s

Eine zweite Chance kann man aus vielen Gründen benötigen: ein echter Patzer im Job, ein falsches Wort im Gespräch, ein unbedachter Fehler oder auch ein falscher Eindruck. Wenn etwas richtig schief gelaufen ist, haben Sie die erste Chance bereits verspielt, das Vertrauen ist geschädigt und Sie brauchen eine zweite Chance, um es wieder gut zu machen. Doch ist nicht jeder bereit, einfach so eine zweite Chance zu gewähren. Wie erhöhen Sie dann die Chance auf eine Begnadigung und Möglichkeit zur Wiedergutmachung? Und haben Sie überhaupt eine verdient? Was Sie tun können, wenn Sie eine zweite Chance bekommen wollen…

Zweite Chance bekommen: So geht’s

Anzeige

Zweite Chance: Warum wird Sie benötigt?

Vermutlich hat jeder schon einmal gedacht: Jetzt könnte ich eine zweite Chance wirklich gut gebrauchen. Nach einem Vorstellungsgespräch haben Sie kein gutes Gefühl, der Chef ist unzufrieden mit der Leistung im letzten Projekt oder im Privatleben ist ein erstes Date nicht gut gelaufen – die Situationen sind zahlreich und individuell.

Alle haben aber eine Gemeinsamkeit: Sie haben die erste Chance nicht genutzt und vertan. Eine zweite Chance wollen wir immer dann bekommen, wenn wir rückblickend unzufrieden sind und glauben, dass wir etwas hätten besser machen können. Der Wunsch ist das Ergebnis kritischer Selbstreflexion.

Dabei können verschiedene Dinge schief gelaufen sein, die mit der zweiten Chance korrigiert werden sollen:

  • Sie sind unter Ihren Möglichkeiten geblieben

    Frust über eigene Fehler und die Erkenntnis Das hätte ich besser machen können… sind häufige Gründe für den Wunsch nach einer zweiten Chance. Im Nachhinein ärgern Sie sich selbst und wollen zeigen, dass Sie es können. Gerade im Job erhoffen sich Mitarbeiter eine zweite Chance, wenn sie einen Auftrag verbockt haben – zwar nicht beim bereits beendeten Projekt, doch beim nächsten Mal.

  • Sie haben das Vertrauen verspielt

    Jemand hat sich auf Sie verlassen und Sie haben Ihre Versprechungen und Zusagen nicht eingehalten? Dann ist das Vertrauen nachhaltig geschädigt. Wer andere enttäuscht und deren Vertrauen verliert, bittet oft um eine zweite Chance, um zu zeigen, dass es ein einmaliger Ausrutscher war.

  • Sie konnten keinen guten ersten Eindruck machen

    Sie haben im falschen Moment etwas falsches gesagt oder haben das Gefühl, jemand hat einen völlig falschen ersten Eindruck von Ihnen gewonnen? Für einen schlechten ersten Eindruck reichen Millisekunden aus und selbst wenn Sie eine zweite Chance bekommen, lässt sich dieser nur schwer ändern und positiver gestalten.

Nicht selten kommen auch mehrere Faktoren zusammen. Machen Sie beispielsweise einen großen Patzer, nachdem Ihr Chef Ihnen den Auftrag bei einem wichtigen Kunden übergeben hat, bleiben Sie unter Ihren Möglichkeiten und verspielen gleichzeitig das Vertrauen bei Ihrer Führungskraft.

Verständlich, dass Sie eine zweite Chance bekommen wollen, um Ihren Ruf im Job zu reparieren – aber sind Menschen überhaupt bereit, eine zweite Chance zu gewähren?

Geben wir anderen eine zweite Chance?

Ein bekanntes Sprichwort lautet Jeder hat eine zweite Chance verdient. Dem stimmen in der Theorie die meisten Menschen zu, in der Praxis zeigt sich aber immer wieder: Es ist sehr schwierig, anderen eine echte zweite Chance zu geben.

Um bei Redewendungen zu bleiben: Ein gebranntes Kind scheut das Feuer, wer also bereits eine schlechte Erfahrung gemacht hat, wird umso vorsichtiger und blockt eher ab, als eine zweite Chance zu gewähren. Wir wollen nicht noch einmal enttäuscht werden, nachdem wir eine zweite Chance gegeben haben.

Leichter ist es, nur darüber zu reden. Das bestätigt auch das Ergebnis einer Studie an der Universität Hohenheim: 75 Prozent der Befragten gaben an, dass man gescheiterten Unternehmen eine zweite Chance geben sollte – gleichzeitig sagte aber fast die Hälfte, dass sie nur mit Vorbehalten bei einem gescheiterten Unternehmen bestellen und kaufen würden.

Ob jemand bereit ist, anderen eine zweite Chance zu geben, hängt dabei von mehreren Faktoren ab:

  • Persönlichkeit

    Der wohl entscheidendste Faktor ist die Persönlichkeit. Manche Menschen geben grundsätzlich keine zweite Chance und bleiben hart, wenn das Vertrauen einmal verspielt wurde. Andere vergeben schneller, häufiger und vertreten tatsächlich die Meinung, dass jeder eine zweite Chance bekommen sollte. Oft stehen hinter diesen Einstellungen persönliche Erfahrungen aus der Vergangenheit.

  • Fehlverhalten

    Ob es eine zweite Chance gibt, hängt maßgeblich vom vorangegangenen Fehler ab. War es eine Kleinigkeit oder trägt derjenige vielleicht nicht die volle Verantwortung, ist es leichter, ihm noch eine Chance zu geben. Bei schweren Vergehen haben Betroffene hingegen oftmals keine weitere Chance zu erwarten.

    Ein Fehler, durch den ein Auftrag verloren geht? Das schmerzt und verärgert den Chef, in der Regel gibt es aber eine zweite Chance, um sich zu beweisen. Hat ein Mitarbeiter hingegen in die Kasse gegriffen und das Unternehmen beklaut, wird es keine zweite Chance geben.

  • Zeit

    Manchmal braucht es Zeit, bis es eine zweite Chance gibt. Direkt im Anschluss ist der Ärger noch zu groß, die Emotionen kochen hoch und man ist nicht bereit, dem anderen noch eine Gelegenheit zu geben. Mit ein wenig Geduld gibt es diese aber vielleicht doch noch. Wenn Frust und Enttäuschung über den Fehler erst einmal verarbeitet wurden, steigt die Wahrscheinlichkeit auf eine zweite Chance.

  • Verhältnis

    Die Reaktionen zwischen Freunden fallen anders aus als zwischen Chef und Angestelltem. Auch macht es einen Unterschied, wie lange man sich schon kennt. Einem langjährigen Freund, den Sie schätzen und nicht verlieren wollen, geben Sie eher eine zweite Chance, als einem Kollegen, dem Sie nur selten im Büroflur über den Weg laufen.

Anzeige

Gute Gründe: Darum sollten Sie eine zweite Chance geben

Zunächst einmal gilt: Es ist nicht zwangsläufig etwas Schlechtes, wenn Sie einem anderen Menschen keine zweite Chance geben wollen. Es kann ebenso von hohen moralischen Standards zeugen.

Wer schummelt oder ein schlechtes Vorbild abgibt, hat vielleicht gar keine zweite Chance verdient. Hat gezeigt, dass auf ihn kein Verlass ist. Vielleicht wurden Sie sogar absichtlich ausgenutzt und getäuscht. Zudem warten da draußen noch so viele auf ihre erste Chance.

Eine verbreitete und nachvollziehbare Ansicht. Allerdings sollten Sie auf der anderen Seite nie vergessen: Vielleicht kommen Sie selbst einmal in die Situation, in der Sie eine zweite Chance brauchen und in der Sie sich ein wenig Barmherzigkeit wünschen.

Bevor Sie jede zweite Chance abwiegeln, haben wir deshalb vier gute Gründe, die dafür sprechen, es doch zu tun:

  • Laune

    Wissenschaftler konnten in mehreren Studien die sogenannte Emotional Context Insensitivity zeigen. Vereinfacht ausgedrückt: Unsere eigene Laune beeinflusst in hohem Maße, wie wir auch positive oder negative Situationen reagieren. Wenn Sie einen schlechten Tag haben und die Laune bereits im Keller ist, wurde vielleicht Ihr gesamter Eindruck von einer anderen Person getrübt.

    Durch Ihre Stimmung haben Sie Ihrem Gegenüber kaum Gelegenheit gegeben, seine erste Chance überhaupt zu nutzen. Ein guter Grund für eine zweite Chance, wenn sich Ihre Laune gebessert hat.

  • Unterschiede

    Wir identifizieren uns bevorzugt mit Menschen, die uns ähnlich sind. Zu Menschen die anders sind, bauen wir hingegen – oftmals – Barrieren auf. Dabei kann es um Aussehen, Geschlecht, Herkunft oder auch Ansichten und Meinungen zu bestimmten Themen gehen. Vielleicht haben Sie jemanden deshalb vorschnell verurteilt und abgelehnt.

    Eine zweite Chance geben bedeutet in diesem Fall, über die Unterschiede hinwegzusehen und sich nicht auf Stereotype und Vorurteile zu fokussieren. Wenn Sie sich auf die zweite Chance einlassen, erkennen Sie vielleicht zahlreiche Gemeinsamkeiten.

  • Beeinflussung

    Grundsätzlich gilt: Gerüchte, das Geschwätz und Geplapper anderer Leute hat Auswirkungen auf unser eigenes Urteil – auch wenn wir uns innerlich dagegen wehren. Ein Kollege warnt vor dem Teamleiter, der Chef vor einem penetranten Kunden, der Kunde vor einem unzuverlässigen Lieferanten.

    Ob es sich nun um wahrhaft wertvolle Tipps oder ungeprüfte Lügenmärchen handelt: Meist bleibt davon etwas bei uns hängen. Stellen Sie sich daher stets die Frage: Wurde mein erster Eindruck von Person XY vielleicht durch eine zweite Partei beeinflusst? Wenn das anscheinend der Fall war, ist eine zweite Chance meist gerechtfertigt. Erstens der Fairness halber und zweitens, um einen eigenen Eindruck zu gewinnen.

  • Kennenlernen

    Der erste Eindruck ist prägend, doch oftmals ist es der zweite Eindruck, der viel mehr über einen Menschen aussagen kann. Beim ersten Treffen herrschen oft Schüchternheit, Nervosität oder auch Angst. Nicht selten wird deshalb der erste Auftritt vermasselt und schon ist die Chance vertan. Geben Sie dem anderen hingegen eine zweite Chance, ist das Nervenkostüm meist deutlich gefestigter – man konnte sich schließlich schon etwas kennenlernen.

    Plötzlich wirkt der Gegenüber viel souveräner und sympathischer. Häufig ist die zweite Chance mit einer positiven Überraschung verbunden.

Anzeige

Zweite Chance bekommen: Mit diesen 5 Tipps

Es ist leicht, anderen eine zweite Chance zu verwehren – aber wie sieht es aus, wenn Sie selbst eine zweite Chance bekommen wollen? Im Job kann es um Ihre Karriere gehen, wenn der Chef nicht dazu bereit ist, Ihnen noch eine Chance zu geben. Plötzlich treten Sie nur noch auf der Stelle, bekommen nur noch unwichtige Aufgaben und schauen zu, wie die Kollegen sich hocharbeiten.

Wenn Sie Ihren Chef betrogen oder schwerwiegend hintergangen haben, wird es vermutlich schwierig, in diesem Job eine zweite Chance zu bekommen. Haben Sie hingegen einen Fehler gemacht und eine Aufgabe verbockt, können Sie einiges tun, um sich eine zweite Chance zu verdienen. Diese Tipps helfen dabei:

  • Lernen Sie aus Ihren Fehlern

    Am Anfang sollten Sie sich einige Fragen stellen: Was genau habe ich falsch gemacht? Wie hätte ich mich anders verhalten können und sollen? Welche Konsequenzen hat mein Fehler? Und wie kann ich es wieder gut machen? Wenn Sie eine zweite Chance bekommen wollen, müssen Sie aus Ihren vorangegangenen Fehlern lernen.

    Indem Sie die richtigen Schlüsse ziehen und in Zukunft umsetzen, erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit auf eine zweite Chance.

  • Kommunizieren Sie möglichst offen

    Der ehrliche Umgang mit den eigenen Fehlern und eine offene Kommunikation kommen bei den meisten Menschen gut an. Stehen Sie zu Ihren Fehlern, beschönigen Sie nichts und benennen Sie stattdessen klar, welche Lektionen Sie aus der Erfahrung mitnehmen.

    Zeigen Sie auch Empathie und erklären Sie, dass Sie den Ärger Ihres Gegenübers verstehen und seine Reaktion nachvollziehen können.

  • Glauben Sie weiterhin an sich

    Ein grober Patzer im Job lässt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten abrupt absacken – bei Vorgesetzten, Kollegen, Kunden aber vor allem bei sich selbst. Nur ganz Hartgekochte schüttelt ein Fehlschlag nicht innerlich durch, bei allen anderen nagt und knabbert es am Selbstvertrauen.

    Um eine zweite Chance bekommen zu können, müssen Sie weiterhin an sich selbst glauben und selbstbewusst bleiben. Sieht Ihr Chef, dass Sie sich innerlich aufgegeben haben, bekommen Sie sicherlich keine weitere Chance auf größere Verantwortung. Rufen Sie sich Ihre Stärken in Erinnerung und zeigen Sie sich und anderen, dass Sie es besser können. So überzeugen Sie auch den Chef davon, dass es eine gute Entscheidung ist, Ihnen eine zweite Chance zu geben.

  • Gehen Sie mit gutem Beispiel voran

    Sie bekommen nur dann eine zweite Chance, wenn Ihr Gegenüber nicht länger befürchtet, dass sich derselbe Fehler wiederholt und die zweite Chance ebenfalls verpatzt wird. Deshalb gilt: Zeigen Sie, dass es keinen Grund für diese Angst gibt. Beteuerungen bringen hier nicht viel, in erster Linie müssen Sie Ihre Taten sprechen lassen.

    Erledigen Sie alle Aufgaben gründlich, zeigen Sie sich verantwortungsbewusst und demonstrieren Sie, wie Sie die Erkenntnisse aus dem vorangegangenen Fehler nun in die Tat umsetzen. Sichtbare Veränderungen sind ein gutes Argument für eine zweite Chance.

  • Bleiben Sie geduldig

    Sie können niemanden dazu drängen oder zwingen, Ihnen eine zweite Chance zu geben. Üben Sie deshalb keinen Druck aus, sondern üben Sie sich in Geduld. Vielleicht bekommen Sie Ihre neue Chance nicht innerhalb von einem Tag – es kann aber schon reichen, wenn sie diese in einer Woche oder einem Monat bekommen.

    Und ganz wichtig: Wer eine zweite Chance bekommt, sollte nicht nur dankbar sein, sondern diese unbedingt nutzen. Noch eine werden Sie mit Sicherheit nicht bekommen.

[Bildnachweis: pathdoc by Shutterstock.com]
Anzeige
22. Mai 2020 Sebastian Wolking Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist freier Online-Redakteur. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.


Ebenfalls interessant:
Weiter zur Startseite