Verantwortung übernehmen: 4 Vorteile + 6 Tipps

Verantwortung ist ein zwiespältiges Thema. Mitarbeiter wollen mehr Verantwortung, Entscheidungen treffen und eigenständig handeln. Gleichzeitig führt die Frage „Wer ist dafür verantwortlich?“ zu kalten Schweißausbrüchen. Verantwortung übernehmen ist deutlich schwieriger, als diese nur zu haben – gerne mehr persönliche Freiheit, aber ohne die Gefahr, verantwortlich gemacht zu werden. Wirklich Verantwortung übernehmen zu können, bedeutet aber immer, Fehler einzusehen und Lösungen zu suchen…

Verantwortung übernehmen: 4 Vorteile + 6 Tipps

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Definition: Was heißt Verantwortung übernehmen?

Die Verantwortung zu haben bedeutet, eigenständig auch wichtige Entscheidungen treffen zu können. Sie müssen sich nicht erst die Erlaubnis einer anderen Person – im Job etwa des Vorgesetzten – holen, sondern dürfen das tun, was Sie für richtig halten. Damit einher gehen größere Handlungsspielräume und natürlich auch Macht.

Im Beruf bedeutet größere Verantwortlichkeit in der Regel auch einen Aufstieg. Unternehmen bezahlen ihre Mitarbeiter, Führungskräfte und Manager dafür, dass diese verantwortlich sind und im Sinne der Unternehmensziele entscheiden.

Verantwortung übernehmen beschränkt sich aber nicht auf Entscheidungen und Erfolge. Wer die Befugnisse hat, wird bei Fehlern und Rückschlägen zur Rechenschaft gezogen. Der Umgang mit negativen Konsequenzen ist somit ein mindestens ebenso wichtiger Teil der Verantwortlichkeit.

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Verantwortung: Ja, bitte. Aber nein, danke.

Mitarbeiter streben in allen Unternehmen nach einem größeren Verantwortungsspielraum. Gleichzeitig zeigt sich, dass längst nicht jeder dazu in der Lage ist. Gerade in kniffligen Situationen, die vom Normallfall abweichen, wird lieber hilfesuchend der Chef gefragt. Geht es dann schief, hat man nur auf Anweisung gehandelt – und die Verantwortung abgegeben.

Verantwortung gerne, aber bitte ohne verantwortlich gemacht zu werden. Ein Trend der heutigen Zeit: Niemand möchte, dass über seinen Kopf hinweg entschieden wird. Doch weisen wir jede Zuständigkeit von uns, sollte das Ergebnis nicht stimmen.

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Wir wollen nur die guten Seiten

Im Ursprung ist Verantwortung ein Zeichen von Respekt und Anerkennung. Der Chef sagt damit: „Ich trau dir das zu, du bist gut genug, das alleine in den Griff zu bekommen.“ Eine große Ehre und natürlich eine enorme Chance, sich im Unternehmen zu positionieren.

Diesen Teil sowie die zugehörigen Freiheiten im Job möchte jeder. Geht es um mögliche Konsequenzen, wird hingegen größtmöglicher Abstand gesucht, um sich unbeschadet aus der Affäre ziehen zu können.

Verantwortung als Mehraufwand

Hinzu kommt: „Verantwortung gilt oftmals als auferlegter Druck, ja fast schon als Bestrafung und lästige Mehrarbeit“, sagt Karrierecoach Bernd Slaghuis. Schauen Sie sich einmal im Kollegenkreis um. Was geschieht, wenn es im Meeting um die Frage geht „Wer kann für diese Aufgabe die Verantwortung übernehmen?“

„Häufig sind alle Team-Mitglieder schnell dabei, wenn sie mitreden und ihren Senf zu Diskussionen dazugeben können. Aber bloß nicht die Verantwortung übernehmen“, so Slaghuis weiter. Alle Blicke gehen sofort nach unten in der Hoffnung, dass dieser Kelch an einem vorbei geht.

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Vorteile der Verantwortlichkeit

Bei allen Bedenken gilt: Verantwortung bringt einige Vorteile. Vor allem dann, wenn Sie eben nicht nur die Rosinen herauspicken, sondern für Fehler einstehen und diese selbstständig beheben.

  • Sie steigen auf
    Mehr Verantwortung im Job ist oft die Vorstufe zu einer Beförderung. Wer sich bei einem erweiterten Verantwortungsbereich beweisen kann, empfiehlt sich für eine insgesamt höhere Position im Unternehmen.
  • Sie entwickeln sich
    Sie entwickeln neue Fähigkeiten, wenn Sie Aufgaben nicht nur übernehmen, sondern verantworten. Die Arbeitsweise verändert sich und Sie können sogar Ihr Selbstbewusstsein stärken.
  • Sie können Einfluss nehmen
    Wenn Sie nur ausführen, können Sie nichts verändern. Verantwortung ist immer auch die Chance, Einfluss zu nehmen. Durch Ihre Entscheidungen können Sie darauf einwirken, wie die Dinge erledigt werden.
  • Sie gelten als zuverlässig
    Besonders wichtig: Indem Sie erfolgreich Verantwortung übernehmen, bekommt der Chef einen sehr guten Eindruck von Ihnen. Auf Sie kann man sich immer verlassen und Ihnen wichtige Projekte anvertrauen.
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Ziehen Sie sich nicht aus der Verantwortung

Eine Situation, die es an jedem Arbeitsplatz gibt: Es wurde ein Fehler gemacht, dem Chef ist es aufgefallen – und keiner will es gewesen sein. Das gesamte Team ist plötzlich klein, leise und unauffällig. Natürlich möchte niemand für den Patzer gerade stehen und den Ärger abbekommen. Genau das ist jedoch der sicherste Weg, um den Chef noch mehr aufzuregen.

Sich vor der Verantwortung zu drücken, ist feige und unprofessionell. Ein „Ja, das habe ich verbockt, tut mir Leid – ich bin aber bereits an einer Lösung dran“ ist hingegen die richtige und beste Reaktion. Erwarten Sie keinen Freudentanz vom Chef, doch zeigen Sie so, dass auf Sie Verlass ist und Sie auch zu Fehlern stehen können.

Wer Verantwortung übernimmt, baut Vertrauen auf. Wer sich hingegen immer nur aus der Affäre zieht, andere den Kopf hinhalten lässt und jegliche Verantwortung von sich weist, macht sich nicht nur im Team unbeliebt, da alle anderen den Fehler ausbaden müssen, sondern zeigt auch, dass er nicht die nötige Größe besitzt.

Was Sprache über Verantwortung verrät

„Das konnte man ja gar nicht schaffen!“ Haben Sie einmal darauf geachtet, wann Sie selbst und auch Kollegen oder Freunde in Ihrer Umgebung von „Man“ und wann von „Ich“ sprechen? Geht es um etwas Negatives oder erwarten wir negative Konsequenzen, dann greifen viele Menschen gerne zum „Man“. Sprechen wir hingegen über persönliche Erfolge, heißt es plötzlich „Ich habe diese Aufgabe ganz alleine gelöst.“

Mit jedem „Man“ lenken wir von uns selbst und eigener Verantwortung ab. „Man müsste mal Toner für den Drucker bestellen.“ Die Botschaft dahinter: „Ich? Nein, ich bin dafür doch nicht verantwortlich! Ich sage ja nur, dass der bald leer ist. Wer es macht, das ist mir egal!“ Sie ahnen es, das ganze Team wird in ein paar Tagen nicht mehr drucken können. Schon durch die Sprache ziehen wir uns selbst aus der Verantwortung.

Verantwortung übernehmen: 6 Tipps

Es fällt Ihnen schwer, die Verantwortlichkeit zu übernehmen? Dann haben wir sechs Tipps, die Ihnen dabei helfen können:

  • Gestehen Sie sich Fehler zu
    Fehler sind menschlich und werden passieren. Akzeptieren Sie, dass nicht alles, was Sie tun, klappen und perfekt laufen kann. Diese Erkenntnis erleichtert es Ihnen, sich selbst Fehler zu erlauben und dafür einzustehen.
  • Machen Sie sich den Worst Case bewusst
    Wenn Sie sich aus Angst vor der Verantwortung drücken, sollten Sie sich fragen: Was könnte schlimmstenfalls passieren? Oft sind die Konsequenzen weit weniger schlimm, als befürchtet. Eine Standpauke vom Chef ist nicht angenehm, doch wenn Sie den Patzer ausbügeln schnell wieder vergessen.
  • Setzen Sie sich hohe Ziele
    Sie wollen mehr Verantwortung übernehmen? Dann brauchen Sie hohe Ziele. Geben Sie sich nicht mit dem zufrieden, was Sie im Job tun. Ein größerer Verantwortungsbereich kommt nur dann, wenn Sie sich dafür einsetzen.
  • Fordern Sie mehr Verantwortung ein
    Dazu gehört auch: Sprechen Sie Ihren Chef offen darauf an. Erklären Sie, dass Sie gerne mehr Verantwortung übernehmen wollen. Das zeit Selbstbewusstsein, Eigeninitiative und Motivation.
  • Treffen Sie endgültige Entscheidungen
    Reden Sie nicht lange um den heißen Brei herum und halten Sie sich kein Hintertürchen als Ausrede offen. Wenn Sie eine Entscheidung treffen, sollte diese endgültig sein. Setzen Sie Ihre Idee ganz genau so um, wie Sie es sich vorgestellt haben – dann sind Sie automatisch verantwortlich.
  • Informieren Sie sich
    Je besser Sie informiert sind, desto leichter ist es, die Verantwortung zu übernehmen – unabhängig vom Ergebnis. Sie müssen sich nicht endlos rechtfertigen, haben aber eine Erklärung, warum Sie so entschieden oder gehandelt haben.

Verantwortung: Sprüche und Zitate

  • „Wenn zwei verantwortlich sind, ist keiner verantwortlich.“ (Portugiesisches Sprichwort)
  • „Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimmst.“ (Dante Alighieri)
  • „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“ (Molière)
  • „Früher oder später müssen wir alle für unsere Taten bezahlen.“ (Oscar Wilde)
  • „Oft schieben wir anderen die Verantwortung für unsere Probleme zu.“ (Dalai Lama)
  • „Kannst du die Frage stellen: „Bin ich für mein Handeln verantwortlich oder nicht?“, so bist du es.“ (Fjodor Dostojewski)
  • „Mensch sein heißt verantwortlich sein.“ (Antoine de Saint-Exupéry)
  • „Wenn du nur nach Verantwortung und Gewissen handelst, und nicht nach Gedankenlosigkeit, bist du im Recht.“ (Albert Schweitzer)
  • „Es gibt keine Handlung, für die niemand verantwortlich wäre.“ (Otto von Bismarck)
  • „Die Verantwortung für sich selbst ist die Wurzel jeder Verantwortung.“ (Mong Dsi)

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[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]

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10. Januar 2021 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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