Karrierehemmnis: Arbeitsbienen werden nicht befördert

Sie schuften, übernehmen jede anfallende Aufgabe mit großer Motivation, bleiben auch länger, wenn es nötig ist und legen sich für Ihren Job mehr als 100 Prozent ins Zeug. Scheinbar die optimale Einstellung und beste Voraussetzungen, um endlich den nächsten beruflichen Schritt zu machen und befördert zu werden. Doch immer wieder geht diese an einen Kollegen, der doch eigentlich viel weniger leistet und gar nicht über Ihre Erfahrung verfügt. Ein Karrierehemmnis unter dem viele Leistungsträger leiden und das zu großem Frust führen kann. Doch warum werden ausgerechnet besonders gute Leistungen zum Karrierehemmnis – und was können Sie tun, um trotzdem endlich auf der Karriereleiter emporzusteigen?

Karrierehemmnis: Arbeitsbienen werden nicht befördert

Einsatzbereitschaft und gute Leistung als Karrierehemmnis

Egal, wo Sie suchen oder wen Sie fragen: Wenn es darum geht, sich für eine Beförderung zu qualifizieren, werden Sie wohl immer die gleichen Antworten bekommen. Übernehmen Sie die Verantwortung für Aufgaben oder gleich ganze Projekte und fallen Sie durch gute Leistungen, besonderes Engagement, Eigeninitiative und Verlässlichkeit auf.

Dahinter verbirgt sich die klassische Kombination für beruflichen Erfolg und wer in der Hierarchie aufsteigen will, muss dem Vorgesetzten natürlich auch beweisen, dass er wirklich mitbringt, was es dafür erfordert. Mit diesem Ziel vor Augen ackern viele Mitarbeiter über Monate oder manchmal sogar Jahre, um auf der Liste der Beförderungen endlich ganz oben zu stehen – nur um dann doch wieder übergangen zu werden.

Aber wie kann das sein? Ist der Chef mit den Leistungen etwa nicht zufrieden oder haben Sie nicht ausreichend unter Beweis gestellt, dass Sie nicht nur qualifiziert, sondern auch bereit sind, 120 Prozent zu geben und das Team fast im Alleingang zum Erfolg zu führen? Doch, das haben Sie – und zwar so gut, dass genau dieser Ehrgeiz und Ihre guten Leistungen nun zum Karrierehemmnis werden.

Was vollkommen widersprüchlich klingt, ist für viele Realität und einfach zu erklären. Ihr Chef steht vor der Entscheidung, jemanden aus seinem Team zu befördern. Natürlich denkt er dabei an Sie und weiß sehr genau, welchen Beitrag Sie leisten. Genau das ist die Crux dabei: Wenn er Sie befördert und Sie neue und andere Aufgabenfelder erhalten, geht damit auch der Leistungsträger des Teams verloren. Vielleicht nehmen Sie ihm sogar einige seiner Aufgaben ab, wodurch er weniger Stress hat und trotzdem beste Ergebnisse präsentieren kann.

So mancher Chef möchte darauf nicht verzichten und auch die Mühe, das entstehende Leistungsvakuum in der eigenen Abteilung wieder zu füllen, kann sich so erspart werden. Spricht das für Ihren Chef und zeugt von guter Führungsarbeit? Ganz sicher nicht, doch das Problem liegt trotzdem bei Ihnen, denn Sie werden sich wohl kaum damit abfinden wollen, für den Rest der Karriere – oder zumindest bis die Führungskraft wechselt – auf dieser Position festzustecken.

Karrierehemmnis: Schlechte Leistung ist keine Alternative

Karrierehemmnis Arbeitsbiene Beförderung LeistungMit zu guter Leistung stehen Sie einer Beförderung selbst im Weg? Dann scheint es die logische Konsequenz zu sein, die eigene Performance ein wenig zurückzuschrauben, nicht so sehr als Leistungsträger in Erscheinung zu treten und so doch noch bei der Auswahl in Betracht gezogen zu werden. Wirklich sinnvoll ist diese Strategie jedoch aus gleich mehreren Gründen nicht.

Zum einen kann dies nur funktionieren, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Es braucht einen anderen herausragenden Leistungsträger, der dem Chef auffällt – aber nicht befördert wird. Und das führt gleich zum zweiten Punkt. Es braucht auch den nötigen Chef, denn wenn Ihr Chef sich tatsächlich an guten Leistungen orientiert und diese honoriert, sind Sie plötzlich weit weg von der Beförderung, wenn Ihre Ergebnisse nur noch guter Durchschnitt sind.

Hinzu kommt, dass ein solches Vorgehen Sie vermutlich zutiefst unglücklich machen wird. Sie sind ehrgeizig, wollen es beruflich zu etwas bringen und es sich auch verdienen, wenn Sie aufsteigen. Durch solches Psychospielchen voran zu kommen mag Sie zwar ans Ziel bringen, doch entspricht das sicherlich nicht Ihrer Einstellung und Arbeitsweise.

Außerdem sollten Sie sich fragen: Wollen Sie wirklich Karriere in einem Unternehmen – und unter einem Chef – machen, wenn die Entscheidung für eine Beförderung bewusst gegen die beste Leistung getroffen wird? Das Gefühl zu haben, dass unverdient die Karriereleiter erklommen wird, während die besten Mitarbeiter feststecken, wird ebenfalls nicht zu Ihrer Zufriedenheit mit dem Job beitragen.

So überwinden Sie das Karrierehemmnis

Was also tun? Sich mit der Situation abfinden, hoffen, dass der Chef schnell einen neuen Job annimmt oder gleich selbst den Arbeitgeber wechseln? Letzteres kann eine Option sein, wenn keine andere Lösung funktioniert und Sie zunehmend das Gefühl haben, beim aktuellen Unternehmen trotz oder gerade wegen guter Leistungen Ihre beruflichen Ziele nicht erreichen zu können.

Es gibt aber auch andere Wege, um das Karrierehemmnis zu überwinden – und Ihre gute Leistung und den Fleiß und die Energie, die Sie in die Arbeit zu stecken mit der wohlverdienten Beförderung zu belohnen.

  • Machen Sie Ihre beruflichen Ziele klar

    Wenn Sie das Gefühl haben, dass der Chef Ihrem Aufstieg im Weg steht und Beförderungen an Ihnen vorbeigehen, weil der Chef Sie in seinem Team behalten will, sollten Sie mit offenen Karten spielen. Machen Sie deutlich, dass Sie auf eine Beförderung aus sind, mehr Verantwortung tragen wollen und größere Ziele haben, als auf der jetzigen Position realisierbar sind.

    Damit erhöhen Sie den Druck auf Ihren Vorgesetzten, der Sie nun nicht mehr einfach nur ignorieren kann. Auch zeigen Sie damit, dass Sie bereit für einen Jobwechsel sind, wenn der Chef weiterhin die berufliche Entwicklung verhindert.


  • Gehen Sie eine Hierarchieebene höher

    Ihr Chef denkt nur an sich selbst und will weiterhin von Ihrer Arbeit profitieren, da diese sein Arbeitsleben erleichtert? Dann überspringen Sie diese Stufe und wenden sich gleich an den nächsthöheren Posten. Oder anders formuliert: Sind die Entscheidungen Ihres Chefs nicht nachvollziehbar und Sie fühlen sich dadurch benachteiligt, wenden Sie sich gleich an seinen Chef.

    Die höhere Hierarchieebene ist oft eher dazu bereit, besonders talentierte Mitarbeiter und Leistungsträger zu fördern – schon um diese im eigenen Unternehmen zu halten und nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Meetings sind dabei gute Gelegenheiten, um nicht nur vor dem eigenen Chef, sondern auch vor höheren Positionen zu glänzen und von den eigenen Erfolgen zu berichten.


  • Sorgen Sie für einen Ersatz

    Solange Sie der einzige Leistungsträger im Team sind, fällt es Ihrem Chef umso schwerer, sich von Ihnen zu trennen. Dieses Problem können Sie umgehen, wenn Sie bereits frühzeitig damit beginnen, einen passenden Ersatz für die eigenen Leistungen und Aufgaben zu finden. Binden Sie einen Kollegen in Ihre Projekte und Entscheidungen ein, zeigen Sie ihm, worauf es ankommt und helfen Sie ihm dabei, auf Ihren Weggang vorbereitet zu sein.

    So ist die Lücke, die Sie hinterlassen, nicht allzu groß. Sie nehmen Ihrem Chef die Angst, Sie gehen zu lassen und erhöhen damit die Chance, dass Sie endlich die Beförderung bekommen, die Ihre Leistung schon längst überfällig gemacht hat.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
13. Februar 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!